Der 33. Höllengesang aus Dante Alighieris "Divina Commedia" - Canto 33 dell`inferno


Hausarbeit, 2008
26 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Inferno

3. Der 33. Gesang des Inferno
3.1 Ugolinos Monolog (Inferno 33, V1-78)
3.2 Ugolino und der `Contrapasso`
3.3 Dantes Fluch über Pisa und die Reise geht weiter (V79-118)
3.4 Bruder Alberigo (V118-157)

4. Hintergründe

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Das ist nicht Dante

Das ist eine Photographie von Dante.

Das ist ein Film, in dem ein Schauspieler auftritt, der vorgibt, Dante zu sein.

Das ist ein Film, in dem Dante Dante spielt.

Das ist ein Mann, der von Dante träumt.

Das ist ein Mann, der Dante heißt, aber nicht Dante ist.

Das ist ein Mann, der Dante nachäfft.

Das ist ein Mann, der sich für Dante ausgibt.

Das ist ein Mann, der träumt, er sei Dante.

Das ist ein Mann, der Dante zum Verwechseln ähnlich sieht.

Das ist eine Wachsfigur von Dante.

Das ist ein Wechselbalg, ein Zwilling, ein Doppelgänger.

Das ist ein Mann, der sich für Dante hält.

Das ist ein Mann, den alle, außer Dante, für Dante halten.

Das ist ein Mann, den alle für Dante halten, nur er selber glaubt nicht daran.

Das ist ein Mann, den niemand für Dante hält außer Dante.

Das ist Dante.“

(H. M. Enzensberger: Der Untergang der Titanic, S. 78, in: Eva Hölter, „Der Dichter der Hölle und des Exils“)

Eigentlich fing alles mit Beatrice an. Kurz vor seinem zehnten Lebensjahr, traf Dante Alighieri das Mädchen Beatrice, die Tochter Folco Portinaris, auf einer Straße in Florenz. Dante Alighieri, der Florentiner aus einer niederen Adelsfamilie, verliebte sich auf den ersten Blick so sehr in dieses Mädchen, dass er ihr `Bild` sein ganzes weiteres Leben lang in seinem Herzen behielt. Neun Jahre nach diesem Treffen sahen sich die beiden wieder und da Dante gerade mit einem Gedicht bekannt geworden war, grüßte ihn Beatrice zurück, als Anzeichen ihrer Huldigung. Ein paar Jahre später 1290 starb Beatrice erst 25 jährig, die inzwischen Simone de` Bardi geheiratet hatte.

Tief erschüttert über Ihren Tod, wurde Beatrice in Dante Alighieris Idee zu einer himmlischen Gestalt, die ihm ein neues, höheres Leben eröffnete. Er versprach sich selbst, für diese `himmlische` Beatrice so zu dichten, wie noch nie zuvor für eine Frau gedichtet worden war. Hieraus resultierte seine Idee zur göttlichen Komödie.[1] [2]

Gegenstand seiner Dichtung ist im wesentlichen die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Dante Alighieri wollte dem Leser die Moral des Christentums vermitteln. Die Menschen sollten zwischen Gut und Böse unterscheiden können sowie an die Existenz des Paradieses und eine Bestrafung durch die Hölle glauben. In seiner Divina Commedia beschreibt er das Seelenleben der Menschen nach dem Tod. In Dante Alighieris Vorstellung ist das Jenseitsreich in drei sphärische Räumlichkeiten unterteilt, die ebenfalls Teil von Gottes Schöpfung sind (wie die Erde mit ihren Menschen).[3]

Dante sah die Erde, wie im ptolemäischen Weltbild, als Kugel in der Mitte des Universums. Die Erde war seiner Meinung nach das feststehende Zentrum, um welches die neun Himmel, Mond-, Merkur-, Venus-, Sonne-, Mars-, Jupiter- und der Saturnhimmel, kreisen. Danach folgten der Fixsternhimmel und noch weiter der Kristallhimmel, der seine Drehbewegungen direkt aus dem Ort der Gottheit übernimmt und an die anderen Himmel weiterleitet. Ganz außen, quasi als Abschluss, über allen Himmelskreisen befindet sich das Empyreum, der Feuerhimmel und Ort Gottes, der das ganze Universum in Bewegung hält.

Unter Einbezug all dieser Aspekte könnte man die Divina Commedia auch als ein Lehrwerk betrachten.

Die folgende Ausarbeitung bezieht sich gezielt auf den 33. Gesang des Inferno. Auf die Person Dante Alighieris sowie auf das Gesamtwerk, die Divina Commedia, wird nicht näher eingegangen. Innerhalb dieser Ausarbeitung werden beide Begriffe, `das Inferno` (italienisch) und `die Hölle` (deutsche Übersetzung), nebeneinander benutzt. Sie haben jeweils die gleiche Bedeutung und werden willkürlich eingesetzt. Um weiter zu kennzeichnen, ob es sich um den Autor Dante Alighieri handelt oder um die literarische Figur Dante, wird der Autor Dante immer als Autor oder als Dante Alighieri bezeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild: Petrocchi, Giorgio „L ´Inferno di Dante”

2. Das Inferno

Nach Dantes Vorstellung entstand das Inferno (die Hölle) durch einen Sturz des Erzengels Gabriel, der, weil er sich gegen Gott aufgelehnt hatte, vom Himmel herab auf die Erde fiel.

Durch den Aufprall des Engels auf die Erde entstand an der Nordhalbkugel ein trichterförmiger Krater ins Erdinnere. Dieser Trichter besteht aus 9 begehbaren Kreisen (siehe Abbildung oben) und endet erst am Erdmittelpunkt, wo Gabriel, der nun Luzifer heißt, für alle Ewigkeiten feststeckt. Um Luzifer herum haben sich im Moment seines Einschlages die Erdmassen zurückgezogen. Die Erde `floh` quasi vor diesem Verstoßenen und türmte sich auf der Gegenüberliegenden Seite (Südhalbkugel) zum Purgatorium (Läuterungsberg) wieder auf. Das Purgatorium liegt gegenüber von Jerusalem, das als Nabel der Welt galt. In Dante Alighieris Divina Commedia durchwandert Dante alle diese Orte; die Hölle, den Läuterungsberg und das Paradies. Der Wanderer Dante beginnt seine Reise mit 35 Jahren. In der Bibel dauert ein Menschenleben 70 Jahre. Demnach befindet sich Dante beim Antritt seiner Reise in der Mitte seines Lebens. Seine Reise ergibt sich eigentlich aus einer Verirrung:

„Nel mezzo del cammin di nostra vita

mi ritrovai per una selva oscura

che la diritta via era smarrita.”

(„Divina Commedia“, Inferno XXXIII. Biblioteca Economica Newton, Roma 2006, S. 31, V1-3)

„Mit dieser Verirrung hat Dante selber erlebt, was Hölle ist. Denn Hölle ist kein von außen kommendes Schicksal, keine von fremder Instanz verhängte Strafe. Sie kommt aus dem Innersten des Menschen. Die Verirrung selber ist Strafe, die Sünde selber wird Verhängnis. Der Mensch kommt nicht mehr los von seiner Gier, in seinem Haß, in seinem Trotz festgefahren. Hölle ist auf ewig erstarrte Richtungslosigkeit.“[4]

Auf seiner weiteren Reise gelangt Dante zuerst in die tiefsten Tiefen des Inferno, steigt dann wieder hinauf, bis auf den Läuterungsberg, und erreicht schließlich unter Beatrices Begleitung das Paradiso (den Himmel). Das Inferno ist der Ort, in dem die Sünder der Erde ihre Strafen verbüßen. Je tiefer ein Sünder auf den 9 Höllenkreisen, die mit der Tiefe immer enger werden, in das Inferno verbannt wird, umso größer war seine Sünde, die er auf der Erde begangen hat, und umso härter wird auch seine Strafe.[5] [6] [7]

Dantes Reise in die Höllenwelt beginnt und er befindet sich zunächst in völliger Dunkelheit, weshalb er nichts um sich herum erkennen kann. Er hört nur schreckliches Schreien und Seufzen, kann aber nicht ausmachen, woher diese Geräusche kommen.

Die Höllenfinsternis kann man auch als gleichbedeutend für die Sünde sehen. Das Dunkle bildet hier den Gegensatz zum Licht, welches ein Symbol für die Göttlichkeit ist.

„(...) Dennoch gibt es in diesem Dunkel einen Rest an Sichtbarkeit, da die Hölle der virtuelle Ort des göttlichen Lichts ist. (...)“

( Katharina Münchberg, „Dante - die Möglichkeit der Kunst“. Universitätsverlag Winter GmbH, Heidelberg 2005, S. 47)

Alle Strafen, welche den verdammten Seelen in der Hölle auferlegt werden, entspringen dem Grundprinzip der Rache Gottes. Die Art der jeweiligen Strafe entnahm Dante Alighieri der mittelalterlichen Idee des `contrapasso`, die Gleiches mit Gleichem vergalt. Zum Beispiel wurde einem Dieb die Hand oder einem falschen Zeugen die Zunge abgehackt. Diese Form der Rache hat Dante, der Autor, in seinem Inferno noch erweitert, indem er vielfältige Möglichkeiten darstellt oder auch einen Kontrast zur jeweiligen Sünde bildet. So müssen zum Beispiel die Mörder im kochenden Blutstrom des Phlegeton (Inferno XII) büßen. Die Wahrsager dagegen, da sie in die Zukunft schauen wollten, `was ja eigentlich Gott vorbehalten ist`, haben den Kopf umgekehrt aufgesetzt und müssen deshalb immer rückwärts blicken (Inferno XX). Neben all diesen Sündern gibt es in Dantes Inferno viele Wesen aus der christlichen oder antiken Mythologie. Sie nehmen unterschiedliche Funktionen innerhalb des Strafsystems der Hölle ein. In allen Höllenkreisen, außer im ersten Höllenring, im Limbus, sind sämtliche Strafen physischer Art.[8]

Im Limbus leiden die Ungläubigen, die zu Lebzeiten auf der Erde heidnisch oder andersgläubig waren, unter ständigem unerfülltem Sehnen nach Gott. Dies ist also im Gegensatz zu allen weiteren Höllenringen eine Strafe psychischer Natur.

„Der eigentliche Schrecken der Danteschen Hölle besteht jedoch in der Ewigkeit der vollzogenen Rache: die Leidenschaften der Sünder bestehen in alle Ewigkeit fort, unaufhörlich gefolgt von ständig neuer, unerbittlicher Bestrafung.“

(Die Göttliche Komödie, Reclam. Stuttgart 2001, S. 549)

[...]


[1] Vgl.: Die Göttliche Komödie, Reclam. Stuttgart 2001, S. 535

[2] Vgl.: Theophil Spoerri, „Dante und die europäische Literatur“. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1963. S. 11 ff

[3] Vgl.: Die Göttliche Komödie, Reclam. Stuttgart 2001, S. 547

[4] Vgl.: Theophil Spoerri, „Dante und die europäische Literatur“. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1963, S. 31

[5] Vgl.: Ulrich Prill, „Dante“. Verlag J. B. Metzler. Stuttgart/Weimar 1999, S. 128 ff

[6] Vgl.: Die Göttliche Komödie, Reclam. Stuttgart 2001, S. 547

[7] Vgl.: Fritz R. Glunk, „Dantes göttliche Komödie“. Piper Verlag, München 1999, S. 24 ff

[8] Vgl.: Die Göttliche Komödie, Reclam. Stuttgart 2001, S. 548 ff

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Der 33. Höllengesang aus Dante Alighieris "Divina Commedia" - Canto 33 dell`inferno
Hochschule
Universität Kassel
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
26
Katalognummer
V140914
ISBN (eBook)
9783640509799
ISBN (Buch)
9783640509744
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dante, Alighieri, Divina Commedia, Die göttliche Komödie, Inferno, Hölle, Canto 33, Gesang 33, Ugolino, Alberigo, Contrapasso, Monolog, Gherardesca, Hungerturm, Tolomeagrube, Höllenkreis, Branca, Doria, Teufel, Ruggieri
Arbeit zitieren
Corinna Baspinar (Autor), 2008, Der 33. Höllengesang aus Dante Alighieris "Divina Commedia" - Canto 33 dell`inferno , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140914

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