Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Political Systems - Germany

Die Einführung direktdemokratischer Verfahren auf der Bundesebene

Verfassungspolitische Aspekte Pro und Contra

Title: Die Einführung direktdemokratischer Verfahren auf der Bundesebene

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 20 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Ralf Huisinga (Author)

Politics - Political Systems - Germany
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Seit den 1970er Jahren kam es vermehrt zur Kritik an dem repräsentativen System in Deutschland. Zu diesem Zeitpunkt setzte ebenfalls ein Nachlassen der Integrationskraft bei den großen Volksparteien ein. Auf der Suche nach neuen Wegen der Partizipation orientierten sich die Bürger anderweitig. Ein Rückgang der bis dahin festen Wählerklientel war die Folge. Häufig beklagt wurde seitdem der zunehmende Vertrauensverlust in die Parteien seitens der Bürger. Wörter wie Vertrauenskrise
oder auch Systemverdrossenheit tauchen in diesem Kontext auf. Als
eine mögliche Antwort auf diese Probleme wird seither regelmäßig die Einführung direktdemokratischer Elemente als Ergänzung des repräsentativen Systems propagiert.
Doch was verstehen wir unter direkter Demokratie? Bevor ich näher
auf den Aufbau der Arbeit eingehen werde, ist es sinnvoll, den Begriff zunächst zu definieren. Die direkte Demokratie kann auf zweierlei Art verstanden werden. Zum einen ist in ihr das Gegenstück der repräsentativen Demokratie zu sehen, wenn davon ausgegangen wird, dass sie eine demokratische Herrschaftsform ist,
bei welcher die politische Macht allein durch das Volk ausgeübt wird und nicht durch eine weitaus geringere Anzahl von Repräsentanten. Das oberste Gebot ist, dass der Wille des Volkes ohne Umwege zu politischen Entscheidungen führt. Dieses Verständnis soll jedoch nicht dieser Arbeit zugrunde liegen. Bestimmend ist die Bedeutung direkter Demokratie als ein politisches Entscheidungsverfahren. Als ein Mittel, welches den Bürgerinnen und Bürgern abgesehen von den Wahlen in Form von Volksabstimmungen die Möglichkeit eröffnet, selbständig politische
Belange zu entscheiden. Unter diesem Gesichtspunkt spricht nichts gegen eine Verwendung direkter Demokratie als Ergänzung des repräsentativen Systems.
In dieser Arbeit möchte ich deshalb darauf eingehen, inwieweit die Angebote der direkten Demokratie eine Lösung der existierenden Defizite darstellen können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Defizite des repräsentativen Systems

2.1 Machtausbau vs. Legitimität

2.2 Parteienwettbewerb vs. Bürgernähe

2.3 Komplexität der Problemfelder vs. Partizipation der Bürger

3. Die direktdemokratischen Instrumente und deren Wirkung im Überblick

4. Erfahrungen aus der Praxis

4.1 Erfahrungswerte aus der Schweiz

4.2 Erfahrungen aus den deutschen Bundesländern

5. Ist die direkte Demokratie auf Bundesebene eine Lösung der Probleme

5.1 Standpunkte innerhalb der Debatte

5.2 Was spricht für und was gegen die direkte Demokratie

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die verfassungspolitische Debatte über die Einführung direktdemokratischer Verfahren auf Bundesebene in Deutschland. Ziel ist es zu analysieren, ob und inwieweit solche Elemente als Antwort auf die wahrgenommenen Defizite des bestehenden repräsentativen Systems dienen können, ohne dessen Funktionsfähigkeit zu untergraben.

  • Analyse der Defizite des repräsentativen Systems (Legitimität und Bürgernähe).
  • Untersuchung verschiedener direktdemokratischer Instrumente (Referenden, Initiativen).
  • Vergleich der Praxiserfahrungen in der Schweiz und deutschen Bundesländern.
  • Diskussion über Pro- und Contra-Argumente im Kontext der Bundespolitik.
  • Bewertung der Auswirkungen auf Parlamentarismus und Parteienwettbewerb.

Auszug aus dem Buch

3. Die direktdemokratischen Instrumente und deren Wirkung im Überblick

Nachdem ich auf die Probleme des repräsentativen Systems eingegangen bin, möchte ich jetzt auf die Vor- und Nachteile direkter Demokratie eingehen. Dazu ist es zweckmäßig zu Beginn genauer auf die Unterscheidung und Wirkungsweise der einzelnen Instrumente zu schauen.

Nach Kranenpohl lassen sich drei große Gruppen bei den direktdemokratischen Instrumenten unterscheiden. Das sind a) die obligatorischen Referenden, b) die kassatorischen Referenden und c) die Initiativen.20

a) Bei dem obligatorischen Referendum geht es darum, dem Volk ein bereits im Vorfeld vom Parlament verabschiedetes Gesetz zur Abstimmung zu unterbreiten. Das Gesetz kann erst Inkrafttreten, wenn die Mehrheit der Bürger zugestimmt hat.21 Da das obligatorische Referendum automatisch ausgelöst wird, sind die Gefahren einer Beeinflussung oder Manipulation eher als gering einzuschätzen. Natürlich können Parteien hier ihr Mobilisierungspotenzial ausschöpfen und so auf den Ausgang der Abstimmung einwirken. Diese Möglichkeit besitzen sie aber auch bei allen anderen direktdemokratischen Instrumenten.22

b) Einen kassatorischen Charakter besitzt das fakultative Referendum. Es entspricht einer Vetoinitiative vonseiten der Stimmbürger. Durch einen Antrag kann ein bereits beschlossenes Gesetz nochmals dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden. Hier eröffnet sich die Möglichkeit des Widerrufs und somit zum nachträglichen Scheitern eines Gesetzes.23 Ebenfalls denkbar sind die Varianten eines fakultativen Referendums auf Initiative der Opposition also der Minderheit des Parlaments oder aber auch auf Initiative der Regierung bzw. Parlamentsmehrheit. Der Opposition wird dadurch ein zusätzliches Instrument in die Hand gegeben, welches ihre Handlungsfähigkeit stärken kann. Für die Parlamentsmehrheit eröffnet sich so die Chance, bestimmte Entscheidungen an das Volk weiterzuleiten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die zunehmende Kritik am repräsentativen System und führt in die Fragestellung ein, ob direkte Demokratie eine Lösung für bestehende Defizite bieten kann.

2. Die Defizite des repräsentativen Systems: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen für den Vertrauensverlust gegenüber Parteien, den Machtausbau zu Lasten der Bürgernähe und die zunehmende Komplexität politischer Problemfelder.

3. Die direktdemokratischen Instrumente und deren Wirkung im Überblick: Der Abschnitt klassifiziert die verschiedenen Formen der direkten Demokratie wie Referenden und Initiativen und erläutert ihre jeweilige Funktionsweise.

4. Erfahrungen aus der Praxis: Hier werden die positiven und negativen Erfahrungen mit direkter Demokratie in der Schweiz und in den deutschen Bundesländern gegenübergestellt.

5. Ist die direkte Demokratie auf Bundesebene eine Lösung der Probleme: Das Kapitel diskutiert die Standpunkte in der Debatte und wägt die theoretischen Vor- und Nachteile einer Einführung auf Bundesebene ab.

6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Ambivalenz einer Einführung sowie die Notwendigkeit, institutionelle Schranken zu wahren.

Schlüsselwörter

Direkte Demokratie, Repräsentative Demokratie, Bundesebene, Volksentscheid, Volksinitiative, Parteienwettbewerb, Legitimität, Bürgerpartizipation, Referendum, Reformpolitik, Parlamentarismus, Vetospieler, Schweiz, Grundgesetz, politische Beteiligung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Debatte um die Einführung direktdemokratischer Verfahren auf Bundesebene in Deutschland als Ergänzung zum repräsentativen System.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Legitimitätskrise der Parteien, die Auswirkungen direkter Demokratie auf den Parlamentarismus und der Vergleich zwischen verschiedenen demokratischen Modellen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu ergründen, ob direkte Demokratie die bestehenden Defizite des politischen Systems beheben kann oder ob sie neue Gefahren für den politischen Prozess birgt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse, die Literaturrecherche, den Vergleich von Praxiserfahrungen (Schweiz vs. deutsche Bundesländer) und die Bewertung verfassungspolitischer Argumente kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Systemdefizite, definiert die Instrumente (Referendum, Initiative), prüft empirische Daten aus der Praxis und diskutiert die verfassungspolitische Debatte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich vor allem mit den Begriffen direkte Demokratie, Repräsentation, Volksgesetzgebung, Legitimität und Parteienwettbewerb beschreiben.

Warum lassen sich Erfahrungen aus der Schweiz nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen?

Deutschland ist als Konkurrenzdemokratie aufgebaut, während das Schweizer System eine Konkordanzdemokratie darstellt; daher unterscheiden sich die politischen Rahmenbedingungen grundlegend.

Was ist das größte Problem bei der Einführung direktdemokratischer Initiativrechte?

Das Hauptproblem liegt in der Gefahr, dass der Parteienwettbewerb durch den Konsenszwang zum Erliegen kommt und dass gut organisierte Minderheiten ihre Interessen auf Kosten der Mehrheit durchsetzen könnten.

Welchen Stellenwert haben Quoren bei direktdemokratischen Instrumenten?

Quoren dienen als notwendige Schranke, um einen maßvollen Gebrauch der Instrumente sicherzustellen und einen Missbrauch durch interessengeleitete Minderheiten zu verhindern.

Excerpt out of 20 pages  - scroll top

Details

Title
Die Einführung direktdemokratischer Verfahren auf der Bundesebene
Subtitle
Verfassungspolitische Aspekte Pro und Contra
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Hauptseminar "Direkte Demokratie"
Grade
2,3
Author
Ralf Huisinga (Author)
Publication Year
2008
Pages
20
Catalog Number
V140923
ISBN (eBook)
9783640479832
ISBN (Book)
9783640480029
Language
German
Tags
Einführung Verfahren Bundesebene Verfassungspolitische Aspekte Contra
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ralf Huisinga (Author), 2008, Die Einführung direktdemokratischer Verfahren auf der Bundesebene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140923
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  20  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint