Avantgarde als Bluff. Zur Kritik von H. M. Enzensberger an der Verbündung von Avantgarde und „Bewusstseinsindustrie“


Hausarbeit, 2009

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Enzensbergers Grundbestimmungen der „Aporien der Avantgarde“
2.1 Ansatz und Gang der Argumentation
2.2 Die Kritik der „Bewusstseinsindustrie“
2.2.1 Enzensbergers Begriff der „Bewusstseinsindustrie“
2.2.2 „Bewusstseinsindustrie“ und „Kulturindustrie“

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Hausarbeit „Avantgarde als Bluff. Zur Kritik von H. M. Enzensberger an der Verbündung von Avantgarde und „Bewusstseinsindustrie“ soll die Rolle der Avantgarde im Bezug auf ihre Verbündung mit der „Bewusstseinsindustrie“ untersuchen. Hierbei soll Enzensbergers Essay „Die Aporien der Avantgarde“1 im Vordergrund der Betrachtung stehen, da dieses die Verbindung der Avantgarde mit der „Bewusstseinsindustrie“2 darlegt. Die „Bewusstseinsindustrie“ ist eine Metapher Enzensbergers und lässt sich auf Adornos und Horkheimers Begriff der „Kulturindustrie“3 zurückführen. Aus diesem Grunde wird der Begriff der „Kulturindustrie“ kurz ausgeleuchtet werden, um zu zeigen, inwiefern sich Enzensberger auf Adorno und Horkheimer bezieht. Abschließend soll dargelegt werden, inwiefern Enzensbergers Kritik an der Avantgarde überzeugt.

Der Begriff der Avantgarde umfasst eine Vielzahl von gesellschaftlichen, kulturellen, sozialen und politischen Bedeutungen und steht in erster Linie für grundsätzliche Veränderungen im weitesten Sinne. Avantgarde ist die Artikulation eines gesellschaftlichen, politischen und ästhetischen Fortschritts. Die Innovationskraft und Kreativität der Avantgarde sind aus den Utopien der Sozialphilosophie entstanden, wobei die künstlerischen Avantgarden dabei gemeinsamen Tendenzen, wie die der Verzeitlichung und der Bewegung des Fortschritts, der Kritik an der Gesellschaft und der Selbstreflektion, folgen.

So intendieren die Avantgardisten eine Aufhebung der Kunst im Sinne einer Überführung in Lebenspraxis und negieren die für die autonome Kunst wesentlichen Bestimmungen.4

Innovation und Provokation sind kennzeichnend für die künstlerische Avantgarde und bieten ebenso den Ansatz der Kritik an ihr. Unter diesen Gesichtspunkten soll nun Enzensbergers Kritik an der Avantgarde untersucht werden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Grundbestimmungen dieser Kritik in den „Aporien der Avantgarde“. Mit der Anordnung der einzelnen Kapitel verbinden sich folgende Ziele und Thesen.

Zunächst wird die These entfaltet und belegt, dass für Enzensberger die Verschwisterung von Utopie und Totalitarismus Ansatz seiner Argumentation ist. Im weiteren wird die „Bewusstseinsindustrie“ untersucht werden, um aufzuzeigen, dass Enzensbergers Kernthese der Kritik, die Avantgarde sei ein Bluff aufgrund ihrer Verbündung mit der „Bewusstseinsindustrie“ in einem engen Zusammenhang mit der Kritik der „Kulturindustrie“ von Horkheimer und Adorno steht. Anschließend soll dargelegt werden, inwiefern sich Enzensbergers Kritik und Adornos Kulturkritik aufeinander beziehen. Abschließend soll geprüft werden, inwiefern Enzensbergers Kritik an der Avantgarde überzeugt und was sich daraus ergibt.

2. Enzensbergers Grundbestimmungen der „Aporien der Avantgarde“

Die Grund-Aporie (gr. aporie = Ausweglosigkeit)5 der Avantgarde ist für Enzensberger die Avantgarde als solche, im weitesten Sinne. Die einzelnen Aporien finden sich im Begriff der Avantgarde, ihren Voraussetzungen und ihren Attitüden.6 Sein Essay ist somit der dialektische Ansatz seiner kritischen Untersuchung der Avantgarde. Der Verschwisterung von Utopie und Totalitarismus in der Avantgarde, folgt stringent die Verbündung der Avantgarde mit der „Bewusstseinsindustrie“ als Verdeckung der Aporien einerseits und andererseits der Offenlegung der Aporien im Scheitern der Avantgarde und in der Demaskierung der Avantgarde als Bluff.

2.1 Ansatz und Gang der Argumentation

Ansatz der Argumentation ist die Begriffserklärung des Begriffes Avantgarde als Utopie einerseits und andererseits die Kritik, die Enzensberger der Begriffserklärung direkt gegenüberstellt, als den Totalitarismus. Die Begriffserklärung erfolgt anhand dieser Gegenüberstellung von progressiver Kritik als Standpunkt des Kritikers Enzensbergers innerhalb der pluralistischen Gesellschaft des Westens und reaktionärer Kritik personifiziert in Lukás als Vertreter des Totalitarismus, innerhalb des totalitären Systems des Ostens, mit seinem Buch: „Wider den missverstandenen Realismus“7 und der Avantgarde Lenins.

Der kritische Begriff der Avantgarde wird fahrlässig und unreflektiert benutzt und ist eine ahistorische Worthülse mit Verjüngungscharakter. Sie umgibt der „Schein der zeitlosen Symmetrie“8 des Alten und des Neuen. Bei Lukás tritt das „Pathologische“ in den Vordergrund.9 Enzensberger kritisiert hier den sozialistischen Realismus als Zwangskunst innerhalb eines totalitären Regimes, das Kitschcharakter annimmt aufgrund des staatlich verordneten „Kunstwollens“.10

Enzensbergers erster Teil der Begriffsklärung des Compositums Avantgarde „avant“ zeigt die militärische Bedeutung, die räumliche Darstellung einerseits und andererseits das zeitliche Pendant in der Metapher der Avantgarde in den Künsten. Die Künste sind ein „voranschreitender Prozess […], an dem jedes einzelne Werk teilhat“.11 Dieser Prozess ist eindeutig in seiner Richtung festgelegt, so nehmen Gros, Vorhut und Nachhut verschiedene Positionen ein. Verbunden ist der Begriff mit der Vorstellung des Ranges und er impliziert die „Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen“. In jedem Augenblick des Prozesses sind alle Teile der Avantgarde anwesend.12 Im Gegenwärtigen verwirklicht sich die Zukunft, da Kunst lediglich mit einem Moment der Antizipation zu denken ist. Der Entwurf liegt dem Werk voraus, als Unvollendetes, das in der Verwirklichung erhalten bleibt.

[...]


1 Enzensberger, Hans Magnus. „Aporien der Avantgarde“(1962). In: Einzelheiten II. Frankfurt a. M. 1976. S. 50-80.

2 Ebd. S. 60

3 Horkheimer, Max und Adorno, Theodor W.: Kulturindustrie. Aufklärung als Massenbetrug. In: Dialektik der Aufklärung. Frankfurt a. M. 1969, S. 128-176

4 Bürger, Peter. Theorien der Avantgarde . Frankfurt a. M. 1974, S. 67-73.

5 Ritter, Joachim (Hrsg.). Historisches Wörterbuch der Philosophie . Darmstadt 1971, Bd. 1, S. 447

6 Enzensberger. „Aporien der Avantgarde“. S. 75

7 Ebd. S. 55-65

8 Enzensberger. „Aporien der Avantgarde“. S. 51

9 Ebd. S. 55

10 Ebd. S. 55

11 Ebd. S. 58

12 Ebd. S. 58

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Avantgarde als Bluff. Zur Kritik von H. M. Enzensberger an der Verbündung von Avantgarde und „Bewusstseinsindustrie“
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Philosophie)
Veranstaltung
Kulturphilosophie
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V140962
ISBN (eBook)
9783640507160
ISBN (Buch)
9783640507016
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Avantgarde, Enzensberger, Adorno, Kulturindustrie, Bewusstseinsindustrie, Kritik, Kulturphilosophie, Kulturkritik, Massenmedium, Kunst, Kunstbewusstsein, Frankfurter Schule
Arbeit zitieren
Silvia Schmitz-Görtler (Autor), 2009, Avantgarde als Bluff. Zur Kritik von H. M. Enzensberger an der Verbündung von Avantgarde und „Bewusstseinsindustrie“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140962

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