Die Eliteschulen im Nationalsozialismus

NPEA und Adolf-Hitler-Schulen im Vergleich


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Erziehungsprogramm des Nationalsozialismus

3 Die NPEA - Ausbildung der „kommenden Führergenerationen“
3.1 Die Gründung und der Ausbau der NPEA
3.2 Die Aufnahmebestimmungen
3.3 Alltag an der Eliteschule

4 Die Adolf-Hitler-Schule als Ausbildungsstätte der künftigen Parteielite
4.1 Gründung und Entwicklung
4.2 Das Ausleseverfahren
4.3 Der Tagesablauf an der Eliteschule

5 Die pädagogische Konzeption der Eliteschulen im Vergleich

6 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Nationalsozialismus als „Erziehungsstaat“ benötigte zur Durchsetzung seiner Interessen die Kontrolle über die Jugendlichen, deren Erziehung, sowie die Lehrpläne. Es war nötig, ein eigenes Ausbildungssystem zu integrieren, das die Macht der Nationalsozialsten auf Dauer sichern sollte.

In meiner Hausarbeit möchte ich die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten und die Adolf-Hitler-Schulen vorstellen und deren pädagogische Konzeption unter der Grundfrage, wie sich die Machthaber die Konzeption der Eliteschulen vorgestellt haben, vergleichen.

Um jedoch die Thematik zu verstehen ist es nötig, sich mit dem Erziehungsprogramm der Nationalsozialisten auseinander zu setzen, was ich zunächst vorstellen möchte. Im Anschluss folgt die Einführung in die Idee der NPEA und der AHS. Am Ende werde ich dann die Konzeptionen der Eliteschulen vergleichen.

Worauf ich nicht eingehen werde ist die Tatsache, dass es auch zwei NPEA für Mädchen (in Österreich und Luxemburg) gab, da diese Problematik für meine Ausführungen nicht von besonderer Bedeutung ist.

2 Das Erziehungsprogramm des Nationalsozialismus

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 waren es vor allem zwei Herren, die das Verständnis von Erziehung im Nationalsozialismus prägten: Alfred Rosenberg und Ernst Krieck.

Alfred Rosenberg (1893-1946), der im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess zum Tode verurteilt wurde, war einer der wichtigsten Ideologen während der NS-Zeit. Er veröffentlichte 1930 ein Buch mit dem Titel „Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts“, das nach Hitlers „Mein Kampf“ als zweites Standardwerk im Nationalsozialismus galt. Rosenberg kritisierte die Bildungsideale des 18. und 19. Jahrhunderts, da diese in einem „hohlen Internationalismus“ endeten. Die Erziehung sei vor allem im letzten halben Jahrhundert vor dem Nationalsozialismus unbiologisch gewesen und habe sich gegen die Naturgesetze gewandt. Für ihn war es ein abstrakter Gedanke, dass man mit Erziehung alles erreichen könnte - einen einheitlichen Volkstypus schaffen zu wollen bedeutete für Rosenberg die Missachtung von Naturgesetzen. Letztlich müssen diese Erziehungsideale in Revolten enden. Seine Auffassung von der Erziehung war, dass sie zum Ziel hat, den Charakter zu schulen und zu fördern. Im Zentrum der Erziehung sollten die großen Deutschen stehen und keine „international-universalistischen“ Ideale.1

Zusammengefasst bedeutet dies, dass Rosenberg die deutsche Rasse als eigenständigen Organismus versteht, der im Verlauf der Weltgeschichte deutlich mit Leistungen hervor stach. Man kann also die Leistungen der deutschen Persönlichkeiten genau zurückverfolgen und in das Zentrum der Erziehung stellen. Die Leistungen von Goethe und anderer Schaffenden dienen Rosenberg als unumstößlicher Beweis der Überlegenheit der deutschen Rasse. Ein weiterer zentraler Punkt der Rosenbergschen Theorie war die Schulung des Charakters und damit die Förderung des Willens. Letztlich wird der Weg bereitet für die Unterwerfung fremder Völker, da einen unerschütterlichen Willen und die Tatsache, dass die Deutschen allen überlegen seien, nichts aufhalten könne.

Ernst Krieck (1882-1947) galt neben Rosenberg als einer der wichtigsten Ideologen der Nationalsozialisten.

Für Krieck ist der Mensch ein Gemeinschaftswesen mit bestimmten rassischen und persönlichen Veranlagungen. Die Gemeinschaft ist nun dazu aufgerufen, den Nachwuchs zu fördern und zu selektieren - allerdings nur gemäß der internen rassischen Art, da nur so die rassischen Anlagen die höchste Leistungsfähigkeit erreichen könne. Die Erziehung habe den Sinn, dass der Nachwuchs die Eingliederung in die Gemeinschaft schafft und die Voraussetzung erfüllt, persönlich zu reifen und Erfüllung zu finden.2 Krieck propagierte die „dreiseitige Leistung der Bildung“: Sie sei wichtig, da man durch sie erstens (vor allem) in der Berufsschulung das nötige technische Sachwissen und Können erlernt, zweitens (vor allem) in den Jugend- und Studentenorganisationen bzw. in Arbeitsdienst und -front „Haltung, Charakter und Willensrichtung“ formt und drittens das Weltbild geformt wird. Der Charakter werde hierbei in einem „wehrhaft-politisch-musischen Zuchtsystem gemäß der rassischvölkisch-politischen Weltanschauung und Werteordnung“ geformt.3 Da der Staat „Willens- und Wirkform“ der Gemeinschaft ist, übernimmt er auch die Herrschaft über die Erziehung, die auf Rosenberg basierend, auf „rassisch-völkischer Grundlage“ vollzogen werden muss. Laut Krieck müsse die „nordische“ Rasse so selektiert und gefördert werden, dass sie zum „tragenden Rückgrat“ wird.4

Auch Krieck hat zwei zentrale Punkte in seinen Ausführungen bemerkt, die ich besonders betonen möchte: Er legitimiert die Herrschaft des Staates, damit auch „Zwangsorganisationen“ wie die HJ, mit der Tatsache, dass der Staat den Willen der Gemeinschaft ausdrücke. Somit sei er auch berechtigt, die durch die Gemeinschaft vorgenommene Bildung zu koordinieren. Außerdem legt er ganz klar offen, dass seiner Meinung nach die „nordische“ Rasse über allem steht und demnach auch besser ausgebildet sein müsse.

Hitlers Erziehungsgrundsätze in seinem Werk „Mein Kampf“ machen die Intention der nationalsozialistischen Erziehung noch deutlicher.

Seiner Meinung nach ist es die primäre Aufgabe des Staates die „besten rassischen Elemente“ zu erhalten, zu pflegen und zu entwickeln.5 Zuerst solle die Erziehung die Gesundheit des Körpers ins Blickfeld ziehen, denn nur in einem gesunden und kräftigen Körper könne sich ein gesunder Geist entwickeln. Wenn es um die Erziehung des Geistes geht, dann müsse der Staat zunächst den Charakter entwickeln, danach die Entschluss- und Willenskraft fördern, sowie die Freudigkeit, Verantwortung zu übernehmen, anerziehen. Erst als letztes sei die wissenschaftliche Schulung von Bedeutung. Die körperliche Erziehung sei nicht Sache der Einzelnen, sondern die Angelegenheit des Staates. Auch in der Schule müsse man viel mehr Zeit für sportliche Betätigungen einplanen. Hitler betont vor allem das Boxen, da dieser Sport abhärte und Entschlussfreudigkeit fördere.6 Dem Diktator zufolge müsse man militärische Erziehung als Teil der Gesamterziehung etablieren, es sei notwendig, die späteren Soldaten für den Heeresdienst vorzubilden. Der Schüler müsse lernen zu gehorchen, zu schweigen, die Voraussetzungen erwerben, um später selber zu befehlen und erkennen, dass sein Volk unüberwindbar ist. Er müsse lernen, was „Treue, Opferwilligkeit, Verschwiegenheit“ bedeutet und sollte sich abgewöhnen, zu klagen. Bei Mädchen dagegen hat die Erziehung nur das Ziel, sie auf die spätere Mutterrolle vorzubereiten.7 Gerade im Geschichtsunterricht müsse man „Säulen eines unerschütterlichen Nationalgefühls“ schaffen, niemand dürfe die Schule verlassen, ohne die Notwendigkeit der Blutreinheit erkannt zu haben.8 Letztlich resümiert Hitler, dass es die Aufgabe des Staates sei, die Ideologie des Nationalsozialismus über Generationen hinweg zu festigen, in dem die „dauernde Erneuerung der bestehenden geistigen Schichten durch frische Blutzufuhr von unten“ sicher gestellt wird. Die Menschen, die von Natur aus befähigt sind, müssen heraus gesiebt werden.9

Wenn man Hitlers Erziehungsziele nun analysiert, wird klar, dass er zwei Ziele verfolgte: Zum einen wollte er natürlich die „reine“ deutsche Rasse erhalten, zum anderen hat er alle Voraussetzungen genannt, um einen nahezu unbesiegbaren Soldaten „heranzuzüchten“: Die Jungs müssen kerngesund, entschlussfreudig und willensstark sein, Treue, Wille und Opferwilligkeit demonstrieren, schweigen und gehorchen und sie dürfen nicht klagen oder jammern. Somit gäbe es dann den Typ Mann, der zugleich treuer Nationalsozialist und Soldat ist, um die Unüberwindbarkeit der deutschen Rasse an der Front zu demonstrieren.

3 Die NPEA - Ausbildung der „kommenden Führergenerationen“

3.1 Die Gründung und der Ausbau der NPEA

Um geeigneten Nachwuchs für die Führungspositionen in „den zivilen Bereichen der Gesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung, in den freien Berufen und für das Militär“ zu selektieren, benötigten die Nationalsozialisten ein Instrument.10

Die erste Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA, im Volksmund auch

Nationalpolitische Lehranstalt - Napola - genannt) wurde am 1. Mai 1933 in Plön (Schleswig-Holstein) gegründet.11 Von Joachim Haupt, dem ersten Inspekteur der Anstalten, stammte die Erziehungsidee, er setzte sich auch dafür ein, dass die Bezeichnung „nationalpolitisch“ gewählt wurde, um eine Distanz zur Partei zu demonstrieren. Die NPEA, welche acht Jahrgänge umfassten12, unterstanden dem Reichserziehungsminister Bernhard Rust, der genau wie sein Mitarbeiter Haupt eine enge Parteigebundenheit ablehnte.13 An der Spitze jeder Anstalt, die zwar eine einheitliche Konzeption hatten, aber dennoch in ihren Schwerpunkten in der Regel nicht alle gleich ausgerichtet waren, stand eine hohe nationalsozialistische Persönlichkeit, die zum Oberregierungsrat ernannt wurde. Haupt erhoffte sich von diesen Persönlichkeiten hohe Kompetenzen bei der Führung der Eliteschulen. Sie waren für die Verwaltung der Schule und die Erziehung der Schüler verantwortlich. Den Anstaltsleitern waren die Unterrichtsleiter unterstellt, die den Rang eines Oberstudienrates hatten. Jedoch wurde der Unterricht von wissenschaftlich ausgebildeten Pädagogen übernommen.14 Haupts ursprünglicher Plan, die Anzahl der Erziehungsanstalten gering zu halten, um deren elitären Charakter zu verdeutlichen, wurde von SS-Gruppenführer August Heißmeyer, der am 9. März 1936 Inspekteur der NPEA wurde, schlicht ignoriert. Unter Haupt entstanden bis 1936 14 NPEA, unter Heißmeyer waren es bis 1944 dann 35.15 Heißmeyer war Chef einer Sonderbehörde, die „Inspektion der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten“ hieß und der SS unterstellt war. Somit wurde der allgemeinen Schulverwaltung die Verfügungsbefugnis entzogen und faktisch der SS übertragen.16

Der ursprüngliche Plan, dass jeder Schüler unabhängig vom Einkommen der Eltern die Eliteschule besuchen kann, wurde schnell verworfen. Bis zu 400 Reichsmark Jahresbeitrag forderten die NPEA Preußens, in den anderen Anstalten variierte der Jahresbeitrag zwischen 80 und 200 RM.

[...]


1 Vgl. Rosenberg, Alfred: Grundzüge nationalsozialistischer Erziehung, in: Baumgart, Franzjörg (Hrsg.): Erziehungs- und Bildungstheorien. Erläuterungen, Texte, Arbeitsaufgaben, Bad Heilbrunn 2001, S. 183- 186.

2 Vgl. Krieck, Ernst: Rasse und Erziehung, in: Baumgart, Franzjörg: Erziehungs- und Bildungstheorien. Erläuterungen, Texte, Arbeitsaufgaben, Bad Heilbrunn 2001, S. 190f.

3 Ebd., S. 192.

4 Ebd., S. 194f.

5 Vgl. Hitler, Adolf: Mein Kampf, in: Gamm, Hans-Jochen: Führung und Verführung. Pädagogik des Nationalsozialismus, 3. Aufl., München 1990, S. 48.

6 Ebd., S. 48f.

7 Ebd., S. 51ff.

8 Ebd., S. 57f.

9 Ebd., S. 61.

10 Vgl. Schneider, Christian, Stillke, Cordelia, Leineweber, Bernd: Das Erbe der Napola. Versuch einer Generationengeschichte des Nationalsozialismus, Hamburg 1996, S. 33.

11 Vgl. Wikipedia: Nationalpolitische Erziehungsanstalten, http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpolitische_Erziehungsanstalten#Standorte, abgerufen am: 14.01.2007.

12 Vgl. Flessau, Ingo: Schulen der Partei(lichkeit)? Notizen zum allgemeinbildenden Schulwesen des Dritten Reichs, in: Flessau, Kurt-Ingo, Nyssen, Elke, Pätzold, Günter (Hrsg.): Erziehung im Nationalsozialismus. „… und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben!“, Köln 1987, S. 71.

13 Vgl. Baumeister, Stefan: NS-Führungskader. Rekrutierung und Ausbildung bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1933 - 1939, Konstanz 1997, S. 22f.

14 Ebd., S. 23f.

15 Ebd., S. 25.

16 Vgl. Gelhaus, Dirk & Hülter, Jörn-Peter: Die Ausleseschulen als Grundpfeiler des NS-Regimes, Würzburg 2003, S. 39.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Eliteschulen im Nationalsozialismus
Untertitel
NPEA und Adolf-Hitler-Schulen im Vergleich
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Aufwachsen im Nationalsozialismus
Note
1
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V141014
ISBN (eBook)
9783640481217
ISBN (Buch)
9783640481088
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eliteschulen, Nationalsozialismus, NPEA, Adolf-Hitler-Schulen
Arbeit zitieren
Robert Griebsch (Autor), 2007, Die Eliteschulen im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141014

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