Mindestlöhne in den USA, Großbritannien und Frankreich


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Definition Mindestlohn
1.1.1 Tariflicher Mindestlohn
1.1.2 Gesetzlicher Mindestlohn
1.2 Verbreitung von Mindestlöhnen

2 Mindestlöhne im Vergleich
2.1 Mindestlohn in den USA
2.1.1 Federal Minimum Wage
2.1.2 Anpassungsverfahren
2.1.3 Entwicklung
2.1.4 Verbreitung
2.1.5 Auswirkung auf Beschäftigung
2.2 Mindestlohn in Frankreich
2.2.1 SMIC
2.2.2 Anpassungsverfahren
2.2.3 Entwicklung
2.2.4 Verbreitung
2.2.5 Auswirkungen auf Beschäftigung
2.3 Mindestlöhne in Großbritannien
2.3.1 National Minimum Wage
2.3.2 Anpassungsverfahren
2.3.3 Entwicklung
2.3.4 Verbreitung
2.3.5 Auswirkung auf Beschäftigung

3 Zusammenfassung

Glossar

Literaturverzeichnis

1 Einführung

1.1 Definition Mindestlohn

Ein Mindestlohn ist ein in der Höhe festgelegtes, kleinstes rechtlich zulässiges Arbeitsentgelt. Eine Mindestlohnregelung kann sich auf den Stundensatz oder den Monatslohn bei Vollzeitbeschäftigung beziehen. Das Wörterbuch der Politik definiert den Mindestlohn als "der gesetzlich oder tarifvertraglich vereinbarte Mindestlohn für lohn- und gehaltsabhängige Arbeit"1. Demzufolge ist der Mindestlohn auf zwei verschiedenen Ebenen zu betrachten.

1.1.1 Tariflicher Mindestlohn

Der tarifliche Mindestlohn wird für eine untere Lohngruppe durch die Sozialpartner (Arbeitgeber und Arbeitnehmer) branchenspezifisch ausgehandelt. Jede Branche kann also einen eigenen Mindestlohn besitzen, deren Höhe abweichen kann. Die Höhe des Lohnes hängt hauptsächlich von der zu verrichtenden Arbeit sowie der Größe und Macht der betreffenden Gewerkschaft ab.

1.1.2 Gesetzlicher Mindestlohn

Der gesetzliche Mindestlohn wird vom Gesetzgeber festgelegt. Er kann allgemeingültig sein, d.h. für alle Branchen gleich oder aber branchenspezifisch differenziert werden.

1.2 Verbreitung von Mindestlöhnen

Im Januar 2007 haben 20 von 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union einen gesetzlich festgelegten Mindestlohn. In den meisten europäischen Staaten wird er als Bruttomonatslohn definiert ± in Großbritannien und Irland als Stunden- satz, ebenso wie in den USA. In Deutschland, Österreich, der Schweiz und den skandinavischen Ländern gibt es keinen von der jeweiligen Regierung festge- legten Mindestlohn. In Dänemark, Finnland und Schweden liegt die Tarifbin- dung bei über 90 Prozent. In Österreich besteht ebenfalls eine beinahe flächen- deckende Tarifbindung. In Westdeutschland wurden 2004 dagegen nur 68 Prozent der Beschäftigten nach Tarif bezahlt, in Ostdeutschland 53 Prozent.2

2 Mindestlöhne im Vergleich

2.1 Mindestlohn in den USA

2.1.1 Federal Minimum Wage

Vorreiter war im Jahr 1912 der Bundesstaat Massachusetts, der einen nicht- verbindlichen Mindestlohn für Frauen und Kinder einführen wollte. In den Folge- jahren gab es in weiteren U.S.-Staaten Mindestlohninitiativen, die jedoch vom damaligen Obersten Verfassungsgericht aufgrund der daraus resultierenden Einschränkung des ungehinderten Lohnverhandlungsrechtes der Arbeitgeber als verfassungswidrig erklärt wurden. (UVW ZXUGH GHU Ä)HGHUDO 0LQLPXP :DJH³ vom damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt landesweit einge- führt.

2.1.2 Anpassungsverfahren

Der nationale Mindestlohn wird vom U.S.-Kongress bewilligt. In den 1990er Jahren bekamen die Bundesstaaten die Kompetenz, eigene Mindestlöhne fest- zulegen, die über dem bundesweiten Mindestlohnsatz liegen. Bis zum Jahres- beginn 2007 hatten 29 amerikanische Bundesstaaten dies getan. In einigen Bundesstaaten gibt es auch Städte oder Stadtkreise, deren Mindestlöhne über dem bundesstaatlichen Mindestlohnsatz liegen. So hat beispielsweise die Stadt Santa Fe im Staat New Mexiko heute mit $9.50 den höchsten Mindestlohn in den Vereinigten Staaten.3

Eine andere Methode von Lohnanhebungen besteht in "living wage ordinances", d.h. Verfügungen, die generell nur auf Unternehmen zutreffen, die mit Kommunalregierungen unter Vertrag stehen. Viele "progressive" Politiker in den USA befürworten eine Anbindung des Mindestlohnes an den Verbraucherpreisindex und damit eine automatische jährliche Anpassung, die zwar nominal kleiner ausfallen würde, dafür aber nicht auf die Verabschiedung von neuen Gesetzen angewiesen wäre. Bisher praktizieren vier U.S.-Bundesstaaten dieses Modell: Ohio, Oregon, Missouri und Washington.4

2.1.3 Entwicklung

Erst 1938 kam es zur Verabschiedung eines nationalen Mindestlohnes im 5DKPHQ GHV )DLU /DERU 6WDQGDUGV $FW´ 'HU HUVWH 0LQGHVWORKQ YRQ SUR Stunde entsprach umgerechnet in heutige Preise etwa $3.22 für das Jahr 2005. Im Jahr 1968 hatte der Mindestlohn von damals $1.60 die höchste Kaufkraft von umgerechnet $9.12 (bezogen auf das Jahr 2005). Heute beträgt der landesweite Mindestlohn $7.25 ¼

2.1.4 Verbreitung

Das U.S.-Arbeitsministerium schätzt, dass im Jahr 2005 75,6 Millionen ameri- kanischer Arbeitnehmer nach Stundenlohn bezahlt wurden, d.h. knapp über 60 Prozent aller Lohn- und Gehaltsempfänger. Davon verdienten knapp eine halbe Million Arbeitnehmer genau den Mindestlohn und ca. 1,4 Millionen Arbeitneh- mer weniger als den Mindestlohn. Sozioökonomisch und demographisch gese- hen lässt sich die Gruppe der Mindestlohnempfänger wie folgt charakterisieren:5

Sie sind oft jung und unverheiratet (etwa die Hälfte ist unter 25, etwa ein Viertel ist zwischen 16-19 Jahre alt) und arbeiten oft in Teilzeitstellen und im Dienst- leistungssektor (insgesamt 75 Prozent). Die höchste Anzahl der Mindestlohn- verdiener findet sich in der Freizeitindustrie und der Gastronomie (drei Fünftel).

2.1.5 Auswirkung auf Beschäftigung

Wohlfahrtsverbände und Sozialforschungsinstitute berechnen regelmäßig Min- destlöhne, die notwendig wären, um Armut abzuwenden. Diese schwanken je nach Region und Methodik zwischen acht und 14 Dollar. Ein Vollzeitarbeiter mit einer vierköpfigen Familie, der für den Mindestlohn arbeitet und keinen Urlaub nimmt, würde etwa die Hälfte der Summe verdienen, die in den USA als Ar- mutsgrenze gilt. Laut US Census Bureau liegt dieser bei $22017 im Jahr 2008.6

Die überwiegende Mehrheit amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler ist der Auffassung, dass Mindestlöhne zu höherer Arbeitslosigkeit führen. Über die politischen Konsequenzen sind sich die Volkswirte jedoch nicht einig. Knapp die Hälfte der Ökonomen befürwortet gar eine Abschaffung des Mindestlohns. We- niger als die Hälfte sind indes der Auffassung, der Mindestlohn sollte beibehal- ten und erhöht werden. Im Oktober 2006 befürworteten 650 der führenden ame- rikanischen Ökonomen eine Erhöhung des Mindestlohns mit dem Argument, dass "die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die Arbeitnehmer und die Gesamtwirtschaft positiv" wären.7

Befürworter der Mindestlohnanhebung argumentieren, dass davon 13 Millionen amerikanischer Arbeiter profitieren würden, d.h. 9,8 Prozent aller amerikani- scher Arbeitnehmer, darunter 10,4 Millionen erwachsene Lohnempfänger, 6 Millionen Familien mit Kindern, 7,7 Millionen Frauen (59 Prozent der Mindest-

ORKQHPSIlQJHU XQG 0LOOLRQHQ IDUELJH³ /RKQHPSIlQJHU 3UR]HQW GHU Mindestlohnempfänger). Der Mindestlohnanstieg würde den Jahreslohn der Mindestlohnempfänger von $10.700 auf $15.000 anheben. Ohne diese Erhö- hung würde eine Familie mit drei Angehörigen, die von einem Mindestlohnver- diener unterhalten wird, um ca. $5, 400 unter der bundesweiten Armutsgrenze leben.8

Basierend auf jüngsten Fallstudien, z.B. im Bundesstaat Arizona, widerspre- chen Befürworter des "Minimum wage increase" dem Argument, dass der Min- destlohnanstieg die Inflation stimulieren und die Zunahme der Beschäftigung dämpfen würde. So z.B. habe der Anstieg an Arbeitsplätzen in Kleinbetrieben zwischen 1997 und 2003 in Bundesländern mit höheren Mindestlohnsätzen 9.4 Prozent betragen, verglichen mit lediglich 6,6 Prozent in Bundesstaaten mit dem nationalen Mindestlohnsatz. Schließlich sei der Mindestlohn auch nicht schädlich für Kleinbetriebe. Zwischen 1998 und 2003 sei die Anzahl der Klein- betriebe in Bundesstaaten mit höherem Mindestlohn um 5,5 Prozent angestie- gen, verglichen mit einem Anstieg von lediglich 4,2 Prozent in Bundesstaaten mit dem nationalen Mindestlohn.9

Gegner der Mindestlohnanhebung argumentieren, dass die Erhöhung des Min- destlohns kein effektives Instrument zur Armutsbekämpfung sei. So hätten An- hebungen des Mindestlohns in der Vergangenheit die Armutsrate nicht gesenkt und auch nicht zu höheren Einkommen bei den meisten geringverdienenden Familien geführt.10

Stattdessen würde die Anhebung des Mindestlohnes dazu führen, dass Unter- nehmer weniger Arbeiter einstellten und deren Wochenstundenzahl reduzierten. Somit würden viele Mindestlohnempfänger zu "Verlierern". Bei einer Anhebung des Mindestlohns auf $7.25 würden mindestens 8 Prozent der betroffenen Ar- beiternehmer ihre Arbeitsplätze verlieren. Da weniger als 20 Prozent der Min- destlohnarbeiter arm seien und die meisten armen Amerikaner nicht zum Mindestlohnsatz arbeiteten, stelle die Anhebung des Mindestlohnes keine zielge- richtete Strategie zur Armutsbekämpfung bei wenig verdienenden Familien dar.11

Das eigentliche Problem sei, dass arme Amerikaner überhaupt nicht zu den Lohnempfängern zählten. Über 63 Prozent armer Erwachsener seien während des Jahres überhaupt nicht beschäftigt, und lediglich 11 Prozent von ihnen hätten für die Dauer des Jahres Vollzeitstellen.12

Es gibt über die Wirkung von Mindestlöhnen auf die Beschäftigung auch hier kein eindeutiges Ergebnis.

2.2 Mindestlohn in Frankreich

2.2.1 SMIC

Frankreich hat bereits eine lange Erfahrung mit dem Mindestlohn. 1950 wurde der SMIG (salaire minimum interprofessionel garanti, dt. garantierter berufsgruppenübergreifender Mindestlohn) ins Leben gerufen. Da die Einkommensunterschiede in Frankreich sehr unterschiedlich waren, wurde damals für jede Region die Höhe des Mindestlohns einzeln bestimmt. Erhöhungen des SMIG waren an die Inflationsrate gekoppelt. So stieg bis 1967 das Nominaleinkommen zwar an, das Realeinkommen stagnierte jedoch.

1968 wurde der Mindestlohn nach heftigen Protesten einmalig um 35 Prozent erhöht. Allerdings war abzusehen, dass bei der Lohnentwicklung der Durchschnittseinkommen die Mindestlohnempfänger das Nachsehen haben werden. Deshalb trat 1970 der SMIC (salaire minimum interprofessionel de croissance, dt. wachstumsorientierter berufsgruppenspezifischer Mindestlohn) die Nachfolge des SMIG an. Der am Wirtschaftswachstum orientierte SMIC sollte allen Beschäftigten im Niedriglohnsektor das Existenzminimum und darüber hinaus die Teilhabe an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sichern.

2.2.2 Anpassungsverfahren

Der Mindestlohn wird seitdem automatisch um die Inflationsrate angehoben, sobald diese den Wert von 2 Prozent überschreitet. Unabhängig davon findet jährlich eine Anpassung des Mindestlohns per Regierungserlass statt. Das Ge- setz sieht, vor den Mindestlohn mindestens um 50 Prozent der durchschnittlichen realen Kaufkraftzuwächse im Land anzuheben. Seit 2007 liegt der Mindestlohn bei 8,44 Euro.

[...]


1 (Schmidt, 2004)

2 (Hans-Böckler-Stiftung, 2006)

3 (Konrad-Adenauer-Stiftung, 2007)

4 (Konrad-Adenauer-Stiftung, 2007)

5 (US Department of Labor, 2005)

6 (US Census Bureau, 2008)

7 (Konrad-Adenauer-Stiftung, 2007)

8 (Center for American Progress, 2007)

9 (Arizona State Legislature, 2006)

10 (The American Heritage foundation, 2001)

11 (The American Heritage foundation, 2001)

12 (The American Heritage foundation, 2001)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Mindestlöhne in den USA, Großbritannien und Frankreich
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Veranstaltung
Economic Outlook
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V141057
ISBN (eBook)
9783640516995
ISBN (Buch)
9783640516858
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Betriebswirtschaftslehre, Mindestlöhne, Frankreich, USA, Großbritannien
Arbeit zitieren
Sven Schmitt (Autor), 2009, Mindestlöhne in den USA, Großbritannien und Frankreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141057

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