Die Industrialisierung Japans – Eine spezifisch japanische Entwicklung


Hausarbeit, 2007

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Japan vor der Mitte des 19. Jahrhunderts

3. Die gewaltsame Öffnung von 1853

4. Die Meiji-Restauration von 1868
4.1 Der Staat als Wirtschaftsakteur
4.2 Das Bankwesen und die Unternehmen
4.3 Die Außenwirtschaft und –politik
4.4 Das charakteristisch Japanische

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn man als Europäer von der industriellen Revolution spricht, ist man geneigt diese geographisch auf Europa und die USA zu begrenzen. Jedoch vollzog sich auch in, von Europa aus gesehen, viel periphereren Gebieten eine Art industrieller Revolution. Es ist hierbei die Rede vom Kaiserreich Japan. Das Kaiserreich Japan wurde nie in seiner Geschichte kolonialisiert und es war das erste nichteuropäische Land welches einen Krieg gegen ein europäisches Land gewinnen konnte, nämlich den Russisch-Japanischen Krieg von 1904 bis 1905.[1] Allein diese zwei Eigenarten stellen die besondere Rolle Japans heraus. Die wichtige Stellung der Japaner bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hängt entscheidend mit seiner industriellen Entwicklung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammen. In der folgenden Arbeit soll die industrielle Revolution in Japan dargestellt werden, wobei der Schwerpunkt auf das spezifisch Japanische gelegt wird. Außerdem sollen die markanten Unterschiede den industriellen Revolutionen Europas gegenüber herausgearbeitet werden. Es soll zunächst das vorrevolutionäre Herrschafts– und Wirtschaftssystem beleuchtet werden, um daraufhin die Reaktionen der Japaner auf die abrupte Öffnung ihres Landes darzustellen. Anschließend werden der zweite große Industrialisierungsschub von 1868 und seine weiteren Resultate bis hin zum 2. Weltkrieg betrachtet.

Es handelt sich bei der industriellen Revolution in Japan um ein Ereignis mit wirtschaftsgeschichtlicher Akzentuierung. Aufgrund ihrer Komplexität kann hierbei die Sozialgeschichte Japans nicht in den Fokus genommen werden. Dem europäischen Leser wird es bereits bei einigen wirtschaftspolitischen Entscheidungen der japanischen Machthaber schwer fallen, diese nachzuvollziehen.

Eine Grundlage für diese Arbeit bilden zum einen das Überblickswerk von Christoph Buchheim[2] und eine Monographie von Annelotte Piper[3], welches sich mit dem kompletten Entwicklungsprozess der Industrialisierung Japans beschäftigt. Des Weiteren ist ein Werk von Volker Hentschel[4] zu nennen, das sich intensiv mit den Voraussetzungen und Grundlagen der industriellen Revolution in Japan befasst. Außerdem ist der Aufsatzsammelband, der von W. J. Macpherson[5] herausgegeben wurde, anzuführen. Dieser widmet sich einer Vielzahl von Facetten, welche die japanische industrielle Revolution bedingten.

2. Japan vor der Mitte des 19. Jahrhunderts

Das Kaiserreich Japan setzt sich aus 4 größeren und einigen Nebeninseln zusammen. Die vier Hauptinseln heißen, von Nord nach Süd gesehen, Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu.[6] Auf der größten Insel, Honshu, befinden sich die bekannten japanischen Städte wie Tokio oder Kobe. Flächenmäßig ist Japan in etwa mit Deutschland zu vergleichen, mit einer Landmasse von 377484 km² sogar leicht größer.[7] Die Bevölkerungszahl Japans schwankte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwischen 27 und 30 Millionen.[8]

Im Jahre 1600 konnte durch den ersten Sohn des Fürstengeschlechts Tokugawa, Tokugawa Jeyasu, ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg beendet werden.[9] Tokugawa Jeyasu war fortan Shogun, das heißt kaiserlicher Oberfeldherr, und war faktisches Oberhaupt des japanischen Reiches.[10] Auch damals gab es natürlich einen Kaiser, der auch formal dem Staat vorstand. Dieser lebte jedoch abseits des Machtzentrums in Kyoto und hatte keinerlei Einfluss auf das politische Tagesgeschehen.[11] Das Amt des Shoguns wurde von nun an nur noch im Hause der Tokugawas weitervererbt. Dies ist der Grund warum die Zeit von 1600 bis 1868 gemeinhin als Tokugawa-Periode betrachtet wird.[12] Von den Tokugawa-Shogunen wurde eine Art Ältestenrat als Zentralregierung geschaffen, das Bakufu. Dieses steuerte die Politik und hielt die Beziehungen zum Kaiserhof in Balance.[13] Der Shogun, der auch als oberster Lehnsherr bezeichnet werden konnte, beherrschte jedoch nur ein Viertel des Inselreiches. Für die übrigen Gebiete war er auf die Daimyos, belehnte fürstliche Vasallen, angewiesen.[14] Die Daimyos beherrschte der Shogun durch die Anwendung des Grundsatzes divide et impera.[15] Politisch war die Tokugawa-Zeit durch eine rigide Isolationspolitik und damit einhergehenden unregelmäßig starken Christenverfolgungen geprägt.[16]

Aus diesem Feudalsystem entwickelten sich jedoch im Laufe der Tokugawa-Periode gute Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Modernisierung. Die bäuerliche Subsistenzwirtschaft und eine fortschrittliche Markt- und Verkehrswirtschaft bildeten die Gesamtheit der Wirtschaft.[17] Die Subsistenzwirtschaft war der weitaus größere Teil in dieser Konstellation.[18] Der ursprüngliche Zündfunke für ein progressiveres Denken ging vom Regierungssystem aus.[19] Es kam zu einer zunehmenden Verstädterung, in deren Verlauf das heutige Tokio, zum Mittelpunkt des Landes avancierte.[20] Diese Entwicklung spielte sich auf ähnliche Weise auch in Osaka und Kyoto ab.[21] In den wachsenden Städten bildeten sich derart „[…] wirtschaftlich-soziale Kristallisationspunkt[e] […]“[22] heraus, welche durch eine „[…] breite Schicht unproduktiver Konsumenten […]“[23] gespeist wurde. Da diese Schicht aus Steuereinnahmen finanziert wurde, stellten sie ein nicht zu unterschätzendes Reservoir an Kaufkraft dar. Dieses Potential rief Händler und Kaufleute auf den Plan, welche im weiteren Verlauf zu einer Art Bindeglied zwischen Stadt und Land wurden. Sie gaben die städtische Nachfrage an das Land weiter und koppelten somit die bäuerlichen Betriebe an das aufblühende Wirtschaftsleben der Städte an.[24] Durch diese beginnenden Beziehungen zwischen Stadt und Land begannen die Bauern marktwirtschaftlich zu agieren und zur Steigerung der Produktivität wurden neue Wege und Techniken beschritten. Hierbei wurde der Einsatz von kommerziellen Düngemitteln vorangetrieben, Bewässerungstechniken eingeführt, modernere Dreschmaschinen benutzt, erstmalig verschiedene Ernteprodukte angebaut und eine Mehrfelderwirtschaft betrieben.[25] So konnten im Endeffekt mehr Güter für den städtischen Markt produziert werden und zudem setzte sich eine regionale Spezialisierung[26] durch. Dies geschah jedoch nicht flächendeckend, sondern nur in Teilen des Landes wo kurze Entfernungen zu größeren Zentren bestanden, das heißt wo diese ländlichen Innovationen vom Markt honoriert werden konnten und somit hohe Absatzchancen bestanden.[27] Ganz allgemein betrachtet stellte sich jedoch ein generelles Produktionswachstum ein.[28] Die wirtschaftlichen Resultate der Tokugawa-Zeit waren deshalb zum einen in einem relativ hohen Bodenproduktivitätsniveau[29] und zum anderen in dem prinzipiell negativen Fakt, der ungenutzten Kapazitäten in entfernteren Regionen des Landes, zu sehen.[30] Positiv gesehen stellte dies für zukünftige Zeiten natürlich weiteres Wachstumspotential dar.

[...]


[1] Takafusa Nakamura: Wirtschaftliche Entwicklung des modernen Japan. Tokio 1985, S. 2.

[2] Christoph Buchheim: Industrielle Revolutionen. München 1994.

[3] Annelotte Piper: Japans Weg von der Feudalgesellschaft zum Industriestaat. Köln 1995.

[4] Volker Hentschel: Wirtschaftsgeschichte des modernen Japan I. Stuttgart 1986.

[5] W. J. Macpherson (hrsg.): The Industrialization of Japan. Oxford 1994.

[6] Artikel „Landesbeschreibung“ in Japan-Handbuch, hrsg. v. Horst Hammitzsch. Stuttgart 1984, S. 109-128, hier S. 109-110.

[7] Ebenda.

[8] Artikel „Bevölkerung“ in Japan-Handbuch, hrsg. v. Horst Hammitzsch. Stuttgart 1984, S. 129-133, hier S. 129.

[9] Hentschel 1986, S. 13.

[10] Ebenda.

[11] Buchheim 1994, S. 119.

[12] Hentschel 1986, S. 13.

[13] Piper 1995, hier S. 15.

[14] Buchheim 1994, S. 119.

[15] Piper 1995, S. 16.

[16] Ian Inkster: Japanese Industrialisation: historical and cultural perspectives. London 2001, S. 10.

[17] Hentschel 1986, S. 18.

[18] Ebenda.

[19] Beispielsweise mussten die daimyos, und somit auch ihre komplette Gefolgschaft, nach dem Prinzip der alternierenden Residenz jedes zweite Jahr am Hof des Shogun verbringen, vgl. Piper 1995, S. 16.

[20] Piper 1995, S. 16.

[21] Hentschel 1986, S. 19.

[22] Ebenda.

[23] Ebenda.

[24] Ebenda, S. 19-20.

[25] Übersetzt nach Inkster 2001, S. 12. „[…] commercial fertilisers, irrigation, new threshing machinery (…), multiple cropping and crop diversification.“

[26] Zum Beispiel wandten sich Bauern aus regnerischen und höher gelegenen Regionen der Zucht von Maulbeerbäumen oder Seidenraupen zu, vgl. Hentschel 1986, S. 20-21.

[27] Hentschel 1986, S. 23.

[28] Ebenda, S. 21.

[29] Die Arbeitsproduktivität stieg hingegen kaum, da die Fortschritte im Bereich der Bodenbewirtschaftung meist sehr arbeitsintensive Verfahren waren, vgl. Hentschel 1986, S. 23.

[30] Hentschel 1986, S. 23.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Industrialisierung Japans – Eine spezifisch japanische Entwicklung
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Die Vorgeschichte der ersten industriellen Revolution
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V141102
ISBN (eBook)
9783640484850
ISBN (Buch)
9783640484935
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
1853, Meiji-Restauration, Zaibatsu
Arbeit zitieren
Michael Gamperl (Autor), 2007, Die Industrialisierung Japans – Eine spezifisch japanische Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141102

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