Die Beförderung von Briefen im 14.15. Jh. (im Hl. Röm. Reich Dt. Nation)


Essay, 2009

4 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Die Beförderung von Briefen im 14./15. Jh.

(im Hl. Röm. Reich Dt. Nation)

Der Brief (von lat. libellus brevis = kurzes Schreiben) als Mittel der Nachrichtenübermittlung an abwesende Menschen ist wahrscheinlich fast so alt wie die Schrift selbst. Dieser ermöglicht die Kommunikation mit entfernten Personen, als ob man mit ihnen selber spräche, und versichert, dass der Empfänger die Mitteilung des Absenders unverfälscht erhält.

Seit dem ausgehenden 11. Jh. fand in Mitteleuropa eine enorme Steigerung des Briefverkehrs statt, denn die geistigen Auseinandersetzungen der Zeit der Kirchenreform, das Schulwesen, die Intensivierung von Handel und Verkehr und ein steigendes Kommunikationsbedürfnis förderten diesen im positiven Sinne.

Nun kann man jedoch den Briefverkehr im 14./15. Jh. nicht mit unserem heutigen vergleichen und man sollte vorsichtig damit sein, heutige Maßstäbe an die damalige Zeit anzulegen. In dieser Zeit begann sich erst an allgemeiner Briefverkehr auszubilden, der weder zentral organisiert war noch den Sicherheitsansprüchen heutiger Beförderung entsprach.

Die Beförderung

Von einem einheitlichen geregelten Botenverkehr kann in dieser Zeit, mit geringen Ausnahmen, noch kaum die Rede sein, so gab es vor allem für den Privatbrief selten ein Bedürfnis einen solchen einzurichten. Der Briefverkehr, bezogen auf den Privatbrief, blieb somit ein reiner Gelegenheitsverkehr.

Dennoch konnte man einen relativ intensiven Briefaustausch in nicht privaten Bereichen erkennen. In diesem Zusammenhang sind die Klöster, die Landesfürsten, die Ritter, die Reichsstädte bzw. Hansestädte und religiöse Gemeinschaften wie der „Deutsche Orden“ zu nennen.

Nun ist die Frage wie diese Parteien schriftliche Nachrichten übermittelten. In einer Zeit, in der sich ein allgemeiner Briefverkehr erst zu entwickeln begann, unterschied man in zweierlei Transportarten: Zum Einen überbrachte der berittene Bote bei eiligen und wichtigen Geschäften den Brief und zum Anderen der laufende, bei weniger wichtigen Anlässen. Die Boten trugen meist ein Schildwappen zur Erkennung auf ihrer Kleidung. Briefe wurden in Büchsen, silbernen Kapseln oder einfach in Stofftaschen aufbewahrt. Oft mussten die Boten schwören, dass sie die Gegenstände nicht verkauften. Wenn bei einem Brief eine Antwort erwartet wurde, brachte der Bote, der schon den ersten Brief übergab, die Antwort direkt wieder mit.

Im Falle der Klöster war es so, dass diese ihre Mönche als Boten einsetzten, die bei Bedarf auch Briefe weltlicher Herren überbrachten. Mönche als Boten sind bis in die Mitte des 15. Jh. nachgewiesen. Die Landesfürsten hatten ihre eigenen Boten, die je nach Bedarf ausgesandt werden konnten. Die Ritter dieser Zeit benutzten ihre Knappen als Boten, die die Briefe meist in Büchsen um den Hals oder am Gürtel trugen. Diejenigen, die städtische Briefe überbringen sollten, mussten zumeist einen Boteneid schwören und somit wurde der Botendienst allmählich zu einem städtischen Amt. Der christlich geprägte „Deutsche Orden“ organisierte den Briefverkehr im Osten, d.h. zwischen dem Hochmeister, dem höchsten Amt im „Dt. Orden“, und den Ordenshäusern. Zum Transport der Briefe benutzte man Briefjungen und Briefschweiken (Postpferde).[1]

Auch die Kosten, die für die Städte und Fürsten durch den Briefverkehr aufkamen, waren nicht zu verachten. Diese mussten die Botenlöhne, wobei Botengänge in der Nacht und in Eile höher bezahlt wurden, den Aufenthalt der Boten in einer fremden Stadt (z.B. wenn auf eine Antwort dort gewartet werden musste) und evtl. Geschenke an fremde Boten begleichen. Um einer Unregelmäßigkeit bei der Bezahlung der Boten vorzubeugen, vermerkte man am Ende des Briefs, was der Bote schon erhalten hatte und wann er ankam und wann er wieder fort ging.

Ab dem 15 Jh. konnte man ein erstarken des Privatbriefverkehrs erkennen. Diese Privatbriefe wurden von den oben beschriebenen städtischen Boten überbracht, wobei der Privatmann für die Verpflegung und Bezahlung des Boten sorgen musste. Wenn es der Weg und das Ziel des städtischen Boten zuließ konnten nun auch private Interessen bedient werden. Hier ist vor allem der mittelalterliche Kaufmann zu nennen, der nun auch durch Fuhrleute und Schiffer oder durch Kaufmannskollegen Briefe übermitteln lassen konnte.

Für den Fernhandelskaufmann war das Briefschreiben eine entscheidende Voraussetzung für das Funktionieren seines Handelsbetriebes und eine regelmäßige Korrespondenz mit Handelspartnern, Beauftragten, Angestellten und auch Familienangehörigen deshalb unumgänglich. Soweit von Kaufleuten verfasste Briefe als Sammlung oder auch nur vereinzelt überliefert sind, sind es Handelsbriefe. Sie dienten in erster Linie der Organisation von Handelsgeschäften und enthielten daher zunächst einmal Informationen über die im Fernhandel üblichen Geschäftspraktiken. Neben Angaben über Art, Menge und Qualität versandter Waren, deren Verpackung, Kennzeichnung und Versendungsart, sowie den Bestimmungsort, findet man oft auch Hinweise auf günstige Weiterverkaufsmöglichkeiten, gelegentlich werden auch bestimmte Empfänger benannt, für den Verkauf ein Mindestpreis festgesetzt und für den Verkaufserlös der Verwendungszweck bestimmt. Außerdem wurden bestimmte Waren geordert oder aber mit Hinweis auf Absatzschwierigkeiten sonst regelmäßig bezogene Waren abbestellt. Da die Absetzbarkeit von Waren und deren Versendung in bestimmte Absatzgebiete u. a. auch durch Blockaden, kriegerische Auseinandersetzungen, Hungersnöte etc. behindert oder gefördert wurde, enthielten die meisten Handelsbriefe darüber hinaus auch Informationen über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in bestimmten Orten oder Regionen.

[...]


[1] Mehr Informationen dazu siehe: „Boockmann, Hartmut (1998): Die Briefe des Deutschordenshochmeisters“

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Die Beförderung von Briefen im 14.15. Jh. (im Hl. Röm. Reich Dt. Nation)
Hochschule
Universität Siegen  (Fachbereich 1 - Geschichte)
Veranstaltung
Handel und Verkehr im Mittelalter
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
4
Katalognummer
V141122
ISBN (eBook)
9783640508181
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beförderung, Briefen, Reich, Nation)
Arbeit zitieren
Mario Kulbach (Autor), 2009, Die Beförderung von Briefen im 14.15. Jh. (im Hl. Röm. Reich Dt. Nation), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141122

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