Erst mit dem Aufkommen der sozialwissenschaftlichen Forschung konnte man präzisere Aussagen über Meinungen auf der Basis von statistischen Auswertungsverfahren machen. Die Umfrageforschung ermöglicht beispielsweise das Messen von Einstellungen zu politische Themen, verschiedenen gesellschaftlichen Trends, wie Konsum- oder Freizeitaktivitäten,. Die Interviews, noch Befragungen oder Meinungsumfragen genannt dienen zur möglichst präzisen Erhebung von Daten und Informationen. Zu unterscheiden sind hier Befragungen, die ein und dieselben Fragen an möglichst viele Befragte stellen und sogenannte quantitative Umfragedaten gewinnen, und solche, die qualitativ auf die Ermittlung von Hintergründen und von Expertenwissen gerichtet sind. „Jedes Interview ist Kommunikation, und zwar wechselseitige, und aber auch ein Prozess. Jedes Interview ist Interaktion und Kooperation. Das „Interview“ als fertiger Text ist gerade das Produkt des „Interviews“ als gemeinsamem Interaktionsprozess, von Erzählperson und interviewender Person gemeinsam erzeugt – das gilt für jeden Interviewtypus. (...) Interviews sind immer beeinflusst, es fragt sich nur wie. Es geht darum, diesen Einfluss kompetent, reflektiert, kontrolliert und auf eine der Interviewform und dem Forschungsgegenstand angemessenen Weise zu gestalten.“
Fakt ist, dass im 1991 35 Prozent der erwachsenen Einwohner der Bundesrepublik Deutschland gleich 28 Millionen mindestens einmal oder mehrfach von einem Interviewer bei einer Bevölkerungs-Umfrage befragt worden waren und hatten ein demoskopisches Interview erlebt. Mittlerweile finden demoskopische Interviews täglich auf der ganzen Welt statt und im Durchschnitt wird nur jedes fünfte Interview verweigert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Verfahren der Demoskopie
2.1. Das quantitative Verfahren
2.1.1. Entwicklung des Fragebogens
2.2. Das qualitative Verfahren
2.3. Stichprobenverfahren
2.3.1. Zufallsstichprobe
2.3.2. Nicht-zufällige Auswahlverfahren
3. Fazit: Quantitatives vs. qualitatives Verfahren
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit befasst sich mit den methodischen Grundlagen des demoskopischen Interviews als zentralem Instrument der Sozialforschung. Ziel ist es, die Unterschiede, Anwendungsbereiche sowie die spezifischen Vor- und Nachteile von quantitativen und qualitativen Befragungsmethoden herauszuarbeiten und deren Bedeutung für eine valide Datenerhebung aufzuzeigen.
- Grundlagen und Definitionen des demoskopischen Interviews
- Strukturierung und methodische Anforderungen an standardisierte Fragebögen
- Vergleich von quantitativen und qualitativen Erhebungsverfahren
- Analyse von Stichprobenverfahren und Auswahlmethoden
- Herausforderungen in der Interviewsituation und Vermeidung von Fehlerquellen
Auszug aus dem Buch
2.1. Das quantitative Verfahren
Das „demoskopische Interview“: ist eine mündliche, standardisierte Befragung von Personen, die nach statistischen Prinzipien ausgewählt sind. Ziel dieses Interviews ist das Rohmaterial einer empirischen Untersuchung zu liefern: Fragen der Interviewer, Antworten der Befragten, Aufzeichnungen der Interviewer über die Beobachtungen beim Befragten und in der Umgebung, bilden die Grundlage der Forschungsergebnisse. An der empirischen Untersuchung sind meistens zahlreiche Personen in aufeinanderfolgenden Phasen beteiligt: Auftraggeber bzw. Sponsor der Studie, Forscher, oft eine Forschergruppe: Soziologen, Psychologen, Wirtschaftswissenschaftler, Statistiker, Mathematiker -, Leiter der Interviewer-Organisation, Interviewer, Befragte, Spezialisten elektronischer Datenverarbeitung.
Typisch für das demoskopische Interview ist, dass es nach „Schema F“ geführt wird: Umgangssprachlich wird von Schema F gesprochen, wenn etwas bürokratisch routinemäßig, stereotyp, mechanisch oder gedankenlos abläuft.
Mit einem standardisierten Interview, bei dem für alle Personen die gleichen Fragen, meist mit den gleichen Antwortvorgaben, gestellt werden, erhofft man sich eine Gleichheit der Interviewsituation. Bei wechselnden Formulierungen der Frage wäre es möglich, dass sich die Interpretation der Frage von Person zu Person verändert. Es soll also erreicht werden, dass unterschiedliche Stimuli, die schließlich in der Datenauswertung nicht überprüft werden können, möglichst ausgeschlossen werden. Durch den Wechsel der Frageformulierung könnte man nicht mehr nachvollziehen, ob der Unterschied der Antwort von der einen Person zur anderen durch eine unterschiedliche Meinung bzw. Einstellung der beiden Personen entstanden ist, oder durch die unterschiedliche Frageformulierung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Es wird die Bedeutung der Umfrageforschung zur Erhebung von Daten und Informationen in den Sozialwissenschaften erläutert und die Abgrenzung zwischen quantitativen und qualitativen Befragungen skizziert.
2. Verfahren der Demoskopie: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die beiden grundlegenden Forschungsrichtungen, wobei der Schwerpunkt auf der quantitativen, standardisierten Befragung liegt.
2.1. Das quantitative Verfahren: Hier werden die methodischen Anforderungen, die Neutralität des Interviewers und die Notwendigkeit validierbarer Datenerhebung sowie die Vermeidung von Interviewsituation-Fehlern detailliert behandelt.
2.1.1. Entwicklung des Fragebogens: Dieser Abschnitt beschreibt die Schritte zur Erstellung eines Fragebogens, von der Wahl der Fragetypen (offen/geschlossen) bis hin zur Vermeidung typischer Formulierungsfehler und der logischen Anordnung der Fragen.
2.2. Das qualitative Verfahren: Hier wird das nichtstandardisierte Interview als Methode für explorative Voruntersuchungen oder tiefenpsychologische Fragestellungen vorgestellt, das sich durch offene Fragen und einen flexiblen Leitfaden auszeichnet.
2.3. Stichprobenverfahren: Das Kapitel erläutert die Auswahl einer repräsentativen Teilmenge aus der Grundgesamtheit, um valide Aussagen über die Gesamtheit zu treffen.
2.3.1. Zufallsstichprobe: Es wird das Prinzip erläutert, bei dem jedes Element der Grundgesamtheit eine berechenbare Chance hat, in die Stichprobe zu gelangen, was die statistische Auswertung und Fehlermessung ermöglicht.
2.3.2. Nicht-zufällige Auswahlverfahren: Hier wird die Quotenstichprobe thematisiert, die durch ihre Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit überzeugt, jedoch aufgrund der willkürlichen Auswahl Einschränkungen bei der Repräsentativität aufweist.
3. Fazit: Quantitatives vs. qualitatives Verfahren: Das Kapitel vergleicht beide Methoden anhand ihrer methodischen Merkmale, wie Objektivität, Kosten und Repräsentativität, und betont ihre komplementäre Nutzbarkeit in der Forschung.
Schlüsselwörter
Demoskopie, Umfrageforschung, quantitatives Verfahren, qualitatives Verfahren, Fragebogen, Stichprobe, Zufallsstichprobe, Quotenstichprobe, Standardisierung, Validität, Interviewer-Einfluss, Sozialforschung, Meinungsforschung, Datenerhebung, Empirie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den methodischen Grundlagen des demoskopischen Interviews als einem zentralen Erhebungsinstrument in der Sozial- und Marktforschung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die methodischen Unterschiede zwischen quantitativen und qualitativen Befragungsformen, die Konstruktion von Fragebögen sowie verschiedene Verfahren zur Stichprobenziehung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Regeln und Anforderungen für eine saubere, wissenschaftlich fundierte Datenerhebung durch Interviews darzulegen und deren Anwendbarkeit in der Praxis zu bewerten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse der einschlägigen sozialwissenschaftlichen Methodenlehre, um die Ansätze der quantitativen Standardisierung und der qualitativen Exploration gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Vorgehensweise bei quantitativen Interviews (einschließlich Fragebogendesign), die explorative Natur qualitativer Interviews und die statistischen Grundlagen von Stichprobenverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Demoskopie, Standardisierung, Validität, Repräsentativität und Methodenvergleich definiert.
Warum spielt die Anonymität im demoskopischen Interview eine so große Rolle?
Anonymität ist notwendig, damit die Befragten unbefangen antworten können, ohne soziale Sanktionen oder Konsequenzen fürchten zu müssen, was die Gefahr von Antwortverzerrungen minimiert.
Was ist der Hauptnachteil von nicht-zufälligen Auswahlverfahren?
Der Hauptnachteil liegt in einer geringeren Repräsentativität, da die Auswahl oft sozio-kulturell beeinflusst ist und somit das Risiko einer Überrepräsentierung bestimmter Bevölkerungsgruppen besteht.
- Quote paper
- Boyana Marinova (Author), 2009, Das Demoskopische Interview, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141153