Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)

Suizidassistenz

Rechtliche und ethische Probleme der Suizidassistenz bei terminal Kranken

Title: Suizidassistenz

Term Paper , 2008 , 37 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marco Lagger (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der Suizid ist ein altes und zugleich beständiges Thema der Philosophie.
Kant lehnte die Selbsttötung unter Verweis auf eine „Pflicht gegen sich
selbst“ strikt ab; Hume sah die gegenüber dem Suizid vorherrschend
ablehnende Haltung seiner Zeitgenossen in einem natürlichen und durch
Gewohnheit weiter verstärkten Aberglauben begründet; für Seneca war
die unvoreingenommene Betrachtung der prinzipiell gegebenen
Möglichkeit zur Selbsttötung ein wesentlicher Bestandteil seiner Theorie
des guten Lebens; und Camus war gar der Auffassung: „Es gibt nur ein
wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord“.
Spezifisch prekär wird die Frage nach dem selbstbestimmten Sterben
für Menschen, die in solchem Maß von Krankheit betroffen sind, dass sie
keine Aussicht auf Genesung haben, sondern nur auf erhebliches Leiden
bis zum schließlich ohnehin eintretenden Tod. Die Perspektive Kranker ist
dabei nicht die typische Perspektive jener philosophiegeschichtlichen
Diskurse, gerade aus ihr aber scheint die Haltung, sterben zu wollen, auf
Anhieb leichter zugänglich als aus einer prinzipiellen Perspektive, die etwa
suggestiv und pathetisch zugleich die Frage aufwirft, „ob das Leben es
wert ist, gelebt zu werden oder nicht“, oder, unter welchen Umständen
man aus sittlichen Gründen regelrecht verpflichtet ist, generell nicht mehr
am Leben zu hängen6. So ist der Wunsch nach schnellem Sterben im Fall
eines Todkranken bereits intuitiv und vor-philosophisch wesentlich leichter
nachvollziehbar als im Fall eines körperlich Gesunden. Eine solche Situation der terminalen Erkrankung betrifft potentiell jeden.
Aufgrund der stetig steigenden medizinischen Möglichkeiten, auch den
stark erkrankten menschlichen Organismus noch am Leben zu erhalten, wird ein schneller Tod immer unwahrscheinlicher; das Zeitfenster, in dem
die Frage nach dem Sterbewunsch dringlich wird, vergrößert sich
entsprechend. Zugleich allerdings verbessert sich die palliativmedizinische
Behandlung, die in Verbindung mit entsprechender sozialer Zuwendung
bereits die Entstehung jeder Lebensmüdigkeit verhindern soll. Die Entwicklungstendenzen der Intensiv- sowie Palliativmedizin sind für
den akut tödlich erkrankten Menschen freilich von geringem Interesse. In
Zusammenhang mit seiner Erkrankung gibt es nur eine wichtige Frage:
Will er mit seiner Krankheit unter den faktischen Umständen weiterleben
oder leidet er darunter so stark, dass er es vorzieht zu sterben? [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Suizidassistenz in Deutschland

2.1 Rechtliche Situation

2.1.1 Abgrenzung zu anderen Formen der Sterbehilfe

2.1.2. Grundsätzliche Schwierigkeiten

2.1.3 Exemplarische Fälle

2.1.3.1 Fall Wittig, Bundesgerichtshof im Jahr 1984

2.1.3.2 Fall Hackethal, Oberlandesgericht München im Jahr 1987

2.1.4 Zwischenfazit zur rechtlichen Situation

2.2 Standesethische Situation

2.2.1 Grundsätze und Richtlinien

2.2.2 Zwischenfazit zur standesethischen Situation

3. Philosophische Kritik der Suizidassistenz

3.1 Betrachtung der Argumente gegen eine liberale Handhabung

3.2 Betrachtung der Argumente für eine liberale Handhabung

4. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die rechtlichen, ethischen und philosophischen Rahmenbedingungen der Suizidassistenz bei unheilbar kranken Menschen in Deutschland und analysiert das Spannungsfeld zwischen Patientenselbstbestimmung und den Pflichten medizinischer Akteure.

  • Rechtliche Grundlagen und Abgrenzung zu anderen Sterbehilfeformen in Deutschland.
  • Analyse präzedenzbildender Gerichtsentscheidungen zur Suizidassistenz.
  • Standesethische Positionen der Ärzteschaft und deren praktischer Einfluss.
  • Philosophische Debatte: Argumente für und gegen eine liberale Handhabung der Suizidhilfe.
  • Kritische Würdigung des „Dammbruch-Arguments“ und des Autonomiebegriffs.

Auszug aus dem Buch

3.1 Betrachtung der Argumente gegen eine liberale Handhabung

a) Unverfügbarkeit des Lebens

Die vehementeste Position betrachtet den Suizid – ganz gleich unter welchen Bedingungen – als eine intrinsisch verwerfliche Handlung. Folgerichtig wird die Unterstützung der Selbsttötung ebenso abgelehnt. Gemeinsame Grundlage verschiedener Varianten dieser Haltung ist der Glaube an die Unverfügbarkeit menschlichen Lebens, der nicht nur die Möglichkeit zur Auslöschung fremden, sondern auch des eigenen Lebens als illegitim verwirft. Derartige Positionen gegen eine moralische Zulässigkeit des Suizids postulieren eine prinzipielle Sakrosanktheit menschlichen Lebens und stützen sich dabei stets auf religiöse oder transzendente Quellen. Über ihr jeweiliges Bezugssystem hinaus erscheinen sie jedoch nicht plausibel, für eine unvoreingenommene und rationale Betrachtung sind sie somit kaum von Interesse.

b) Uneigentlichkeit des Sterbewunsches

Andere Positionen, die sich generell gegen die Zulässigkeit des Suizids wenden, gehen davon aus, dass jeder ernsthafte Wunsch, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen, unnatürlich, unauthentisch oder krankhaft ist und somit keinerlei Respekt oder tatkräftige Unterstützung verdient. Als beinahe inhaltsleer kann dabei die Variante verworfen werden, die auf einen deskriptiv falschen und normativ zu stark beanspruchten Begriff der Natürlichkeit setzt: Wäre die Selbsttötung rein deskriptiv unnatürlich, käme sie überhaupt nicht vor, was faktisch unzutreffend ist; und normativ ist der Begriff der Natürlichkeit unbrauchbar, da er völlig leerformelhaft gleichermaßen für wie auch gegen den Suizid angewandt werden kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Suizid-Thema aus philosophischer Sicht und Darlegung der Dringlichkeit der Frage bei terminaler Krankheit.

2. Suizidassistenz in Deutschland: Detaillierte juristische Analyse der aktuellen Rechtslage, der Abgrenzung zu anderen Sterbehilfeformen sowie Untersuchung einschlägiger Gerichtsurteile und standesethischer Richtlinien.

3. Philosophische Kritik der Suizidassistenz: Systematische Gegenüberstellung der philosophischen Argumente gegen und für eine liberale Handhabung, unter besonderer Berücksichtigung von Patientenautonomie und Schutzpflichten.

4. Fazit und Ausblick: Kritische Reflexion über das Handeln der Politik und Rechtsprechung sowie Einordnung des Themas in einen internationalen Kontext.

Schlüsselwörter

Suizidassistenz, Sterbehilfe, Patientenselbstbestimmung, Lebensende, Strafrecht, Bundesärztekammer, Ethik, Philosophie, Autonomie, Sterbebegleitung, terminale Krankheit, Garantenpflicht, Suizidprävention, Dammbruch-Argument, Patientenverfügung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den rechtlichen und ethischen Spannungsfeldern der Suizidassistenz bei terminal kranken Menschen in Deutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Abgrenzung der Suizidassistenz von aktiver Sterbehilfe, die Rolle der ärztlichen Standesethik und die philosophische Bewertung von Autonomie und Lebensschutz.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die bestehenden juristischen und ethischen Unsicherheiten aufzuzeigen und einen Beitrag zur rationalen Debatte über die Möglichkeiten und Grenzen der Suizidassistenz zu leisten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophisch-ethische und juristische Analyse, die Fachliteratur, aktuelle Rechtsprechung und berufsethische Kodizes der Ärzteschaft auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert deutsche Gerichtsurteile, die Richtlinien der Bundesärztekammer sowie die grundlegende philosophische Debatte über das „Dammbruch-Argument“ und die Unverfügbarkeit des Lebens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Suizidassistenz, Patientenautonomie, Sterbebegleitung, Garantenpflicht und das Spannungsfeld zwischen Lebensschutz und Selbstbestimmung.

Wie bewerten Gerichte die Rolle des Arztes bei der Suizidassistenz?

Die Rechtsprechung ist uneinheitlich; Gerichte betrachten den Arzt oft als Garanten, wägen aber im Einzelfall das Recht auf Selbstbestimmung gegen die Pflicht zur Lebensrettung ab.

Welche Position vertritt die Bundesärztekammer zum Thema?

Die Bundesärztekammer lehnt eine Mitwirkung des Arztes an der Selbsttötung konsequent ab, da dies dem ärztlichen Ethos widerspreche.

Was besagt das „Dammbruch-Argument“?

Es ist die Sorge, dass eine Legalisierung der Suizidassistenz zu einer schleichenden Ausweitung führt, an deren Ende auch unerwünschte Tötungen gegen den Willen des Patienten stehen könnten.

Warum spielt der Begriff der „Garantenstellung“ eine so wichtige Rolle?

Die Garantenstellung definiert, wann ein Arzt rechtlich zum Eingreifen verpflichtet ist, um den Suizidenten vor dem Tod zu bewahren, was den Handlungsspielraum bei der Suizidassistenz massiv einschränkt.

Excerpt out of 37 pages  - scroll top

Details

Title
Suizidassistenz
Subtitle
Rechtliche und ethische Probleme der Suizidassistenz bei terminal Kranken
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Philosophisches Institut)
Course
Bioethik
Grade
1,0
Author
Marco Lagger (Author)
Publication Year
2008
Pages
37
Catalog Number
V141162
ISBN (eBook)
9783640508327
ISBN (Book)
9783640508419
Language
German
Tags
Suizidassistenz Rechtliche Probleme Suizidassistenz Kranken
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marco Lagger (Author), 2008, Suizidassistenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141162
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  37  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint