Der Nationalkatholizismus als Sonderweg Spaniens in der Zeit des totalen Nationalstaats in Europa


Hausarbeit, 2008

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Definitionen

2 Der Katholizismus während der Zweiten Republik

3 Die Phasen des Franquismus

4 Propagandamanagement und Katholizismus
4.1 1936-1945: Der Bürgerkrieg und die Vorherrschaft der Falange
4.2 1945-1957: Der politische Katholizismus
4.2.1 1953: Das Konkordat mit dem Vatikan
4.2.2 1945-1955: Der Kampf um die Aufnahme in die Vereinten Nationen
4.2.3 Ab 1945: Die Teilnahme der Kirche an der Regierungsbildung
4.2.4 Die 1950er: Der Beginn der Säkularisierung
4.3 1957-1973: Die starke Präsenz des Opus Dei und der Technokraten
4.3.1 1962-1965: Das Zweite Vatikanische Konzil
4.3.2 Die 1960er: Die Hinwendung zur westlichen Welt
4.3.3 Die 1970er: Die Abwendung der Kirche von der Staatsmacht

5 Schlussbemerkung

6 Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Der Katholizismus als Staatsreligion in Spanien zur Zeit der Franco-Diktatur konnte sich damals nur aus zwei unterschiedlichen Gründen entwickeln. Als Erstes ist hier die Vorgeschichte aus der Zweiten Republik, während derer der Katholizismus unterdrückt wurde, zu nennen und als Zweites die fehlende Ideologie des Franquismus. Da jedoch Francos Prinzipien mit den Grundsätzen der katholischen Kirche übereinstimmten, nutzte dieser die Kirche als Propagandamittel, um sich die Unterstützung des gesamten spanischen Volkes zu verschaffen.

Als Sonderweg Spaniens wird diese Entwicklung bezeichnet, da sich zu dieser Zeit in anderen Ländern Europas zwar ebenfalls totalitäre Regime herausbildeten, sich jedoch kein anderer Staat auf eine Religion in diesem Ausmaß stützte und sich darüber hinaus im gleichem Maße in seine Angelegenheiten eingreifen ließ. Dies aber war nicht der einzige Sonderweg, den Spanien einschlug.

Allerdings gab es nicht nur Unterschiede zwischen den einzelnen europäischen Staaten, sondern auch Gemeinsamkeiten, die ich später ebenfalls aufgreifen werde.

1. Definitionen

Bevor ich mich mit dem Thema eingehender befasse, möchte ich zuerst einmal Definitionen zu einigen Begriffen liefern.

Unter dem Begriff ,Nationalstaat’ verstehen wir einen Staat, dessen Einwohner vollkommen oder mehrheitlich derselben Nation angehören. Merkmale können, aber müssen nicht, zum Beispiel die Abstammung, die Religion und die Sprache, sein. Das Gegenteil ist der ,Vielvölkerstaat’.

Als ,Diktatur’ wird im Brockhaus eine „Herrschaftsform mit unbeschränkter Macht einer Person oder Gruppe“ beschrieben, die verbunden ist

mit der Unterdrückung der Opposition, der Aufhebung der Gewaltenteilung, der

Ausschaltung oder Behinderung der Öffentlichkeit bei der Kontrolle polit.

Macht sowie der weitgehenden Einschränkung der verfassungsmäßigen Grund-

und Mitwirkungsrechte der Bürger. Sie stützt sich meist auf eine Partei,

auf das Militär oder das Proletariat.1

Der ,Totalitarismus’ ist die politische Herrschaft mit den Merkmalen einer ,Diktatur’, welche jedoch zu den autoritären System gezählt wird. Der ,Totalitarismus’ hingegen zieht keine Grenze mehr zwischen dem öffentlichen und privaten Bereich, „weil nahezu alles den staatlichen Bedürfnissen, Erfordernissen und Anordnungen subsumiert und jegliche Kritik und Freiheitsrechte des Individuums nötigenfalls gewaltsam unterdrückt werden“ (Microsoft Encarta Enzyklopädie 2005). Beispiele hierzu finden sich im faschistischen Italien, im nationalsozialistischen Deutschland und in der stalinistischen Sowjetunion. Schmiechen-Ackermann (2006:63f.) spricht hierbei jeweils von „von einem „Führer“ dirigierte, sozial entdifferenzierte und jedem Individualismus feindliche Massengesellschaft“, die von einer Staatspartei beherrscht wird, ganz im Gegensatz zu den „Diktaturen auf der Basis einer militarisierten Einheitspartei“ (ebd.), wie zum Beispiel dem Franquismus und dem Peronismus. Dabei fügte Franco 1937 selbst seiner Staatsform das Adjektiv „totalitär“ hinzu, da er die Monarchie der Reyes Católicos fortführen wollte.

Zu den Bedingungsfaktoren der totalitären Regime in Europa zu Beginn der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts zählt Schmiechen-Ackermann die destruktive Auswirkung des Ersten Weltkriegs auf den politischen Bereich, das Misslingen der beabsichtigten Friedensverträge und außerdem das Misstrauen in und die darauffolgende Krise der europäischen Demokratien (vgl. 2006:64). Als „Katalysator“ bezeichnet er die Weltwirtschaftskrise.

Mit der Rückkehr zur Diktatur nach dem Bürgerkrieg integriert sich Spanien wieder in die Staatsformen Europas, das zu diesem Zeitpunkt einige Gewaltherrschaften aufweisen kann, wie zum Beispiel Italien und Deutschland. Somit ist die Diktatur an sich noch kein Sonderweg Spaniens, sondern die Art, wie sie propagiert und mit welchen Mitteln sie es Anfang der 50er Jahre bewerkstelligte, gesellschaftlich weltweit sogar anerkannt zu werden.

2. Der Katholizismus während der Zweiten Republik

Um zu begreifen, warum die katholische Kirche in der Zeit des Franquismus zu solch mächtigem Instrument werden und diesen großen Einfluss erringen konnte, muss man in der Geschichte Spaniens nicht weit zurück gehen.

Die Zweite Republik Spaniens umfasste die Jahre 1931 bis 1936 und endete folglich mit dem Spanischen Bürgerkrieg. Da sich zu dieser Zeit in anderen Staaten Europas Diktaturen erhoben, kann man auch hier von einem Sonderweg auf der iberischen Halbinsel sprechen. Diese demokratische Republik ging aus der Diktatur Primo de Riveras hervor, die von 1923 bis 1930 andauerte. Man kann daraus schließen, dass Spanien sich als einer der ersten Staaten Europas aus den Fängen der Diktatur hätte befreien können. Bernecker/Pietschmann (1993:327) bezeichnen Spanien während der Zweiten Republik „in politischer Hinsicht [als] ein modernes Land“ aufgrund seines pluralistischen Parteiensystems und des unabhängigen Pressewesens. Wirtschaftlich und gesellschaftlich gesehen war Spanien dennoch eher rückständig geblieben.

Die katholische Kirche verlor 1931 mit der Proklamation der Verfassung ihre vorherige Stellung als Staatsreligion, da man hoffte, mittels der Trennung von Staat und Kirche die Aufnahme liberaler und somit auch modernerer Prinzipien in die Verfassung zu vereinfachen. In der Verfassung vom 09. Dezember 1931 heißt es dazu in den „Allgemeinen Bestimmungen“ (Art. 1-8): „Spanien ist eine demokratische Republik von Arbeitern jeder Art, die sich in Freiheit und Gerechtigkeit einrichtet. Die Gewalt aller Organe geht vom Volke aus [...] Der spanische Staat hat keine offizielle Religion“ (Bernecker/Pietschmann 1993:292). Für die katholische Glaubensgemeinschaft war dies ein herber Rückschlag. Infolgedessen ist es nicht schwer zu verstehen, dass die Kirche im franquistisch-regierten Staat ihre Chance sah. Zum Ende des Spanischen Bürgerkriegs zeigte sich schon die Unterstützung des Franquismus von Seiten der katholischen Bischöfe, nachdem möglicherweise beiden Seiten klar wurde, dass man ohne die andere Seite nicht überleben würde. Franco brauchte ein Zugpferd, dass für Unterstützung sorgen würde und die Kirche benötigte dringend Hilfe vom Staat, um wieder die machtvolle Stellung einnehmen zu können, die sie gewohnt war.

3. Die Phasen des Franquismus

Der Zeitraum, in dem der Franquismus in auf der iberischen Halbinsel dominierte, umfasste circa 36 Jahre, von 1939, dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs, bis zu Francos Tod im Jahre 1975. Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, inwiefern diese Periode in Phasen unterteilt werden kann.

Bernecker (1997:180) spricht von zwei Phasen. Die erste schließt den Bürgerkrieg und die ersten 20 Nachkriegsjahre mit ein, währenddessen die Kirche als ideologisches Mittel des Regimes benutzt wurde, während die zweite die beiden letzten Jahrzehnte des Franquismus umfasst, in denen die Kirche eher die Position einer „reformistisch gesinnte[n] Opposition“ einnahm.

[...]

1: Der Brockhaus in 15 Bänden (Band 3) 1998: 311 f.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der Nationalkatholizismus als Sonderweg Spaniens in der Zeit des totalen Nationalstaats in Europa
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Romanistik)
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V141250
ISBN (eBook)
9783640483280
ISBN (Buch)
9783640483525
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spanien, Nationalkatholizismus, Nationalstaat, Franco
Arbeit zitieren
Simone Mihm (Autor), 2008, Der Nationalkatholizismus als Sonderweg Spaniens in der Zeit des totalen Nationalstaats in Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141250

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