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Chinatown und chinesische Prostitution im San Francisco des 19. Jahrhunderts

Yan Gelings Roman "Fusang" und seine historischen Hintergründe

Title: Chinatown und chinesische Prostitution im San Francisco des 19. Jahrhunderts

Thesis (M.A.) , 2009 , 96 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Nicole Koller (Author)

Orientalism / Sinology - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

Im Jahr 2001 trat George W. Bush sein Amt als 43. Präsident der Vereinigten
Staaten von Amerika an. Unter den 15 Ministern und Ministerinnen seines
Kabinetts gab es nur eine Frau, die während Bushs gesamter Präsidentschaft im
Amt blieb: Arbeitsministerin Elaine Lan Chao.
„Elaine Chao believes deeply in the American dream because she has lived it“,
sagte Bush damals über seine Arbeitsministerin.1 Denn Chao war die erste
Amerikanerin chinesischer Abstammung, die ein Amt im Kabinett eines
US-Präsidenten innehatte. Geboren in Taipeh, emigrierte sie im Alter von acht
Jahren mit ihrer Familie nach Amerika.2 Vierzig Jahre später wurde sie Ministerin
in Bushs Kabinett. Eine Tatsache, die in der heutigen Zeit niemanden verwundern
dürfte. Schließlich gehört ein Großteil der chinesischstämmigen Amerikaner der
Mittelschicht an. Bei vielen Chinesen, die in den USA leben, handelt es sich sogar
um qualifizierte Fachkräfte, die für international tätige Unternehmen arbeiten.
Oder um chinesische Studenten, die nach ihrer Ausbildung in den USA bleiben.3
Kaum vorstellbar, dass es durchaus eine Zeit gab, in der chinesische
Einwanderer in den USA unwillkommen waren und dass Immigranten aus dem
Land der Mitte in Amerika mit Diskriminierung, Rassismus und offene Gewalt
durch Weiße konfrontiert wurden. Die US-Regierung erließ 1882 sogar ein Gesetz,
das Chinesen zur einzigen unerwünschte Nation erklärte und ihnen über 60 Jahre
lang die Einreise in die USA verwehrte.4
In dieser Zeit starker antichinesischer Bewegungen spielt Yan Gelings Roman
Fusang (The Lost Daughter of Happiness). Yan – selbst chinesische Immigrantin
in den USA – schildert darin das Leben einer Frau, die aus China entführt und in
ein Bordell in San Franciscos Chinatown verkauft wird. Yans Darstellung
Amerikas während des Goldrausches scheint von vielen historischen Ereignissen
inspiriert. Die übergreifende Thematik des Romans jedoch ist die Beziehung zwischen Amerikanern und Chinesen zur damaligen Zeit. Am Schicksal der
Protagonistin Fusang versucht Yan aufzuzeigen, mit welchen Schwierigkeiten die
ersten chinesischen Einwanderer konfrontiert waren.
Ziel dieser Arbeit ist es, Yan Gelings Darstellung von San Franciscos
Chinatown und chinesischer Prostitution mit historischen Tatsachen zu
vergleichen. Wie sah das Leben erster chinesischer Immigranten in San Francisco
aus? Wie entstanden die antichinesischen Bewegungen, die zu einem nationalen
Einwanderungsverbot führten?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Inhaltliche und sprachliche Analyse des Romans „Fusang“ (“The Lost Daughter of Happiness”)

2.1. Biographie der Autorin Yan Geling

2.2. „Slave Girl in Holiday Attire“ – Die Entstehung des Romans

2.3. Das Leben einer chinesischen Prostituierten – Inhalt des Romans

2.4. Textanalyse des Romans

2.4.1. Die auktoriale Erzählperspektive

2.4.2. Die Ich-Du-Perspektive

3. Hintergründe der Romanhandlung: Chinesische Immigranten in den Vereinigten Staaten von Amerika

3.1. Von Kanton nach Kalifornien: Ursachen chinesischer Emigration

3.1.1. Naturkatastrophen, Epedemien und Aufstände: Ursachen in China

3.1.2. Auf der Suche nach Gold: Ursachen in den USA

3.2. Hoffnung auf Reichtum am Gold Mountain: Chinesische Arbeiter in San Francisco

3.3. Chinatown –Heimat in der Fremde

3.4. Unerwünschte Exoten

3.4.1.Erste antichinesische Bewegungen in Kalifornien

3.4.2. Gewalt gegen die unwillkommenen Gäste

3.4.3. Der Page Act und die Chinese Exclusion Laws

4. „Massenimportgut“ Chinesin – Darstellung von Frauenhandel und Prostitution in Fusang

4.1. Gründe für den Boom chinesischer Prostitution

4.1.1. Prostitution in China

4.1.2. Die Bachelor-Gesellschaft in Chinatown

4.2. Beschaffung und Verkauf chinesischer Frauen

4.2.1. Methoden der Menschenhändler

4.2.2. Das Schiff in die Gefangenschaft

4.2.3. Ankunft auf Angel Island

4.2.4. Verkauft an den Höchstbietenden

4.3. Das Leben der Prostituierten in Chinatown

4.3.1. Lebensumstände im Bordell

4.3.2. Fremde Exotinnen und „ausländische Teufel“

4.3.3. Christliche Missionen gegen chinesische Prostitution

4.4. Fusang – Eine typische chinesische Prostituierte?

4.5. Rückgang chinesischer Prostitution in San Francisco

4.6. Prostitution als Mit-Ursache des negativen Chinesenbilds

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Yan Gelings Roman "Fusang" im Hinblick auf die historische Darstellung des Lebens chinesischer Einwanderer in San Francisco im 19. Jahrhundert, insbesondere den Handel mit Frauen und deren Prostitution.

  • Literarische und inhaltliche Analyse des Romans "Fusang"
  • Vergleich der fiktiven Romanwelt mit historischen Tatsachen der chinesischen Immigration
  • Die Darstellung von Frauenhandel und Prostitution als Spiegel gesellschaftlicher Zustände
  • Untersuchung der Rolle rassistischer Vorurteile und antichinesischer Bewegungen in den USA

Auszug aus dem Buch

2.4.1. Die auktoriale Erzählperspektive

Die Geschichte Fusangs wird dem Leser von der auktorialen Erzählerin übermittelt. Sie ist mit der Erzählerin der Ich-Perspektive identisch: Eine chinesische Schriftstellerin, die ein Buch über Fusangs Leben schreibt. Als auktoriale Erzählerin ist sie jedoch nicht selbst Teil der Geschichte, sondern schildert diese allwissend von außen. Die Gefühle und Handlungen der Figuren beschreibt sie in der dritten Person.

Auf den Leser wirkt die auktoriale Erzählerin oft mit der Autorin identisch. Diese scheinbare Verschmelzung lässt sich dadurch erklären, dass die fiktive Schriftstellerin zu Beginn des Romans – in der Ich-Perspektive - ihr Projekt vorstellt: Die Schilderung von Fusangs Leben. Nach Monika Fludernik ist es typisch für die auktoriale Erzählsituation, dass „der Erzähler sich als Autor geriert“.28 Als auktoriale Erzählerin nimmt die Schriftstellerin zwar nicht an der Handlung teil, hat aber aufgrund der Ich-Erzählperspektive eine klar definierte Identität. Eine Identität, die viele Parallelen zur Autorin Yan Geling aufweist, worauf ich in Kapitel 2.4.2. eingehen werde.

Die auktoriale Erzählung nimmt den größeren Teil des Romans ein. Sie beginnt – nach der ersten Ich-Du-Erzählung – mit einer Szene in Fusangs Zimmer im Bordell. Die Prostituierte wartet seit über einem Monat auf einen Freier. Als der zwölfjährige Chris erscheint, ist Fusang zunächst überrascht, lässt es sich ihm gegenüber allerdings nicht anmerken.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Einleitung in die Thematik der chinesischen Einwanderung und Vorstellung des Romans „Fusang“ im Kontext historischer Diskriminierung.

2. Inhaltliche und sprachliche Analyse des Romans „Fusang“ (“The Lost Daughter of Happiness”): Untersuchung der Entstehung, Biografie der Autorin und grundlegende erzähltheoretische Analyse des Romans.

3. Hintergründe der Romanhandlung: Chinesische Immigranten in den Vereinigten Staaten von Amerika: Detaillierte Darstellung der Emigrationsursachen und der sozioökonomischen Situation chinesischer Arbeiter in den USA.

4. „Massenimportgut“ Chinesin – Darstellung von Frauenhandel und Prostitution in Fusang: Kernanalyse des Frauenhandels, der Lebensumstände in Bordellen und der historischen Hintergründe der chinesischen Prostitution.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Korrelation zwischen Romanhandlung und historischen Gegebenheiten sowie Reflexion über die Situation chinesischer Amerikaner.

Schlüsselwörter

Fusang, Yan Geling, Chinatown, San Francisco, chinesische Immigration, Frauenhandel, Prostitution, chinesische Prostituierte, Diskriminierung, Rassismus, Chinese Exclusion Act, Auktoriale Erzählperspektive, Ich-Du-Erzählung, Goldrausch, Missionarinnen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Yan Gelings Roman „Fusang“ im Kontext der realen historischen Bedingungen chinesischer Einwanderer im San Francisco des 19. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Erzählperspektiven des Romans, den sozioökonomischen Ursachen der Emigration aus Kanton sowie der Darstellung und Praxis von Frauenhandel und Prostitution.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist ein Vergleich zwischen der literarischen Darstellung in „Fusang“ und den historischen Fakten, um aufzuzeigen, wie realitätsnah der Roman die schwierige Lage chinesischer Immigranten abbildet.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es werden eine erzähltheoretische Textanalyse des Romans sowie eine historische Aufarbeitung der Immigration und Diskriminierung Chinesen in den USA vorgenommen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche und sprachliche Analyse des Romans sowie eine detaillierte Erörterung der Lebensbedingungen chinesischer Arbeiter und Prostituierter im historischen Kontext.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Migration, Prostitution, Frauenhandel, Rassismus, Chinatown, Chinese Exclusion Laws und literarische Erzählweise.

Warum spielt das Thema Frauenhandel im Roman eine so große Rolle?

Der Frauenhandel war historisch ein massives soziales Problem in Chinatown, das zudem von zeitgenössischen antichinesischen Bewegungen als Argument gegen chinesische Einwanderer genutzt wurde.

Wie unterscheidet sich Fusang von anderen Prostituierten im Roman?

Fusang zeigt eine bemerkenswerte Passivität und Gleichgültigkeit gegenüber ihrem Schicksal, was sie laut Analyse vor dem psychischen Zerbrechen schützt, an dem viele andere Prostituierte scheiterten.

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Details

Title
Chinatown und chinesische Prostitution im San Francisco des 19. Jahrhunderts
Subtitle
Yan Gelings Roman "Fusang" und seine historischen Hintergründe
College
University of Frankfurt (Main)
Grade
1,7
Author
Nicole Koller (Author)
Publication Year
2009
Pages
96
Catalog Number
V141309
ISBN (eBook)
9783640508631
ISBN (Book)
9783640508471
Language
German
Tags
Chinatown San Francisco Prostitution Yan Geling Fusang The lost daughter of happiness chinesische Prostitution
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicole Koller (Author), 2009, Chinatown und chinesische Prostitution im San Francisco des 19. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141309
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