Handel, Macht und Reichtum kennzeichneten die Expansionsbestrebungen in der Frühen Neuzeit. Nicht nur Spanien und Portugal wollten sich im Laufe des 16. Jahrhunderts Reichtum und Macht in Übersee schaffen, sondern auch England und die Niederlande. England lag mit der Erkundung und Eroberung der Welt weit zurück. Eine dauerhafte Kolonisierung des nordamerikanischen Kontinents wurde erst nach der Regentschaft Elisabeths unter Jakob I. von England möglich. Doch es gab auch vor Elisabeths Regentschaft koloniale Aktivitäten. Allerdings erfolgten die Entdeckungsfahrten eher in geografisch nahe Gebiete, wie das katholische Irland, das sich mit Hilfe der Spanier massiv gegen eine Anglikanisierung zu wehren versuchte. Erst als sich England und Spanien voneinander entfernten und mit steigender Feindschaft zwischen Protestanten und Katholiken, wurden die Briten auf das außereuropäische Land aufmerksam. Letztendlich ging es bei Entdeckungsreisen sowohl um diplomatische und merkantile Interessen als auch um die konfessionellen Auseinandersetzungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Kolonisationsbestrebungen Englands
1.1 The Lost Colony – Roanoke
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die frühen englischen Expansionsbestrebungen im 16. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des Scheiterns der Kolonie Roanoke und analysiert die politischen sowie wirtschaftlichen Beweggründe Englands in Abgrenzung zur spanischen Vormachtstellung.
- Motive für die englische Kolonialpolitik in der Frühen Neuzeit
- Vergleich der imperialen Ansprüche Englands und Spaniens
- Die historische Chronologie der Gründung und des Verlusts der Kolonie Roanoke
- Sozioökonomische Faktoren für den verzögerten Erfolg englischer Überseeunternehmungen
Auszug aus dem Buch
The Lost Colony – Roanoke
Dennoch ist auffällig, dass sich England lange Zeit nicht intensiv für Expansionspläne interessierte. Die englischen Geschäfte florierten, so dass es keinen Anlass gab, über die Grenzen hinweg zu denken. Warum also hätte England sich an Kolonialprojekten beteiligen sollen? Um dem Feind auf einem anderen Gebiet entgegen zu treten, um das protestantische Volk zu vermehren und die Besitztümer auszuweiten, um unabhängige Ressourcen zu bekommen und damit autonom zu werden? Welche Absichten wurden also mit einer Kolonisation oder Expansion verbunden?
Zum Einen hätten mit einer Landnahme durchaus neue oder günstigere Rohstoffe entdeckt werden können. Dies hätte beispielsweise die Abhängigkeit vom Handel im baltischen Raum schwächen können. Sir Humphrey Gilbert, Bruder von Walter Raleigh, stellte die Theorie auf, dass den Indianern englischen Waren verkauft werden könnten, was die Arbeitskraft in England und damit auch den Wohlstand vermehren könnte. So sollte England unabhängig von den europäischen Feinden werden. Nach dem englischen Verständnis von der transatlantischen Ausdehnung waren die Kolonien zwar wirtschaftlich interessant, die dort Lebenden allerdings von schlechterer Qualität, d. h. dieses Land sei optimal für Abschiebungen von Sträflingen. Gilbert schlug vor, die Armen dorthin zu verschiffen. Ging es England nur um die Landnahme, also um Ausbeutung der dort Lebenden und um die Arbeitskraft für wirtschaftliche Interessen?
Zusammenfassung der Kapitel
Kolonisationsbestrebungen Englands: Das Kapitel erläutert die späte Hinwendung Englands zur Übersee-Expansion, die primär durch machtpolitische Rivalitäten mit Spanien sowie den Wunsch nach merkantiler Unabhängigkeit getrieben war.
The Lost Colony – Roanoke: Dieser Abschnitt detailliert die gescheiterten Gründungsversuche der Kolonie Roanoke und untersucht die Theorien zum Verschwinden der Siedler sowie die abschreckende Wirkung dieses frühen Unternehmens auf die weitere englische Kolonialpolitik.
Schlüsselwörter
Roanoke, Kolonisation, England, Spanien, Walter Raleigh, Übersee-Expansion, Frühe Neuzeit, Elisabeth I., Britisches Empire, Virginia, Nordamerika, Merkantilismus, Kolonialpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Anfänge des englischen Kolonialismus im 16. Jahrhundert und untersucht die Beweggründe Englands, im Wettbewerb mit Spanien Überseegebiete zu erschließen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die politischen Ambitionen Englands unter Elisabeth I., die rechtliche sowie christliche Legitimation von Kolonien und die sozioökonomischen Bedingungen der frühen Siedlungsversuche.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den englischen Expansionszielen und dem tatsächlichen Scheitern früher Projekte wie Roanoke aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Quellenanalyse und der Auswertung zeitgenössischer Theorien zur Kolonisation und Expansion.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die wirtschaftlichen Interessen, die Rolle Spaniens als konkurrierende Großmacht und die detaillierte Chronologie der Gründungen in Roanoke.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Roanoke, Kolonisation, Elisabeth I., transatlantische Ausdehnung und der Konflikt mit Spanien.
Warum blieb der englische Erfolg in Nordamerika zunächst aus?
Hauptgründe waren der englisch-spanische Krieg, wirtschaftliche Krisen in England und das Fehlen ausreichender finanzieller Ressourcen für das riskante Unterfangen.
Welche Rolle spielte die Religion bei der Expansion?
Die christlich-anglikanische Mission diente als notwendiger Deckmantel und Legitimation für das Vorgehen gegen den spanischen Katholizismus.
Wie endete die Kolonie in Roanoke?
Nach mehreren Versuchen, die Siedlung zu versorgen, fanden englische Expeditionen bei ihrer Rückkehr keine Siedler mehr vor; das Schicksal der Kolonie bleibt bis heute ungeklärt.
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- Laura Schiffner (Author), 2009, Kolonisationsbestrebungen Englands zur Zeit Elisabeths I, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141353