Der Aufsatz beschäftigt sich mit der Diskussion qualitativer und quantitativer Methoden in der sozialwissenschaftlichen Forschung, beschreibt deren Vor- und Nachteile. Er gibt einen Überblick über beide Forschungsmethoden für Einsteiger und möchte auf der Suche nach einer geeigneten individuellen Forschungsmethode helfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Qualitative und quantitative Methoden in der sozialwissenschaftlichen Forschung: Widerspruch oder Ergänzung?
2. Quantitative Methoden
2.1. Der empirische Forschungsprozess
3. Qualitative Forschung
3.1. Die Methode der teilnehmenden Beobachtung
3.2. Die Prinzipien Offenheit und Authentizität
3.3. Die Grounded Theory
3.4. Die biographische Methode
4. Methodenvergleich und Triangulation
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden in den Sozialwissenschaften und beleuchtet deren jeweilige Stärken, Schwächen sowie die Möglichkeiten ihrer methodischen Kombination.
- Kritische Analyse der qualitativen und quantitativen Forschungslogik
- Darstellung standardisierter vs. offener Erhebungsmethoden
- Diskussion der zentralen Postulate Offenheit und Authentizität
- Bedeutung der Triangulation zur Validierung und Anreicherung von Forschungsergebnissen
- Kontextualisierung durch wissenschaftstheoretische Grundlagen
Auszug aus dem Buch
Qualitative und quantitative Methoden in der sozialwissenschaftlichen Forschung: Widerspruch oder Ergänzung?
Lange Zeit gab es bzw. gibt es stellenweise heute immer noch in der sozialwissenschaftlichen Forschung zwei getrennte Lager, nämlich Anhänger der qualitativen Methoden und Anhänger der quantitativen Methoden. Erstere werfen den Statistikern „Fliegenbeinzählerei“ vor und diese wiederum bezeichnen qualitativ Arbeitende als „Journalisten“ oder „Schmetterlinge“. Aber es gibt auch immer mehr Versuche, beide Methoden zu kombinieren. Wie sinnvoll eine Trennung oder eine Kombination dieser beiden Forschungsrichtungen ist, soll in diesem Aufsatz diskutiert werden. Im Zuge dessen werden verschiedene Techniken kurz vorgestellt, damit sich auch diejenigen, die sich gerade erst mit sozialwissenschaftlichen Forschungsmethoden beschäftigen, zurechtfinden.
Dass qualitative und quantitative Forschungsmethoden sich ergänzend angewandt werden ist in der sozialwissenschaftlichen Forschung jedoch immer noch recht selten, wenngleich es vermehrt Diskussionen darüber und Versuche der Vereinbarung gibt. MERTON/KENDALL (1984) und BARTON/LAZARSFELD (1984) beispielsweise betonen die Vorteile einer Kombination beider Methoden als neue Forschungsstrategie, die sie auch selbst praktizierten. LAZARSFELD gilt in der amerikanischen Sozialforschung als Pionier bei der Entwicklung quantitativer Erhebungsmethoden und Auswertungsverfahren, aber er ist einer Ergänzung seiner ursprünglichen Forschungsidee nicht abgeneigt.
Zusammenfassung der Kapitel
Qualitative und quantitative Methoden in der sozialwissenschaftlichen Forschung: Widerspruch oder Ergänzung?: Die Einleitung skizziert den historischen und fachlichen Disput zwischen den beiden methodischen Lagern und führt in die Thematik der möglichen Ergänzung ein.
Quantitative Methoden: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der quantitativen Sozialforschung, ihren deduktiven Ansatz sowie die gängigen Verfahren zur Erhebung und statistischen Analyse.
Der empirische Forschungsprozess: Hier werden die sechs aufeinanderfolgenden Schritte der quantitativen Datenerhebung detailliert beschrieben, von der Hypothesenaufstellung bis zur Verwerfung oder Bestätigung der Theorie.
Qualitative Forschung: Dieser Abschnitt widmet sich dem interpretativen Ansatz, der auf dem Verständnis der Lebenswelt des Individuums basiert und diverse qualitative Erhebungstechniken vorstellt.
Die Methode der teilnehmenden Beobachtung: Es wird die historische Bedeutung und praktische Anwendung der teilnehmenden Beobachtung zur Untersuchung sozialer Interaktionen dargelegt.
Die Prinzipien Offenheit und Authentizität: Die beiden zentralen Postulate für qualitative Forschung werden definiert und hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Herausforderungen kritisch betrachtet.
Die Grounded Theory: Das Kapitel erläutert den Ansatz der gegenstandsbezogenen Theoriebildung nach Glaser und Strauss sowie die Notwendigkeit der ständigen Rückkopplung zwischen Datensammlung und Analyse.
Die biographische Methode: Diese spezielle Forschungsrichtung wird als Mittel zur Rekonstruktion von Lebensgeschichten und zur Gewinnung tieferer Einsichten in die Persönlichkeitsstruktur vorgestellt.
Methodenvergleich und Triangulation: Der letzte Teil diskutiert die Vor- und Nachteile beider Richtungen und stellt die Triangulation als Lösungsweg für eine umfassendere, multimodale Forschung dar.
Schlüsselwörter
Qualitative Forschung, Quantitative Forschung, Empirische Sozialforschung, Datenerhebung, Triangulation, Grounded Theory, Teilnehmende Beobachtung, Biographische Methode, Statistik, Hypothesenprüfung, Wissenschaftstheorie, Methodenkombination, Sozialwissenschaften, Forschungsmethodik, Objektivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den zwei dominierenden Forschungsrichtungen der Sozialwissenschaften, der qualitativen und der quantitativen Methodik, und untersucht deren Unterschiede, Gemeinsamkeiten sowie Möglichkeiten der methodischen Verbindung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die wissenschaftstheoretischen Unterschiede der Forschungsansätze, spezifische Erhebungsmethoden wie das Interview oder die Beobachtung sowie die kritische Reflexion über Objektivität und den Erkenntnisgewinn.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Lesern eine Orientierung im methodischen Diskurs zu geben und aufzuzeigen, wie durch eine bewusste Kombination der Ansätze (Triangulation) eine breitere Datenbasis und tiefere Erkenntnisse gewonnen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine wissenschaftstheoretische und methodologische Aufarbeitung, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert, um die verschiedenen sozialwissenschaftlichen Forschungstraditionen systematisch zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung quantitativer Standardverfahren, die Diskussion qualitativer Prinzipien wie "Offenheit" und "Authentizität" sowie die detaillierte Beschreibung spezifischer qualitativer Methoden wie der Grounded Theory.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Qualitative und Quantitative Forschung, Triangulation, Empirische Sozialforschung sowie methodische Prinzipien wie Offenheit und Authentizität.
Was unterscheidet die quantitative von der qualitativen Vorgehensweise hinsichtlich der Theoriebildung?
Während die quantitative Forschung deduktiv vorgeht und existierende Theorien bzw. Hypothesen prüft, setzt die qualitative Forschung meist auf ein induktives Vorgehen, bei dem Theorien aus der Empirie heraus erst entwickelt werden.
Welche Herausforderungen sind mit dem Prinzip der "Authentizität" verbunden?
Die größte Gefahr besteht darin, dass der Forscher beim "Going native" seine notwendige wissenschaftliche Distanz verliert, was zu einer zu starken Identifikation mit der Gruppe und damit zu verzerrten Forschungsergebnissen führen kann.
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- Sonja Deml (Author), 2009, Qualitative und quantitative Methoden in der sozialwissenschaftlichen Forschung: Widerspruch oder Ergänzung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141359