Angelus Novus und der Engel der Geschichte. Gedanken zur 9. Geschichtsthese von Walter Benjamin


Hausarbeit, 2009

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Was sind Engel?

2. Das Bild Angelus Novus von Paul Klee
2.1. Entstehungsvorgeschichte
2.2. Der Bildtitel Angelus Novus

3. Walter Benjamin und der Angelus Novus
3.1. Das Bild im Besitz Walter Benjamins
3.2. Der kabbalistische Engel
3.3. Versuch einer Interpretation der Gedanken Benjamins

4. Die 9. Geschichtsthese
4.1. Einordnung in Benjamins Situation
4.2. Einordnung in die Gesamtthesen

5. Meinungen zur 9.Geschichtsthese

Ergebnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Walter Benjamins 9. Geschichtsthese stammt aus seinem Werk Über den Begriff der Geschichte, das er 1940 verfasste. Im ersten Teil dieser These spielt das Bild Angelus Novus von Paul Klee eine zentrale Rolle, im zweiten der Engel der Geschichte. Kontrast und Gemeinsamkeiten dieser beiden Engelfiguren soll unter anderem in dieser Arbeit nachgegangen werden.

Vor Beginn der These befindet sich ein kurzer Spruch von Gershom Sholem, der den Titel Gruß vom Angelus trägt. Hierbei ist zu erörtern, warum der Spruch Scholems dieser These hinzugefügt wurde, und ob dies von Walter Benjamin beabsichtigt war, oder ob spätere Herausgeber den Spruch hinzugefügt haben.

Anderen Fragen zum Begriff Angelus Novus, einer möglichen wörtlichen Übersetzung und dem Sinn eines Neuen Engels soll ebenso nachgegangen werden wie den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Angelus Novus und dem Engel der Geschichte und warum Benjamin für die 9.Geschichtsthese gerade das Bild von Klee herangezogen hatte.

Ergänzend werden dann auch Meinungen anderer Philosophen herangezogen werden. Am Ende soll eine Einordnung der 9. These in das Werk der Geschichtsphilosophischen Thesen und in Benjamins Lebenssituation erfolgen.

1. Was sind Engel?

Das Wort „angelos“ stammt aus dem Griechischen und heißt übersetzt Bote, Botschafter, Gesandter. Engel spielen in fast allen Religionen eine große Rolle.

Im Alten und Neuen Testamen greift Gott durch Engel in das Leben eines Menschen ein, ändert seine Pläne. Engel verkünden Gericht, große Freude und geben Mut, den Weg des Glaubens weiterzuverfolgen oder bereits beschrittene Wege zu verlassen. Sie entschwinden sobald ihre Mission erfüllt ist. Engel sind Vermittler und Boten zwischen Gott und den Menschen. Die Flügel des Engels erklären die Möglichkeit einer Überbrückung des großen Abstandes zwischen Gott und den Menschen. Sie unterstreichen die Beweglichkeit des Boten.

Im Alten Testament ist zu Beginn im 1. Buch Mose in Kapitel 3, Vers 24 von Cherubim die Rede. Gemeint sind damit himmlische Wesen mit Flügeln, aus Tier- und Menschengestalt gemischt, beschrieben. Sie sollen den Weg zum Baum des Lebens bewachen, damit der aus dem Paradies vertriebene Mensch nicht zurückgelangen kann. Die Aufgabe der Engel ist hier, den Zorn Gottes auf den Menschen zu vollstrecken.

Im Neuen Testament werden Engel u.a. auch als geistige Mächte bezeichnet.

Der christliche Glaube lehnt eine Engelverehrung jedoch ab, da Engel und himmlische Mächte ihren Dienst nie von Gott losgelöst erfüllen können.

Der Engel in der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts hat wenig mit der Vorstellung des pausbäckigen Engels im reichen barocken Schmuck einer Kirche zu tun. Die Epoche der Expressionisten mit dem Hintergrund der beiden großen Weltkriege lassen keine Engelidylle mehr zu. Neben Klee zählen hier Künstler wie Barlach, Rohlfs und Chagall dazu.[1]

2. Das Bild Angelus Novus von Paul Klee

2.1. Entstehungsvorgeschichte

Paul Klee wurde 1879 in Münchenbuchsee in der Nähe von Bern geboren. Seine Studienzeit verbrachte er in München, wohin er 1906 auch umsiedelte. In den Wirren des Ersten Weltkrieges floh er in die Schweiz und verarbeitete die grausamen Kriegserlebnisse in seiner Kunst. Unter anderem entstand ein Selbstbildnis mit dem Titel Versunkenheit, das sein Gesicht mit geschlossenen Augen und zusammengebissenen Zähnen zeigt, die sich durch den stummen Mund hindurch abdrücken.

In München führte der Sieg der Reaktion in Bayern auch zu Veränderungen im kulturellen Leben. 1919 bildeten sich etwa 50 politisch-weltanschauliche Zusammenschlüsse, die mit messianischem Anspruch meist demokratiefeindliche, rechtsradikale oder andere aus der Angst der Zeit geborene Ziele vertraten. Zu ihren Angriffspunkten zählten die Moderne und ihre Kunst. Die Aggressivität des kunstfeindlichen Kleinbürgertums richtete sich auch gegen die Kunsthandlung, die Paul Klee vertrat. Das negative Klima in München bewog ihn 1921 von dort weg und nach Weimar umzuziehen., da ihm dort auch eine Stelle als Werkstattmeister in einer Buchbinderei angeboten worden war. Im ersten Drittel des Jahres 1920 entstand der Angelus Novus.[2]

2.2. Der Bildtitel Angelus Novus

Ohne den Bildtitel Angelus Novus käme man gar nicht auf den Gedanken, dass Klees Zeichnung ein neuer „Engel“ sein sollte, da das Wesen keine eigentlichen Flügel hat. Offenbar hat Klee den Titel selbst neu geprägt.

In seinen Werken bildete er um die 50 Engel ab, bei denen es sich in der Regel nicht um religiöse Wesen handelte. Klee benutzte diese als Projektionsfiguren, deren und Tun und Empfinden menschlich sind. Engel waren für ihn unfertig, hässlich, und hätten noch zu lernen. Es gibt neben dem Angelus Novus noch weitere lateinische Bezeichnungen für Engel bei ihm, wie Angelus Descendens, Angelus Militans, Angelus Dubiosus. Gemeinsamkeiten zwischen diesen Engeln gibt es aber keine.

Klee´s Bildtitel deckte sich nicht immer mit der eigentlichen Bedeutung des Bildes. Neuer Engel könnte in diesem Fall auch jemand heißen, dessen Anspruch sich nicht mit der Wirklichkeit deckt.

Auch bei Benjamin ist festzustellen, dass Titel und Gestalt unterschiedlich sind. Er stellt ganz verschiedene Überlegungen zu dem Bild an. Zu Beginn verfolgt er noch die jüdische Engelstradition von Scholem, legte sich jedoch nicht dauerhaft auf eine theologische Deutung fest.[3]

3. Walter Benjamin und der Angelus Novus

3.1. Das Bild im Besitz Walter Benjamins

Walter Benjamin kaufte das Werk im Mai 1921 in München für 1000 Reichsmark, als er seinen Freund Gershom Scholem besuchte. Käufer und Künstler sind sich aber höchstwahrscheinlich nicht begegnet, da Klee schon weggezogen war.

Für Benjamin wurde das Bild zum wichtigsten irdischen Gut, das er besaß. Es begleitete sein Leben bis kurz vor dem selbstgesetzten Ende. Auch in schlechten Zeiten brachte er es nicht über sich das Bild zu verkaufen. In seinem Testament vermachte er es seinem Freund Scholem. 1982 wurde es zum ersten Mal im Israel Museum in Jerusalem nach dem Tod Scholems ausgestellt und ging 1987 in den Besitz des Museums über.[4]

[...]


[1] vgl. Gisela Zimmermann: Dem Geheimnis der Engel auf der Spur, Konstanz 1991

[2] vgl. Konrad Eberlein: „Angelus Novus“. Paul Klees Bild und Walter Benjamins Deutung, Freiburg 2005, S.11- 20

[3] ebd. vgl S.59-62

[4] vgl.Konrad Eberlein: „Angelus Novus“. Paul Klees Bild und Walter Benjamins Deutung, Freiburg 2005, S. 21- 24

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Angelus Novus und der Engel der Geschichte. Gedanken zur 9. Geschichtsthese von Walter Benjamin
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V141368
ISBN (eBook)
9783640515417
ISBN (Buch)
9783656644385
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Walter Benjamin, Angelus Novus
Arbeit zitieren
Christine Keuerleber (Autor), 2009, Angelus Novus und der Engel der Geschichte. Gedanken zur 9. Geschichtsthese von Walter Benjamin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141368

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