In der vorliegenden Arbeit sollen die möglichen Zielsetzungen der Sportförderung in Katar untersucht und anhand zweier Beispiele beleuchtet werden.
Katar – ein Land, das klischeebehaftete Assoziationen von Wüsten, Beduinen und Kamelen hervorruft. Diese Klischees haben mit dem modernen Wüstenstaat, der Katar heute ist, nicht viel gemeinsam. Der kleine Staat am Persischen Golf hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant weiterentwickelt und ist im Findungsprozess einer neuen Identität und der eigenen Rolle im politischen Weltgeschehen. In Katar treffen Extreme aufeinander: Monarchie und traditionelle Ausübung der Religion versus Status als moderner, touristisch geprägter und aufgeschlossener Akteur in den Golfstaaten.
Wie kann Katar diese Gegensätze vereinen und in die eigene Außenwirkung hin zur westlichen Welt transportieren?
Ein probates Mittel, um internationale Gemeinschaften zu bilden und ein positives Bild des eigenen Landes zu vermitteln, sind bereits seit der Antike sportliche Veranstaltungen. ‚Brot und Spiele‘ bringen Menschen zusammen, schaffen Gemeinschaft und überdecken unangenehme Themen. Derartige Events haben ein hohes Investitionspotential; der Output ist finanziell meist weniger relevant als für andere gesellschaftliche Bereiche.
Wie also lässt sich genauer bestimmen, welche Interessen mit den Investitionen im Rahmen der Sportförderung bedient werden? Und ist dies überhaupt für die großen Sportevents verschiedener Sportarten nachweisbar?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Literatur und Quellen
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Sport
2.1.1 Sportliche Großveranstaltungen
2.1.2 Sportförderung
2.2 Das Land Katar
2.2.1 Geschichtlicher Überblick
2.2.2 Das politische System
2.2.3 Katar als Wirtschaftsstandort
3 Sport im Land Katar
3.1 Die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe des Sports
3.2 Katar als Sponsor im Ausland
3.3 Sportliche Großveranstaltungen
4 Sportförderung in Katar
4.1 Staatliche Sportförderung
4.2 Private Sportförderung
5 Mögliche Zielsetzungen der Sportförderung
5.1 Sportliche Ziele
5.2 Touristische Ziele
5.3 Wirtschaftliche Ziele
5.4 Politische Ziele
6 Ziele und Maßnahmen der Sportförderung
7 Sportförderung innerhalb ausgewählter Events
7.1 Handball-Weltmeisterschaft 2015
7.2 Fußball-Weltmeisterschaft 2022
8 Kritische Betrachtung der Sportförderung
9 Sportswashing
10 Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die zugrunde liegenden Interessen und Zielsetzungen des Emirats Katar im Rahmen seiner intensiven Sportförderung. Dabei wird analysiert, inwiefern sportliche Großveranstaltungen und Investitionen als politisches und wirtschaftliches Instrument instrumentalisiert werden, um das Image des Landes zu verbessern und eine neue nationale Identität sowie internationale Bedeutung zu etablieren.
- Politische Instrumentalisierung von Sport als "Soft Power"-Strategie.
- Die Rolle der Qatar National Vision 2030 in der Förderung sportlicher Aktivitäten.
- Wirtschaftliche Diversifikation durch Sportinfrastruktur und Sponsoring.
- Kritische Aufarbeitung sozialer Problematiken wie Arbeitsbedingungen und Menschenrechte.
- Fallbeispiele: Die Handball-Weltmeisterschaft 2015 und die Fußball-Weltmeisterschaft 2022.
Auszug aus dem Buch
Die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe des Sports
„Sport ist ein mächtiges Mittel, um Brücken zu bauen, Menschen zusammenzubringen und Frieden zu gestalten.“ So lautet ein Zitat von IOC-Präsident Thomas Bach auf der Website des Internationalen Olympischen Komitees. Dieses Zitat zeigt sehr deutlich die Potentiale und Möglichkeiten, die im Sport liegen – die daher auch vielfältige Gelegenheiten bieten, von der Politik instrumentalisiert zu werden. Neben dieser Instrumentalisierung ist Sport ein bedeutender Katalysator, um ein Nationenimage zu kultivieren und die Stellung im internationalen Staatenkontext auszubauen.
Peter Lösche (2001) merkt an, dass es einen unpolitischen Sport eigentlich nicht geben könne. Er bezieht sich zwar auf die Analyse der Sportpolitik Deutschlands, allerdings können aus dieser Analyse drei allgemeingültige Dimensionen abgeleitet werden. Diese lassen sich mit ‚polity‘, ‚politics‘ und ‚policy‘ beschreiben.
Unter ‚polity‘ werden Institute und Akteure im Sport kategorisiert, ‚politics‘ sind die Entscheidungsprozesse im Politikfeld Sport und mit ‚policy‘ werden die Inhalte und Ziele der Sportpolitik bezeichnet. Die Definitionsbereiche von Lösche lassen sich gut auf einen globalen Kontext übertragen und werden daher auch im weiteren Verlauf der Arbeit herangezogen. Ein klassisches Beispiel für eine Instrumentalisierung des Sports mit der Veranstaltung von Sportgroßereignissen sind hier die Olympischen Spiele 1936 in Berlin während des Naziregimes.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, stellt die Forschungsfrage vor und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die genutzten Quellen.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden zentrale Begriffe wie Sport, Sportförderung und Großveranstaltungen definiert und der historische sowie politische Kontext Katars beleuchtet.
3 Sport im Land Katar: Dieses Kapitel analysiert die Rolle des Sports in der katarischen Gesellschaft, das Sponsoring im Ausland sowie die Bedeutung von Großveranstaltungen vor Ort.
4 Sportförderung in Katar: Es erfolgt eine Differenzierung zwischen staatlicher und privater Sportförderung sowie die Vorstellung zentraler Organisationen wie dem QOC und der AZF.
5 Mögliche Zielsetzungen der Sportförderung: Dieses Kapitel arbeitet sportliche, touristische, wirtschaftliche und politische Zielsetzungen der katarischen Strategie (QNV 2030) heraus.
6 Ziele und Maßnahmen der Sportförderung: Eine Zusammenführung der bisher besprochenen Maßnahmen im Kontext der katarischen Förderpolitik.
7 Sportförderung innerhalb ausgewählter Events: In diesem Kapitel werden die Handball-WM 2015 und die Fußball-WM 2022 als konkrete Fallbeispiele untersucht und analysiert.
8 Kritische Betrachtung der Sportförderung: Dieses Kapitel hinterfragt die positiven offiziellen Darstellungen und thematisiert soziale, menschenrechtliche sowie politische Missstände.
9 Sportswashing: Die Analyse des Begriffes "Sportswashing" im Hinblick auf Katars Bemühungen, das eigene Image in der internationalen Gemeinschaft durch Sportevents zu korrigieren.
10 Ausblick: Eine abschließende Prognose zur zukünftigen Ausrichtung der katarischen Sport- und Außenpolitik.
Schlüsselwörter
Katar, Sportförderung, Sportswashing, Fußball-Weltmeisterschaft 2022, Qatar National Vision 2030, Politik, Soft Power, Doha, Gastarbeiter, Menschenrechte, Infrastruktur, Spitzensport, Instrumentalisierung, Qatar Olympic Committee, Sportgroßveranstaltungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die strategischen Interessen des Emirats Katar, die hinter der massiven Investition und Förderung von Sportevents sowie dem Aufbau einer umfassenden Sportinfrastruktur stehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die politische Instrumentalisierung des Sports, die Rolle von Sport als Image-Instrument (Soft Power), die moderne ökonomische Diversifizierung Katars und die kritische Auseinandersetzung mit sozialen Bedingungen vor Ort.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, die Zielsetzungen der Sportförderung in Katar zu identifizieren und zu eruieren, inwiefern staatliche Investitionen zur Erreichung dieser Ziele beitragen und welche Rolle Sportswashing in diesem Kontext spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine fundierte Literaturrecherche auf Basis von offiziellen Quellen katarischer Organisationen, Fachliteratur aus Wirtschafts-, Sport- und Kulturwissenschaften sowie aktuellen Internetquellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Analyse der katarischen Sportlandschaft, die Differenzierung verschiedener Förderziele (sportlich, touristisch, wirtschaftlich, politisch) und die kritische Betrachtung durch Fallbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sportförderung, Sportswashing, Qatar National Vision 2030, Soft Power, politische Instrumentalisierung und Menschenrechte geprägt.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Sports bei der Fußball-WM 2022?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die WM primär als politisches Instrument zur Steigerung des internationalen Renommees diente, während sportliche Aspekte und lokale Nachhaltigkeit in den Hintergrund traten.
Gibt es Bezüge zur aktuellen Situation der Gastarbeiter?
Ja, ein Schwerpunkt liegt auf der kritischen Analyse der Lebens- und Arbeitsbedingungen im Rahmen des "Kafala-Systems", die von Menschenrechtsorganisationen als moderne Sklaverei eingestuft werden.
- Quote paper
- Ishak Kidane (Author), 2023, Sportförderung in Katar. Welche Interessen verfolgt das Emirat Katar mit der intensiven Sportförderung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1413681