Ziel der Arbeit ist die Feststellung, welche musiktherapeutischer Ansatz bei Kindern mit ADHS besonders geeignet ist. Da die unterschiedlichen Ansätze der Musiktherapie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten deutlich vielfältiger und damit differenzierter definiert wurden kann ich aus Platz- und Zeitgründen nicht alle existierenden Ansätze nennen, beschreiben, analysieren und in Erwägung ziehen. Daher beschränke ich mich auf die Vorstellung von zehn möglichst verschiedenen Therapieansätzen.
Die Arbeit ist so strukturiert, dass nach einer Einleitung, die beiden Basisthemen der ADHS und der Musiktherapie behandelt werden. Dabei liegt der Fokus auf der Vermittlung von Wissen über die Themen, da sie für das weitere Verständnis der Bachelorarbeit von Nöten sind. Besonders betont werden dabei die Bereiche die sich direkt auf meine Kernfrage beziehen. So ist es wichtig, näher auf die Symptomatik und die Stärken von Kindern mit ADHS einzugehen, sowie auf die Wirksamkeit von Musiktherapie und die unterschiedlichen Ansätze der Musiktherapie, da darauf im Laufe der Arbeit zurückgegriffen wird. Nach der Vermittlung des Basiswissens folgt ein kurzer Exkurs über die Wirksamkeit von Musik, ohne die Musiktherapie als solche miteinzubeziehen. Dieser kurze Abstecher ist wichtig für das Verständnis, auf welche Weise Musik auf Körper und Geist wirkt und bildet die Grundlage um zu erkennen, wie Musik wirken kann, wenn sie von Experten in einer Therapie angewendet wird. Es folgt daraufhin eine Zusammenführung der Themen Musiktherapie und ADHS, die bis dahin getrennt voneinander behandelt wurden. Es geht nun speziell um die Bedürfnisse der Patienten mit ADHS bei der Musiktherapie und den aktuellen Forschungsstand dazu. Im analytischeren Bereich folgt nun eine Aufschlüsselung einiger verschiedener Aspekte, die bei einer Therapie zu klären sind – dies besonders im Hinblick darauf, welche davon in welcher Form bei Kindern mit ADHS eingesetzt werden sollten.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Einleitung
3 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
3.1 Definition
3.2 ADHS in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter
3.3 Stärken von Menschen mit ADHS
3.4 Ursachen und Risikofaktoren
3.5 Symptomatik
3.6 Begleitende und Folgeerkrankungen bzw. Folgen
3.7 Behandlungsbedürftigkeit und Behandlungsmöglichkeiten
4 Musiktherapie
4.1 Definition
4.2 Abgrenzung zur Musikpädagogik
4.3 Geschichte der Musiktherapie
4.4 Zielgruppe und Arbeitsfelder von Musiktherapie
4.5 Musiktherapeutische Methoden
4.5.1 Aktive Musiktherapie
4.5.2 Rezeptive Musiktherapie
4.6 Wirksamkeit und Risiken von Musiktherapie
5 Wirkung von Musik auf Körper und Geist
6 Kinder mit ADHS und Musiktherapie
6.1 Ziele und Wirkung der Musiktherapie bei Kindern mit ADHS
6.2 Aktueller Forschungsstand bei Kindern mit ADHS und Musiktherapie
6.3 Mögliche Grenzen der Musiktherapie bei ADHS
7 Abwägen und Vergleichen verschiedener Rahmenbedingungen einer Therapie im Hinblick auf ADHS
7.1 Ergebnisse in der Diskussion
7.2 Outdoor Therapie
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, welcher musiktherapeutische Ansatz für Kinder mit ADHS besonders geeignet ist, um deren psychische und körperliche Gesundheit zu fördern. Das primäre Ziel ist es, verschiedene musiktherapeutische Methoden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zu vergleichen und daraus eine fundierte Empfehlung für die praktische Anwendung abzuleiten.
- Grundlagen und Symptomatik von ADHS bei Kindern
- Spezifische Anforderungen an eine musiktherapeutische Begleitung
- Vergleichende Analyse verschiedener musiktherapeutischer Settings (z. B. Einzel- vs. Gruppentherapie)
- Bedeutung von Rahmenbedingungen wie Ort (Indoor vs. Outdoor) und Dauer der Therapieeinheiten
- Identifikation der "Outdoor-Musiktherapie" als besonders förderlicher Ansatz
Auszug aus dem Buch
3.6 Begleitende und Folgeerkrankungen bzw. Folgen
Kinder mit ADHS leiden oftmals nicht nur an ADHS, sondern können noch Begleiterkrankungen, also solche Krankheiten die zusätzlich vorliegen und diagnostisch abgrenzbar sind, sowie Folgeerkrankungen, also Krankheiten, die als Folge von ADHS auftreten, haben. Zum Teil fällt es Psychologen und Ärzten schwer Begleit- und Folgeerkrankungen zu unterscheiden (vgl. Holowenko, 1999, S.22ff.). 75 Prozent der ADHS-Betroffenen leiden unter einer weiteren psychischen Erkrankung und 60 Prozent haben sogar mehrere psychische Begleiterkrankungen (vgl. Banaschewski, Becker, Döpfner et al., 2017, S.149ff.). Diese Erkrankungen können ebenfalls unterteilt werden in sich überschneidende und abzugrenzende Störungen, wobei die überschneidenden Störungen neben dem ADHS als Teil davon existieren können und die abzugrenzende Störung sich von der Symptomatik ähnelt, aber von ADHS klar zu unterscheiden ist (vgl. Brandl, 2004, S.49f.). Sich überschneidende Störungen sind Teilleistungsstörungen wie Sprachstörungen, motorische Störungen, Legasthenie, Dyskalkulie, Hoch- und Sonderbegabung, Asperger-Syndrom, Erlernte Hilflosigkeit, Oppositionelle Verhaltensstörung, Angst- und Erlebnisstörungen (vgl. Brandl, 2004, S.49f.), Zwangsstörungen (vgl. Brem, Grünblatt, Drechsler, Riederer und Walitza, 2014, S.175ff.) und Schlafstörungen (vgl. Walters, Silvestri, Zucconi, Chandrashekariah und Konofal, 2008, S.591ff.).
Abzugrenzende Störungen können Störungen im Sozialverhalten und sozialen Umfeld, Intelligenzdefizite, Depression und Schizophrenie, Epilepsie, Tourette-Syndrom (vgl. Brandl, 2004, 50f.) sein. Wird ADHS nicht behandelt, kann dies psychosoziale Folgen nach sich ziehen. Oftmals werden die Kinder durch ihr auffälliges Verhalten in der Schule von Lehrern und Mitschülern ausgegrenzt oder sogar gemobbt und leiden unter dem Anderssein und der daraus folgenden Einsamkeit (vgl. Dietrich, 2011, S.63). Es folgen „schlechtes Selbstwertgefühl [60 Prozent], welches die Kinder oft hinter Angeberei, Aggressionen, Clownerei, Trotzverhalten oder Rückzug zu verstecken versuchen, schlechte Schulnoten, Lernstörungen und Schuldefizite [50 bis 60 Prozent], Erlebnisstörungen wie Ängste und Depressionen [27 Prozent], sowie Meidungsverhalten (Vergesslichkeit, Ausreden, Schwänzen)“ (Brandl, 2004, S.52f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Der einleitende Abschnitt gibt einen historischen und gesellschaftlichen Überblick über den Wandel im Umgang mit ADHS-Kindern.
2 Einleitung: Hier wird das Ziel der Bachelorarbeit definiert, verschiedene musiktherapeutische Ansätze hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei Kindern mit ADHS zu vergleichen.
3 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS): Das Kapitel liefert eine fundierte Übersicht über Definition, Symptomatik, Ursachen sowie die Stärken und Herausforderungen von Kindern mit ADHS.
3.1 Definition: Dieser Abschnitt erläutert die klinischen Diagnosekriterien gemäß ICD-10 und DSM-IV sowie die Einteilung in drei Subtypen.
3.2 ADHS in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter: Es wird thematisiert, wie sich ADHS-Symptome über verschiedene Lebensphasen verändern und dass die Störung nicht nur auf das Kindesalter begrenzt ist.
3.3 Stärken von Menschen mit ADHS: Hier werden neben den Defiziten auch die positiven Eigenschaften wie Kreativität und Spontanität beleuchtet.
3.4 Ursachen und Risikofaktoren: Eine Zusammenfassung der multifaktoriellen Entstehungsbedingungen von ADHS, inkl. genetischer und exogener Einflussfaktoren.
3.5 Symptomatik: Detaillierte Darstellung der Symptome in den verschiedenen Lebensphasen vom Kleinkind- bis zum Erwachsenenalter.
3.6 Begleitende und Folgeerkrankungen bzw. Folgen: Dieser Teil befasst sich mit komorbiden Störungen und psychosozialen Langzeitfolgen bei unbehandeltem ADHS.
3.7 Behandlungsbedürftigkeit und Behandlungsmöglichkeiten: Diskussion des multimodalen Therapieansatzes, eingebettet in medizinische und pädagogische Maßnahmen.
4 Musiktherapie: Einführung in das Fachgebiet, seine Geschichte und theoretische Abgrenzungen zur Musikpädagogik.
4.1 Definition: Vorstellung der offiziellen Definitionsansätze musiktherapeutischer Fachverbände.
4.2 Abgrenzung zur Musikpädagogik: Klärung der Unterschiede zwischen erziehungsorientierten und heilorientierten musikalischen Ansätzen.
4.3 Geschichte der Musiktherapie: Historischer Bogen von antiken Heilritualen bis zur modernen musiktherapeutischen Wissenschaft.
4.4 Zielgruppe und Arbeitsfelder von Musiktherapie: Aufzeigung der breiten Anwendungsfelder der Musiktherapie in klinischen und sozialen Institutionen.
4.5 Musiktherapeutische Methoden: Systematisierung der Methoden in aktive, rezeptive und integrative Ansätze.
4.5.1 Aktive Musiktherapie: Fokus auf Methoden, bei denen die Patienten handelnd und gestaltend mit Musik in Kontakt treten.
4.5.2 Rezeptive Musiktherapie: Betrachtung von Ansätzen, bei denen der Patient primär hörend und wahrnehmend am Therapieprozess teilnimmt.
4.6 Wirksamkeit und Risiken von Musiktherapie: Reflexion über die Evidenzmusiktherapeutischer Interventionen und einen verantwortungsvollen Umgang mit potenziellen Nebenwirkungen.
5 Wirkung von Musik auf Körper und Geist: Untersuchung der neurobiologischen und psychologischen Wirkmechanismen von Musik, unabhängig von einer gezielten Therapie.
6 Kinder mit ADHS und Musiktherapie: Zusammenführung der Themenfelder mit speziellem Fokus auf die Zielgruppe der ADHS-Kinder.
6.1 Ziele und Wirkung der Musiktherapie bei Kindern mit ADHS: Erläuterung der spezifischen therapeutischen Zielsetzungen, wie Strukturgebung und Stärkenförderung.
6.2 Aktueller Forschungsstand bei Kindern mit ADHS und Musiktherapie: Kritische Würdigung vorhandener Studien zur Wirksamkeit der Musiktherapie in diesem Kontext.
6.3 Mögliche Grenzen der Musiktherapie bei ADHS: Diskussion der Limitationen, insbesondere wenn Musiktherapie als alleinige Behandlungsmaßnahme betrachtet wird.
7 Abwägen und Vergleichen verschiedener Rahmenbedingungen einer Therapie im Hinblick auf ADHS: Analyse der therapeutischen Settings wie Ort, Dauer, Gruppenzusammensetzung und Instrumentenwahl.
7.1 Ergebnisse in der Diskussion: Synthese der Erkenntnisse hinsichtlich der "idealen" Therapiebedingungen für ADHS-Kinder.
7.2 Outdoor Therapie: Detaillierte Betrachtung des Outdoor-Konzepts als besonders geeigneter Ansatz für die Arbeit mit ADHS-Kindern.
8 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Musiktherapie, ADHS, ADHS-Kinder, aktive Musiktherapie, rezeptive Musiktherapie, Outdoor-Musiktherapie, Wirksamkeit, Stärkenförderung, Psychische Gesundheit, Multimodale Therapie, Instrumentenauswahl, Rahmenbedingungen, Kinderpsychologie, Gruppentherapie, Selbstwertgefühl
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Musiktherapie bei Kindern mit ADHS eingesetzt werden kann, um deren therapeutischen Fortschritt zu unterstützen und ihre individuelle Entwicklung positiv zu beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Grundlagen und Symptomatik von ADHS, die theoretischen Ansätze der Musiktherapie sowie ein detaillierter Vergleich spezifischer Rahmenbedingungen innerhalb dieser Therapieform.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den effektivsten musiktherapeutischen Ansatz für Kinder mit ADHS zu identifizieren, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse von Rahmenbedingungen wie Setting, Ort und Methodik liegt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert und verschiedene musiktherapeutische Ansätze gegenüberstellt und bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Informationsteil über ADHS und Musiktherapie sowie einen analytischen Teil, in dem Methoden für ADHS-Kinder auf ihre Eignung geprüft werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Musiktherapie, ADHS, Wirksamkeit, Outdoor-Musiktherapie, Multimodalität und Stärkenförderung.
Warum wird die Outdoor-Musiktherapie im Vergleich als so vorteilhaft dargestellt?
Dieser Ansatz integriert viele der für ADHS-Kinder als positiv erkannten Aspekte wie Bewegung, das Einbeziehen des Alltags, Naturerfahrung und flexible Rahmengestaltung.
Kann Musiktherapie bei ADHS als Ersatz für Medikamente dienen?
Die Arbeit betont, dass Musiktherapie bei ADHS eher als ergänzende, den therapeutischen Prozess unterstützende Maßnahme zu verstehen ist, jedoch keine vollständige medikamentöse Behandlung ersetzt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Musiktherapie bei Kindern mit ADHS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1413789