Wie erinnerten die überlebenden Jüd_innen in der DDR? Und wie wurden sie als Akteur_innen aktiv, an einem der symbolträchtigsten Orte der DDR, der zur Nationalen Mahn- und Gedenkstätte wurde. Hierzu sollen zuerst die Geschichte und die Entwicklungen in Buchenwald erläutert werden. Folgend soll es zu einer Analyse der jüdischen Gemeinden in der DDR kommen, wie sie sich entwickelten und ob es zu Problemen zwischen Jüd_innen und der DDR kam. Auch die Frage nach institutionalisiertem Antisemitismus wird gestellt und versucht zu beantworten. Dies soll als Stütze für die folgenden Untersuchungen dienen und aufzeigen, ob es einen ideologisch oder politisch begründeten Umgang mit dem Schicksal von Jüd_innen in der DDR gab. Daraufhin folgt eine Untersuchung des Gedenkens der jüdischen Überlebenden, als Akteur_innen. Hierbei stehen die ehemaligen Opfer als Akteur_innen im Kontrast zu staatlichen Erinnerungsformaten. Die Kernfrage der Arbeit soll sein: „Inwiefern gedachten Jüd_innen als Akteur_innen in der SBZ, DDR und der Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald?“
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Jüdische Häftlinge in Buchenwald
3. Jüdisches Leben in der DDR
3.1 Der Neuaufbau der Gemeinden
3.2 Antisemitismus in der DDR und die Jüdische Gemeinde in den 80igern
4. Jüdische Akteur_innen
5. Das Gedenken an der Mahnanlage
6. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit jüdische Überlebende des Holocaust in der SBZ, der DDR und speziell in der Gedenkstätte Buchenwald als aktive Gestalter des Gedenkens auftraten und wie ihr Wirken durch staatliche Erinnerungsformate beeinflusst oder eingeschränkt wurde.
- Historische Entwicklung des KZ Buchenwald und der jüdischen Gemeinden in der DDR.
- Analyse von institutionalisiertem Antisemitismus in der DDR-Ideologie.
- Rolle individueller jüdischer Akteur_innen und deren Spannungsfeld zur offiziellen Politik.
- Kontrastierung von staatlichen Erinnerungsorten wie der Mahn- und Gedenkstätte mit jüdischen Perspektiven.
Auszug aus dem Buch
4. Jüdische Akteur_innen
Für heutige Historiker_innen ist klar, dass Jüd_innen einen sehr großen Teil der „Opfer des Faschismus“ ausmachten, wenn nicht sogar den größten Teil davon. Eine erste Klärung des Begriffes und des Umfangs der Opfergruppen wurde von der „European Advisory Commission“ 1944 vorgeschlagen. So seien Personen, die aus „politischen, rassischen oder religiösen Gründen“ verfolgt wurden, Opfer des Nationalsozialismus. Später wurde dies erweitert durch das „Social Insurrance Committee“:
„Nazi victims are all persons, who suffered discrimination at the hands of the Nazi regime because of race, creed, nationality, political opinion, or affiliation, or because of activities hostile to the Nazi state.”
Bei eben diesen definitorischen Regelungen gab es Diskussionen zwischen den USA und der UdSSR. So wollte der sowjetische Delegierte, dass die Anerkennung von Personen, auf die in Gefängnissen oder Konzentrationslagern gefangen Gehaltenen beschränkt werden solle. Dies wurde vermutlich gefordert, da Reparationsforderungen verhindert werden sollten. Dieser Forderung konnten die USA nicht folgen, aufgrund innenpolitischer Prozesse. In der SBZ wurde bereits im Juni 1945 der Berliner Hauptausschuss „Opfer des Faschismus“ gegründet. Der Ausschuss bestand aus drei Kommunisten, drei Sozialdemokraten, drei Personen aus dem „Umfeld des 20. Juli“ und einem Vertreter des kirchlichen Widerstandes. Dieser Ausschuss gab in seiner ersten Sitzung bekannt, dass
„in die Sondermaßnahmen des Berliner Magistrates […] nur jene Männer und Frauen, ungeachtet ihrer politischen und religiösen Einstellung, einbezogen werde, die unter der Hitlerdiktatur heldenmütig für die Freiheit des deutschen Volkes kämpften und darum schweren Verfolgungen und Mißhandlungen ausgesetzt waren, aus dem Lande vertrieben wurden, größte Opfer an Gesundheit und Blut brachten und lange Jahre in Zuchthäusern, Gefängnissen und Konzentrationslagern schmachteten. ‚Opfer des Faschismus‘ sind die Hinterbliebenen der von den Faschisten ermordeten Helden des deutschen Freiheitskampfes!“
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung steckt den zeitlichen und inhaltlichen Rahmen der Untersuchung ab, in der das Ambivalente Verhältnis der DDR zum Gedenken an die Shoah im Zentrum steht.
2. Jüdische Häftlinge in Buchenwald: Dieses Kapitel zeichnet die Geschichte und die katastrophalen Lebensbedingungen jüdischer Häftlinge im KZ Buchenwald unter der nationalsozialistischen Verfolgung nach.
3. Jüdisches Leben in der DDR: Die Nachkriegsentwicklung der jüdischen Gemeinden in der SBZ/DDR sowie die Konfrontation mit der staatlichen Ideologie und Antisemitismus werden hier analysiert.
4. Jüdische Akteur_innen: Hier wird untersucht, wie jüdische Individuen trotz institutioneller Barrieren versuchten, die Erinnerungskultur und das Gedenken aktiv mitzugestalten.
5. Das Gedenken an der Mahnanlage: Die staatlich initiierte Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald als Erinnerungsort und die Marginalisierung jüdischer Opferperspektiven durch den Fokus auf den kommunistischen Widerstand stehen im Fokus.
6. Schlussfolgerungen: Eine Synthese der Ergebnisse, die unterstreicht, dass jüdische Akteur_innen in der DDR zwar aktiv waren, aber in einem restriktiven politischen Raum agierten.
Schlüsselwörter
DDR, Buchenwald, Shoah, Jüdische Gemeinden, Antifaschismus, Gedenkstätte, Erinnerungskultur, Jüdische Akteure, Nationalsozialismus, Opfer des Faschismus, Antisemitismus, SED, Erinnerungspolitik, Widerstand, Überlebende
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle jüdischer Akteur_innen in der DDR und deren Einfluss auf die Gedenkpraxis an Orten wie der Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Geschichte jüdischer Häftlinge in Buchenwald, der Wiederaufbau jüdischer Gemeinden, der staatlich verordnete "Antifaschismus" und die damit einhergehende Marginalisierung jüdischer Gedenkformen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Die Antwort auf die Frage, wie jüdische Überlebende als Akteur_innen trotz staatlicher Reglementierung das Gedenken an die Shoah in einer DDR-geprägten Erinnerungskultur gestalteten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer historischen Quellenanalyse unter Einbeziehung von Archivmaterial, Berichten von Zeitzeugen und bestehender Fachliteratur.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Geschichte der jüdischen Gemeinden, die Diskrepanz zwischen individuellem Gedenken und staatlicher Geschichtspolitik sowie Einzelschicksale bekannter jüdischer Persönlichkeiten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Antifaschismus, Shoah-Gedenken, jüdische Gemeinden in der DDR, Buchenwald, und die Rolle von Überlebenden als Akteure.
Wie unterscheidet sich das Gedenken an der Mahnanlage von den Wünschen jüdischer Überlebender?
Während die Mahnanlage den kommunistischen Widerstand als zentralen Erinnerungspunkt darstellt, fehlen dort explizite Räume für die spezifische Leidensgeschichte des europäischen Judentums.
Welchen Einfluss hatte der Antisemitismus in der DDR auf jüdische Akteure?
Durch Prozesse wie den Slánský-Prozess und die ideologische Ausrichtung der SED wurden jüdische Gemeinden unter Druck gesetzt, was oft zu einer notwendigen Zurückhaltung oder Flucht aus der DDR führte.
- Arbeit zitieren
- Francis-Romeo Behnemann (Autor:in), 2021, Inwiefern gestalteten jüdische Akteure das Gedenken an die Shoah in der SBZ, der DDR und der Gedenkstätte Buchenwald?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1413838