Die deutsche Sprache, wie sie heute gesprochen wird, ist das Produkt einer Jahrhunderte andauernden Entwicklung. Sie hat sich in der Völkerwanderungszeit als Teil der germanischen Sprachgruppe entwickelt.
Die Sprachgeschichte unterscheidet zwischen Althochdeutsch (ca. 750-1050), Mittelhochdeutsch (1050-1350), Frühmittelhochdeutsch (1050-1170), ‚klassisches Mittelhochdeutsch’ (1250-1350), Frühneuhochdeutsch (1350-1650) und Neuhochdeutsch (seit 1650).
Diese Arbeit befasst sich mit der II. Lautverschiebung, deren lautliche Veränderungen in der deutschen Sprache das Hochdeutsche vom Niederdeutschen unterscheidet. Dabei geht es nicht nur um eine faktische Darstellung der II. Lautverschiebung sondern auch um eine Analyse der lautlichen Veränderung der deutschen Sprache anhand anschaulicher Textbeispiele aus dem Mittelhochdeutschen und Mittelniederdeutschen.
Bezüglich der II. Lautverschiebung gibt eine große Anzahl unterschiedlicher Ansätze und Meinungen. Dies betrifft vor allem die Gründe für die Lautverschiebung und die genau Datierung. Aus diesem Grund habe ich versucht, einen Querschnitt aus diesen verschiedenen Ansätzen, Meinungen und Theorien wiederzugeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die II. Lautverschiebung – Eine Einführung
2.1 Begriffsdefinition
2.2. Zeitliche Einordnung
3. Theorien der II. Lautverschiebung
3.1 Die Psychologischen Erklärungen
3.2 Die Physiologischen Erklärungen
3.3 Die ethnologischen Erklärungen
4. Anwendungsbeispiel
4.1 Das Gesetz der Lautverschiebung
4.2 Veränderung durch die II. Lautverschiebung:
Direkter Vergleich Althochdeutsch und Altniederdeutsch
4.2.1 Hartmann von Aue: Erec (Ausschnitt), um 1180/90
4.2.2 Reynke de Vos (Ausschnitt), um 1498
4.2.3 Der Vergleich
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die II. Lautverschiebung und deren maßgeblichen Einfluss auf die Differenzierung zwischen hochdeutschen und niederdeutschen Mundarten. Ziel ist es, neben einer theoretischen Einordnung der lautlichen Veränderungen eine praktische Analyse anhand historischer Textzeugnisse durchzuführen.
- Grundlagen und Definition der II. Lautverschiebung
- Zeitliche Einordnung und wissenschaftliche Debatten
- Vorstellung psychologischer, physiologischer und ethnologischer Erklärungsansätze
- Analyse der Lautverschiebungsgesetze nach Jakob Grimm
- Vergleichende Untersuchung mittelhochdeutscher und mittelniederdeutscher Textausschnitte
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Der Vergleich
Das mittelhochdeutsche Beispiel Erec enthält nur einige wenige Beispiele für die Veränderung durch die II. Lautverschiebung. Dennoch zeigen diese wenigen Beispiele typische lautliche Veränderungen, die durch die II. Lautverschiebung verursacht wurden. Das Wort ‚wîben’ (V. 1) hat die II. Lautverschiebung im Inlaut vollzogen. Das ‚b’ ersetzt hier ‚w’ bzw. ‚f’ (mnd. Wief, Wiewer).
Ein weiteres Beispiel für die II. Lautverschiebung ist ‚diz’ im 2. Vers. Hätte es die Lautverschiebung nicht durchgemacht, würde an der Stelle des ‚z’ ein ‚t’ stehen, denn ‚z’ ersetzt ‚t’ in allen Stellungen. Dieselbe lautliche Veränderung hat auch das Wort ‚daz’ (V7) durchlebt. Hier wird ebenfalls ‚t’ durch ‚z’ ersetzt.
Die Tatsache, dass die Tenues ‚p’, ‚t’, ‚k’ in Verbindung mit ‚s’ nicht von der Lautverschiebung betroffen sind, zeigt sich an den Worten ‚vrist’ (V. 5) und ‚ist’ (V. 4). An diesen Stellen wird das ‚t’ nicht zu ‚z’ sondern bleibt erhalten.
Der Ausschnitt aus Reynke de Vos ist ein Beispiel dafür, dass sich die Lautverschiebung im niederdeutschen Sprachraum fast gar nicht oder nur teilweise vollzogen hat. Dieser Ausschnitt enthält sowohl Beispiele für eine Lautverschiebung, als auch Beispiele für das Ausbleiben der II. Lautverschiebung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die historische Sprachgeschichte und skizziert das Forschungsziel, die II. Lautverschiebung theoretisch wie praktisch zu beleuchten.
2. Die II. Lautverschiebung – Eine Einführung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der II. Lautverschiebung und erörtert die schwierige zeitliche Einordnung des Phänomens innerhalb der germanischen Sprachgeschichte.
3. Theorien der II. Lautverschiebung: Hier werden verschiedene Erklärungsmodelle – unterteilt in psychologische, physiologische und ethnologische Ansätze – gegenübergestellt, um die Ursachen des lautlichen Wandels zu erläutern.
4. Anwendungsbeispiel: Das Kapitel veranschaulicht die Gesetze der Lautverschiebung und führt einen direkten sprachwissenschaftlichen Vergleich zwischen mittelhochdeutschen und mittelniederdeutschen Textbeispielen durch.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung der II. Lautverschiebung für die heutige Dialektlandschaft und ordnet die Sprachentwicklung in den größeren Kontext des Sprachwandels ein.
Schlüsselwörter
II. Lautverschiebung, Hochdeutsch, Niederdeutsch, Sprachgeschichte, Konsonanten, Lautwandel, Jakob Grimm, Mittelhochdeutsch, Mittelniederdeutsch, Sprachwissenschaft, Mundart, Lautverschiebungstheorien, Völkerwanderung, Artikulation, Sprachkontakt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die II. Lautverschiebung, welche die deutsche Sprache nachhaltig geprägt und zur Unterscheidung zwischen hochdeutschen und niederdeutschen Mundarten geführt hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Definition des Begriffs, die zeitliche Einordnung, verschiedene wissenschaftliche Erklärungsmodelle sowie die praktische Anwendung an Textbeispielen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die lautlichen Veränderungen, die durch die II. Lautverschiebung entstanden sind, theoretisch zu fundieren und anhand des Artusromans Erec sowie des Tierepos Reynke de Vos zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse theoretischer Sprachmodelle sowie eine vergleichende textlinguistische Analyse ausgewählter historischer Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Theorien zur Entstehung der Lautverschiebung (psychologisch, physiologisch, ethnologisch) diskutiert und anschließend die Auswirkungen dieser Verschiebung direkt an Textausschnitten geprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind II. Lautverschiebung, Sprachwandel, Hochdeutsch/Niederdeutsch, Lautgesetze und historische Sprachanalyse.
Wie unterscheidet sich das Niederdeutsche lautlich in den Beispielen?
Die Beispiele verdeutlichen, dass im niederdeutschen Raum die II. Lautverschiebung nur teilweise oder gar nicht stattgefunden hat, was sich durch das Ausbleiben bestimmter Konsonantenverschiebungen zeigt.
Was schlussfolgert der Autor bezüglich der heutigen Sprache?
Der Autor stellt fest, dass die deutsche Sprache eine stetige Entwicklung durchläuft und auch zukünftig, etwa durch Anglizismen oder Rechtschreibänderungen, einem fortwährenden Wandel unterliegt.
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- Katharina Hartenstein (Author), 2005, Die II. Lautverschiebung und ihre Auswirkungen auf die deutsche Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141406