Wie verbindet Martin Luther Sündenvergebung und Abendmahl miteinander?


Hausarbeit, 2007

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorüberlegungen: Zur Wahl dieser Thematik
1.1. Konkretisierung der Fragestellung und Vorstellung der Primärliteratur
1.2. Perspektive: Gedankengang der vorliegenden Arbeit

2. Hauptteil I: Analyse der Primärliteratur im Hinblick auf die Fragestellung
2.1. Elementare Thesen des Abendmahlverständnisses bei Luther
2.2. Nutzen und Wirkung des Abendmahls: Vergebung der Sünden

3. Hauptteil II: Bewertung der Primärliteratur
3.1. Konklusion: Zur Auswahl der Primärliteratur

4. Schlussteil: Die Frage nach der „Identität“ des Abendmahls in der Gegenwart
4.1. Konkretisierung: Abendmahl und Sündenvergebung - In der Grundschule ein Thema? – Mögliche Bezüge zur Unterrichtspraxis in der Primarstufe

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis
i) Verwendete Primärliteratur
ii) Herangezogene Sekundärliteratur
iii) Internetressourcen
iv) Sonstige Literatur

1. Vorüberlegungen: Zur Wahl dieser Thematik

Zu Beginn dieser systematisch-theologischen Proseminararbeit möchte ich nachfolgend kurz diejenigen Beweggründe darlegen, die mich dazu veranlasst haben, mich mit der auf dem Deckblatt aufgeführten Fragestellung zu befassen. Den Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit der Thematik „Abendmahl und Sündenvergebung“ bildete zunächst eine Frage, die mich schon lange Zeit indirekt beschäftigte und sich dann im Zuge meines Theologie-Studiums immer stärker in den Vordergrund zu drängen schien: Ich halte mich persönlich zwar durchaus für einen gläubigen Christen; ich besuche regelmäßig den Gottesdienst, nehme aber - aus persönlichen Gründen- so gut wie nie am Abendmahl teil. Mein Ansatzpunkt zur Entwicklung einer für diese Abhandlung geeigneten Thematik bestand anfangs darin, dass ich bzgl. des Themas „Schuld und Vergebung“ versucht habe, diesen gerade genannten „inneren Konflikt“ in folgender Frage zu artikulieren: Kann ich eine Vergebung meiner Sünden auch erlangen, ohne (regelmäßig) am Abendmahl teilzunehmen, oder ist die Teilnahme an der Abendmahlsgemeinschaft aus Sicht der evangelisch-lutherischen Lehre ein unentbehrlicher Bestandteil im Prozess der Sündenvergebung? Die aus dieser Fragestellung resultierende persönliche Unsicherheit - im Glauben- veranlasste mich daher, eine für mich befriedigende Antwort zu suchen. Die vorliegende Arbeit soll diesen „Weg“ in wesentlichen Zügen versuchen nachzuzeichnen.

1.1. Konkretisierung der Fragestellung und Vorstellung der Primärliteratur

Auf der Suche nach Antworten und „Sicherheit“ bzgl. der gerade angesprochenen Fragestellung scheint es opportun, zu den Anfängen des Protestantismus zurückzugehen und die Klärung der o.g. Frage in Martin Luthers „Großem Katechismus[1] “ zu suchen, da ich als Angehöriger des evangelisch-lutherischen Glaubens von der Zeitlosigkeit dieser von Luther aufgestellten elementaren Grundsätze überzeugt bin. Somit soll die Leitfrage der vorliegenden Proseminararbeit folgende sein: „Wie verbindet Martin Luther Vergebung und Abendmahl miteinander? “. Außerdem mag es im Hinblick auf die anstehende Bewertung der Primärliteratur, die im 2. Hauptteil erfolgen soll, durchaus aufschlussreich erscheinen, ob sich Kontinuitäts- bzw. Entwicklungslinien bezüglich der Kohärenz der beiden Begriffe Abendmahl und Vergebung im Verlauf der „evangelischen“ Theologiegeschichte - bis in die Gegenwart- aufzeigen lassen;daher der Rückgriff auf Martin Luthers Werk, welches als das wohl wichtigste Dokument aus der Frühzeit der Reformation angesehen werden kann. Bei meiner Arbeit beabsichtige ich, mich im Wesentlichen mit dem sog. „Fünften Hauptsstück[2] des Großen Katechismus auseinanderzusetzen, ganz speziell mit dem Kapitel „Vom Sakrament des Altars oder Hl. Abendmahl[3]. Daneben wird aber auch zu prüfen sein, ob die Begriffe Abendmahl und Vergebung in Luthers Werk auch noch in einem anderen Kontext zueinander in Relation gesetzt werden.

1.2. Perspektive: Gedankengang der vorliegenden Arbeit

Nachdem ich bereits im ersten Abschnitt meine Beweggründe für die Bearbeitung der vorliegenden Problematik dargelegt habe, soll nachfolgend die gedankliche Struktur dieser Arbeit prägnant erläutert werden. Wie vorangehend schon beschrieben, soll die genannte Frage, wie Martin Luther die Begriffe Abendmahl und Vergebung in Verbindung setzt, zuerst mit Hilfe des oben angebenden Teilstücks des Großen Katechismus (evtl. unter Zuhilfenahme weiterer Abschnitte o.g. Werkes) analysiert werden. Daran anknüpfend soll dann eine kritische Bewertung bzgl. der Stärken und Schwächen der ausgewählten Primärliteratur mittels Sekundärliteratur erfolgen, wobei ich in der Konklusion dann eine Entscheidung treffen möchte, ob die gewählte Primärquelle zur Beantwortung meiner Fragestellung geeignet war oder nicht. Da die Systematische Theologie immer auch über die Relevanz von Glaubensinhalten im alltäglichen Leben reflektiert, soll der Schlussteil letztendlich versuchen zu klären, in wie fern die von mir gewählte Fragestellung in der Gegenwart bedeutsam ist bzw. werden kann. Abschließend möchte ich versuchen, die von mir bearbeitete Thematik darauf hin zu untersuchen, in wie weit diese sich in Rahmen meiner späteren Lehrertätigkeit als für den Unterricht geeignet bzw. bedeutsam erweisen könnte.

2. Hauptteil I: Analyse der Primärliteratur im Hinblick auf die Fragestellung

Im Folgenden wird nun die beschriebene Primärliteratur hinsichtlich der benannten Fragestellung analysiert, wobei darauf verwiesen sei, dass es sich hierbei keinesfalls um eine paraphrasierende Wiedergabe des Textes handeln soll, ich mich somit nicht immer an die chronologische Reihenfolge des Ausgangstextes halten werde.

2.1. Elementare Thesen des Abendmahlverständnisses bei Luther

In der Vorrede zu dem o.g. Kapitel[4] weist Martin Luther darauf hin, dass das Sakrament des Abendmahls in seiner Abhandlung unter den Gesichtspunkten „Wesen, Nutzen und Empfang des Abendmahls“[5] betrachtet werden solle. Bezüglich des „Wesens“ des Abendmahls wird im weiteren Kontext von enormer Bedeutsamkeit sein, dass das Abendmahl von Jesus Christus höchst selbst eingesetzt worden, und somit keines Menschen „Erfindung“ ist.[6] Daraus resultierend ergibt sich für das besagte Sakrament eine Dignität, die unabhängig davon bestehen bleibt, ob man das Sakrament hält oder nicht. Hieran anschließend argumentiert Luther, dass die äußeren Zeichen des Abendmahls, nämlich Brot und Wein, „in Gottes Wort gefaßt und gebunden“[7] seien, was zur Konsequenz habe, dass „das Wort“ Brot und Wein zum Leib und Blut Christi mache; an dieser Stelle sei auf die Einsetzungsworte Jesu beim Abendmahl verwiesen, die für Luther hier eine zentrale Bedeutung besitzen: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“(1. Kor 11,24)[8] bzw. „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut.“(1. Kor. 11,25)[9] ; diese beiden Stellen sollen - nach Luther- verdeutlichen, dass Brot und Wein nicht bloß reine Symbole darstellen (also etwas „bedeuten“), sondern Leib und Blut Christi sind, also durch die Einsetzungsworte Christi ihre wahre Bestimmung bzw. Wirkungskraft (s.u.) erhalten. Zudem ließe sich meiner Ansicht nach dieser soeben angesprochene, höchst bedeutsame Aspekt vielleicht dahingehend interpretieren, dass in der Präsenz von Leib und Blut Christi, während der Feier des Abendmahls in der Gemeinde, immer ein „Teil“ von Christus bzw. Christus selbst als anwesend gesehen werden kann. Aus dieser Deutung ließe sich somit eine noch stärke Würde bzw. Bedeutung des Sakramentes und Legitimation bezüglich dessen Wirkungskraft im Hinblick auf die Sündenvergebung ableiten; da die Kreuzigung Christi so gesehen ein unikales und zudem lange zurückliegendes Ereignis darstellt, durch welches die Menschheit von der „Macht der Sünde“ befreit wurde. Somit kann die Wirkungskraft des

Abendmahls auch in der (teilweisen) Präsenz Christi - in Leib und Blut- gesehen werden.

2.2. Nutzen und Wirkung des Abendmahls: Vergebung der Sünden

Martin Luther betont weiterführend, dass Christus seinen Leib und sein Blut den Gläubigen zur Vergebung der Sünden (hin)gegeben habe, was er wie folgt zusammenfasst: „Dies ist mein Leib und Blut, für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden.“[10] Nach Luthers Verständnis macht diese „Gabe“ das Abendmahl/ Sakrament zu einem Schatz, durch den eine Vergebung der Sünden ermöglicht werde. Die Motivation des Gläubigen liege somit darin, diesen Schatz zu empfangen und „sein eigen“ nennen zu dürfen.[11] Luther sieht dieses Geschenk als Zeichen, dass Christus das Abendmahl gegen „Sünde, Tod und alles Unglück“[12] eingesetzt habe. Er betrachte das Abendmahl als eine Art „Speise der Seele“, welche uns „zur täglichen Weide und Fütterung gegeben [sei], damit sich der Glaube erhole und stärke.“[13] Die Bedeutung des Abendmahls wird hieran besonders verdeutlicht, da - nach Luthers Vorstellung- der Mensch in einem alltäglichen Kampf mit dem Teufel befindet, somit immer wieder einer Stärkung für die Abwehr dieser „teuflischen“ Einflüsse bedarf. Luther betont im zweiten Abschnitt auf S. 143, dass die Taufe dem Menschen nur einmal gegeben sei, dass Sakrament des Abendmahls uns jedoch (wie oben schon erwähnt) zur „täglichen Weide“ angeboten werde, um den eigenen Glauben immer wieder aufs Neue zu stärken und vor der Anfechtung durch den Teufel zu bewahren. Die Funktion des (Altar-)Sakraments in Martin Luthers Auslegung der fünften Bitte des Vaterunsers[14] besteht in Anknüpfung an die zuvor erfolgte Wiedergabe in der Stärkung des/ unseres Gewissens.[15]

Des Weiteren geht Martin Luther nun auf die Frage ein, wie denn Brot und Wein diese Doppelfunktion, nämlich Stärkung des Glaubens und Vergebung der Sünden, erfüllen können: An dieser Stelle spielt wiederum eine signifikante Rolle, dass Jesus Christus dem Menschen das Abendmahl eigens zugeeignet hat, was in den Worten „Für euch gegeben und vergossen“[16] (bei der Feier des Abendmahls in der Kirche) widergespiegelt wird. Nach meiner Deutung erhält das Abendmahl erst in der Einheit von Wort[17] und Handlung (Darreichung bzw. Zueignung des Abendmahls) seine Funktion, nämlich die der Vergebung der Sünden und Stärkung des Glaubens. Etwas moderner ausgedrückt: Aus dem Bewusstsein heraus, dass Christus sein Blut für mich vergossen hat, nehme ich das (Altar-) Sakrament als ein Geschenk an - wie Luther es ausdrückt - und sehe somit in Brot und Wein den Leib und das Blut Christi. Bisher wurde von Luther nur indirekt angesprochen, wodurch denn eigentlich die Vergebung der Sünden einst erworben wurde: erst der Kreuzestod Jesu macht den Menschen frei von Sünde. Diese Vergebung im Kreuzestod kann dem Menschen aber nur durch das Wort beim Empfang des Sakraments vergegenwärtigt werden.[18] Luther argumentiert diesbezüglich, dass die Menschen nichts von der Sündenvergebung, welche durch das „Werk am Kreuz“[19] ermöglich worden sei, hätten erfahren können, denn durch das Wort. Da der Kreuzestod Christi ein bereits zurückliegendes Ereignis ist, kann die mit diesem Ereignis verbundene Absolution dem Menschen folglich auch nur durch das Wort (z.B. in der Predigt) vergegenwärtigt werden.[20]

[...]


[1] Die für die Anfertigung der vorliegenden Proseminararbeit herangezogene Ausgabe der angesprochenen Literatur sei an dieser Stelle aufgeführt: Luther, Martin: Der Große Katechismus, 3. Auflage, Gütersloh 2005.

[2] In anderen Ausgaben wird anstatt des Terminus „Hauptstück“ der Begriff „Teilstück“ verwendet.

[3] In der vorliegenden Ausgabe umfasst dieses Kapitel die Seiten 140- 154.

[4] „Vom Sakrament des Altars oder Hl. Abendmahl“

[5] Luther: Der Große Katechismus. S.140.

[6] Vgl. ebd. , S.141.

[7] Ebd. , S.141.

[8] Die verwendete Bibelausgabe sei an dieser Stelle kurz aufgeführt:

Evangelische Kirche in Deutschland (Hg.): Die Bibel nach der Übersetzung von Martin Luther mit Apokryphen. Bibeltext in der revidierten Fassung von 1984. Stuttgart 1999. (nachfolgend kurz: „revidierte Lutherübersetzung von 1984“)

[9] Übersetzung nach der revidierten Lutherübersetzung von 1984.

[10] Ebd., S.143; vgl. auch: 1.Kor. 11,24: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ (zitiert nach der revidierten Lutherübersetzung von 1984).

[11] Luther: Der Große Katechismus, S.143.

[12] Ebd., S.143.

[13] Ebd., S.143.

[14] In der hier verwendeten Ausgabe findet sich genannter Abschnitt auf den Seiten 117- 119

[15] Ebd., S.119.

[16] Vgl. ebd., S.144.

[17] Gemeint sind die Einsetzungsworte Christi beim Abendmahl (1. Kor. 11, 24f.)

[18] Vgl. Luther: Der Große Katechismus, S.144.

[19] Ebd., S.144.

[20] Vgl. ebd., S.144.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Wie verbindet Martin Luther Sündenvergebung und Abendmahl miteinander?
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Schuld und Vergebung
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V141410
ISBN (eBook)
9783640509676
ISBN (Buch)
9783640509669
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Martin, Luther, Sündenvergebung, Abendmahl
Arbeit zitieren
Dirk Feldmann (Autor), 2007, Wie verbindet Martin Luther Sündenvergebung und Abendmahl miteinander?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141410

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