Zu Beginn dieser systematisch-theologischen Proseminararbeit möchte ich nachfolgend kurz diejenigen Beweggründe darlegen, die mich dazu veranlasst haben, mich mit der auf dem Deckblatt aufgeführten Fragestellung zu befassen. Den Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit der Thematik „Abendmahl und Sündenvergebung“ bildete zunächst eine Frage, die mich schon lange Zeit indirekt beschäftigte und sich dann im Zuge meines Theologie-Studiums immer stärker in den Vordergrund zu drängen schien: Ich halte mich persönlich zwar durch-aus für einen gläubigen Christen; ich besuche regelmäßig den Gottesdienst, nehme aber - aus persönlichen Gründen- so gut wie nie am Abendmahl teil. Mein Ansatzpunkt zur Entwicklung einer für diese Abhandlung geeigneten Thematik bestand anfangs darin, dass ich bzgl. des Themas „Schuld und Vergebung“ versucht habe, diesen gerade genannten „inneren Konflikt“ in folgender Frage zu artikulieren: Kann ich eine Vergebung meiner Sünden auch erlangen, ohne (regelmäßig) am Abendmahl teilzunehmen, oder ist die Teilnahme an der Abendmahlsgemeinschaft aus Sicht der evangelisch-lutherischen Lehre ein unentbehrlicher Bestandteil im Prozess der Sündenvergebung? Die aus dieser Fragestellung resultierende persönliche Unsicherheit - im Glauben- veranlasste mich daher, eine für mich befriedigende Antwort zu suchen. Die vorliegende Arbeit soll diesen „Weg“ in wesentlichen Zügen versuchen nachzuzeichnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorüberlegungen: Zur Wahl dieser Thematik
1.1. Konkretisierung der Fragestellung und Vorstellung der Primärliteratur
1.2. Perspektive: Gedankengang der vorliegenden Arbeit
2. Hauptteil I: Analyse der Primärliteratur im Hinblick auf die Fragestellung
2.1. Elementare Thesen des Abendmahlverständnisses bei Luther
2.2. Nutzen und Wirkung des Abendmahls: Vergebung der Sünden
3. Hauptteil II: Bewertung der Primärliteratur
3.1. Konklusion: Zur Auswahl der Primärliteratur
4. Schlussteil: Die Frage nach der „Identität“ des Abendmahls in der Gegenwart
4.1. Konkretisierung: Abendmahl und Sündenvergebung - In der Grundschule ein Thema?
– Mögliche Bezüge zur Unterrichtspraxis in der Primarstufe
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht auf Basis von Martin Luthers „Großem Katechismus“, wie die evangelisch-lutherische Lehre die Begriffe Abendmahl und Sündenvergebung miteinander verknüpft, und reflektiert deren Bedeutung für die heutige religiöse Praxis sowie den Schulunterricht.
- Analyse des lutherischen Abendmahlverständnisses anhand des „Fünften Hauptstücks“ des Großen Katechismus.
- Untersuchung der zentralen Wirkkraft des Abendmahls als „Speise der Seele“ und Ort der Sündenvergebung.
- Kritische Bewertung der Relevanz und Aktualität der lutherischen Position in der modernen Theologie und Gesellschaft.
- Didaktische Überlegungen zur Vermittlung der Thematik „Abendmahl und Sündenvergebung“ im Grundschulunterricht.
Auszug aus dem Buch
2.2. Nutzen und Wirkung des Abendmahls: Vergebung der Sünden
Martin Luther betont weiterführend, dass Christus seinen Leib und sein Blut den Gläubigen zur Vergebung der Sünden (hin)gegeben habe, was er wie folgt zusammenfasst: „Dies ist mein Leib und Blut, für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden.“ Nach Luthers Verständnis macht diese „Gabe“ das Abendmahl/ Sakrament zu einem Schatz, durch den eine Vergebung der Sünden ermöglicht werde. Die Motivation des Gläubigen liege somit darin, diesen Schatz zu empfangen und „sein eigen“ nennen zu dürfen. Luther sieht dieses Geschenk als Zeichen, dass Christus das Abendmahl gegen „Sünde, Tod und alles Unglück“ eingesetzt habe.
Er betrachte das Abendmahl als eine Art „Speise der Seele“, welche uns „zur täglichen Weide und Fütterung gegeben [sei], damit sich der Glaube erhole und stärke.“ Die Bedeutung des Abendmahls wird hieran besonders verdeutlicht, da - nach Luthers Vorstellung- der Mensch in einem alltäglichen Kampf mit dem Teufel befindet, somit immer wieder einer Stärkung für die Abwehr dieser „teuflischen“ Einflüsse bedarf. Luther betont im zweiten Abschnitt auf S. 143, dass die Taufe dem Menschen nur einmal gegeben sei, dass Sakrament des Abendmahls uns jedoch (wie oben schon erwähnt) zur „täglichen Weide“ angeboten werde, um den eigenen Glauben immer wieder aufs Neue zu stärken und vor der Anfechtung durch den Teufel zu bewahren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorüberlegungen: Zur Wahl dieser Thematik: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation für die Themenwahl und grenzt die Fragestellung ein, wobei der Große Katechismus als primäre Quelle identifiziert wird.
1.1. Konkretisierung der Fragestellung und Vorstellung der Primärliteratur: Das Kapitel präzisiert das Erkenntnisinteresse auf die Verbindung von Abendmahl und Sündenvergebung bei Martin Luther.
1.2. Perspektive: Gedankengang der vorliegenden Arbeit: Hier wird der methodische Aufbau der Untersuchung dargelegt, der von der Textanalyse zur kritischen Bewertung übergeht.
2. Hauptteil I: Analyse der Primärliteratur im Hinblick auf die Fragestellung: Es erfolgt eine inhaltliche Untersuchung von Luthers Thesen zur Funktion des Abendmahls als Sakrament.
2.1. Elementare Thesen des Abendmahlverständnisses bei Luther: Dieses Kapitel analysiert das Wesen des Abendmahls und die Rolle der Einsetzungsworte sowie die Präsenz Christi.
2.2. Nutzen und Wirkung des Abendmahls: Vergebung der Sünden: Hier wird die zentrale Funktion des Abendmahls als tägliche Stärkung des Glaubens und Mittel zur Sündenvergebung erörtert.
3. Hauptteil II: Bewertung der Primärliteratur: Der Autor hinterfragt die historische Perspektive Luthers im Kontext moderner religiöser Praxis und heutiger theologischer Sichtweisen.
3.1. Konklusion: Zur Auswahl der Primärliteratur: Die Eignung des Großen Katechismus für die Fragestellung wird abschließend gewürdigt, trotz moderner Herausforderungen.
4. Schlussteil: Die Frage nach der „Identität“ des Abendmahls in der Gegenwart: Die Arbeit diskutiert die Relevanz des Abendmahls in der modernen Gesellschaft und den Rückgang der Teilnahme.
4.1. Konkretisierung: Abendmahl und Sündenvergebung - In der Grundschule ein Thema?: Das Kapitel lotet Möglichkeiten aus, das Thema im Rahmen von Lehrplänen der Primarstufe kindgerecht zu vermitteln.
Schlüsselwörter
Martin Luther, Abendmahl, Sündenvergebung, Großer Katechismus, Sakrament, Glaubensstärkung, Evangelisch-lutherische Lehre, Theologiegeschichte, Religionsunterricht, Grundschule, Tischgemeinschaft, Gnadenmittel, Christlicher Glaube, Schuld, Sünde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Sündenvergebung und Abendmahl in der Theologie Martin Luthers, insbesondere basierend auf dem Großen Katechismus.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die Arbeit fokussiert sich auf das Abendmahlsverständnis, die Rolle des Glaubens, die Bedeutung der Sündenvergebung und die praktische Umsetzung dieser Konzepte im heutigen Alltag sowie im schulischen Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie Luther die Verbindung zwischen der Abendmahlsfeier und der Vergebung von Sünden herstellt, und ob dieser Ansatz auch heute noch relevant ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine systematisch-theologische Analyse, die den Primärtext (Großer Katechismus) mit Hilfe weiterführender Sekundärliteratur kritisch auswertet.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert Luthers Thesen zu Wesen und Nutzen des Abendmahls und bewertet diese kritisch hinsichtlich heutiger theologischer Standards und moderner religiöser Praxis.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Abendmahl, Sündenvergebung, Großer Katechismus, Sakrament und die didaktische Vermittlung in der Grundschule.
Wie bewertet der Autor Luthers Konzept im Hinblick auf moderne Herausforderungen?
Der Autor schätzt die historische Bedeutung Luthers, merkt aber an, dass bestimmte Aspekte, wie die Vorstellung von der ständigen Bedrohung durch den Teufel, heute eine andere Interpretation erfordern.
Welche didaktische Empfehlung spricht der Autor für die Primarstufe aus?
Der Autor schlägt vor, das Thema über eine handlungsorientierte „Tischgemeinschaft“ in den Unterricht zu integrieren, da eine vollumfängliche sakramentale Teilhabe im Grundschulalter noch nicht vorgesehen ist.
- Quote paper
- Dirk Feldmann (Author), 2007, Wie verbindet Martin Luther Sündenvergebung und Abendmahl miteinander?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141410