"Der Kern von Artikel 20 Absatz 1 des Grundgesetzes lautet: „Die Bundesrepublik ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ “
Bereits im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wird auf die soziale Ausrichtung des Landes hingewiesen. Hierbei kommt dem Sozialen ein ebenso bedeutender Rang zu wie der Einhaltung der demokratischen Grundordnung. Deutschland ist ein Sozialstaat.
Ebenfalls ist die Bundesregierung verpflichtet einen Sozialbericht zu veröffentlichen , in dem sie den jeweiligen Umfang und die Bedeutung ihrer sozialpolitischen Leistungen darstellt. Die Vielzahl der Bereiche, die von der Sozialpolitik betroffen und beeinflusst sind, ist vielfältig und unübersehbar. Niemandem ist es möglich, sich der Wirkung der Sozialpolitik zu entziehen. Bereits ab der Geburt unterliegen die Bürger der Bundesrepublik den Bestimmungen und Institutionen der Sozialpolitik. So wirkt die Sozialpolitik unter anderem auf die Gesundheits-, Familien- und Arbeitspolitik ein. Deutlich zu sehen ist diese Verzweigung schon bei den Ministerien. So gibt es zwar das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, nur hat die Sozialpolitik auch in den Bereichen des Familienministeriums, des Wirtschaftsministeriums sowie des Finanzministeriums ihre Einwirkungsbereiche.
Die vorliegende Arbeit versucht zu klären, welche Institutionen an der Umsetzung der Sozialpolitik der Bundesrepublik beteiligt sind. Hierbei ist als Instrument der Sozialpolitik die Soziale Arbeit zu nennen. Aber was versteht man unter Sozialer Arbeit? In wie fern ist die Soziale Arbeit Instrument der Politik oder ist sie nicht nur ausführendes Element, sondern selbst ein wichtiger Teil der Politik? Welche Bereiche der Sozialpolitik werden von der Sozialen Arbeit beeinflusst und in wie fern beeinflusst die Soziale Arbeit die Sozialpolitik? Hierbei gilt es zu betrachten, welches Verhältnis zwischen diesen beiden Partien herrscht. Unterliegt es im Laufe der Jahre Veränderungen oder gibt es ein konstantes Handlungs- und Orientierungsschema? Im Folgenden soll am konkreten Beispiel der Kinder- und Jugendhilfe, die einen Schwerpunkt der Sozialen Arbeit darstellt, die Soziale Arbeit genauer betrachtet werden. Hierbei soll der Schwerpunkt der Arbeit nicht auf der exakten Darstellung der Arbeitsweisen, der diversen Institutionen und den Problemen der Sozialen Arbeit liegen, sondern vielmehr das Verhältnis zu der Sozialpolitik hergestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Soziale Arbeit?
2.1. Die Aufgaben und Ziele
2.2. Die Arbeitsbereiche
3. Was ist Sozialpolitik?
3.1. Eine Definition
3.2. Die Institutionen der Sozialpolitik
4. Die Soziale Arbeit und die Sozialpolitik
4.1. Die Grundlagen der Sozialpolitik und der Sozialen Arbeit
4.2. Die historische Entwicklung
4.3. Die Entwicklung nach 1945
5. Der „aktivierende“ Sozialstaat heute
5.1. Individuelle oder generelle Hilfe?
5.2. Die „Aktivierung“ der Sozialen Arbeit
5.3. Die „bildende“ Soziale Arbeit
6. Die Kinder- und Jugendhilfe
6.1. Die Institutionen
6.2. Die Aufgabenfelder
6.3. Eine Institution der Bildung?
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe und wechselseitige Verhältnis zwischen Sozialpolitik und Sozialer Arbeit in Deutschland, um zu klären, inwieweit die Soziale Arbeit als Instrument der Politik fungiert oder als eigenständiger Bereich agiert. Dabei wird insbesondere der Einfluss aktueller Entwicklungen im „aktivierenden“ Sozialstaat analysiert.
- Historische Entwicklung des Verhältnisses von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit
- Die Soziale Arbeit als ausführendes Organ vs. eigenständige Profession
- Der Einfluss des „aktivierenden“ Sozialstaats auf die Methoden der Sozialen Arbeit
- Die Transformation der Kinder- und Jugendhilfe im Kontext neuer bildungspolitischer Anforderungen
- Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Krisen und sozialpolitischen Interventionen
Auszug aus dem Buch
4.2. Die Historische Entwicklung bis 1945
Ehe im folgenden Abschnitt versucht wird, das Verhältnis Sozialer Arbeit und Sozialpolitik in der Bundesrepublik Deutschland zu Beginn des 21. Jahrhunderts darzustellen, soll zunächst ein kurzer Blick auf das Verhältnis der beiden Bereiche im Laufe der geschichtlichen Entwicklung, sowohl in politischer als auch in pädagogischer Hinsicht, geworfen werden.
Ein genauer Beginn sozialstaatlichen Wirkens jeglicher Form ist nicht zu bestimmen. Bereits im Spätmittelalter gab es verschiedene Armenfürsorgen, die sich um Bedürftige kümmerten. Ebenso übernahmen die mittelalterlichen Zünfte verschiedene soziale Leistungen, so zum Beispiel zur Krankenversorgung. Die ersten Schritte zur Sozialen Arbeit vollzogen sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts parallel zur Entwicklung einer tiefgründigen Sozialpolitik. Der Ursprung der Sozialen Arbeit ist in der klassischen Armenfürsorge zu finden, die zur Unterstützung von Hilfsbedürftigen verpflichtet war. Allerdings war die Armenfürsorge Sache der kommunalen Verwaltungen. Dabei war reichsweit nur festgelegt, welche Gemeinden und Kommunen zuständig waren, die Art und Weise der Hilfe war jedoch Gegenstand der Gemeinden selbst. Nur langsam wuchs ein Bewusstsein zur Bedürftigenhilfe und es entwickelten sich Aufnahme- und Ausbildungsanstalten für soziale Berufe. Häufig übernahmen konfessionelle Organisationen diese Aufgaben.
Ein großer Schritt in der Entwicklung der Sozialpolitik gelang in den 1890er Jahren. Neben der Entstehung der Kranken-, Unfall- und Altersversicherung wurde sich auch zunehmend um die weniger beachteten sozialen Missstände gekümmert. Es entstand ein soziales Bewusstsein. Durch die generalisierende Absicherung der großen Schichten der Arbeiter, Kranken und Alten durch sozialpolitische Maßnahmen war es der kommunalen Sozialen Arbeit möglich, sich auf kleinere Probleme zu konzentrieren, da große Massenmissstände gelöst, beziehungsweise aus dem Blick der Kommunen genommen wurden. Bereits hier kristallisiert sich ein Verhältnis von Sozialpolitik und der mit ihr entstehenden Sozialen Arbeit heraus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die verfassungsrechtliche Einbettung des Sozialstaats in Deutschland und skizziert die Fragestellung nach der Rolle der Sozialen Arbeit als Instrument der Politik.
2. Was ist Soziale Arbeit?: Dieses Kapitel definiert Soziale Arbeit als praktischen Teil sozialpädagogischer Disziplinen und beschreibt deren Zielsetzung in der Unterstützung bei individuellen Existenzproblemen.
3. Was ist Sozialpolitik?: Hier werden die begrifflichen Grundlagen der Politik erläutert und Sozialpolitik als staatliches System zur Absicherung gegen allgemeine soziale Risiken definiert.
4. Die Soziale Arbeit und die Sozialpolitik: Das Kapitel analysiert das grundlegende Spannungsverhältnis zwischen der exekutiven Funktion der Sozialen Arbeit und der legislativen Funktion der Sozialpolitik in historischer Perspektive.
5. Der „aktivierende“ Sozialstaat heute: Dieser Abschnitt thematisiert den Wandel hin zu einem aktivierenden Sozialstaat, der Soziale Arbeit stark auf Erwerbsbefähigung und Bildungsförderung ausrichtet.
6. Die Kinder- und Jugendhilfe: Das Kapitel untersucht die Kinder- und Jugendhilfe als zentralen Arbeitsbereich, der sich zunehmend zu einem Partner der Bildungspolitik entwickelt.
7. Fazit: Das Fazit resümiert das diffizile, wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis zwischen Soziale Arbeit und Sozialpolitik und betont die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Reflexion.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Sozialpolitik, Sozialstaat, Kinder- und Jugendhilfe, Aktivierung, Sozialgesetzgebung, Wohlfahrtsstaat, Erwerbsfähigkeit, Bildungspolitik, Subsidiaritätsprinzip, Existenzsicherung, Sozialpädagogik, Historische Entwicklung, Krisenintervention, Soziale Dienste.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Verhältnisses zwischen der Sozialen Arbeit und der staatlichen Sozialpolitik in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die begrifflichen Grundlagen, die historische Entwicklung, die Einbettung der Sozialen Arbeit in den „aktivierenden“ Sozialstaat sowie die Rolle der Kinder- und Jugendhilfe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, inwieweit die Soziale Arbeit lediglich ein ausführendes Instrument der Politik ist oder ob sie als eigenständiger Bereich agiert, der gesellschaftliche Problemlagen mitgestaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur und sozialwissenschaftlichen Diskursen, um die institutionellen und strukturellen Zusammenhänge zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung, den Wandel hin zum aktivierenden Sozialstaat, die neuen Anforderungen an die Soziale Arbeit sowie die spezifische Rolle der Kinder- und Jugendhilfe.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sozialpolitik, Soziale Arbeit, Aktivierung, Sozialstaat und Kinder- und Jugendhilfe.
Wie verändert der „aktivierende“ Sozialstaat die Aufgaben der Sozialen Arbeit?
Er verschiebt den Fokus der Sozialen Arbeit stärker in Richtung Erwerbsbefähigung und Integration in den Arbeitsmarkt sowie hin zu bildungspolitischen Aufgabenstellungen.
Welchen Stellenwert nimmt die Kinder- und Jugendhilfe in der Arbeit ein?
Sie wird als ein zentraler, historisch gewachsener Bereich der Sozialen Arbeit hervorgehoben, der aktuell zunehmend als Partner des Bildungssystems in die Pflicht genommen wird.
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- Maik Ruhnau (Author), 2009, Das Verhältnis von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141426