In der folgenden Arbeit soll anhand von Erkenntnissen der Lebensstilforschung die Frage beantwortet werden, welche förderlichen und hinderlichen Faktoren zur konkreten Umsetzung eines nachhaltigen Lebensstils vermutet werden können. Nach einer kurzen Einführung der beiden Begriffen Nachhaltigkeit und Lebensstil werden handlungstheoretische Erklärungsmodell zur Differenz von Einstellung und Verhalten dargestellt werden und drei verschiedene Auseinandersetzungen der Lebensstilforschung mit dem Thema Nachhaltigkeit. Darauf folgt eine kritische Diskussion der Ergebnisse der vorgestellten Modelle und Typologien, wobei schließlich auch die Frage beantwortet werden soll, welche förderlichen und hinderlichen Faktoren für einen nachhaltigen Lebensstil ausfindig gemacht werden konnten. Am Ende findet sich das Fazit und ein kurzer Ausblick.
Der Begriff der Nachhaltigkeit oder auch der nachhaltigen Entwicklung wird zumeist aufgrund seines diffusen Charakters in einem transdisziplinären Kontext verwendet. Eine einheitliche Definition zwischen den verschiedenen Akteursgruppen (Umweltverbände, Regierungsparteien, Umweltbundesamt etc.) existiert dabei nicht, da das eigene Verständnis in den meisten Fällen jeweils vom eigenen funktionalen System geprägt ist (vgl. Otto 2007, S. 28). So hängt die Definition meist von den jeweiligen Zielen der Akteure ab und spiegeln normative Gedanken bezüglich des Umweltschutzes und der sozialen Gerechtigkeit wider (vgl. ebd., S.31). Was festgehalten werden kann ist, dass nachhaltige Entwicklung immer einen „prozeduralen Charakter“ hat und somit auch immer wieder an sich verändernde Bedingungen angepasst werden muss
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition Nachhaltigkeit und Lebensstil
3. Handlungstheoretische Forschungsansätze zur Erklärung des Diskrepanz zwischen Einstellung und Verhalten
3.1 Theorie geplanten Verhaltens von Ajzen
3.2. Low-Cost-Hypothese von Diekmann und Preisendörfer
3.3. Modifiziertes Norm-Aktivations Modell nach Hunecke
4. Auseinandersetzungen der Lebensstilforschung
4.1. Käufer ökologischer Lebensmittel nach Tanner und Wölfing-Kast
4.2. Die sechs Werttypen nach Michael M. Zwick
4.3. Pioniere Nachhaltiger Lebensstile nach Degenhardt
5. Diskussion
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die theoretische Diskrepanz zwischen umweltbezogenen Einstellungen und dem tatsächlichen nachhaltigen Verhalten. Das Hauptziel besteht darin, die förderlichen und hinderlichen Faktoren zu identifizieren, die eine Umsetzung nachhaltiger Lebensstile im Alltag beeinflussen, wobei Erkenntnisse aus der Lebensstilforschung und handlungstheoretische Modelle zur Anwendung kommen.
- Handlungstheoretische Erklärungsmodelle zur Einstellungs-Verhaltens-Lücke
- Analyse verschiedener Lebensstiltypologien im Kontext der Nachhaltigkeit
- Untersuchung von Barrieren (z.B. High-Cost-Situationen) und Ressourcen beim nachhaltigen Konsum
- Identifikation von Merkmalen nachhaltiger Lebensstil-Pioniere
- Diskussion von Einflussfaktoren wie Umweltwissen, soziale Normen und Identitätsprozesse
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Am 20. September 2019 gingen in Deutschland im Zuge der Fridays for Future Bewegung rund 1,4 Millionen Menschen auf die Straßen, um für den Klimaschutz zu demonstrieren (vgl. ZDF 2019). Fridays for Future (2019) selbst betitelt diese Zahlen als den größten Klimastreik der Geschichte. Dazu zeigt auch eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2018, dass 64% Prozent der Befragten den Umwelt- und Klimaschutz als sehr wichtige Herausforderung einschätzen, wobei die Bedeutung im Vergleich zum Jahr 2016 gar um 11 Prozent gestiegen ist (vgl. Umweltbundesamt 2019, S.9).
Gleichzeitig kann jedoch sowohl im persönlichen Umfeld als auch in der Umweltforschung immer wieder eine Kluft zwischen Einstellungen zum nachhaltigen Handeln und tatsächlichem nachhaltigem Verhalten festgestellt werden. So empfanden 89 Prozent der Befragten in der eingangs schon erwähnten repräsentativen Bevölkerungsumfrage die Verringerung von Lärm, Abgasen und Feinstaub im Straßenverkehr als eher oder sehr wichtig, jedoch gaben gleichzeitig 70 Prozent der Befragten an, dass das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel das eigene Auto darstellt (vgl. Umweltbundesamt 2019, S. 56). Weiterhin kann davon ausgegangen werden, dass sich der größte Teil der Bevölkerung darüber bewusst ist, dass Fliegen an erster Stelle der Klimasünden zu finden ist und dennoch ist der Anteil der Menschen die privat eine Flugreise unternommen haben vom Jahr 2018 von 21,96 Millionen (vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2018) auf 23,7 Millionen im Jahr 2019 gestiegen (vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2019).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Diskrepanz zwischen der hohen gesellschaftlichen Relevanz des Klimaschutzes und dem realen Konsumverhalten der Bevölkerung.
2. Begriffsdefinition Nachhaltigkeit und Lebensstil: Erläutert die komplexen und heterogenen Konzepte von Nachhaltigkeit sowie die verschiedenen Ansätze zur Definition von Lebensstilen in der Forschung.
3. Handlungstheoretische Forschungsansätze zur Erklärung des Diskrepanz zwischen Einstellung und Verhalten: Stellt die Theorie des geplanten Verhaltens, die Low-Cost-Hypothese und das modifizierte Norm-Aktivations-Modell als Erklärungsbasis vor.
4. Auseinandersetzungen der Lebensstilforschung: Analysiert spezifische Typologien vom Konsumverhalten bis hin zu den Pionieren nachhaltiger Lebensstile.
5. Diskussion: Synthetisiert die theoretischen Erkenntnisse und ordnet die identifizierten förderlichen sowie hinderlichen Faktoren für nachhaltiges Handeln kritisch ein.
6. Fazit und Ausblick: Führt die Ergebnisse zusammen und zeigt auf, dass nachhaltiges Verhalten meist eine Ausnahme darstellt und weitere Forschung über Typologien hinaus notwendig ist.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Lebensstil, Einstellungs-Verhaltens-Diskrepanz, Theorie geplanten Verhaltens, Low-Cost-Hypothese, Norm-Aktivations-Modell, Umweltbewusstsein, Konsumverhalten, Lebensstil-Pioniere, Identität, Soziale Normen, Effizienz, Suffizienz, Motivation, Handlungswissen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Kluft zwischen einer positiven Einstellung zum Umweltschutz und dem tatsächlichen, oftmals weniger nachhaltigen Verhalten der Menschen im Alltag.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Nachhaltigkeit und Lebensstil, psychologische Handlungshilfen und Barrieren sowie die Untersuchung verschiedener Konsum- und Wertetypen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, welche Faktoren das nachhaltige Verhalten fördern oder behindern und wie man dieses bei verschiedenen Personengruppen erklären kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit rezipiert bestehende handlungstheoretische Forschungsansätze und analysiert verschiedene lebensstilbezogene Typologien, um daraus Faktoren für die Umsetzung nachhaltiger Lebensstile abzuleiten.
Was sind die wichtigsten Schwerpunkte im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch bekannte Verhaltensmodelle (z.B. Ajzen, Hunecke) und die detaillierte Betrachtung von Typologien (z.B. nach Zwick sowie Tanner und Wölfing-Kast).
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Nachhaltigkeitsforschung, Lebensstiltypen, Einstellungs-Verhaltens-Lücke und Barrieren des nachhaltigen Konsums charakterisieren.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Low-Cost- und High-Cost-Situationen eine so wichtige Rolle?
Diese Unterscheidung verdeutlicht, dass Einstellungen vor allem dann verhaltenswirksam werden, wenn die Umsetzung keine großen Barrieren wie Zeitverlust, finanzielle Kosten oder persönliche Unbequemlichkeiten mit sich bringt.
Was zeichnet die „Pioniere nachhaltiger Lebensstile“ gemäß der Studie aus?
Pioniere zeichnen sich durch eine tiefe Verankerung nachhaltiger Werte in ihrer persönlichen Identität aus, die es ihnen ermöglicht, Handlungsroutinen zu durchbrechen und nachhaltig zu handeln, unabhängig von äußeren gesellschaftlichen Zwängen.
- Arbeit zitieren
- Nina Joy Breit (Autor:in), 2020, Förderliche und hinderliche Faktoren zur konkreten Umsetzung eines nachhaltigen Lebensstils, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1414555