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Wahrnehmungssteuerung in "Der Sandmann". Erzählstrategien

Titel: Wahrnehmungssteuerung in "Der Sandmann". Erzählstrategien

Hausarbeit , 2023 , 16 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Folgenden wird sich mit den Aspekten der Erzählgestaltung in der Novelle auseinandergesetzt und näher betrachtet, wie diese eingesetzt werden, um die Wahrnehmung des Lesers zu steuern und zu beeinflussen. Dabei wird zentral gesetzt, wie einerseits Nathanaels Wahrnehmungen wiedergegeben werden und wie der Leser in seiner Wahrnehmung von Nathanaels Wahrnehmung gelenkt wird. Es soll geklärt werden, inwiefern die angewandten Erzählstrategien die fiktionale Realität verzerren und den Eindruck des Wahnsinns evozieren. Ich lege der Arbeit durch diese Herangehensweise die Annahme zugrunde, dass die Erzählstrategien spezifisch eingesetzt werden, um den Leser durch verschiedene Realitätsebenen mitzunehmen. Daher muss auch das Konzept der Rezeptionsästhetik in Augenschein genommen werden. Um dies zu gewährleisten, stelle ich eine kurze Betrachtung des Konzepts allen Primärtextbeobachtungen voran und verweise an späteren Stellen nur implizit darauf.

Der Song "Mr. Sandman", die Netflix-Serie "Sandman" und der Graphic Novel "Der Sandmann" von Vitali Konstantinov sind nur drei von unzähligen modernen Adaptionen der Erzählung Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann. Diese Novelle hat einerseits nach über 200 Jahren noch immer Einfluss auf unsere Populärkultur, andererseits prägte sie selbst die literarische Epoche der Romantik, welcher sie heute zugeordnet wird, wesentlich mit – insbesondere die Schauerliteratur der schwarzen Romantik.

Die Erzählung hat nicht nur eine lange und facettenreiche Rezeptionsgeschichte, sondern auch eine beeindruckende stilistische, originelle Vielfalt, worin auch die Beliebtheit der Novelle begründet liegt. Hoffmann kombinierte nicht nur verschiedene Genres miteinander, was auch dazu führte, dass im Sandmann eine Verschmelzung von Schauermotiven und romantischen Motiven zu beobachten ist. Vielmehr schuf er durch die Thematisierung des Unbewussten, insbesondere durch die detailreiche und realistische Darstellung des Traumas, der psychischen Verfassung und des Verfalls des Protagonisten Nathanaels, eine moderne, psychopathologisch-interpretierbare Erzählung. Dieser vermeintlich realistischen Erzählung steht dann jedoch die Vermischung von surrealen und phantastischen Elementen, durch welche Hoffmann wesentlich das Genre der "phantastischen Literatur" prägte, entgegen. Wesentlich für die Gratwanderung zwischen realistischem und phantastischem Erzählen sind die in der Literaturwissenschaft häufig als innovativ hervorgehobenen erzählerischen Mittel.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rezeptionsästhetik und ihre Bedeutung für die Betrachtung des Sandmanns

3. Erzähltechniken im Sandmann

3.1. Die Textstrukturierung

3.1.1. Formale und inhaltliche Struktur

3.1.2. Zeitliche Struktur

3.2. Die Erzählhaltung

3.2.1. Nathanael

3.2.2. Clara

3.2.3. ‚Der‘ Erzähler

3.3. Wahn oder fiktionale Realität?

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählstrategien in E.T.A. Hoffmanns Novelle ‚Der Sandmann‘, um deren Einfluss auf die Steuerung der Leserwahrnehmung zu analysieren. Dabei wird insbesondere geklärt, wie Erzähltechniken und Erzählhaltungen eingesetzt werden, um die Grenze zwischen realen und phantastischen Elementen zu verwischen und beim Leser den Eindruck des Wahnsinns zu provozieren.

  • Anwendung rezeptionsästhetischer Ansätze auf E.T.A. Hoffmann
  • Analyse der Textstrukturierung und zeitlichen Erzählformen
  • Untersuchung der verschiedenen Erzählinstanzen (Nathanael, Clara, der Erzähler)
  • Interdependenz von Erzählstrategien und Wahrnehmungssteuerung
  • Diskurs über das Spannungsfeld zwischen Wahn und fiktionaler Realität

Auszug aus dem Buch

Die Erzählhaltung

Der Sandmann beginnt, wie bereits dargelegt, mit zwei Briefen Nathanaels an Lothar. Diese wird unterbrochen durch einen Brief Claras an Nathanael. Erst nach diesem Austausch der Figuren untereinander tritt der ‚eigentliche‘ Erzähler explizit hervor und führt in die Handlung ein. Somit ergeben sich für die Novelle drei Erzählinstanzen. Es sei aber an dieser Stelle noch darauf verwiesen, dass auch hier ein rezeptionsästhetischer Ansatzpunkt gefunden ist: bei entsprechendem – literturepochalem – Vorwissen würde ein Leser hier die Fortsetzung als Briefroman erwarten können. Diese wird jedoch durch die dritte Erzählinstanz zerschlagen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Werk in der schwarzen Romantik und stellt die Bedeutung der Erzählweise für die Wahrnehmung des Unbewussten heraus.

2. Rezeptionsästhetik und ihre Bedeutung für die Betrachtung des Sandmanns: Dieses Kapitel erläutert die Grundsätze der Rezeptionsästhetik nach Jauß und Iser und überträgt diese auf die Analyse von Hoffmanns Novelle.

3. Erzähltechniken im Sandmann: Hier werden die methodischen Grundlagen der Analyse, insbesondere die Begriffe ‚histoire‘ und ‚discours‘ sowie die Anwendung von Erzählstrategien, definiert.

3.1. Die Textstrukturierung: Das Kapitel beleuchtet den Aufbau des Textes, angefangen bei formalen Aspekten und der Gliederung über eine dramatische Struktur bis hin zur zeitlichen Organisation.

3.1.1. Formale und inhaltliche Struktur: Analysiert wird die verschachtelte Gliederung des Textes, welche bei verschiedenen Lesern zu unterschiedlichen Auflösungen der Handlungsstränge führen kann.

3.1.2. Zeitliche Struktur: Dieses Kapitel untersucht die Diskrepanz zwischen erzählter Zeit und Erzählzeit sowie deren Wirkung auf die Spannungssteigerung.

3.2. Die Erzählhaltung: Im Fokus steht die Aufschlüsselung der drei verschiedenen Erzählinstanzen und deren jeweiliger Einfluss auf die Perspektivierung des Geschehens.

3.2.1. Nathanael: Es wird analysiert, wie die interne Fokalisierung durch Nathanael den Leser unmittelbar in dessen Gefühls- und Gedankenwelt involviert.

3.2.2. Clara: Die Untersuchung zeigt, dass Claras Perspektive trotz quantitativ geringen Anteils für die Multiperspektivität und Deutung der ‚Außenwelt‘ essenziell ist.

3.2.3. ‚Der‘ Erzähler: Dieses Kapitel arbeitet heraus, wie der Erzähler mittels vermeintlicher Objektivität sowie bewusster Zurückhaltung ein interpretatorisches Spannungsfeld aufbaut.

3.3. Wahn oder fiktionale Realität?: Die Untersuchung widmet sich der durch die unzuverlässige Erzählsituation erzeugten Unsicherheit bei der Unterscheidung von Wahn und Realität.

4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Multiperspektivität in der Novelle primär durch das komplexe Erzählverhalten der verschiedenen Instanzen entsteht.

Schlüsselwörter

E.T.A. Hoffmann, Der Sandmann, Rezeptionsästhetik, Erzählstrategien, Erzählhaltung, Multiperspektivität, Wahnsinn, fiktionale Realität, Literaturwissenschaft, Narratologie, schwarze Romantik, Wahrnehmungssteuerung, Nathanael, Unbestimmtheit, Schauerliteratur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Erzählstrategien in der Novelle ‚Der Sandmann‘ von E.T.A. Hoffmann und untersucht, wie diese gezielt die Wahrnehmung des Lesers steuern, um das Verhältnis von Realität und Wahnsinn zu konstruieren.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der rezeptionsästhetischen Analyse, der Strukturierung des Textes, den unterschiedlichen Erzählhaltungen der Figuren sowie der Darstellung von Trauma und Wahnsinn.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hoffmann durch die Vernetzung verschiedener Erzählperspektiven Unsicherheit beim Leser erzeugt und maßgeblich zur Wirkung des phantastischen Genres beiträgt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt einen rezeptionsästhetischen Ansatz, um zu verstehen, wie das Wechselspiel zwischen Textstruktur und Leserinteraktion eine je individuelle Interpretation der Novelle ermöglicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Textstrukturierung (Form und Zeit), die Analyse der einzelnen Erzählinstanzen (Nathanael, Clara, Erzähler) und die Frage nach der fiktionalen Realität.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Erzählstrategien, Rezeptionsästhetik, multiperspektivisches Erzählen, Unzuverlässigkeit, Romantik und das Spannungsfeld zwischen Wahn und Realität.

Wie unterscheidet sich die Erzählweise Nathanaels von der des auktorialen Erzählers?

Nathanael fungiert als personale Erzählinstanz, die den Leser durch seine subjektive, gefühlsbetonte Sichtweise involviert, während der Erzähler sich als neutraler Beobachter inszeniert, dessen vermeintliche Objektivität jedoch innerhalb des Textes brüchig wird.

Welche Rolle spielt die ‚Unbestimmtheit‘ für den Leser des Sandmanns?

Die Unbestimmtheit ist ein zentrales Werkzeug, das den Leser zwingt, selbst aktiv zwischen den Realitätsebenen zu entscheiden, da der Text keine eindeutige Auflösung der Ereignisse vorgibt.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Wahrnehmungssteuerung in "Der Sandmann". Erzählstrategien
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Grundlagen (literatur)wissenschaftlicher Kompetenz (Schwerpunkt: Romantik)
Note
2,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
16
Katalognummer
V1414656
ISBN (PDF)
9783346962584
ISBN (Buch)
9783346962591
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Romantik Sandmann E.T.A. Hoffmann Schwarze Romantik Schauerromantik Augenmotiv
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2023, Wahrnehmungssteuerung in "Der Sandmann". Erzählstrategien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1414656
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Leseprobe aus  16  Seiten
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