Elisabeth Langgässer: „Saisonbeginn“ - Analyse der Kurzgeschichte

Unter besonderer Berücksichtigung des Motivs der Judenfeindlichkeit


Hausarbeit, 2009
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung zur Facharbeit

2. Historischer Hintergrund

3. Inhaltsangabe der Kurzgeschichte

4. Die deutsche Kurzgeschichte
4.1 Die Entstehung der Kurzgeschichte
4.2 Ist „Saisonbeginn“ eine Kurzgeschichte?

5. Interpretation der Kurzgeschichte
5.1 Bedeutung der beschriebenen Idylle
5.2 Die Sommergäste
5.3 Das Totenkopfmotiv
5.4 Die Überschrift „Saisonbeginn“
5.5. Die Reaktionen der handelnden Akteure und der Vergleich mit Personengruppen zur Zeit des Dritten Reichs
5.5.1 Die drei Arbeiter
5.5.2 Die Kinder
5.5.3 Die Männer, die von der Holzarbeit oder vom Acker kamen
5.5.4 Die Nonnen
5.6 Verhinderung des Schildes
5.7 Die Beziehung zwischen dem Schild und dem Wegkreuz

6. Schlusswort

7. Quellenverzeichnis

Elektronische Quellen

1. Einleitung zur Facharbeit

"Ebenso, wie die Nationalsozialisten in der 'Rasse' ihres Volkes alle nur erdenklich guten und edlen Eigenschaften zu erkennen glaubten, setzten sie die 'Gegenrasse' mit allen negativen Attributen gleich: hässlich, faul, parasitär. Es entstand das Bild des 'Untermenschen', des 'Nicht-Menschen'." (N. Orland).[1]

In diesem Zitat werden der Antisemitismus und die Judenverfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus deutlich, welche wichtige Grundpfeiler nationalsozialistischen Denkens sind. Es deutet auf die systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung des Dritten Reich hin.

Auch Elisabeth Langhäuser, eine der bedeutendsten Dichterinnen der Nachkriegsliteratur in Deutschland, musste sich zwangsläufig aufgrund ihrer Abstammung diesem Thema stellen. Sie war nach dem Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 als Halbjüdin eingestuft worden, da sie von „volljüdischen“ Großeltern abstammte, jedoch keine weitere Verbindung zum Judentum hatte. Langgässer wurde katholisch getauft und war auch streng gläubig. Spuren ihrer Gläubigkeit und die Auseinandersetzung mit dem Thema Judenverfolgung findet man auch in ihrer Kurzgeschichte „Saisonbeginn“. Der Schwerpunkt ihrer Geschichte liegt auf dem Motiv der Judenfeindlichkeit und auf den Reaktionen der handelnden Personen. Sie kritisiert die Widerstandslosigkeit und das Gefühl der Gleichgültigkeit in einer knappen, expressiven Kurzgeschichte, die ich nachfolgend analysieren werde.

Ziel meiner Arbeit ist es, das Motiv der Judenfeindlichkeit in dieser Kurzgeschichte näher zu beleuchten. Dazu möchte ich als erstes klären, ob sich bei der hier vorliegenden Kurzgeschichte auch wirklich um eine solche handelt. Des Weiteren möchte ich auf den historischen und persönlichen Hintergrund eingehen. Ich werde den Inhalt zusammenfassend darlegen und ein besonderes Augenmerk auf die Reaktion der handelnden Akteure legen und Parallelen zu der Bevölkerung im Dritten Reich ziehen. Des Weiteren werde ich den Bezug zum Christentum herstellen und die Intension des Autors herausarbeiten.

2. Historischer Hintergrund

Seit Hitlers Machtergreifung 1933 begannen die Nationalsozialisten die Juden systematisch zu entrechten. 25.000 Juden flüchteten daraufhin in der Zeit von Januar bis Juni 1933. Nach 1935 verschlechterte sich die Lage für die jüdische Bevölkerung zunehmend. Sie wurden vom Wehrdienst ausgeschlossen und nicht mehr zu Prüfungen als Ärzte oder Apotheker zugelassen. Auch die Ausführung anderer Berufszweige wurde verboten. Das „Blutschutzgesetz“ verbot die Eheschließung und außereheliche Sexualität zwischen Juden und „Ariern“. Ab September 1938 verloren alle noch tätigen jüdischen Ärzte ihre Approbation, im November folgten die Rechtsanwälte, im Januar 1939 die Apotheker, Zahn- und Tierärzte. Tausende Häuser und Wohnungen der Juden wurden verwüstet. Sie wurden ermordet oder in den Selbstmord getrieben; die Nationalsozialisten haben viele weitere Juden misshandelt und verletzt, Frauen wurden vergewaltigt. Ab dem 10. November 1938 wurden erstmalig tausende jüdische Bürger auf einmal in Konzentrationslagern interniert.

„Hinzu kamen vielfältige Alltagsdiskriminierungen, etwa Parkbänke mit Schildern ,Nur für Deutsche‘, ,Entjudung‘ (Umbenennung) von Straßennamen, Uniformverbot, generelle Einstufung in die höchste Steuerklasse, Verbot der Benutzung von Schlaf- und Speisewagen der Reichsbahn, Streichung von Wohngeld. Hauseigentümer durften freiwerdende Wohnungen nicht mehr an ‚Volljuden‘ vermieten, ihnen wurden ‚Sonderwohnbezirke‘ zugeteilt.“[2]

Die Verfolgung der Juden in Deutschland hatte sich von 1933 bis 1939 von Diskriminierung bereits bis zur organisierten Hetze gesteigert. Während des Krieges verschärfte das Regime diese Politik schließlich zum systematischen Völkermord.

Der restlichen Bevölkerung stellte man die Deportationen der Juden aus dem Reich offiziell als „Umsiedlungen“ dar. Die Mehrheit nahm diese Lüge ohne zu fragen hin, nur ein sehr kleiner Teil kämpfte dagegen an, wie der Widerstandskämpfer Helmuth James von Moltke. Er schrieb 1943: „Mindestens neun Zehntel der Bevölkerung weiß nicht, dass wir Hunderttausende von Juden umgebracht haben.“[3] Doch selbst das Zehntel, das zumindest ansatzweise Bescheid wusste, hat – von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen – nichts gegen den Holocaust unternommen. Dabei war die Vernichtung nur die logische Folge des allmählichen Verschwindens der Juden aus dem gesellschaftlichen Leben in Deutschland, das für jeden offensichtlich war.“[4]

Die nationalsozialistischen Machthaber prüften damit die Bereitschaft der deutschen Bevölkerung zum Zuschauen, Wegschauen oder Mitmachen.

Aufgrund des Themas der Geschichte und des politischen Hintergrundes spielt die Erzähllung wahrscheinlich in den Zeitraum von 1933 bis 1945.

3. Inhaltsangabe der Kurzgeschichte

An einem warmen Spätfrühlingstag bekommen drei Männer den Auftrag, ein Schild an einem hölzernen Pfosten am Ortseingang aufzustellen. Im ersten Teil der Kurzgeschichte werden ausführlich die Landschaft um den Ort und dieser selbst beschrieben. Die Einwohner haben für den Beginn der Sommersaison und des bevorstehenden Besucherandrangs alles vorbereitet. Die „Häuser und Gasthöfe waren wie neu: ihre Fensterläden frisch angestrichen, die Schindeldächer gut ausgebessert, die Scherenzäune ergänzt.“[5] Die letzte Arbeit, um den Ort „perfekt“ für die „Lehrerinnen, die mutigen Sachsen, die Kinderreichen, die Alpinisten, aber vor allem die Autobesitzer“[6] darzustellen, muss noch erledigt werden – die Aufstellung des Schildes. Die Männer suchen verschiedene Stellen dafür aus und entscheiden sich letztendlich für den Platz neben dem Holzkreuz, an dem Jesus Christus hängt. Es kommen zwischenzeitlich ein paar Kinder vorbei, die den Arbeitern helfen, das Schild aufzustellen. Währenddessen erscheinen auch Einwohner des Ortes. Manche lachen, einige schütteln den Kopf und anderen ist das Geschehen gleichgültig. Auch zwei Nonnen erleben dieses Ereignis mit und sehen teilnahmslos zu. Erst im letzten Satz erfährt der Leser, dass die Aufschrift des Schildes „In diesem Kurort sind Juden unerwünscht“[7] lautet.

[...]


[1] http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=54256770&suchbegriff=Judenverfolgung%20im%20Dritten%20Reich&top=Lexikon

[2] http://www.zweiter-wk.de/tags/holocaust.html

[3] http://www.voelkermord.de/holocaust.html

[4] Ebd.

[5] Langhäuser, Elisabeth: Der Torso, Saisonbeginn, S.21

[6] Ebd,

[7] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Elisabeth Langgässer: „Saisonbeginn“ - Analyse der Kurzgeschichte
Untertitel
Unter besonderer Berücksichtigung des Motivs der Judenfeindlichkeit
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Die Kurzgeschichte – ein „Chamäleon der literarischen Gattung“
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V141478
ISBN (eBook)
9783640493647
ISBN (Buch)
9783640493814
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elisabeth, Langhäuser, Analyse, Kurzgeschichte, Unter, Berücksichtigung, Motivs, Judenfeindlichkeit
Arbeit zitieren
Katja Christner (Autor), 2009, Elisabeth Langgässer: „Saisonbeginn“ - Analyse der Kurzgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141478

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