Positionierungskriterien für Umweltinnovationen in kleinen und mittelständischen Unternehmen


Diplomarbeit, 2009
107 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Formelverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Abschnitt: Umwelt, Innovationen und ökonomische Perspektiven
A. Überlegungen zum ökologischen Innovationsbegriff
I. Approximation des Innovationsbegriffes
II. Merkmale von Innovationen
a) Neuheitsgrad
b) Komplexität
c) Unsicherheit und Risiko
d) Konfliktgehalt
B. Determination der Umweltinnovation
I. Eigenschaften von Umweltinnovationen
II. Ansätze und Prinzipien für Umweltinnovation
III. Klassifizierung von Umweltinnovationen
a) Multidimensionale Gliederung
b) Strategische Gliederung
C. Phasenorientierte Betrachtung
I. Stage-Gate Modell
II. Feuerwerksmodell
III. Ökologische Phasenbetrachtung

2. Abschnitt: Markt für Umweltinnovationen - eine angebotsorientierte Betrachtung
A. Impulse für Umweltinnovationen - das Multi-Impuls-Modell
I. Aspekte des Lead-Market-Konzepts
II. Unternehmensinterne Einflussfaktoren
a) Geschäftsdemographie und Geschäftsphilosophie
b) Unternehmensstruktur
c) Ressourcenausstattung
III. Unternehmensexterne Einflussfaktoren
a) Einflüsse aus dem weiteren Unternehmensumfeld
1. Technologische Kräfte
2. Makroökonomische Kräfte
3. Ökologische Kriterien
4. Politisch-rechtliche Kräfte
5. Sozio-kulturelle Kräfte
b) Resultate des Kernkonzepts
1. Wettbewerbssituation in der Branche
2. Markteintritt neuer Unternehmen und der Einfluss substituierender Technologien
3. Verhandlungsposition der Abnehmer
4. Verhandlungsmacht der Kooperationspartner
5. Einfluss von Sonderfaktoren
IV. Porter Hypothese und Resultate der Policy-Analyse
B. Betrachtungen des Marktes für Umweltinnovationen
I. Nachfrage nach Umweltschutzgütern in Deutschland
II. Spezielle Darstellung ausgewählter Innovationsfelder
a) Energieeffizienz
1. Marktvolumen und Entwicklung
2. Innovationstreiber
b) Rohstoffeffizienz und Kreislaufwirtschaft
1. Marktvolumen und Entwicklung
2. Innovationstreiber
c) Nachhaltige Mobilität
1. Marktvolumen und Entwicklung
2. Innovationstreiber
d) Nachhaltige Wasserwirtschaft
1. Marktvolumen und Entwicklung
2. Innovationstreiber
III. Einfluss umweltpolitischer Instrumente
a) Energie- bzw. Rohstoffeffizienz und Kreislaufwirtschaft
b) Nachhaltige Mobilität
c) Nachhaltige Wasserwirtschaft

3. Abschnitt: Diffusion von Umweltinnovationen in KMU - eine nachfrageorientierte Betrachtung
A. Theorie der Markteinführung und Diffusion von Umweltinnovationen...
I. Produkt- und Prozessinnovationslebenszyklus
a) S-Kurvenmodell
b) Modell von Utterback und Abernathy
II. Annahmen zur Adoption und Diffusion von Umweltinnovationen
a) Allgemeines Diffusionsmodell
b) Exponentielles Diffusionsmodell als Ansatz zur Erklärung der branchenbezogenen Diffusion von Umweltinnovationen
B. Umweltinnovationen in kleinen und mittelständischen Unternehmen
I. Aspekte umweltorientierter Investments in kleinen und mittelständischen Unternehmen
II. Unternehmensinterner Widerstand
a) Potentielle Ansatzpunkte der Opponenten
b) Ausprägungen des Widerstands
c) Reduzierung und Überwindung
III. Integrierte Produktpolitik (IPP) als Ansatz zur Förderung von Umweltinnovationen in kleinen und mittelständischen Unternehmen
a) Grundlagen einer Integrierten Produktpolitik
b) Prinzipien und Ziele einer IPP
c) Instrumente und Strategien einer IPP - eine Chance für Umweltinnovationen

Schlussbemerkung

Anhang

Abstract

Quellenverzeichnis

Index

Vorwort

Die Idee, Umweltinnovationen in kleinen und mittelständischen Unternehmen zu thematisieren, wurde im Wesentlichen durch meine Tätigkeit am Fraunhofer-Zentrum für Mittel- und Osteuropa initiiert. Meine Mitarbeit bei der Erstellung von Marktanalysen für innovative Umwelttechnologien machte mich erstmals auf die Probleme der Anbieter solcher Technologien aufmerksam. Verstärkt wurde die- ser Eindruck durch die Zusammenfassung und Auswertung verschiedener Forschungsprojekte der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Dort zeigte sich, dass erhebliche Defizite bei der Positio- nierung von Umweltinnovationen existieren [Freimann, S. 223 f.]. Durch die Anregungen meines Re- ferenten Prof. Dr. Thorsten Posselt konkretisierte sich der Themenbezug auf die Ermittlung förderli- cher und hemmender Einflussfaktoren bei Umweltinnovationen. Die Eingrenzung auf kleine und mit- telständische Unternehmen ergab sich einerseits aus der Tatsache, dass die in den Studien erfassten Anbieter und Nachfrager von Umwelttechnologien überwiegend der Gruppe der KMU zuzuordnen waren und andererseits aus der allgemeinen Bedeutung kleiner und mittelständischer Unternehmen für die deutsche Wirtschaftsstruktur.

Um das Thema „Positionierungskriterien von Umweltinnovationen in kleinen und mittelständischen Unternehmen“ möglichst umfassend zu betrachten, erschien folgende Vorgehensweise praktikabel: § Innerhalb des ersten Abschnittes wird der Begriff der Umweltinnovation als Teil des Innovations- begriffes eingegrenzt und die wesentlichen Merkmale dieses Innovationstyps vorgestellt. Die wei- tere Betrachtung zielt auf den Innovationsprozess und dessen ökologische Beeinflussung ab. § Der zweite Abschnitt betrachtet Umweltinnovationen aus der Anbieterperspektive. Dazu werden wesentliche Einflussgrößen des Marktes und der Umweltpolitik auf diese Unternehmen und ihre Innovationsaktivitäten abgebildet. Die theoretisch ermittelten Ergebnisse werden im Folgenden den empirischen Ergebnissen einer Unternehmensbefragung des BMU in Zusammenarbeit mit dem DIW und Roland Berger S.C. gegenübergestellt.

- Der abschließende dritte Abschnitt untersucht Umweltinnovationen aus der Nachfrageperspektive. Dazu werden zunächst allgemeine Modelle der Adoptions- bzw. Diffusionsprozesse dargestellt, um anschließend den Übergang der Innovation in die Markteinführungsphase zu betrachten. Wei- terhin werden hemmende und förderliche Faktoren der Implementierung von Umweltinnovationen in KMU untersucht. Die Zusammenführung der Ergebnisse des zweiten und dritten Abschnittes wird anhand des Konzeptes der Integrierten Produktpolitik vorgenommen.

Abschließend möchte ich mich besonders bei meinem Referenten Prof. Dr. Posselt und bei meinem Betreuer Dipl.-Volksw. Marcus Trommler für die Unterstützung und die Möglichkeit der Bearbeitung dieses Themas bedanken. Mein weiterer Dank gilt den Mitarbeitern des Fraunhofer-Zentrums für Mit- tel- und Osteuropa, welche mir insbesondere in der Konzeptionsphase zahlreiche Anregungen und Hinweise gaben.

Abbildungsverzeichnis

ABBILDUNG 1: EINZELNES CLUSTER IM STAGE GATE PROCESS MODELL IN ANLEHNUNG AN COOPER ET AL (2001)

ABBILDUNG 2: INNOVATIONSPROZESS IN ANLEHNUNG AN THOM, 1980

ABBILDUNG 3: EINZELNES CLUSTER IM STAGE-GATE MODELL IN ANLEHNUNG AN COOPER ET AL (2002)

ABBILDUNG 4: STAGE-GATE MODELL IN FÜNF STUFEN IN ANLEHNUNG AN COOPER ET AL (2002)

ABBILDUNG 5: FEUERWERKSMODELL QUELLE: FICHTER (II), 2003

ABBILDUNG 6: ÖKOLOGISCHER EINFLUSS INNERHALB DES INNOVATIONSPROZESSES

ABBILDUNG 7: ENTWICKLUNG DER UMWELTSCHUTZAUSGABEN IN DEUTSCHLAND

ABBILDUNG 8: S-KURVENMODELL IN ANLEHNUNG AN BROCKHOFF [STREBEL, S. 71]

ABBILDUNG 9: MODELL VON UTTERBACK UND ABERNATHY IN ANLEHNUNG AN [UTTERBACK, S. 17]

ABBILDUNG 10: DIFFUSIONSVERLAUF IM EXPONENTIELLEN DIFFUSIONSMODELL

ABBILDUNG 11: ABBILDUNG DES INNOVATIONSBEGRIFFES IM ENGEREN UND WEITEREN SINNE IN ANLEHNUNG AN STREBEL, S. 23

ABBILDUNG 12: EINFLUSSFAKTOREN UND VERLAUF DES ADOPTIONSPROZESSES

Tabellenverzeichnis

TABELLE 1: STRATEGIETYPEN VON NACHHALTIGKEITSINNOVATIONEN UND UMWELTINNOVATIONEN

TABELLE 2: KLASSIFIKATION UMWELTPOLITISCHER INSTRUMENTE

TABELLE 3: STÄRKEN UND SCHWÄCHEN DES BEREICHES ENERGIEEFFIZIENZ

TABELLE 4: STÄRKEN UND SCHWÄCHEN-ANALYSE DES BEREICHES MATERIAL- UND ROHSTOFFEFFIZIENZ

TABELLE 5: STÄRKEN- UND SCHWÄCHENANALYSE DES BEREICHES NACHHALTIGE MOBILITÄT

TABELLE 6: STÄRKEN- UND SCHWÄCHENANALYSE DES BEREICHES NACHHALTIGE MOBILITÄT

TABELLE 7: GEWÜNSCHTE UMWELTPOLITISCHE MAßNAHMEN: ENERGIE- BZW. ROHSTOFFEFFIZIENZ UND KREISLAUFWIRTSCHAFT

TABELLE 8: GEWÜNSCHTE UMWELTPOLITISCHE MAßNAHMEN: NACHHALTIGE MOBILITÄT

TABELLE 9: GEWÜNSCHTE UMWELTPOLITISCHE MAßNAHMEN: NACHHALTIGE WASSERWIRTSCHAFT

TABELLE 10: PRODUKTBEZOGENE EINFLUSSFAKTOREN DES ADOPTIONSPROZESSES

TABELLE 11: ABGRENZUNG INTEGRIERTE PRODUKTPOLITIK ZU HERKÖMMLICHER PRODUKTBEZOGENER UMWELTPOLTIK EIGENE DARSTELLUNG IN ANLEHNUNG AN RUBIK, S. 29

TABELLE 12: UMWELTSCHUTZAUSGABEN IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND 1996 BIS

Formelverzeichnis

GLEICHUNG 1: HOMOGENE BEDARFSLÜCKE ZEITPUNKT T

GLEICHUNG 2: PERIODISCHE ADOPTION DER INNOVATION

GLEICHUNG 3: DIFFUSIONSFAKTOR ALS ANTEILSWERT

GLEICHUNG 4: STRUKTURELLE ZUSAMMENSETZUNG DES DIFFUSIONSFAKTORS

GLEICHUNG 5: PERIODISCHE ADOPTION IM EXPONENTIELLEN DIFFUSIONSMODELL

GLEICHUNG 6: KUMULIERTE DIFFUSIONSFUNKTION OHNE DIFFUSIONSFAKTOR

GLEICHUNG 7: KUMULIERTE DIFFUSIONSFUNKTION MIT DIFFUSIONSFAKTOR

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Abschnitt: Umwelt, Innovationen und ökonomische Perspektiven

Ist es zweckmäßig neue Probleme mit alten Antworten lösen zu wollen? Ressourcenverknappung, klimatischer Wandel und restriktive Energieverfügbarkeit treffen auf Bevölkerungswachstum, stei- genden Energieverbrauch und eine globale Wirtschaftsordnung. Es erscheint absehbar, dass eine große Herausforderung menschlichen Handelns in der Lösung des Dualismus zwischen Allokation und Ver- fügbarkeit begründet liegt, da der Mensch und seine gesellschaftlichen Systeme Bestandteile seiner Umwelt sind [Suchanek, S. 8]. Demnach erscheint der bisherige Ansatz der Implementierung von Umweltaspekten in diese Systeme als fragwürdig, da dieser eine Trennung von Mensch und Umwelt induziert, welche objektiv nicht gegeben ist. Insbesondere für die praktische und theoretische Ökono- mie bestehen darin neue Herausforderungen. Ohne die umfassende Betrachtung ökologischer Aspekte können weder die Probleme genau analysiert, noch adäquate Lösungen umgesetzt werden. Dies bein- haltet für die theoretische Betriebs- und Volkswirtschaftslehre einen systematischen Wandel, der in allen Teildisziplinen erheblichen Forschungsbedarf verlangt [Pfriem, S. 4 f.]. In der praktischen Öko- nomie besteht ein wesentlich differenzierteres Problem. Eine Veränderung des Akteursverhaltens oder der Produktionsbedingungen ist kurz- und mittelfristig mit einem Paradigmenwechsel kaum erreich- bar. Diese Lücke schließt das Ordnungsrecht. Eine reine Marktlösung resultiert primär aus den verän- derten Bedingungen der Beschaffungs-, Produktions- und Absatzbereiche. Der Einsatz ordnungspoliti- scher Instrumente kann eine kurz- bzw. mittelfristige Veränderung dieser Strukturen und Verhaltens- weisen ermöglichen und somit zukünftige Marktentwicklungen antizipieren [Blazejcak (II), S. 654]. Innovationen im Produkt- oder Prozessbereich sind Ergebnisse der Anpassungs- und Vermeidungs- reaktionen auf diese veränderten Rahmenbedingungen. Die Beachtung ökologischer Aspekte bei der Konzipierung von Innovationsprojekten hat für Unternehmen eine hohe strategische Relevanz hinsich- tlich der Positionierung am Markt und der gesellschaftlichen Interaktionen [Pfriem, S. 9]. Insofern bildet die Analyse von Innovationen unter Betrachtung von Nachhaltigkeits- respektive Umweltanfor- derungen einen wichtigen Bestandteil eines neuen ökonomischen Grundverständnisses.

A. Überlegungen zum ökologischen Innovationsbegriff

Im Rahmen des Nachhaltigkeitsansatzes erweitert sich die klassische unternehmerische Perspektive auf die Interaktionsebenen Gesellschaft und Natur [Grunwald, S. 47f.]. Zunehmende Knappheit an nicht regenerativen Ressourcen, begrenzte Reproduktion an regenerativen Ressourcen und die Auswirkungen historischer Produktionsmethoden bedingen Richtlinien und Konzepte, um wirtschaftliche Aktivitäten nachhaltig zu gestalten. Die Enqueté-Kommission des 13. Deutschen Bundestages verweist auf vier grundlegende Regeln zur Integration wirtschaftlicher Aktivitäten in den Naturhaushalt, welche als Zielgrößen zu verstehen sind [Rieder, S. 5].

I. Die Ressourcennutzung muss kleiner gleich der Regenerationsrate bzw. der Rate der Substitution aller funktionalen Eigenschaften der Ressource sein. Überlegungen zum ökologischen Innovationsbegriff 2

II. Die Tragfähigkeit der Umweltmedien bzw. deren Assimilationsfähigkeit begrenzt die Freisetzung von anthropogenen Stoffen.

III. Risiken für die Schutzgüter sind zu vermeiden.

IV. Das Zeitmaß anthropogener Eingriffe in die Umwelt muss in einem ausgewogenen Verhältnis zu dem Zeithorizont stehen, den die Umwelt für stabilisierende Reaktionen benötigt.

Insbesondere Innovationen bieten durch ihre Kerneigenschaft der Neuerung Möglichkeiten, diese Ansätze in neuen Produkten und Prozessen zu realisieren. Eine Umweltinnovation muss demnach den allgemeinen Eigenschaften der Innovation entsprechen und darüber hinaus ökologische Anforderungen erfüllen [Schwarz, S. 279]. Diese ökologischen Anforderungen betreffen direkt das Produkt und deren Wirkung und indirekt den gesamten Innovationsprozess. Eine Analyse des Umweltinnovationsbegriffes bedarf also der Darstellung allgemeiner Eigenschaften der Innovation, der Festlegung der ökologischen Ausprägung sowie der prozessualen Analyse.

I. Approximation des Innovationsbegriffes

Übergreifend werden neue Produkte und Prozesse unter dem Begriff der Innovation subsumiert, wel- che durch ihre erstmalige Anwendung bzw. Verfügbarkeit eine Veränderung des bisherigen System- status verursachen [Hauschildt, S. 7]. Dabei wird die Innovation als das Aggregat verschiedener Vor- phasen verstanden. Die reine Invention[1], also die technische Realisierung einer Problemlösung als Ergebnis aus Idee sowie Forschungs- und Entwicklungsarbeit, stellt dabei lediglich einen notwendigen Teil des Innovationsbegriffes dar. Als essentiell wird darüber hinaus die praktische und erfolgreiche Anwendung und Verbreitung der Innovation verstanden [Roberts, S. 3]. Bei einer ökonomisch fokus- sierten Betrachtung sind demnach neben der Verfügbarkeit, die erfolgreiche Markteinführung, die verbreitete praktische Anwendung und die Imitation der Produkte und Prozesse durch Konkurrenten kennzeichnend für den Innovationsbegriff im weiteren Sinne. Die Kombination aus Invention und zielgerichteten Maßnahmen, wie erste Fertigungen, Investitionen und Marketingmaßnahmen, bilden den Innovationsbegriff im engeren Sinne [Strebel, S. 21].[2]

Nach den Richtlinien der OECD werden Prozess- und Produktinnovationen unterschieden [OECD, S. 31 ff.]. Unter einer Prozessinnovation wird die innerbetriebliche Veränderung einzelner oder mehrerer Leistungserstellungsprozesse mit dem Ziel der Effizienzsteigerung hinsichtlich Qualität, Kosten und Zeit verstanden [Neubauer S. 8]. Prozessinnovationen sind häufig mit einer Veränderung der techno- logischen Ausstattung, der Veränderung produktiver Abläufe und/oder der Anpassung von Verwal- tungsabläufen in Unternehmen verbunden. Diese Veränderungen können durch neuartige Produkte induziert sein oder neue bzw. stark verbesserte Produkte induzieren [OECD (I) S. 32]. Eine Produkt- innovation beschreibt eine neue Faktorkombination existenter Technologien und Komponenten. Diese neuen Produkte unterscheiden sich signifikant gegenüber den konventionellen Produkten [OECD (I) S. 32]. Neben der Erstellung wird mit der Produktinnovation die erfolgreiche Verwertung am Markt ver- bunden und somit die strategische Positionierung des Unternehmens [Neubauer, S. 8]. Damit neue Produkte und Prozesse als innovativ gelten können, müssen sie auch als solche identifi- ziert werden. Dies impliziert, dass die Wahrnehmung der Innovation durch einen entsprechenden An- wenderkreis gegeben ist [Hauschildt S. 24 i. V. m. § 4 PatG]. Der Umfang dieses Personenkreises bildet einen guten Indikator für die Bedeutung der Innovation im gesellschaftlichen Kontext[3]. Ebenso sind eine gewisse Dauerhaftigkeit der Novität und deren Wirkungsintensität auf den bisherigen Status Quo entscheidende Eigenschaften [in Anlehnung an Schumpeter S. 100 ff.]. Eine zeitlich kurze Er- scheinung oder eine geringe Wirkung des neuen Produktes oder Prozesses zur Problemlösung grenzen die Verbesserung eines existenten Produktes von der Innovation ab. Im Rückschluss scheint damit eine Innovation auch immer mit der Entwicklung von Verbesserungen und komplementären Produk- ten verbunden [Strebel, S. 46 f.].

Aufbauend auf dem klassischen Innovationsverständnis, welches diese neuen Kombinationen vorhan- dener Dinge als Resultat eines schöpferisch-destruktiven Prozesses betrachtet, wird in der moderneren Sicht der Innovationstheorie der Aspekt der Entstehung und der Abgrenzung verstärkt untersucht [Schumpeter, S. 100 und Hauschild S. 8]. Demnach bildet die Innovation ein, der bisherigen Gleich- gewichtsbetrachtung entrücktes, Phänomen ab, welches einen diskontinuierlichen und destruktiven Charakter in der Erscheinung aufweist, jedoch in der Entwicklung und Diffusion durchaus kontinuier- liche und ergänzende Züge haben kann. Da die Entwicklung von Innovationen häufig auf der stetigen Verbesserung vorhandener Technologien und der Erweiterung respektive Vernetzung bestehenden Wissens basiert, kann sie einen geplanten oder zufälligen Charakter haben. [Hensel, S. 9]. Die innova- tive Anwendung des bisherigen Kenntnisstandes in einer neuen Kombination oder Verwendung kann nicht isoliert von dessen Entstehung betrachtet werden, zumal die Forschungs- und Entwicklungsarbeit einen kontinuierlichen Teil des Innovationsprozesses darstellt. Damit können Innovationen durchaus das Resultat einer stetigen Verbesserung bestehender Technologien sein, auch wenn das Ergebnis ei- nen erheblichen Wissenssprung darstellt, der als unstetig wahrgenommen werden könnte [Hauschildt, S. 17 i. V. m. Schumpeter S. 100 f.]. Weiterhin ist die Koexistenz von Altem und Neuem prägend für den Bereich der Markteinführung und weite Teile der Marktdiffusion. Bedingt durch die Dynamik des Innovationsprozesses und durch den Produktlebenszyklus, ist ein temporäres Nebeneinander von alt und neu zwingend gegeben, was nicht zwangsläufig eine vollständige Verdrängung des Alten zur Fol- ge haben muss [Wöhe S. 648]. Vielmehr limitiert und reduziert sie deren Anwendungsgebiet[4].

Innerhalb der deutschsprachigen Innovationstheorie liegt die Wirkung der Innovation in der Neuartigkeit einer Problemlösung oder Bedürfnisbefriedigung [Disselkamp, S. 18]. Damit einher geht die zielgerichtete positive Wirkung auf den bisherigen Zustand. Eine Erweiterung dazu bietet ein amerikanischer Ansatz, der die Generierung von Ressourcen in den Mittelpunkt stellt. Demnach ist eine Innovation immer mit der Erschaffung oder Nutzbarmachung von Ressourcen und der Steigerung des gesellschaftlichen Wohlstandes verbunden [Drucker, S. 30 f.]. Dieser Ansatz soll das in dieser Arbeit verwendete Innovationsverständnis prägen. Erst die Entdeckung einer möglichen Verwendung schafft Neues, dessen Einsatz direkt oder indirekt Ressourcen generiert.

Demnach basiert diese Arbeit auf folgender Innovationsauffassung: Neue Produkte oder Prozesse sind das Ergebnis zielgerichteter, dynamischer Teilprozesse oder veränderter Faktorkombinationen, deren Anwendung und Verbreitung wesentliche Veränderungen des bisherigen Systemzustandes verursachen. Die Neuartigkeit existiert längerfristig, geht über den Zustand der Verbesserung hinaus und wird von einem bestimmten Personenkreis wahrgenommen. Die Innovation ersetzt oder limitiert bestehende artverwandte Produkte und Prozesse und generiert in der Anwendung Ressourcen. Es werden Prozess- und Produktinnovationen unterschieden.

II. Merkmale von Innovationen

Die theoretische Bestimmung des Innovationsbegriffes kann je nach Untersuchungsgegenstand und Untersuchungsgebiet variieren [Gardenier, S. 7 f.]. In der Praxis erweist sich die Beantwortung der Frage, nach dem, was innovativ ist oder was die eigentliche Innovation ist, als sehr komplex und un- genau[5]. Eine detaillierte Eingrenzung anhand der Merkmale Neuheit, Unsicherheit vs. Risiko, Komp- lexität und Konfliktgehalt spezifiziert die vorangegangene Begriffsbestimmung [Thom, S. 131 ff.].

a) Neuheitsgrad

Die Eigenschaft der Neuheit gilt als konstitutiv und immanent für den Innovationsbegriff [Hensel, S. 11]. Diese Neuartigkeit wird, bezüglich des Innovationsbegriffes, als eine Problemlösung respektive Bedürfnisbefriedigung, welche in der Realisierung über den herrschenden Kenntnis- und Erfahrungs- stand hinausgeht, beschrieben [Vahs, S. 49]. Insbesondere der Neuheitsgrad hat für unternehmensin- terne und unternehmensexterne Prozesse eine erhebliche Bedeutung. Innerhalb der Unternehmung übt ein hoher Neuheitsgrad eine direkte Wirkung auf die Wahrnehmung und Ausprägung der Eigenschaf- ten Risiko, Komplexität und Konfliktgehalt aus [Strebel, S. 32]. Wenn als Bezugsgröße der herrschen- de Kenntnis- und Erfahrungsstand gilt, impliziert ein hoher Neuheitsgrad ein erhebliches Anpassungs- erfordernis an die technologischen und administrativen Strukturen des Unternehmens [Neubauer, S. 9]. Daraus resultieren eine gestiegene Komplexität des Problems und ein erhöhtes Konfliktpotential während der Anpassungsphase. Unternehmensextern besteht hauptsächlich das Risiko der wirtschaftli- chen Verwertbarkeit der Innovation [Strebel, S. 35]. Ein hoher Neuheitsgrad sichert bei erfolgreicher Marktpositionierung deutliche Wettbewerbsvorteile und kann darüber hinaus zu einer temporären Monopolstellung führen. Diesbezüglich besteht jedoch in der Entwicklungsphase, bedingt durch den hohen Neuheitsgrad, erhebliche Unsicherheit. Gleichzeitig werden konkurrierende Unternehmen in Anbetracht eines möglichen Wettbewerbsnachteils, ihre Innovationsaktivitäten steigern [Wiese, S. 186]. Für das innovierende Unternehmen kann es neben dem Risiko einer Fehlentwicklung auch zu einem zu späten Markteintritt kommen. Insofern besteht ein Hauptproblem in der Abwägung zwischen unternehmensinternen und unternehmensexternen Effekten, welche durch die Neuartigkeit hervorgeru- fen werden.

Bei der Beurteilung des Neuheitsgrades sind zwei Parameter von entscheidender Bedeutung: einerseits die personelle Abgrenzung und Bewertung des Kenntnisstandes und andererseits die Messung des Neuheitsgrades in diesen Gruppen. Anders ausgedrückt: Was ist wie neu für wen? Die Klassifizierung der gruppenspezifischen oder personellen Wahrnehmung des Neuheitsgrades wird in objektive und subjektive Neuheit vorgenommen [Strebel, S. 32].[6] Eine weitere gute Abgrenzung bietet die rein betriebliche (unternehmensbezogene) und die industrieökonomische (branchenbezogene) Perspektive [Hauschildt S. 24 f.]. Diese Einteilung ermöglicht, beispielsweise durch die Gegenüberstellung des Neuheitsgrades für die Branche und das Unternehmen, Rückschlüsse auf Produkteigenschaften oder die Stellung des Unternehmens innerhalb der Branche zu treffen.[7]

Ein wesentliches Problem bildet die Bestimmung der Intensität der Neuheit. Verbreitete Konzepte zur Messung des Neuheitsgrades sind Dichotomien, ordinale Skalierungen, Scoring Systeme oder Multidimensionale Ansätze [Hauschildt, S. 16]. Die Verwendung dieser Systeme hängt von dem gewünschten Aussagegehalt ab. Multidimensionale Ansätze erlauben sehr detaillierte Aussagen, sind aber sehr aufwendig zu gestalten. Einfache Dichotomien oder Ordinalskalen ermöglichen Aussagen über Zustände oder Rangfolgen ohne eine graduelle Abgrenzung [Eckstein, S. 7].

b) Komplexität

Der Grad der Komplexität eines Systems beschreibt die Menge der Systemelemente und deren Bezie- hungen zueinander [Budin, S. 9]. Die Ursachen für die Komplexität bei Innovationen begründen sich durch deren prozessualen Charakter [Fischer, S. 13]. Innerhalb des Unternehmens werden verschiede- ne Abteilungen und viele Mitarbeiter in den Innovationsprozess involviert. Diese arbeitsteiligen Pro- zesse bedingen, dass Handlungs- und Entscheidungsträger unterschiedliche Kenntnisse hinsichtlich des Gesamtprozesses haben und diese durch innerbetriebliche Kommunikation immer wieder abgegli- chen und angepasst werden müssen [Strebel, S. 35]. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Dynamik des gesamten Innovationsprozesses. Neue Erkenntnisse und steigende Spezialisierung in einer Abteilung des Unternehmens können Annahmen, Planungen und Ergebnisse in anderen Bereichen des Unternehmens erheblich verändern. Aufgrund dieser Eigendynamik sind diese Prozesse zeitlich selten linear oder chronologisch [Hensel, S. 13]. Eine Mischung aus teilweise parallelen und teilweise sequentiellen Abläufen, die interdependent aufeinander wirken und oftmals Rückkopplungseffekte auslösen, ist kennzeichnend für den Innovationsprozess [Busse, S. 45]. Das Ausmaß der Komplexität hat eine direkte Wirkung auf die Wahrnehmung von Unsicherheit bzw. Risiken während der Entwicklung und ist oft Anlass für eine Steigerung des Konfliktpotentials.

c) Unsicherheit und Risiko

Die Entscheidung eines Unternehmens, Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten aufzunehmen, um damit innovative Produkte oder Prozesse zu generieren, stellt eine Finanzierungsentscheidung unter Unsicherheit dar. Es besteht Unklarheit über den zukünftigen technischen und ökonomischen Erfolg des Vorhabens und über den dafür benötigten Zeitraum.[8] Für die Entscheidung zur Innovationstätig- keit besteht hinsichtlich der Parameter Zeit, Kosten und Erfolg Unsicherheit [Strebel, S. 34]. Demge- genüber beschreibt die Entscheidung bei Risiko eine Situation, in der objektive Eintrittswahrschein- lichkeiten angegeben werden können [Gutenberg, S. 19]. Risiken können Bestandteile oder das Resul- tat einer unsicheren Entscheidung sein.[9] Im Zeitverlauf verändert sich das Maß der Unsicherheit durch den Nichteintritt bzw. Eintritt von Teilrisiken, es wird kleiner. Hohe Unsicherheit wirkt verstärkend auf den Konfliktgehalt von Innovationen [Busse, S. 46].

d) Konfliktgehalt

Einen Konflikt kennzeichnen unvereinbare Interessengegensätze oder Handlungstendenzen zweier oder mehrerer Parteien. Dabei handelt jede Partei gemäß ihrer eigenen Interessen und die Beziehung zwischen den Parteien ist interdependent [Jost, S. 12 f.]. Die entscheidenden Einflussparameter auf den Konfliktgehalt bei Innovationen sind der Neuheitsgrad, die Komplexität und die Unsicherheit, welche eine verstärkende Wirkung auf den Konfliktgehalt haben [Strebel, S. 36 f.]. Konflikte können intra- und interpersonell, produktbezogen, rechtlich oder soziologisch motiviert sein [Fleig, S. 29]. Die Auswirkungen von Konflikten müssen dabei nicht zwangsläufig negativ sein. Positive Folgen einer Konfliktsituation können neue Auffassungen oder Herangehensweisen, veränderte Strukturen, neue Ideen, neue Produkte, also Innovationen sein [Fischer, S. 14]. Darüber hinaus können überstandene und gelöste Konfliktsituation den Teamzusammenhalt und die Unternehmenskultur stärken.[10]

B. Determination der Umweltinnovation

Umweltinnovationen bezeichnen primär die Teilmenge an innovativen Produkten und Prozessen, die eine Verbesserung der Umweltqualität erzeugen [Lehr, S. 13].[11] Solche Verbesserungen können hinsichtlich der Reduzierung des Ressourcenverbrauchs, der Verminderung von Emissionen und der Begrenzung der Risiken durch menschliche Aktivitäten erfolgen [Urbanic, S. 15]. Als Referenz dienen der derzeitige Zustand der Umwelt und die Wirkung der Umweltinnovation auf diesen. Neue Produkte oder Prozesse, die durch ihre Anwendung lediglich den Ist-Zustand beibehalten, also zu keiner Verschlechterung führen, sind keine Umweltinnovationen in diesem Sinne, vielmehr muss eine quantitative oder qualitative Verbesserung vorliegen [Hansjürgens, S. 6].

Entgegen dem Ansatz, dass die Umweltverbesserung ein hinreichendes Kriterium darstellt und andere Eigenschaften hinsichtlich der Klassifizierung unerheblich sind, wird im Folgenden die ökologisch- ökonomische Ausprägung der Innovation als entscheidendes Klassifizierungsmerkmal der Umweltin- novation aufgefasst [Lehr, S. 13]. Eine erfolgreiche ökonomische Verwertung ist ein elementarer Be- standteil des Innovationsprozesses [Hauschildt, S. 9]. Die Entwicklung neuer Produkte ohne Aussicht auf wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit erscheint unplausibel. Dem folgend ist die Betrachtung der Kos- ten-Nutzen-Bilanz durch die Verringerung der Schadenskosten für eine Klassifizierung als Umweltin- novation entscheidend. Eine Reduzierung der Umweltschädigung wäre zu beliebigen Opportunitäts- kosten jederzeit denkbar. Umweltinnovationen ermöglichen eine gleiche Umweltentlastung zu gerin- geren Kosten oder zu konstanten Kosten eine höhere Umweltentlastung [Blazejczak (I), S. 15].

Umweltinnovationen können durch gezielte Forschungs- und Entwicklungsarbeit, aber auch als Nebe- neffekt anderer Innovationen entstehen [Rieder, S. 6]. Im Bereich der Umweltinnovationen werden technische[12] und organisatorische Produkt- bzw. Prozessinnovationen unterschieden [Rennings, S. 6].

I. Eigenschaften von Umweltinnovationen

Neben den klassischen Merkmalen von Innovationen weisen Umweltinnovationen spezifische Eigen- schaften auf, welche maßgeblich durch die besondere Charakteristik des Gutes Umwelt bestimmt sind. Umweltinnovationen erzeugen positive Umwelteffekte, d. h. im Ergebnis ihrer Anwendung verbessert sich der Umweltzustand und damit entsteht ein potentieller Nutzengewinn. Aufgrund fehlender Exklu- sivität des Gutes Umwelt besteht dieser Nutzen nicht ausschließlich für den Innovator, sondern primär für die Allgemeinheit [Blazejczak (II), S. 633]. Die Auswirkungen der Umweltinnovation auf den Umweltzustand treten oft zeitverzögert ein. Eine vollständige Aussage darüber, ob eine Innovation positiv auf den Umweltzustand wirkt, ist demnach zeitabhängig und unsicher [Rieder, S. 7][13]. Als ent- scheidendes Merkmal gilt die Existenz doppelter Externalitäten im Zusammenhang mit Umweltinno- vationen [OECD (II), S. 23 f.]. Diese resultieren aus dem Unterschied zwischen sozialem und indivi- duellem Grenznutzen [Blazejczak (II), S. 635][14]. Im Falle der Umweltinnovation trägt der Innovator die gesamten Kosten des Innovationsprozesses, er kann aber (aufgrund fehlender Exklusivität) nicht den vollständigen Nutzen daraus realisieren (positive Externalität). Dieser entstandene zusätzliche Nutzen (positive spillover) sowie weitere positive externe Effekte für die Allgemeinheit durch die Umweltverbesserung, werden nicht hinreichend durch die Nutzer vergütet [Dieckmann, S. 89, Bla- zejczak (I), S. 15]. Die Verursachung der Umweltschädigung bildet die zweite Externalität[15]. Der Ver- ursacher realisiert nahezu den vollständigen Nutzen aus der umweltschädlichen Tätigkeit, trägt aber nur einen Teil der Kosten. Den verbleibenden Teil trägt die Allgemeinheit (negative Externalität) [OECD (II) S. 23]. Die Existenz von Externalitäten stellt eine Form von Marktversagen dar. Positive Externalitäten können eine suboptimale Innovationsrate induzieren.[16] Negative Externalitäten können zu einer Intensivierung des umweltschädlichen Verhaltens führen, da die geringeren Kosten als Vorteil wahrgenommen werden [OECD (II), S. 24]. In beiden Fällen können Anreizmechanismen und ent- sprechende Rahmenbedingungen seitens des Staates geschaffen werden, um diese Effekte zu regulie- ren. Damit erhält die politische Einflussnahme (regulatory push) bei Umweltinnovationen eine beson- dere Bedeutung [Rieder, S. 7]. Die generelle Rechtfertigung staatlicher Eingriffe bei Marktversagen ist nicht gegeben, vielmehr muss sie im Rahmen einer Einzelfallprüfung erfolgen [Blazejczak (I), S. 17].

II. Ansätze und Prinzipien für Umweltinnovation

Umweltinnovationen berühren die ökonomischen und ökologischen Bestandteile des Nachhaltigkeitskonzeptes [SUR, S. 98 ff.]. Soziale Komponenten, wie Nutzungsgerechtigkeit oder soziale Verantwortung, werden bei diesem Innovationstyp nicht weiter betrachtet. In der bisherigen Darstellung ist die ökologische Ausrichtung mit den positiven Effekten auf den Umweltzustand beschrieben worden, die ökonomische Perspektive anhand der Nutzengenerierung bzw. wirtschaftlichen Verwertung. Die Prinzipien dieser beiden Bereiche werden mittels der Prinzipien Effizienz, Substitution, Risikoreduzierung, Konsistenz und Suffizienz näher definiert [Rogall, S. 92 f.][17].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Einzelnes Cluster im Stage Gate Process Modell in Anlehnung an Cooper et al (2001).

Effizienz beschreibt die Steigerung der Ressourcenproduktivität, die Verminderung von Emissionen und Energieverbrauch sowie die Vermeidung des Einsatzes ökotoxischer Stoffe [Fichter (I), S. 37]. Der Anspruch an (Öko-)Effizienz im Innovationsprozess ist, im Gegensatz zu den anderen Prinzipien, bereits systemimmanent, da Effizienzsteigerungen oft ein Resultat von Kostenoptimierung darstellen und somit den Gewinnsteigerungsbestrebungen von Unternehmen entsprechen. Das Effizienzprinzip wird inkrementell durch technologische Produkt- und Prozessinnovationen erreicht [Rieder, S. 8]. Die alleinige Anwendung des Effizienzprinzips kann langfristig nicht die umweltpolitischen Anforderun- gen erfüllen. Einerseits sind dem technologischen Fortschritt natürliche Grenzen gesetzt und anderer- seits führen die Effizienzsteigerungen gegebenenfalls zu einer Ausweitung der Tätigkeit, welche die positiven Effekte wieder kompensiert [Hemmelskamp, S. 2]. In Verbindung mit dem Effizienzprinzip kommt bei vielen Innovationsprozessen das Substitutionsprinzip zur Anwendung. Innerhalb der Pro- duktionsprozesse werden Einsatzstoffe teilweise oder ganz ersetzt. Den Schwerpunkt bildet die schrittweise Substitution ökotoxischer und nicht-regenerierbarer Einsatzstoffe [Fichter (I), S. 38]. Mit dem Anspruch auf Konsistenz von Umweltinnovationen wird die Vereinbarkeit von anthropogenen und natürlichen Stoffströmen verknüpft. Dabei spielt die qualitative Betrachtung eine übergeordnete Rolle [Rieder, S. 8]. Regenerative oder reproduzierbare Ressourcen, technisch und biologisch kreis- lauffähige Materialien und Null-Emissions-Prozesse sollen eine verbesserte Einbettung des industriel- len Metabolismus in den natürlichen Metabolismus ermöglichen [Fichter, S. 38]. Effizienz, Substituti- on und Konsistenz betrachten die veränderte Wirkung der Inputfaktoren und setzen damit bei der Ers- tellung an. Das Suffizienzprinzip fokussiert dagegen die Art und Struktur der Verwendung [Rogall, S. 126]. So können Schadensreduzierungen durch Veränderungen im Konsum- oder Nutzungsmuster erfolgen [Behrendt, S. 262]. Diese Veränderungen können sich z. B. in einem stärkeren regionalen Bezug, Dezentralisierungstendenzen, Modularität, verlängerten Nutzungsdauern bzw. Nutzungsintensivierungen von Produkten äußern [Fichter, S. 40]. Suffizienzwirkungen können aufgrund ihres Systembezugs schwierig induziert und quantifiziert werden [Rieder, S. 8].

Alle Teilprozesse im Innovationsprozess und daraus resultierende Prozesse oder Produkte müssen ex ante einer permanenten Risikoabschätzung unterzogen werden und gegebenenfalls Risikovermeidende oder reduzierende Maßnahmen getroffen werden. Die zur Schätzung notwendigen Analyse- und Bewertungsinstrumente können dabei in Form von Kooperationen oder staatlichen geförderter Forschung genutzt werden [Fichter (I), S. 40].

III. Klassifizierung von Umweltinnovationen

Die Klassifizierung von Umweltinnovationen ist bisher uneinheitlich. Oftmals wird eine Typisierung vermieden oder auf Ansätze aus der allgemeinen Innovationstheorie zurückgegriffen. Dabei werden insbesondere Prozess- und Produktinnovationen nach Anwendungsgebieten unterschieden oder spe- zielle Betrachtungsweisen für einzelne Innovationen vorgenommen, welche dann als Klassifizierung gelten. Im Bereich der Umweltinnovationen wird dabei vermehrt der Fokus auf die technische Reali- sierung gelegt und grundlegend in additive (end-of-pipe) und integrative Technologien unterschieden [Braun, S. 121]. Zwei maßgebliche Ansätze legten Fichter und Arnold 2003 vor [Fichter (I), S. 21 f. und S. 66 ff.]. Im ersten Ansatz wird die Wirkung der Innovation in den Mittelpunkt gestellt; die stra- tegische Betrachtung bildet den zweiten Ansatz, dessen Grundlage eine empirische Untersuchung in verschiedenen Unternehmen bildet.

a) Multidimensionale Gliederung

Aus den Prinzipien Effizienz, Konsistenz und Suffizienz können drei mögliche Interaktionsradien bestimmt werden. Demnach bildet der Interaktionsgrad den Gliederungsansatz, in welchem als An- satzpunkte Technik, Nutzungssystem und Kulturparadigmen vorgeschlagen werden [Fichter (I), S. 22]. Diese drei Ansätze sind nicht als isoliert zu betrachten. Interdependenzen in der Wirkung der Umweltinnovation bedingen, dass eine Umweltinnovation eine oder mehrere Ebenen berühren kann. Technik umschreibt die Summe aller Prozesse und Ausrüstungsgegenstände, die der Nutzbarmachung natürlicher Ressourcen und deren Verarbeitung zu weiteren Produkten dienen [Strebel, S. 17].[18] Der Ansatzpunkt Nutzungssystem beschreibt dagegen den Zustand, wenn bestehende Bedürfnisse nach einem vollkommen neuen Muster befriedigt werden [Rieder, S. 14]. Sie entsprechen damit den Prinzi- pien Konsistenz und Suffizienz. Dieser Ansatzpunkt generiert vorwiegend System- und Dienstleis- tungsinnovationen [Hauschildt, S. 14].[19] Den umfassendsten Ansatzpunkt bildet die Kultur bzw. herr- schende Paradigmen. Angenähert an das Suffizienzprinzip werden hier die bestehenden Bedürfnisse und deren Berechtigung hinterfragt [Fichter (I), S. 22]. Sie zielen auf eine Neugestaltung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, menschliche Verhaltensweisen und die Ausgestaltung neuer Paradigmen ab [Rieder, S. 15]. Als Resultat liegen dann institutionelle und organisatorische Innovationen vor [Fichter (I), S. 22].

Aufgrund eventuell bestehender Interdependenzen können für eine weiterführende Klassifizierung bei dieser Einteilung sechs grundlegende Innovationstypen dargestellt werden[20]. Betrachtet man weiterhin die direkte Wirkung auf den Umweltbereich, also hinsichtlich der Wirkung auf Ressourcen, Emissio- nen und Risiken aus menschlicher Aktivität, ergeben sich aus deren Kombination bereits 36 Umwelt- innovationstypen. Weitere Ausprägungen bilden der Neuheitsgrad und die Wirkung auf den Markt (z. B. isolierend oder induzierend).[21]

b) Strategische Gliederung

Umweltinnovationen haben direkte Wirkung auf die innovierenden Unternehmen, den Markt und das gesellschaftliche Umfeld. Neue Produkte, Technologien, Dienstleistungen oder Systemstrukturen kön- nen intensive Reaktionen in diesen Bereichen hervorrufen oder durch Veränderungen in diesen indu- ziert sein. Diesem Verständnis folgend, kann eine Gliederung von Umweltinnovationen auch unter strategischen Aspekten vorgenommen werden. In diesem Ansatz wird die Pfadorientierung der Inno- vation den Auswirkungen auf Prozesse, Markt und Gesellschaft gegenüber gestellt. Als Pfadorientie- rung wird dabei die Art der Neuartigkeit gewählt, also ob die Innovation Pfad-optimierend (inkremen- tell) oder Pfad-generierend (radikal) wirkt [Fichter (I), S. 68]. In der folgenden Tabelle sind diese Stra- tegietypen dargestellt, wobei diejenigen mit ökologisch-ökonomischer Ausrichtung hervorgehoben sind.

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Tabelle 1: Strategietypen von Nachhaltigkeitsinnovationen und Umweltinnovationen

Der Strategietyp ökoeffizienter Prozessoptimierung hat die Wirtschaftlichkeitssteigerung durch Res- sourceneffizienz zum Ziel. Damit verfolgt das Unternehmen eine Kostenoptimierungsstrategie [Rie- der, S. 15]. Als Resultat liegen Umweltinnovationen in den Bereichen Beschaffung, Fertigung und Entsorgung vor, die sich als Verbesserungen der Inputfaktormengen widerspiegeln [Fichter (I), S. 67]. Im Vordergrund des Strategietyps Innovatives Innovationsmanagement liegen organisatorische, in- strumentelle und prozessuale Innovationen im Innovationsmanagementbereich. Insbesondere Koope- rationen mit Partnerunternehmen, Forschungseinrichtungen und sonstigen Stakeholdern im gesamten Innovationsprozess kennzeichnen diesen Typus. Ziel kann auch die gemeinsame Nutzung und Ent- wicklung von Methoden und Instrumenten zur Evaluierung einzelner Ideen, Materialien oder Produkte sein [Fichter (I), S. 68]. Um eine gute Marktpositionierung zu erreichen kann das bestehende Produkt- oder Leistungsportfolio gegenüber Portfolien potentieller Konkurrenten abgesichert oder differenziert werden (Marktabsicherung und Marktdifferenzierung). Mögliche Maßnahmen können Veränderungen an einzelnen Produkt- bzw. Leistungscharakteristika (z. B. Design, Qualität, Service) oder unterstüt- zende und ergänzende Leistungsangebote sein [Fichter (I), S. 68 und Rieder, S. 16].

Der Strategietyp Marktkreation und Marktentwicklung ist davon abhängig, ob Märkte für die Umwelt- innovationen bereits existieren. Im Bereich der Marktkreation muss für das jeweilige Produkt zuvor ein neuer Markt bzw. ein Marktsegment geschaffen werden [Rieder, S. 16]. Insbesondere Fragen der Genehmigung, der Finanzierung, die Schaffung geeigneter Marktbedingungen, Kundenanalyse und die Generierung geeigneter Vertriebswege charakterisieren diese Form. Der Bereich der Marktentwick- lung zielt auf den Ausbau bzw. die Penetration bestehender, noch unzureichend ausgenutzter, Märkte ab [Fichter, S. 69]. Insbesondere die Weiterentwicklung von Nischenmärkten zu Massenmärkten und die Ausprägung differenzierender Merkmale sind in diesem Bereich typisch. Dabei ist zu beachten, dass die Strategien immer nur auf das jeweilige Innovationsobjekt zu beziehen sind. Die strategische Ausrichtung auf Unternehmensebene ist gesondert zu betrachten und nicht mit diesen identisch.

Pfad-optimierende Innovationen, die durch gesetzliche Reglementarien induziert sind, werden als ge- setzliche Anpassungsinnovationen bezeichnet. Die Initiierung liegt dabei nicht bei den Unternehmen, vielmehr treten sie als Reaktion auf antizipierte oder geltende Veränderungen der Rechtslage auf. Sie haben damit eher defensiven Charakter und dienen der Vermeidung von Folgekosten. Visionäre Alter- nativmodelle basieren auf den Suffizienzprinzipien des Nachhaltigkeitskonzeptes. Es werden Alterna- tiven zu rein ökonomisch motivierten Ansätzen verfolgt. Ziel ist es, ökologische oder gesellschaftliche Ungleichgewichte durch innovative Technologien, höhere Standards oder ethische Kooperationsfor- men zu relativieren. Oftmals erfolgt dies in Kooperationen mit Nicht-Regierungsorganisationen (NGO’s) oder als öffentlich private Partnerschaften [Fichter, S. 70, aber auch Rieder, S. 17].

C. Phasenorientierte Betrachtung

Bereits in der Darstellung des Innovationsbegriffes wurde auf die Existenz verschiedener Teilprozesse verwiesen, welche den Innovationsbegriff im engeren und im weiteren Sinne definieren. Demnach beschreibt Innovation den Prozess, der, ausgehend von einer Idee, mittels Forschungs- und Entwick- lungsarbeit zu einer Invention und über gezielte unternehmerische Maßnahmen (Investition, Marke- Phasenorientierte Betrachtung 13 ting, Realisierung) zur Einführung eines neuen Produktes oder Prozesses im Unternehmen bzw. Markt führt [Hauschildt, S. 27][22]. Viele dieser Prozesse beeinflussen einander oder überlagern sich inhaltlich [Strebel, S. 56]. Für eine gute Analyse und darauf aufbauende unternehmerische Entscheidungen ist die unternehmensbezogene Entwicklung von Modellen, die den internen Innovationsprozess nachbilden, notwendig [Vahs, S. 82]. Der Unternehmensbezug kann auch Leistungen umfassen, die durch kooperierende und verbundene Unternehmen erbracht werden. Entscheidend ist die Wirkung auf die Innovation und damit auf die strategische und operative Ausrichtung des Unternehmens [Rath, S.29 f; Stebel, S. 56]. Die Teilprozesse werden in verschiedenen Modellen unterschiedlich zusammengefasst. Zumeist erfolgt die Darstellung einzelner Phasen anhand ergebnis- bzw. aktivitätsorientierter Kriterien [Schmidthals, S. 25]. Thom unterteilt den Innovationsprozess in die drei Hauptphasen Ideengenerierung, Ideenakzeptierung und Ideenrealisierung [Strebel, S. 56][23].

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Abbildung 2: Innovationsprozess in Anlehnung an Thom, 1980.

Diese Darstellung legt besonderen Wert auf die frühen Phasen des Innovationsprozesses, welche maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg der Innovation haben. Der Ablauf des Innovationsprozesses ist durch Rückkopplungen, Abhängigkeiten und Neuausrichtungen gekennzeichnet, welche keinen linearen, sondern eher einen iterativen Verlauf haben [Schmidthals, S. 26; Strebel, S. 57]. Erweiterte Ansätze bieten Cooper/Edgett/Kleinschmidt mit dem Stage-Gate Modell und das Minnesota Innovation Research Program (MIRP) mit dem Feuerwerksmodell.

I. Stage-Gate Modell

Innerhalb des Stage-Gate Modells wird der Verlauf der einzelnen Prozessphasen an die Erfüllung von bestimmten Kriterien gebunden. Die Bestimmung dieser Prozessphasen und damit die Ermittlung der Kriterien erfolgt unternehmens- und projektspezifisch. Cooper et al kennzeichnen in ihrem Modell Prozessphasen (stages) und Entscheidungspunkte (gates) [Cooper, S. 146]. Die Entscheidungsphasen sind den Prozessphasen zwischengelagert und dienen als Kontroll- und Strategieinstrumente [Carsrud, S. 64].

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Abbildung 3: Einzelnes Cluster im Stage-Gate Modell in Anlehnung an Cooper et al (2002).

Nach jeder Prozessphase wird der Teilprozess einem Soll-Ist-Vergleich unterzogen (Kontrollfunktion). Dabei werden vorher festgelegte Kriterien auf ihren Erfüllungsgrad hin überprüft. Diese Ergebnisse dienen der Entscheidung, ob der Innovationsprozess die nächste Stufe erreichen soll oder der Prozess mit einer anderen Ausrichtung und neuen Kriterien erneut durchlaufen wird [Shavinina, S. 704]. Somit werden bei der unternehmensinternen Prozessausrichtung auch Rückkopplungseffekte bewusst einbe- zogen. Die Prüfung der historischen Kriterien ermöglicht die bewusste Verfeinerung der Prüfkriterien der nächsten Ebene. Der Prozess wird zunehmend steuerbar. Während in der Orientierungsphase le- diglich Klarheit zu übergeordneten Zielparametern besteht, werden Zwischenziele im Zeitverlauf im- mer konkreter. Unsicherheit, Risiko, Konfliktgehalt und Komplexität verändern innerhalb des Prozes- ses ihre Struktur und ihre Intensität [Herstatt, S. 119]. Da jede einzelne Ebene im Innovationsprozess in unterschiedlichem Umfang Ressourcen und Kapazitäten bindet, muss der potentielle Erfolg den dafür eingesetzten Mitteln gegenüber gestellt werden. Somit wird an den Prüfknoten auch über eine Prioritätenverschiebung zugunsten anderer parallel verlaufender Projekte entscheiden [Strebel, S. 58]. Cooper et al schlagen in ihrem Modell eine Unterteilung in fünf Prozessphasen und fünf Entschei- dungspunkte vor. Die erste Phase schließt sich an die Entdeckung bzw. Identifizierung eines Bedarfs an. In ihr werden erste Ideen und die Fähigkeit auf Realisierung geprüft und erste grobe Pläne zur Umsetzung entworfen. Anhand dieser wird die Idee nochmals überprüft und die Entscheidung zur Konkretisierung getroffen [Cooper, S. 150]. In der zweiten Phase werden detaillierte Pläne erstellt und erste Aufgabenverteilungen vorgenommen. Mit der Ermittlung der vorhandenen Kapazitäten und der Abschätzung der zukünftigen Belastungen einzelner Unternehmensbereiche können erste Schritte zur Realisierung vorgenommen werden. In der Forschungs- und Entwicklungsphase können die Anforde- rungen an das Produkt weiter konkretisiert werden [Cooper, S. 153]. Diese Phase kann von heftigen Rückschlägen, aber auch von weiteren Inventionen gekennzeichnet sein [Strebel, S. 58]. Am Ende dieses Prozesses steht bei erfolgreicher Umsetzung ein Produktentwurf, der durch Tests und gegebe- nenfalls Anpassungen das Modell für eine spätere Serienfertigung und Markteinführung darstellt [Krieger, S. 24]. Je nach Risikogehalt des jeweiligen Innovationsprojektes können diese Phasen unter- schiedlich aggregiert werden [Shavinina, S. 704].

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Abbildung 4: Stage-Gate Modell in fünf Stufen in Anlehnung an Cooper et al (2002)

Die Unterteilung respektiert den Umfang bzw. den Kontrollaufwand des jeweiligen Projektes und spiegelt die Schwerpunktverteilung im Innovationsprozess wider. Für Innovationsprojekte mit einem geringeren Risiko oder kleinerem Umfang erscheint die Zusammenlegung der ersten und zweiten Phase sowie der dritten und vierten Phase sinnvoll [Strebel, S. 58]. Damit bleibt bei kleineren Projekten die Flexibilität trotz Kontrolle erhalten. Bei Projekten mit höherem Risiko empfiehlt sich eine stärkere Unterteilung, um möglichen Fehlentwicklungen vorzubeugen.

II. Feuerwerksmodell

Ein empirisch belegtes Konzept stellt das Minnesota Innovation Research Program mit dem Feuer- werksmodell vor. Im Gegensatz zu den bisher vorgestellten Modellen werden in diesem insbesondere die Dynamik, die Komplexität und die Nichtlinearität des Innovationsprozesses betrachtet [Van de Ven, S. 665]. Dem gesamten Prozess wird innerhalb dieses Modells eine, teilweise mehrjährige, Rei- fephase vorweg gestellt. Diese Reifephase beschreibt den „Weg“ zur Idee und kann durch Beobach- tungen, Antizipationen und zufällige Ereignisse gekennzeichnet sein [Fichter (II), S. 131]. Auslöser für den eigentlichen Innovationsprozess bilden deutliche Divergenzen zwischen den Soll- und Ist- Zuständen (Schocks). Diese Schocks können im unternehmensexternen und/oder -internen Bereich entstehen [Van de Ven, S. 665]. Mit der Wahrnehmung dieser Situation werden die Möglichkeiten der in der Reifephase entstandenen Ideen als Lösung bzw. best answer geprüft. Damit stellt dieses Modell primär den Innovationsprozess als verändertes Verhalten auf veränderte Bedingungen dar. Mit der Fokussierung einer Idee als Innovationsprojekt erfolgt die Planungsphase. Neben Projektplänen wer- den auch erste Projektbudgets erstellt [Fichter (II), S. 131]. Die Projektpläne dienen dazu, den Ge- samtprozess in Teilprozesse sowie Aufgaben- bzw. Kompetenzgebiete zu unterteilen. Prägend für diese Phase ist die erste Aufnahme von Kooperationsbemühungen zu anderen Unternehmen oder For- schungseinrichtungen (resource suppliers), um das innovierende Unternehmen in der Einbindung oder dem Aufbau von Kapazitäten in den frühen Innovationsphasen zu entlasten [Van de Ven, S. 665]. Mit den ersten Realisierungsmaßnahmen endet die Initiierungsphase und es schließt sich die Realisie- rungsphase („Proliferation“[24]) an. Der sehr komplexe Gesamtprozess determiniert sich durch verschie- dene linear oder parallel verlaufende, teils interdependente, Teilprozesse. In diesen Teilprozessen kommt es zur Bildung unterschiedlicher Ideenbündel und unterschiedlicher Realisierungspfade, wel- che den Innovationsprozess als Feuerwerksmodell darstellen [Fichter (II), S. 131]. Die Entwicklung innovativer Produkte und Prozesse kann von erheblichen Rückschlägen und damit verbundenen Neu- ausrichtungen bzw. Kriterienwechseln begleitet sein. Durch die Verknüpfung der Teilprozesse unte- reinander haben diese Ereignisse erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Innovationsprozess [Fichter (II), S. 136]. Das Ergebnis der Realisierungsphase stellt den Vorläufer bzw. Prototypen des Endproduktes dar, der durch verschiedene Testphasen und Anpassungen auf die Phase der Marktein- führung vorbereitet wird [Van de Ven, S. 666]. Insbesondere erste Adoptionen der Innovation durch potentielle Kunden bzw. das Unternehmen weisen einen erheblichen Anpassungsbedarf des Produktes bzw. Prozesses an die individuellen Anforderungen des Anwenders auf (reinvention). Mit dem Über- gang in die Massenfertigung und der Implementierung am Markt endet der in diesem Modell darges- tellte Innovationsprozess.

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Abbildung 5: Feuerwerksmodell Quelle: Fichter (II), 2003.

Einen maßgeblichen Beitrag für das Innovationsverständnis liefert das Modell durch die phasenorien- tierte Betrachtung spezifischer Einflussgrößen auf den Innovationsprozess. Die Steuerung einzelner Teilprozesse und des Gesamtprozesses bedingt, dass die Leitungsebene in ihrer Struktur und Kompe- tenz deutlich heterogen ausgeprägt ist [Van de Ven, S. 668]. In Abhängigkeit der Organisations- und Erfolgsanforderungen werden unterschiedliche Ebenen des Unternehmens beansprucht.[25] Die Ausbil- dung von Akteursnetzwerken und der Aufbau von adäquaten Infrastrukturen sind typisch für Innovati- onsprozesse und bestimmend für den erfolgreichen Verlauf des Vorhabens [Fichter (II), S. 132].

III. Ökologische Phasenbetrachtung

Die dargestellten Modelle erweitern das Verständnis für Innovationsprozesse in Unternehmen und bieten Möglichkeiten der Planung und Steuerung für das Innovationsmanagement. Eine Implementie- rung ökologischer Anforderungen kann im Sinne des Umweltinnovationsbegriffes in allen Phasen des Innovationsprozesses erfolgen. Mittels der Unterteilung in prozessbezogene und ergebnisbezogene Anforderungen ergibt sich die Beeinflussung der ökologischen Perspektive innerhalb des Innovations- prozesses [Pfriem, S. 417]. Ergebnisbezogene Anforderungen wurden mit den Effizienz-, Suffizienz- und Konsistenzkriterien hinsichtlich ihrer Wirkung beschrieben. Diese Kriterien sind ex ante schwer zu bewerten und in den frühen Phasen des Innovationsprozesses nur bedingt steuerbar [Fichter (I), S. 106]. Zur Ergänzung können prozessbezogene ökologische Anforderungen gebildet werden, die auf Teilbereiche des Innovationsprozesses angewendet werden [Engeleiter, S. 129]. Innerhalb der Initiie- rungsphase kann der ökologische Anspruch Kernbestandteil der Produktidee sein, d. h. durch die An- wendung des Produktes verbessert sich direkt der Umweltzustand. Als Beispiele hierfür können Sanie- rungstechnologien oder Filteranlagen gelten. Der gesamte Innovationsprozess richtet sich darauf aus, dass das Endprodukt diese Wirkung in der Anwendung erzielt, unabhängig davon, ob Teilprozesse zu einem ökologisch verbesserten Ergebnis führen [Fichter (I), S. 106]. Einen anderen Ansatz innerhalb der Initiierung ist die umweltschonende Wirkung der Produkteigenschaften im Gegensatz zum derzei- tigen Referenzpunkt des Umweltzustandes, d. h. diese Innovationen erzeugen geringere Emissionen oder minimieren den Ressourcenverbrauch. Zur Intensivierung dieser Wirkung innerhalb des Prozes- ses können in der Initiierungs- und Realisierungsphase ökologisch-ökonomisch Wertschöpfungspoten- tiale (z. B. geringerer Materialeinsatz/Energieverbrauch) oder die Sensibilisierung der Akteursnetz- werke auf ökologische Aspekte forciert werden [Pfriem, S. 420].[26]Generell gilt, dass die Beeinflus- sung der ökologischen Wirkung des Produktes im Verlauf des Innovationsprozesses abnimmt und die Kenntnis um diese Wirkung steigt [Fichter (I), S. 105 f.]. Ähnlich der Unsicherheit zur ökonomischen Verwertungsfähigkeit am Markt, nimmt die Unsicherheit über die ökologischen Wirkungen bzw. über den Erfüllungsgrad der ökologischen Ansprüche im Zeitverlauf ab [Pfriem, S. 419].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: ökologischer Einfluss innerhalb des Innovationsprozesses Quelle: Pfriem, S. 420.

Erweiternd zu dieser Darstellung sind Risiken des Gesamtprozesses durch Kontrolle und exakte Planung in den Teilprozessen besser steuerbar, bedingen jedoch einen hohen Anspruch an das Innovationsmanagement. Veränderungen der ökologischen Wirkungen am fertigen Produkt sind meist nur durch Reinventionen möglich [Fichter (I), S. 109 f.].

2. Abschnitt: Markt für Umweltinnovationen - eine angebotsorientierte Betrachtung

Innerhalb der bisherigen Darstellungen des Innovationsprozesses wurden die Anfangs- und Endberei- che der Prozesskette gezielt unscharf dargestellt. Diese Bereiche sind für Unternehmen die entschei- denden Prozessphasen zur Positionierung der Umweltinnovationen am Markt. Während die Teilpro- zesse der Invention, der Forschungs- und Entwicklungsleistung und der ersten Erprobung bzw. Modi- fikationen ihrem Charakter nach eher die Steuerung der Produktleistungen maßgeblich beeinflussen und stark von der Struktur und Leistungsfähigkeit des Unternehmens abhängen, sind die Bereiche des Impulses und der Verwertung stärker an den Markt gekoppelt. Neue Produktlinien oder innovative Prozesse (Technology Push) bilden die Reaktion auf veränderte Marktbedingungen (Market Pull) ab. Ideen kennzeichnen die erste Antizipation, veränderten Anforderungen neue oder bessere Lösungen entgegen setzen zu wollen. Insofern ist der Impuls nicht nur als Ausgangspunkt der Innovation zu betrachten, sondern auch als Unternehmensindikator zur Reflektierung von Markterfordernissen. Ebenso hat der Verwertungsaspekt der Innovation mehrere funktionale Aufgaben. Die Ergebniswir- kung kennzeichnet die unternehmerische Entscheidung und gibt klare Hinweise für die zukünftige strategische Ausrichtung des Unternehmens und seiner Produkte. Erfolgreich positionierte neue Pro- dukte, können gleichzeitig auch die Basis für weitere Innovationen bilden. Insofern entsteht durch die Marktwirkung neuer Produkte auch eine Einflusswirkung auf weitere zukünftige Innovationen. Für den Innovationstyp der Umweltinnovation, ist der Politikeinfluss (Regulatory Push/Pull) neben den klassischen Determinanten Markteinflüsse und Technologieentwicklungen bedeutsam. Durch staatli- che Impulse können einerseits die Marktanforderungen beeinflusst und verändert werden (Regulatory Pull) und andererseits die Bedingungen zur Technologieentwicklung oder Anwendung modifiziert werden (Regulatory Push). Das mittelbare Resultat dieser Entwicklung kann in einer Intensivierung, Reduzierung oder Neuausrichtung der Innovationsaktivitäten bestehen.

A. Impulse für Umweltinnovationen - das Multi-Impuls-Modell

Produkt- und Prozessinnovationen unterliegen dem Einfluss unternehmensexterner und unternehmens- interner Faktoren. Diese Faktoren wirken nicht isoliert und einseitig, vielmehr ergeben sich Interde- pendenzen zwischen den Faktoren und eine wechselseitige Beeinflussung zwischen Innovationspro- zess und jeweiligem Einflussfaktor. Die Annahme der Interdependenz unterstützt die Multi-Impuls- Hypothese, die besagt, dass Innovationen nicht einzelnen, sondern mehreren Determinanten unterlie- gen [Fichter (II), S. 134 f.]. Bei Umweltinnovationen kann durch die erweiterte Relation von ökono- mischen mit ökologischen Aspekten von einer größeren Anzahl von Einflussfaktoren und folglich höheren Abhängigkeiten ausgegangen werden. Bedingt durch die Heterogenität von Innovationen, ist die Kombination und Intensität der Einflussfaktoren auf diese immer individuell zu betrachten. Dem- nach sollte im Rahmen von Umweltinnovationsvorhaben und bei deren Forcierung eine, an spezifi- schen Einflussfaktoren anknüpfende, Multi-Impuls-Strategie bevorzugt werden [Fichter (II), S. 133]. Dieser Ansatz hat sowohl auf unternehmerischer als auch auf administrativer Ebene hohe Bedeutung. Für die Erstellung von Strategiemustern ist die Bestimmung der Wirkungsintensität verschiedener unternehmensinterner und unternehmensexterner Indikatoren eine wesentliche Voraussetzung [Dieckmann, S. 68]. Neben der einzelnen Wirkung muss auch die interdependente Wirkung der Fakto- ren bestimmt werden. Für eine ökonomisch-ökologische Ausrichtung bietet sich, neben der Einteilung in externe und interne Faktoren, die Unterklassifizierung in weiche (z. B. Unternehmenskultur, Füh- rungsverhalten) und harte Faktoren (z. B. Unternehmensgröße, wirtschaftliche Unternehmenskennzah- len) an [Hübner, S. 129]. Insbesondere schwer quantifizierbare Faktoren, wie gesellschaftliches Wer- teverständnis oder Image, können einen erheblichen Einfluss auf die ökologische Ausrichtung der Innovationstätigkeit von Unternehmen haben. Das Multi-Impuls-Modell bietet damit einen Ansatz zur Erklärung der Entstehung von Umweltinnovationsprozessen und zu deren Beeinflussung.

I. Aspekte des Lead-Market-Konzepts

Unternehmen betreiben Innovationsprozesse, um durch neue Produkte und Prozesse ihre Positionie- rung am Markt zu festigen und auszubauen. Dabei wirken erfolgreiche Innovationen prägend für den Markt und deren Teilnehmer. Der Neuheitsgrad und die Radikalität der Innovation determinieren, ob ein neues Produkt bzw. ein neuer Prozess Marktanteile in einem bestehenden Markt erobert, den Markt erweitert oder einen neuen Markt schafft. Der Innovation kommt im Rahmen der Erschließung und der Erweiterung von Märkten eine Leader-Funktion zu. Die Theorie des Lead Market beschreibt den Weg der Verbreitung und Anwendung von Innovationen vom Nischenmarkt zum (globalen) Mas- senmarkt [Beise (I), S. 144]. Der Lead Market charakterisiert sich durch die frühe Adoption von In- novationen durch die Marktteilnehmer, einen erhöhten Kenntnisstand, die Verbreitung der Innovation in internationalen Märkten und die Erschaffung von gültigen Standards [BMU (I), S. 4]. Die Entwick- lung und Förderung von Umweltinnovationen beruht auch auf der Antizipation zunehmender Knap- pheit an natürlichen Ressourcen und der Existenz-bedrohenden Eigenschaft von Umweltverschmut- zungen durch die Innovatoren und regulierenden Institutionen [Erdmann, S. 183]. Mit dieser mittelf- ristigen Entwicklung wird als logische Konsequenz ein steigendes Markterfordernis nach adäquaten innovativen Produktlösungen verknüpft. Eine hohe Innovationsrate in diesem Bereich, kann den Markt für Umweltinnovationen zu einem Lead Market qualifizieren [BMU (I), S. 6]. Der Einfluss verschie- dener unternehmensexterner und -interner Faktoren auf den Umweltinnovationsprozess sollte auch unter dem Aspekt der Aktivität des Unternehmens in einem potentiellen Lead Market bewertet wer- den. Aufgrund der höheren ex ante Unsicherheit bei der Entwicklung des jeweiligen Marktes zu einem potentiellen Lead Markt, sind die Chancen und Risiken für das innovierende Unternehmen höher und die Anforderungen an das Innovationsmanagement spezifischer als in etablierten Märkten [BMU (I), S. 5].

II. Unternehmensinterne Einflussfaktoren

Die Ermittlung unternehmensinterner Einflussfaktoren auf die Innovationsrate bei umweltbezogenen Innovationen hat empirisch zu bisher wenigen Ergebnissen geführt [Fichter (II), S. 133]. In der klassischen Innovationsforschung konnten jedoch Parameter ermittelt werden, die entscheidenden Einfluss auf die Innovationstätigkeit des jeweiligen Unternehmens haben. Im Allgemeinen werden diese in die Bereiche Geschäftsdemographie, Geschäftsphilosophie, Unternehmensstruktur und Ressourcenausstattung unterteilt [Krieger, S. 63 ff. und Strebel, S. 97 ff.]. Für den Bereich der Umweltinnovationen konnten diese vier signifikanten Einflussparameter ebenso nachgewiesen werden. Bei den klassischen Einflussfaktoren kann lediglich ein umweltbezogener Zusammenhang vermutet werden, dessen Nachweis der weiteren Forschung bedarf [Fichter (II), S. 134].

a) Geschäftsdemographie und Geschäftsphilosophie

Die Determinanten der Geschäftsdemographie betreffen die Größe, das Alter, die Branche und die Erfahrungen des Unternehmens [Krieger, S. 63 ff., aber auch Fichter (II), S. 134]. Hinsichtlich der Größe der Unternehmen besteht innerhalb der empirischen Forschung Ungewissheit bezüglich der Wirkung auf die Innovationsintensität. Eine signifikante Korrelation zwischen der Unternehmensgröße und der Innovationsintensität konnte nicht nachgewiesen werden [Corsten, S. 84]. Dennoch wird in verschiedenen Studien der Unternehmensgröße ein entscheidender Einfluss zugebilligt, dessen Eigens- tändigkeit statistisch nicht nachweisbar ist, sondern vielmehr durch die Kombination mit anderen Pa- rametern eine Wirkung erzielt [Maas, S. 254]. Es zeigte sich, dass Großunternehmen nicht zwangsläu- fig die dominante Rolle bei Innovationsvorhaben einnehmen. Zwar verfügen diese Unternehmen meist über eine bessere Ressourcenausstattung hinsichtlich Kapitaldecke, Personal und sonstige Kapazitäten, hemmen jedoch über ihre Strukturen die notwendige Flexibilität bei Innovationsprozessen [Corsten, S. 84]. Kleinere und mittlere Unternehmen haben den Vorteil, aufgrund ihrer höheren Spezialisierung und ihrer Flexibilität besser auf die Anforderungen von Kunden reagieren zu können. Dafür fehlen ihnen oft die finanzielle Ausstattung und die Attraktivität für qualifizierte Mitarbeiter. Oftmals wird auch ein Mangel an Forschungs- und Entwicklungskapazitäten attestiert [Corsten, S. 85].

Mit dem Alter der jeweiligen Unternehmung existiert ein negativ zur Innovationsintensität korrelierter Faktor [Hiddemann, S. 10]. Hierbei zielt der Nachweis auf die Radikalität der Innovation. Jüngere Unternehmen haben eine empirisch belegte höhere Innovationsneigung und zeigen in ihrem Innovati- onsverhalten öfter die Tendenz, Produkt- oder Prozessneuerungen zu entwickeln. Die Begründung für diesen Sachverhalt wird mittels zweier Ansätze erklärt. Ältere, etablierte Unternehmen haben meist feste Strukturen, welche einen gewissen Selbstbewahrungsmechanismus und damit einen Änderungs- vorbehalt aufweisen. Obwohl sie über die bessere Ausstattung verfügen, verhindern diese Strukturen notwendige Freiräume [Krieger, S. 140]. Dieser Einfluss wird oft als Kombination von Größe und Alter betrachtet. Dieser Einflussparameter muss jedoch individuell geprüft werden, da etablierte Un- ternehmen ihre Strukturen jeweiligen Markterfordernissen anpassen [Westkämper, S. 16]. Junge inno- vative Unternehmen agieren oft in sich stark ändernden Märkten. Der hohe Konkurrenzdruck und die hohen externen Unsicherheiten einerseits sowie flexible interne Strukturen andererseits, führen zu einer höheren Innovationsneigung und einer höheren Risikobereitschaft bei jungen Unternehmen [Hiddemann, S. 9]. In diesem Zusammenhang wurde auch der Einfluss der Branchenzugehörigkeit auf die Innovationstätigkeit der Unternehmen untersucht. Dabei zeigten sich branchenspezifische Unter- schiede, deren direkter Einfluss auf die Innovationstätigkeit jedoch nicht eindeutig nachgewiesen wer- den konnte [Krieger, S. 141]. Es erscheint plausibel, dass forschungsintensive Branchen, Wachstums- märkte und Produktionen restriktiver Ressourcen zwangsläufig eine höhere Innovationsrate aufweisen, obwohl deren empirische Relevanz nicht übergreifend gewährleistet ist [Danner, S. 169; Jung, S. 44 f.].

Ein ökologisch-ökonomischer Bezug konnte bei zwei Einflussfaktoren nachgewiesen werden. Im Be- reich der Geschäftsdemographie betrifft dies den Erfahrungshorizont des Unternehmens mit Umwelt- innovationen. Eine positive Wirkung hat der jeweilige erfahrungsbasierte Kenntnisstand der Innovato- ren im Bezug zu umweltrelevanten Sachverhalten, um durch diesen Marktchancen besser und früher nutzen zu können [Fichter (II), S. 136]. Unternehmen mit einem weiten Erfahrungshorizont im Um- gang mit Innovationen gehen professioneller innerhalb des Innovationsprozesses vor und verfügen aufgrund dieser Erfahrungen über die notwendigen Strukturen bzw. Ausstattungen, diesen erfolgreich vollziehen zu können [Krieger, S. 141]. Der bedeutendste Einflussfaktor für eine umweltbezogene Innovationstätigkeit besteht in der Geschäftsphilosophie bzw. in dem herrschenden Geschäftsparadig- ma. Die besondere Bedeutung basiert auf dem übergeordneten Charakter dieser Einflussgröße [Stre- bel, S. 111]. Alle Teilprozesse des Innovationsprozesses erhalten ihre ökologisch-ökonomische Aus- richtung durch die Zielvorgaben und das Werteverständnis der Unternehmung. Dieser Faktor hat somit einerseits Einfluss auf die allgemeine Innovationstätigkeit des Unternehmens und andererseits auf die Innovationsausprägung. Die positive Korrelation von Unternehmensprägung und Generierung bzw. Eingliederung von Umweltinnovationen konnte empirisch eindeutig belegt werden [Fichter (I), S. 24]. Die Implementierung des Werteverständnisses der Führungspersonen oder Eigentümer in die interne Geschäftsphilosophie wird in dem Modell von Bettis und Prahalad als dominante Logik der Unter- nehmung gekennzeichnet [Bettis, S. 485 f.]. Die kollektive mentale Wahrnehmung dient in der Unter- nehmung einerseits als Handlungsorientierung und andererseits als Informationsfilter. Die unterneh- mensinternen und unternehmensexternen Aktivitäten werden anhand der dominanten Logik überprüft und bewertet. Die Dominanz ergibt sich aus der zunehmenden Prägung der unternehmensinternen Prozesse, welche die Organisation verändert und von der Umwelt zunehmend isoliert [Wördenweber, S. 69]. Die Implementierung eines Geschäftsparadigma bzw. dominanter Logik bedarf der Durchsetzung durch das Management und der Bildung einer dominanten Koalition, welche diese forciert [Fichter (II), S. 135]. Im Rahmen einer ökologisch-ökonomischen Innovationsausrichtung kommt der akteursfokussierten Einflussnahme besondere Bedeutung zu.

[...]


[1] „innovation = invention + exploitation“.

[2] Eine Darstellung der einzelnen Teilprozesse und eine graphische Abgrenzung des Innovationsbegriffes im engeren Sinne und im weiteren Sinne erfolgt aufgrund des Umfanges im Anhang.

[3] In der ökonomischen Innovationsauffassung finden die rein betriebliche (innerhalb des Unternehmens) und die industrie- ökonomische (innerhalb der Branche) Perspektive hauptsächlich Anwendung. Weitergehende Betrachtungen, wie natio- nale oder supranationale Wirkungen, finden häufig ihren Bezug beim Schutz von geistigen Rechten und Lizenzrechten. Eine Beurteilung nach der Wirkung auf die Gesamtheit der Menschen ist häufig mit revolutionären Erfindungen und ge- sellschaftlichen Entwicklungen verbunden.

[4] Stellvertretend für diese Entwicklung sind die Koexistenz von Mobilfunk und Festnetz oder der Brief- und Email Ver- kehr.

[5] Beispielhaft für dieses Phänomen ist das Automobil, dessen Einführung zweifelsohne als Innovation gelten kann. Die ersten Modelle, auch die ersten Massenfertigungen, haben mit den heutigen Modellen nur noch in den Grundzügen Über- einstimmungen. Stellt die Einführung von Solarzellenfahrzeugen oder Elektromobilen eine Innovation im klassischen Sinne oder eine schrittweise Verbesserung dar? Die Schwierigkeit besteht demnach, die Abgrenzung für Innovationen zu bestimmen.

[6] Tritt ein Produkt oder Prozess erstmalig in Erscheinung, existiert der Tatbestand der objektiven Neuheit. Dies ist weltweit nur einmalig möglich. Die Bezugsgruppe bildet dabei die gesamte Menschheit. Dem gegenüber entspricht die subjektive Neuheit, der Wahrnehmung einer Personengruppe. Dabei ist es unerheblich, ob diese Neuerung bereits am Markt existiert [Hensel, S. 11 f.].

[7] Beispielsweise können ein hoher betrieblicher Neuheitsgrad und ein geringer branchenbezogener Neuheitsgrad auf eine Marktfolgerposition des Unternehmens hindeuten. Hinsichtlich des Produktes kann die Eigenschaft verbessert ange- nommen werden. Weitere Ausführungen bietet [Striebel, S. 33].

[8] Eine Entscheidung bei Unsicherheit ist dadurch gekennzeichnet, dass keinem Zustand objektive Eintrittswahrscheinlich- keiten zugeordnet werden können [Gutenberg, S. 19].

[9] Innerhalb des Innovationsprozesses kann zwischen technischen (z. B. Entwicklungs- und Realisierungsrisiko) und öko- nomischen (z. B. Kosten-, Zeit- und Erfolgsrisiko) Risiken unterschieden werden [Hensel, S. 12].

[10] Eine weiterführende Betrachtung von Konfliktsituationen erfolgt im Rahmen der Analyse von Barrierewirkungen im Innovationsprozess.

[11] Neben neuen Produkten und Prozessen, zählen zu Umweltinnovationen auch Organisationsformen, neue Ressourcen, neue Märkte, systemische Neuerungen und neue Formen der Kommunikation [Blättel-Mink, S. 144]. Da Umweltinnova- tionen eine Teilmenge aller Innovationen darstellen, gelten für sie allgemein die bereits angeführten Eigenschaften und Merkmale gleichermaßen.

[12] Die weitere Unterteilung der technischen Umweltinnovationen erfolgt anhand der Einteilung „integriert“ und „nachge- schaltet“ (End-of-Pipe) und stellt damit die Position im Produktions- und Konsumtionsprozess dar [Rennings, S. 6].

[13] Hierbei müssen auch eventuell ungewollte Nebeneffekte in die Vorteilhaftigkeitsbetrachtung einfließen, welche erst langfristig erkennbar werden.

[14] Übersteigt der soziale Grenznutzen den individuellen Grenznutzen, liegt eine positive Externalität vor, im umgekehrten Fall eine negative Externalität.

[15] In vielen Veröffentlichung wird die doppelte Externalität durch den positiven spillover und durch zusätzliche postive externe Effekte erklärt, die Darstellung des negativen externen Effektes nach OECD erfolgt zur vollständigen Darstel- lung.

[16] In diesem Fall liegt der realisierte Umweltinnovationsgrad qualitativ und quantitativ unterhalb des gesamtwirtschaftlich gewünschten Umweltinnovationsgrades.

[17] Diese Ansätze können nicht separiert betrachtet werden. Umweltinnovationen erfüllen meist Kombinationen aus diesen, wobei Referenzmaße der Erfüllung nicht vorliegen. Gleichzeitig bieten diese Orientierungshilfen und einen möglichen Pfad bei der Entwicklung.

[18] Der Begriff Technologie umschreibt den Stand technischen Wissens einer Volkswirtschaft und ist Bestandteil des Tech- nikbegriffs [Hübner, S. 14 i. V. m. Strebel, S. 18]. Technologien stellen naturwissenschaftlich-technische Wirkungsbe- ziehungen dar, die für entsprechende Anwendungsgebiete Handlungsoptionen bieten [Brockhoff, S. 266 f.]. Innerhalb des Umweltinnovationsbegriffes stellen Technik und Technologie neue Möglichkeiten dar, Bedürfnisse nach altem Muster zu befriedigen. Dabei entstehen zumeist Produkt- und Prozessinnovationen [Fichter (I), S. 22].

[19] Kennzeichnend ist die Kombination verschiedener Innovationen, um eine neue Leistung zur Verfügung zu stellen.

[20] Die Kombinatorik dreier möglicher Ausprägungen ergibt sechs unterschiedliche Kombinationen (n!=3*2*1=6).

[21] Die Einteilung, ob eine Umweltinnovation ein Produkt oder einen Prozess darstellt, kann vorgenommen werden, birgt aber bei vielen Dienstleistungs- oder Systeminnovationen eine große Schwierigkeit in der Bestimmung. So werden bei- spielsweise nachhaltige Bankdienstleistungen als Produkte bezeichnet, bilden aber letztlich Prozesse ab. Ob eine tiefe Klassifizierung sinnvoll erscheint, ist fall- bzw. aussagenabhängig. Die Bestimmung der einzelnen Ausprägungen bietet jedoch die Möglichkeit, den Innovationsprozess näher zu untersuchen und zu vergleichen.

[22] Diesem Prozess sind Ereignisse und Entwicklungen vor- bzw. nachgelagert. Die detaillierte Betrachtung der Einflussgrö- ßen, welche den Innovationsprozess einleiten, und die Betrachtung der Marktverwertung durch Adoption und Diffusion werden in den nachfolgenden Kapiteln thematisiert, da sie wesentlichen Einfluss auf die Positionierung von Umweltin- novationen haben.

[23] Bezug nehmend auf Thom: Grundlagen des betrieblichen Innovationsmanagements, 2. Auflage, 1980.

[24] Proliferation: Lat. Proles = Nachwuchs, Spross; Ferres = Tragen (biolog.).

[25] Die anteilige Involvierung verschiedener Abteilungen und Kooperationspartner bedingt, dass auch Mitarbeiter oder ver- bundene Unternehmen nur temporär am gesamten Prozess teilnehmen, welches einen erheblichen Mehraufwand an Koordination und Kommunikation verlangt [Van de Ven, S. 668].

[26] Dazu können die Einbindung von Kooperationspartnern oder eine frühzeitige Nutzerintegration die ökologische Wirkung des innovativen Produkts oder Prozesses erheblich steigern.

Ende der Leseprobe aus 107 Seiten

Details

Titel
Positionierungskriterien für Umweltinnovationen in kleinen und mittelständischen Unternehmen
Hochschule
Universität Leipzig  (Lehrstuhl für Innovationsmanagement in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer MOEZ Leipzig)
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
107
Katalognummer
V141516
ISBN (eBook)
9783640509225
ISBN (Buch)
9783640509539
Dateigröße
3297 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Positionierungskriterien, Umweltinnovationen, Unternehmen
Arbeit zitieren
Diplom-Kaufmann Christian Wimmer (Autor), 2009, Positionierungskriterien für Umweltinnovationen in kleinen und mittelständischen Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141516

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