Berufsbildung und ihre Theorie(n) - Spurensuche


Hausarbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung:

I. Einleitung

II. Hauptteil
Die „Klassischen“ Berufsbildungstheorien
Wilhelm von Humboldt
Biographische Daten
Theorie, Forderungen und Vorstellungen
Georg Kerschensteiner
Biographische Daten
Handlung statt „Theorie“ / Begriff der Arbeitsschule
Eduard Spranger
Biographische Daten
Theorie, Forderungen und Vorstellungen

III. Schluss

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Der Weg zu der höheren Allgemeinbildung führt über den Beruf und nur über den Beruf.“[1] Diese Aussage Eduard Sprangers kann vielseitig gedeutet werden. Ist Berufsbildung auch Allgemeinbildung? Wenn ja, sind diese beiden Elemente dennoch voneinander trennbar oder bilden sie gänzlich eine Einheit? Oder ist eine fundierte Allgemeinbildung nur über die Berufsbildung möglich?

Aus meiner Sicht lassen sich diese beiden Elemente nicht voneinander trennen. Vielmehr stellt die Berufsbildung gleichermaßen auch Allgemeinbildung dar. Ob sich diese These bestätigt oder sich durch gegenteilige Belege nicht bewahrheitet, möchte ich im Rahmen dieser Ausarbeitung dokumentieren.

Die Vergangenheit zeigt viele Spuren von unterschiedlichen Bildungstheorien, die teilweise sehr kontrovers diskutiert werden. In wieweit haben die klassischen Bildungstheorien Einfluss auf unser heutiges Bildungssystem? Werden sie gegenwärtig in Bildungsfragen noch zu Rate gezogen?

Als didaktischer Grundsatz der beruflichen Ausbildung wird in den neuen Rahmenlehrplänen das verantwortungsbewusste Denken und Handeln formuliert. Dabei wird vor allem auf die Handlungsorientierung rekurriert.[2] Handlungsorientierung als Gestaltung von Lernprozessen, in denen die Lernenden möglichst durch selbstständiges Handeln lernen, mindestens jedoch durch aktives Tun, jedenfalls nicht allein durch gedankliches Nachvollziehen von Handlungen anderer.[3] Ist Handlungsorientierung eine neoklassische Bildungstheorie? Oder kann sie allenfalls der Bezeichnung eines Unterrichtskonzepts standhalten und an althergebrachte Forderungen von Bildungstheoretikern anknüpfen?

Diese Ausarbeitung beschäftigt sich im Besonderen mit den Vorstellungen, Forderungen und Bildungstheorien von Eduard Spranger, Georg Kerschensteiner und Wilhelm von Humboldt. Wobei Wilhelm von Humboldts Vorstellungen von Allgemeinbildung und Berufsbildung die kontroverse Sichtweise der klassischen Theorien verdeutlichen soll. Da es sich dabei um ein äußerst komplexes Themengebiet handelt, kann im Rahmen dieser Arbeit nur ein grundlegender Einblick gewährt werden.

II. Hauptteil

Die „Klassischen“ Berufsbildungstheorien

Bei der Rede von klassischen Berufsbildungstheoretikern stößt man nur unschwer auf die Namen von Georg Kerschensteiner und Eduard Spranger. Bei näherer Betrachtungsweise wird man auf die Bildungstheoretiker Aloys Fischer, Fritz Blättner und Theodor Litt aufmerksam.

Vom neuhumanistischen Bildungsideal ausgehend wird der Allgemeinbildung im Anschluss an Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835) ein höherer Bildungswert als der Berufsbildung zugesprochen. Diese Vorstellung einer hierarchischen Struktur innerhalb der Bildungselemente, zu ungunsten der Berufsbildung, provoziert aus der Sicht eines Berufs- bzw. Wirtschaftspädagogen eine Kontroverse.

Die klassische Berufsbildungstheorie hat in Antwort hierauf die Umkehrung im Verhältnis von Allgemeinbildung und Berufsbildung und ihre beiderseitige Verknüpfung herausgestellt und gleichermaßen zu einer idealisierenden Theorie der Bildung durch Beruf und Arbeit geführt. Es gelingt ihr, den bildenden Wert von Arbeit und Beruf herauszuarbeiten.

Eduard Spranger und Georg Kerschensteiner sahen ihre Aufgabe in der theoretischen und „praktischen“ Untermauerung des „beruflichen Bildungsgehaltes“.

Wilhelm von Humboldt

Biographische Daten

Wilhelm von Humboldt ist am 22. Juni 1767 in Potsdam geboren. Aufgewachsen ist er im Schloss Tegel, dem Familienbesitz der Humboldts. 1787 immatrikuliert er sich zusammen mit seinem Bruder Alexander an der Universität in Frankfurt (Oder). Ein Jahr später gehen sie nach Göttingen. Ab 1790 trennen sich ihre Wege.

1791 heiratet Wilhelm v. H. Caroline von Dacheröden, die Tochter eines preußischen Kammergerichtsrates.

Humboldt arbeitet an verschiedenen Zeitschriften mit und schreibt seine ästhetischen Versuche über „Hermann und Dorothea“. Es entstehen die „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“.

Ab November 1797 weilt Wilhelm von Humboldt in Paris. Hier will er seine Studien fortführen, aber auch die gesellschaftliche Entwicklung in Frankreich verfolgen.

Von 1802-1808 vertritt Humboldt Preußen beim Heiligen Stuhl in Rom.

Im Februar 1809 wird er Sektionschef für Kultus und Unterricht im Ministerium des Innern in Berlin. In seiner Amtszeit entsteht ein neu gegliedertes Bildungssystem, das allen Schichten mehr Chancen des Bildungserwerbs sichern soll.

Die Eröffnung der Universität in Berlin im Oktober 1810 erlebt Humboldt allerdings nicht mehr. Nach Auseinandersetzungen erlässt er sein Amt bereits im Sommer und geht als preußischer Gesandter erst nach Wien, später nach London. 1819 scheidet er aus dem Staatsdienst aus.

Wilhelm vom Humboldt widmet sich von da an bis zu seinem Tod am 8. April 1835 seinen wissenschaftlichen Studien in der Ruhe des Familienbesitzes in Tegel.

Theorie, Forderungen und Vorstellungen

Um 1800 schuf Wilhelm von Humboldt das neue humanistische Gymnasium. Diese Schulform sollte eine fundierte Allgemeinbildung vermitteln. Zucht und Charakterbildung waren primäre Elemente dieser Schulform. Humboldt verfügte über dezidierte Vorstellungen in Bezug auf den Begriff der Allgemeinbildung: Er unterscheidet die „Gattungen der Schulen“ nach Stufen, und zwar nach den „Stadien“ des Elementarunterrichts, des Schulunterrichts und des Universitätsunterrichts.[4] Der Begriff der Allgemeinbildung, wie er bei Humboldt verwendet wurde, bezieht sich auf die Stufe des Schulunterrichts, das heißt der Jugendbildung für die „ganze Nation“. Nach abgeschlossenem allgemeinbildenden Schulunterricht findet das Studium an der Universität oder die berufliche Bildung an Spezialschulen statt.

Wilhelm von Humboldt strebte nach einer Allgemeinbildung für die „ganze Nation“, die strikt von der speziellen getrennt ist. Die berufliche Bildung solle sich erst nach einer abgeschlossenen Allgemeinbildung anschließen.

„Alle Schulen aber, deren sich nicht ein einzelner Stand, sondern die ganze Nation oder der Staat für diese annimmt, müssen nur allgemeine Menschenbildung bezwecken. – Was das Bedürfnis des Lebens oder eines einzelnen seiner Gewerbe erheischt, muss abgesondert und nach vollendetem allgemeinen Unterricht erworben werden. Wird beides vermischt, so wird die Bildung unrein, und man erhält weder vollständige Menschen noch vollständige Bürger.“[5]

Wilhelm von Humboldt, gilt bis heute als derjenige, den man für die Trennung von allgemeiner und beruflicher Bildung in Deutschland verantwortlich macht.

[...]


[1] Spranger, Eduard / 1918 / S. 189.

[2] Vgl. Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Versicherungskaufmann/ Versicherungskauffrau, S. 5.

[3] Vgl. Bader, Reinhard / Handlungsorientierung – akzeptiert und variiert / Die berufsbildende Schule / 1997.

[4] Humboldt, Wilhelm von, 1809: Der Litauische Schulplan, S.79.

[5] Humboldt, Wilhelm von, 1809: Der Litauische Schulplan.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Berufsbildung und ihre Theorie(n) - Spurensuche
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V141536
ISBN (eBook)
9783640509966
ISBN (Buch)
9783640510207
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hausarbeit, Berufsbildung, Berufsbildungstheorien, Theorie der Berufsbildung, Kerschensteiner, Fischer
Arbeit zitieren
Mario Hartmann (Autor), 2008, Berufsbildung und ihre Theorie(n) - Spurensuche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141536

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