„Der Weg zu der höheren Allgemeinbildung führt über den Beruf und nur über den Beruf.“ Diese Aussage Eduard Sprangers kann vielseitig gedeutet werden. Ist Berufsbildung auch Allgemeinbildung? Wenn ja, sind diese beiden Elemente dennoch voneinander trennbar oder bilden sie gänzlich eine Einheit? Oder ist eine fundierte Allgemeinbildung nur über die Berufsbildung möglich?
Aus meiner Sicht lassen sich diese beiden Elemente nicht voneinander trennen. Vielmehr stellt die Berufsbildung gleichermaßen auch Allgemeinbildung dar. Ob sich diese These bestätigt oder sich durch gegenteilige Belege nicht bewahrheitet, möchte ich im Rahmen dieser Ausarbeitung dokumentieren.
Die Vergangenheit zeigt viele Spuren von unterschiedlichen Bildungstheorien, die teilweise sehr kontrovers diskutiert werden. In wieweit haben die klassischen Bildungstheorien Einfluss auf unser heutiges Bildungssystem? Werden sie gegenwärtig in Bildungsfragen noch zu Rate gezogen?
Als didaktischer Grundsatz der beruflichen Ausbildung wird in den neuen Rahmenlehrplänen das verantwortungsbewusste Denken und Handeln formuliert. Dabei wird vor allem auf die Handlungsorientierung rekurriert. Handlungsorientierung als Gestaltung von Lernprozessen, in denen die Lernenden möglichst durch selbstständiges Handeln lernen, mindestens jedoch durch aktives Tun, jedenfalls nicht allein durch gedankliches Nachvollziehen von Handlungen anderer. Ist Handlungsorientierung eine neoklassische Bildungstheorie? Oder kann sie allenfalls der Bezeichnung eines Unterrichtskonzepts standhalten und an althergebrachte Forderungen von Bildungstheoretikern anknüpfen?
Diese Ausarbeitung beschäftigt sich im Besonderen mit den Vorstellungen, Forderungen und Bildungstheorien von Eduard Spranger, Georg Kerschensteiner und Wilhelm von Humboldt. Wobei Wilhelm von Humboldts Vorstellungen von Allgemeinbildung und Berufsbildung die kontroverse Sichtweise der klassischen Theorien verdeutlichen soll. Da es sich dabei um ein äußerst komplexes Themengebiet handelt, kann im Rahmen dieser Arbeit nur ein grundlegender Einblick gewährt werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Hauptteil
- Die ,,Klassischen\" Berufsbildungstheorien
- Wilhelm von Humboldt
- Biographische Daten
- Theorie, Forderungen und Vorstellungen
- Georg Kerschensteiner
- Biographische Daten
- Handlung statt,,Theorie\" / Begriff der Arbeitsschule
- Eduard Spranger
- Biographische Daten
- Theorie, Forderungen und Vorstellungen
- Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Ausarbeitung befasst sich mit den klassischen Berufsbildungstheorien und untersucht den Einfluss dieser Theorien auf unser heutiges Bildungssystem. Der Fokus liegt dabei auf den Vorstellungen und Forderungen von Eduard Spranger, Georg Kerschensteiner und Wilhelm von Humboldt. Insbesondere soll die kontroverse Sichtweise der klassischen Theorien in Bezug auf Allgemeinbildung und Berufsbildung beleuchtet werden.
- Kontroverse Beziehung zwischen Allgemeinbildung und Berufsbildung
- Die klassische Berufsbildungstheorie und ihre Vertreter
- Bildungsverständnis und Forderungen der klassischen Bildungstheoretiker
- Der Einfluss der klassischen Theorien auf das heutige Bildungssystem
- Handlungstheoretische Ansätze in der Berufsausbildung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema ein und beleuchtet die zentrale These, dass Berufsbildung auch Allgemeinbildung darstellt. Es werden die relevanten Fragen und die Forschungsmethodik vorgestellt, die im weiteren Verlauf der Arbeit behandelt werden.
Der Hauptteil widmet sich den „klassischen“ Berufsbildungstheorien. Die Arbeit stellt zunächst Wilhelm von Humboldt vor und untersucht seine Vorstellungen von Allgemeinbildung und Berufsbildung, die eine Trennung der beiden Bildungselemente befürworten. Im Anschluss daran wird die Umkehrung dieser Sichtweise durch die klassischen Berufsbildungstheorien erläutert, die die enge Verknüpfung von Allgemeinbildung und Berufsbildung sowie den bildenden Wert von Arbeit und Beruf hervorheben.
Weiterhin werden die Lebensläufe und Theorien von Georg Kerschensteiner und Eduard Spranger vorgestellt, die sich mit der Theorie der „Arbeitsschule“ beschäftigten. Die Arbeit beleuchtet ihre Kritik an der klassischen Theorie von Humboldt und ihre Ansätze für eine reformierte Berufsbildung.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter dieser Ausarbeitung sind: Berufsbildung, Allgemeinbildung, klassische Bildungstheorien, Wilhelm von Humboldt, Georg Kerschensteiner, Eduard Spranger, Arbeitsschule, Handlungsorientierung, Bildungsreformen, Bildungssystem, Didaktik, Berufsbildungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Ist Berufsbildung auch Allgemeinbildung?
Die Arbeit untersucht die These, dass Berufsbildung und Allgemeinbildung eine Einheit bilden und nicht voneinander getrennt werden können.
Welche Rolle spielt Wilhelm von Humboldt in dieser Debatte?
Humboldt vertrat eine klassische Sichtweise, die tendenziell eine Trennung von zweckfreier Allgemeinbildung und beruflicher Ausbildung vorsah.
Was versteht Georg Kerschensteiner unter der „Arbeitsschule“?
Kerschensteiner betonte den Bildungswert praktischer Arbeit und forderte eine Schule, die durch aktives Tun und Handeln bildet.
Was bedeutet Handlungsorientierung im heutigen Bildungssystem?
Es ist ein didaktischer Grundsatz, bei dem Lernende durch selbstständiges Handeln und aktives Tun lernen, anstatt nur passiv Wissen aufzunehmen.
Welchen Einfluss hatte Eduard Spranger auf die Berufsbildungstheorie?
Spranger prägte den Satz, dass der Weg zur höheren Allgemeinbildung über den Beruf führt, und betonte damit die Bedeutung der beruflichen Sphäre für die Persönlichkeitsentwicklung.
- Quote paper
- Mario Hartmann (Author), 2008, Berufsbildung und ihre Theorie(n) - Spurensuche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141536