Es werden die Parteiziele der AFD von ihrer Gründung bis zur Bundestagswahl 2017 anhand des Konzepts von Stroem/Müller analysiert.
Die vorliegende Arbeit analysiert anhand von Kaare Stroms theoretischem Konzept zu Parteizielen, wie sich die politischen Ziele der AfD von 2013 bis zur Bundestagswahl 2017 im Zuge personeller und inhaltlicher Veränderungen entwickelt haben. Durch eine qualitative Auswertung von Interviews, Parteidokumenten und wissenschaftlicher Literatur zeigt sich, dass sich die Parteiziele trotz massiver Umbrüche innerhalb der Partei nur graduell geändert haben.
Während des Untersuchungszeitraums zeigten sich Strömungen innerhalb der AfD, die sowohl Policy- und Vote- als auch Office-Seeking Strategien präferierten. Insbesondere Policy- und Vote-Seeking waren zentrale Parteiziele der AfD. Dabei nutze die AfD ihre politischen Forderungen zunehmend, um Wählerstimmen zu generieren. Gerade vor dem Hintergrund, dass die AfD eine immer präsente Rolle im deutschen Parteiensystem einnimmt, tragen die Ergebnisse dieser Arbeit zu einem besseren Verständnis der parteipolitischen Entwicklung der AfD bei.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretisches Konzept von Parteizielen nach Strom
3. Analyse der Parteiziele der AfD
3.1 Die AfD in ihrer Gründungsphase bis zur Parteispaltung
3.2 Die AfD bis zur Bundestagswahl 2017
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des theoretischen Konzepts von Kaare Strom, wie sich die politischen Ziele der AfD im Zeitraum von ihrer Gründung 2013 bis zur Bundestagswahl 2017 infolge personeller und inhaltlicher Veränderungen gewandelt haben.
- Analyse der Parteiziele mittels der Kategorien Policy-Seeking, Office-Seeking und Vote-Seeking.
- Untersuchung des Wandels von einer eurokritischen Ausrichtung hin zu rechtspopulistischen Inhalten.
- Beleuchtung der internen Strategien zur Wählermobilisierung und Konfliktbewältigung.
- Vergleich der Parteistrategien vor und nach der Ablösung des wirtschaftsliberalen Flügels.
- Bewertung des Einflusses der AfD auf das deutsche Parteiensystem.
Auszug aus dem Buch
Die AfD in ihrer Gründungsphase bis zur Parteispaltung
Bereits bei ihrer Gründung waren die politischen Forderungen von elementarer Bedeutung für die AfD. Hervorgegangen aus einem Umfeld von Eurokritikern, zeichnete sie sich durch ihre aktive Gegenposition zur Europolitik der Bundesregierung und der übrigen Parteien im Bundestag aus (Schmitt-Beck 2014: 96). Mit ihrer kritischen Haltung zur vorherrschenden Politik schuf sie neue programmatische Angebote, die bis dahin von keiner der etablierten Parteien in ähnlicher Weise angeboten wurden. Besonders während ihrer Anfangsphase präsentierte sich die AfD mit ihrem starken Fokus auf eurokritische Inhalte als „Single-Issue“ Partei (Schmitt-Beck 2014: 106).
Die politischen Inhalte prägten das Profil der AfD und ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Daher lag ein großer Fokus auf der Hervorhebung und Wahrung des inhaltlichen Profils. Der Parteisprecher Bernd Lucke knüpfte in der kurz nach der Parteigründung stattfindenden Bundestagswahl eine mögliche, wenn auch sehr unwahrscheinliche Koalition mit der CDU an die Umsetzung der politischen Kernforderung der AfD, die Euro-Rettungspolitik aufzugeben (AFP 2013). Ein ähnlicher Fokus auf die inhaltliche Positionierung der Partei zeigte sich in der wenig später stattfindenden Thüringer Landtagswahl, bei der die AfD mit 10,6% der Stimmen in den Landtag einzog (Bundeszentrale für politische Bildung 2014). Der Spitzenkandidat der Thüringer AfD, Björn Höcke, identifizierte die inhaltliche Auseinandersetzung seiner Partei mit „im politischen Diskurs eher stiefmütterlich“ (phoenix 2014a: 1.42-1.46) behandelten Themen als zentralen Wahrnehmungsfaktor der AfD. Auch die ausbleibende Regierungsverantwortung in der Landesregierung beurteilte er eher als Vorteil, weil es eine weitere Schärfung des eigenen inhaltlichen Profils ermögliche (phoenix 2014a: 2.18-2.25). Solche Aussagen beschönigen den Umstand, dass die AfD aufgrund fehlender Kooperationsbereitschaft der etablierten Parteien gar nicht erst in der Lage gewesen wäre, in Regierungsverantwortung zu treten (rinke 2014). Zugleich verdeutlichen solche Äußerungen die Schwerpunktsetzung auf das eigene inhaltliche Programm.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die historische Entwicklung der AfD ein und definiert das Ziel der Arbeit, die programmatischen Verschiebungen der Partei anhand von Kaare Stroms Konzept der Parteiziele zu analysieren.
2. Theoretisches Konzept von Parteizielen nach Strom: Dieses Kapitel erläutert die Theorie von Kaare Strom und differenziert zwischen den Parteistrategien Policy-Seeking, Office-Seeking und Vote-Seeking als determinierende Faktoren politischen Handelns.
3. Analyse der Parteiziele der AfD: Der Hauptteil untersucht die strategische Ausrichtung der Partei in zwei Phasen und identifiziert den Wandel der inhaltlichen Prioritäten unter verschiedenen Führungskonstellationen.
3.1 Die AfD in ihrer Gründungsphase bis zur Parteispaltung: Die Analyse zeigt, wie sich die Partei anfänglich primär als eurokritische „Single-Issue“-Partei definierte und eine inhaltliche Schärfung über Regierungsbeteiligungen stellte.
3.2 Die AfD bis zur Bundestagswahl 2017: Dieser Abschnitt beschreibt die inhaltliche Neuausrichtung hin zur Flüchtlings- und Islamkritik sowie die instrumentelle Nutzung von Provokationen zur Wähleransprache im Kontext der Bundestagswahl 2017.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass sich die AfD von einer inhaltlich fokussierten Bewegung zu einer Partei entwickelt hat, deren politische Ziele primär einer strategischen Wählermobilisierung dienen.
Schlüsselwörter
AfD, Parteiziele, Kaare Strom, Policy-Seeking, Vote-Seeking, Office-Seeking, Eurokritik, Rechtspopulismus, Parteienforschung, Bundestagswahl 2017, politische Strategie, Wählermobilisierung, Programmatik, Parteientwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die programmatische Entwicklung der AfD von ihrer Gründung im Jahr 2013 bis zur Bundestagswahl 2017 unter Berücksichtigung personeller und inhaltlicher Veränderungen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Kategorien von Parteizielen nach Kaare Strom – Policy-, Vote- und Office-Seeking – sowie deren Anwendung auf die konkreten Strategiewechsel der AfD.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es zu zeigen, ob und inwiefern sich die Priorisierung der Parteiziele der AfD im Zuge ihrer programmatischen Neuausrichtung in verschiedenen Entwicklungsphasen verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Analyse, die Interviews, interne Parteidokumente sowie aktuelle Medienberichte auswertet, um die Ziele der AfD zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Gründungsphase mit Fokus auf Eurokritik und die Phase ab der Parteispaltung bis 2017, in der Themen wie Asylpolitik und Provokationsstrategien in den Vordergrund rückten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Parteienstrategie, Rechtspopulismus, programmatische Neuausrichtung und Wahlerfolgsmaximierung beschreiben.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Bernd Lucke in der Anfangsphase?
Bernd Lucke wird als Akteur beschrieben, der die Partei stark auf eurokritische Positionen fokussierte und politische Ämter der inhaltlichen Profilschärfung nachordnete.
Welchen Einfluss hatte der Wechsel der Parteiführung auf die Strategie?
Mit der Ablösung durch Frauke Petry und Jörg Meuten wandelte sich die Partei von einer eurokritischen "Single-Issue"-Partei hin zu einer rechtspopulistischen Kraft, die vermehrt auf Asyl- und Identitätsthemen setzte.
- Arbeit zitieren
- Jonas Seekopf (Autor:in), 2023, Die programmatische Neuausrichtung der AfD und die Veränderung ihrer Parteiziele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1415446