Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einer Varietät, die am häufigsten im sogenannten "Platten Land", also in Norddeutschland gesprochen wird. Das Thema "Niederdeutsch in der Schule" erfährt in den letzten Jahren eine vorher kaum für möglich gehaltene Dynamik. Auslöser ist zum einen die "Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen", in deren Folge eine zunehmende Wertschätzung der niederdeutschen Sprache zu verzeichnen ist.
Zum anderen drückt der eklatante Rückgang der Sprachkompetenz bei jüngeren Menschen die Bedrohung der niederdeutschen Sprache unmittelbar aus. Heute sind Forscher zu einem großen Teil der Meinung, dass es nicht nur hilfreich für das Erlernen von Sprache sei, dem Niederdeutschen mächtig zu sein, sondern dass auch der Fortbestand dieser Varietät gesichert werden müsse. Derselben Meinung sind auch die Mitgliedstaaten des Europarates, die die Europäische Charta für Regional- und Minderheitssprache erlassen haben.
Jeder Deutsche kennt verschiedene Dialekte bzw. Mundarten, wie das Sächsische, das Bayrische oder auch das Kölsche Platt. Diese Dialekte hört man immer wieder, so z.B. im Fernsehen bei verschiedenen Werbespots. Aber auch TV-Serien spielen mit diesen Mundarten. Die Sitcom "Alles Atze" oder "Familie Becker" benutzen die Varietät, um das normale Leben witziger bzw. anders darzustellen.
Doch durch die PISA-Studie befindet sich das deutsche Schulsystem in einem Prozess massiver Umgestaltung. Unterrichts-Methoden und Fächer geraten auf den Prüfstand. Die Heranwachsenden sollen in vielen Punkten "fit" gemacht werden für die spätere Berufslaufbahn. Gerade in dieser Zeit ist die Gefahr groß, dass das Bewusstsein für die Qualität des Regionalen in den Hintergrund gedrängt wird. Dies gilt insbesondere auch für die Einbeziehung der Regionalsprache Niederdeutsch in den Unterricht.
Obwohl Niederdeutsch seit 1993 in Niedersachsen schulrechtlich verankert ist, spielt "Platt" im Lehrplan der meisten Schulen keine Rolle. Und auch hier in Sachsen-Anhalt, in der Altmark, ist Niederdeutsch in keiner Schulform im Lehrplan gesichert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausgewählte Aspekte der Entwicklung der niederdeutschen Sprache
2.1 Grundlegende Informationen zum Niederdeutschen
2.2 Geografische Verbreitung des Niederdeutschen. Wer spricht Niederdeutsch.
2.3 Aktueller Status des Niederdeutschen
3. Didaktisch-Methodisch Aspekte der Vermittlung des Niederdeutschen im Unterricht
3.1 Aktueller Stand an den Schulen
3.2 Begegnung mit der niederdeutschen Sprache
3.3 Erwerb niederdeutscher Sprache
3.4 Aktuelle Bildungsstandards
4. Unterrichtskonzept
5. Ausblick auf die Zukunft des Niederdeutschen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Situation der niederdeutschen Sprache, insbesondere im Hinblick auf deren Bedeutung und Vermittlung im schulischen Kontext der Altmark sowie die Entwicklung eines praxisnahen Unterrichtskonzepts zur Förderung der Regionalsprache.
- Historische und sprachwissenschaftliche Einordnung des Niederdeutschen
- Analyse des aktuellen Status und der Verbreitung der niederdeutschen Sprache
- Didaktische Konzepte zur Sprachbegegnung und zum Spracherwerb an Schulen
- Entwurf einer Unterrichtsreihe für die 5. und 6. Jahrgangsstufe
Auszug aus dem Buch
3.2 Begegnung mit der niederdeutschen Sprache
Der Rückgang der niederdeutschen Sprache und der Verlust der mit dem Niederdeutschen verbundenen Kultur in Literatur, Geschichte, Brauchtum und Umgangsformen betrifft viele Menschen in den niederdeutschen Regionen. Einzelne Bundesländer gehen bereits verstärkt gegen diesen Rückgang vor und probieren Konzepte für die Rettung niederdeutscher Sprache zu entwerfen und umzusetzen.
Aus dieser Situation erwächst der Schule eine erhöhte Verantwortung für dieses Kulturgut. Verbindliche Aufgabe der Schule ist es daher, in den dafür geeigneten Fächern Kenntnisse über niederdeutsche Literatur und Sprache zu vermitteln und die durch das Niederdeutsch geprägten Lebensbereiche in den Unterricht einzubeziehen. Daneben soll die Schule die Fähigkeit, Niederdeutsch zu sprechen, fördern und zum Gebrauch der niederdeutschen Sprache ermuntern.
Was außerdem für eine Begegnung mit dem Niederdeutschen im Unterricht spricht: Kenntnisse in der niederdeutschen Sprache erweitern das Sprachvermögen. Gerade im Vergleich zum Hochdeutschen kann sich die Fähigkeit entwickeln, einfache, überschaubare Sätze zu bilden und anschauliche und gegenständliche Wörter zu wählen. Kenntnisse des Niederdeutschen erleichtern den Zugang zu anderen Sprachen, wie z.B. dem Englischen. Sie vertiefen das Verständnis für die heimatliche Geschichte und Kultur.
Für die Begegnung mit dem Niederdeutschen bieten sich in der Schule bereits jetzt vielfältige Möglichkeiten. Besonders im Fach Deutsch soll das Niederdeutsche in den Unterricht einbezogen werden. Je nach Schulform und Altersstufe sind klassische und moderne niederdeutsche Texte zu lesen, und die Eigenart dieser Literatur ist zu erarbeiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Rückgangs der niederdeutschen Sprache ein und begründet die Notwendigkeit ihrer schulischen Förderung angesichts der Bedeutung für die Regionallandschaft.
2. Ausgewählte Aspekte der Entwicklung der niederdeutschen Sprache: Dieses Kapitel erläutert die sprachwissenschaftlichen Grundlagen, die geografische Ausbreitung und den aktuellen Status der niederdeutschen Varietäten.
3. Didaktisch-Methodisch Aspekte der Vermittlung des Niederdeutschen im Unterricht: Hier werden der aktuelle Stand der schulischen Einbindung, Konzepte zur Sprachbegegnung sowie der Spracherwerb und relevante Bildungsstandards analysiert.
4. Unterrichtskonzept: Dieses Kapitel stellt ein konkretes, für die 5./6. Klasse konzipiertes Unterrichtsprogramm vor, das darauf abzielt, praktischen Erstkontakt mit der Sprache unter Einbeziehung lokaler Angebote zu ermöglichen.
5. Ausblick auf die Zukunft des Niederdeutschen: Ein Fazit zur aktuellen Dynamik der Sprache, das die Notwendigkeit institutioneller Unterstützung für den Erhalt und die Weitergabe des kulturellen Erbes hervorhebt.
6. Fazit: Der Autor resümiert die Projektergebnisse und unterstreicht, dass die Integration Niederdeutschs in den Schulunterricht einen wichtigen Beitrag zum Erhalt regionaler Identität leistet.
Schlüsselwörter
Niederdeutsch, Plattdeutsch, Regionalsprache, Sprachvermittlung, Sprachbegegnung, Spracherwerb, Schulunterricht, PISA-Studie, Europäische Charta, Altmark, Sprachkultur, Didaktik, Bildungsstandards, Sprachkompetenz, Regionale Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der niederdeutschen Sprache im deutschen Schulsystem, insbesondere mit der Frage, wie diese Regionalsprache effektiv unterrichtet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Sprache, ihrer aktuellen soziolinguistischen Lage, den didaktischen Möglichkeiten für den Unterricht sowie der praktischen Konzeptplanung für Sekundarschulen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin, zu evaluieren, inwieweit es sinnvoll ist, Schüler in der Altmark mit Niederdeutsch vertraut zu machen, und ein umsetzbares Unterrichtskonzept hierfür zu erstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt Literaturanalysen von Rahmenlehrplänen und Bildungsberichten, wertet bestehende Erhebungen zur Sprachkompetenz aus und entwickelt darauf basierend eine methodisch strukturierte Unterrichtseinheit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Sprachaspekte, den Status quo in verschiedenen Bundesländern sowie didaktische Empfehlungen zur Einbindung von Niederdeutsch in den regulären Schulunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich vor allem auf die Begriffe Niederdeutsch, Regionalsprache, Sprachbegegnung, Bildungspolitik und unterrichtspraktische Konzepte.
Warum spielt die Altmark in dieser Arbeit eine besondere Rolle?
Die Altmark dient als spezifischer regionaler Ankerpunkt des Autors, da dort die niederdeutsche Sprache in den Lehrplänen bislang nicht verankert ist, was den Bedarf für das entwickelte Konzept begründet.
Wie unterscheidet sich die Sprachvermittlung in einzelnen Bundesländern?
Während einige Bundesländer wie Hamburg oder Schleswig-Holstein Niederdeutsch bereits als (Wahl-)Pflichtfach oder in Modellprojekten führen, ist es in anderen Regionen, wie etwa Sachsen-Anhalt, eher auf den Deutschunterricht oder Arbeitsgemeinschaften beschränkt.
- Quote paper
- Marius Melms (Author), 2020, Die Renaissance des Niederdeutschen in der Schule. Methoden und Unterrichtskonzept unter Berücksichtigung der Altmark, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1415455