Himmel - Hölle - Fegfeuer

Neuere Deutungen des Fegfeuers


Hausarbeit, 2009
10 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung:

1. Das „Fegfeuer“: Hölle „auf Zeit“?
Die Geschichtlichen Hintergründe

2. Läuterung als letztes Gericht.
Vom schmerzlichen Prozess, sich die Schuld nachhaltig vergeben zu lassen

3. Für die Toten beten – zu den Toten beten

4. Evangelische vs. katholische Auffassung von der Läuterung
Spaltung der Kirche

5. Die Ansprache von Papst Johannes Paul II. bei einer Generalaudienz
am 4. August 1999 über das Fegfeuer

6. Didaktische Einbettung in den Schulunterricht

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Das „Fegfeuer“: Hölle „auf Zeit“?
Die Geschichtlichen Hintergründe

Im frühen Mittelalter wurde das Fegfeuer als zeitlich begrenzte „Vorhölle“ gedeutet. Die Vorstellung vom schmerzhaften Fegfeuer nutze die Kirche im späten Mittelalter durch fiskalischen Missbrauch aus. Die Menschen glaubten durch eine „Ablasszahlung“ die „Armen Seelen“ vorzeitig aus dem Fegfeuer befreien zu können.[1]

Mit dem Fegfeuer verbanden die Menschen einen Ort zwischen Himmel und Hölle, an dem die sündigen Toten eine bestimmte Zeit verweilten.

Die Läuterung in der frühkirchlichen Praxis galt als:

1. Läuterung im Gebet für die Verstorbenen während der Eucharistiefeier.
2. Läuterung als ausgiebiges Bußverfahren für schwere Sünden.

Um die Wiederversöhnung des Sünders mit Gott und mit der Gemeinschaft der Glaubenden zu bekommen, musste der reuige Sünder verschiedene, ihm von der Gemeinde auferlegte, Bußübungen verrichten. Die westliche Kirche sah diese Buße als reinigende Strafe. Die östliche Kirche hingegen als einen therapeutischen Heilungs- und Reifungsprozess vor und nach dem Tod.[2]

Das Fegfeuer verliert in der heutigen Glaubensverkündung immer mehr an Bedeutung. Viele wissen mit diesem Begriff nur noch wenig anzufangen.[3] Dies ist aus meiner Sicht bedauerlich, da die Läuterung eine tiefgründigere Bedeutung erlangt, als man bei einer oberflächlichen Betrachtung glauben vermag.

2. Läuterung als letztes Gericht.
Vom schmerzlichen Prozess, sich die Schuld nachhaltig vergeben zu lassen

Das Fegfeuer bzw. die Läuterung hat gerade durch die humane Dimension des Letzten Gerichts noch einmal eine unterstreichende Bedeutung.[4]

Der Aspekt des Gerichtes wird mit der Läuterung besonders hervorgehoben. „Gottesbegegnung ist für den Sünder immer auch, ja zuerst Gericht[5].“

Das Fegfeuer als Vorstellung einer endgültigen Begegnung des sündigen Menschen mit der richterlichen Liebe Gottes, in der die eigene Lebensgeschichte zu einer schmerzlich-reinigenden Konfrontation führt.[6] Durch die Begegnung des Menschen mit Gott, offenbart sich ihm seine Unheiligkeit und Lieblosigkeit im Vergleich zu Gott.

Die Läuterung wird nach den neueren theologischen Deutungen nicht mit einem bestimmten jenseitigen Ort oder einer zeitlich begrenzten Komponente verbunden, in der, der gestorbene Mensch zwischen Himmel und Hölle verweilt. Sie beschreibt eher einen Zustand, der nicht mit irdischen Maßstäben gemessen werden kann. „Die Zeit hört mit dem Tode auf, so dass alles, was sich jenseits abspielt, unzeitlich zu denken ist[7].“ Aus diesem Grund kann es kein Purgatorium geben, „in dem“ (auch keine Ortsbestimmung) die „Armen Seelen“ eine Zeitlang schmachten.[8]

Die Begegnung mit Gott selbst ist das Fegfeuer. Den Ausdruck des Fegfeuers sollte man daher möglichst vermeiden und statt dessen von Reinigung und Läuterung als Moment der Gottesbegegnung sprechen. Eine Begegnung des sich entwickelnden, unreifen „Embryo“ Mensch mit dem heiligen, unendlichen, liebenden Gott, die zutiefst beschämend, schmerzhaft und deswegen läuternd ist.[9]

Die Läuterung kann eindeutig der Seite des Himmels zugeschrieben werden. Der Mensch erfährt sie als Gottes Gnade; von Gott gegeben[10]. Sie ist ein inneres Moment der positiven Vollendung, eine Art „Vorhimmel“, der den Menschen für die von seiner Schuld ungetrübte Gemeinschaft mit Gott im Himmel bereiten soll. Die Läuterung lässt den Menschen von seiner irdischen Schuld frei werden und das an Reue und Umkehr in ihm „ausreifen“, was er bereits in seinem irdischen Leben begonnen hat.[11] Sie sollte daher als frohe Botschaft verkündigt werden, die dem Menschen die Hoffnung auf das ewige „unschändliche“ Leben gibt.[12]

„Bedarf es der Läuterung des Menschen als Vorbereitung auf den Himmel? Genügt dazu nicht die reinigende Vergebung Gottes, die er doch jedem Menschen, der seine Schuld bereut, in der Begegnung mit seiner „richterlichen“ Liebe ohne Vorbehalte schenkt?“[13]

Die Frage ist, wie kommt die Vergebung bei dem Menschen an? Wie dringt sie in ihn ein? Vergebung, sei sie von Menschen oder von Gott geschenkt, bläst die Schuld nicht einfach weg, macht sie nicht ungeschehen oder vergessen. Karl Rahner weist in diesem Zusammenhang auf Krusten und Rückstände des sündigen Menschen hin, die er nicht einfach, auch wenn er sich stetig zu Gott bekehrt, rückgängig machen kann.[14] Die Vergebung bedeutet die von Gott her unbedingte Annahme des Menschen als Freund Gottes trotz seiner begangenen Schuld. Diese vergebende Annahme durch Gott erfordert das bereitwillige Mittun von menschlicher Seite aus, also ein aktives Sich-vergeben-Lassen der Schuld; Umkehr; Umwandlung; Sich-Heilen-Lassen.[15]

[...]


[1] Vgl. Kehl, Medard: Und was kommt nach dem Ende? Von Weltuntergang und Vollendung, Wiedergeburt und Auferstehung. Freiburg 1999. S. 134.

[2] Vgl. Kehl, Medard (1999). S. 135.

[3] Vgl. Kehl, Medard (1999). S. 134.

[4] Vgl. Kehl, Medard (1999). S. 135.

[5] Greshake, Gisbert: Stärker als der Tod. Zukunft, Tod, Auferstehung, Himmel, Hölle, Fegfeuer. Mainz 1995. S. 91.

[6] Vgl. Kehl, Medard (1999). S. 135.

[7] Beinert, Wolfgang: Tod und jenseits des Todes. Regensburg 2000. S. 100.

[8] Vgl. Beinert, Wolfgang (2000). S. 100.

[9] Vgl. Greshake, Gisbert (1995). S. 93.

[10] Vgl. Beinert, Wolfgang (2000). S. 102.

[11] Vgl. Kehl, Medard (1999). S. 135.

[12] Vgl. Greshake, Gisbert (1986). S. 94.

[13] Kehl, Medard (1999). S. 136.

[14] Vgl. Greshake, Gisbert (1995). S. 91.

[15] Vgl. Kehl, Medard (1999). S. 136.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Himmel - Hölle - Fegfeuer
Untertitel
Neuere Deutungen des Fegfeuers
Hochschule
Universität Kassel
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
10
Katalognummer
V141549
ISBN (eBook)
9783640510474
ISBN (Buch)
9783640510658
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Himmel, Hölle, Fegefeuer, Didaktik, Theologie, Grundschuldidaktik, Hausarbeit
Arbeit zitieren
Mario Hartmann (Autor), 2009, Himmel - Hölle - Fegfeuer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141549

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