Neutestamentliche Exegese: Gleichnis vom Senfkorn; Kapitel 4, Vers 30-32


Hausarbeit, 2009
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung:

I. Einführung
1. Begründung der Perikopenwahl
2. Besinnung auf den Text
3. Intention der Arbeit und ihre besondere Fragestellung

II. Hauptteil
1. Der Text
1.1 Vergleich von Übersetzungen
1.2 Begründung der Übersetzungswahl
2. Der synoptische Vergleich
2.1 Analyse der Perikope im Unmittelbaren Kontext und Erläuterungen
2.2 Redaktionskritik
2.3 Quellen- und Grundlagendiskussion
2.4 Wirkungskritik

III. Schluss
1. Zusammenfassung der Ergebnisse
2. Hermeneutische Besinnung

IV. Literaturverzeichnis

I. Einführung

1. Begründung der Perikopenwahl

Diese Perikope habe ich in Abstimmung mit Herrn Prof. Dr. K. ausgewählt. Ich entschied mich für diese Perikope, weil ich die bildhafte Sprache der Gleichnisse als sehr anschaulich betrachte. Abstrakte oder schwer erklärbare Sachverhalte können transparenter dargestellt werden und erscheinen plötzlich ganz klar. Selbst heutzutage werden in vielen Predigten Gleichnisse benutzt, um verschiedene Dinge zu erklären oder sie zumindest verständlicher darstellen zu können. Ich habe auch persönlich gute Erfahrungen im Umgang und mit der Arbeit an Gleichnissen erlangen können. Schon als Kind im Konfirmanden- und Religionsunterricht faszinierten mich die Erzählungen Jesu.

2. Besinnung auf den Text

Obwohl ich mich, wie bereits erwähnt, schon in der Vergangenheit das ein oder andere mal mit den Gleichnissen in der Bibel auseinander gesetzt habe, war mir diese Perikope noch unbekannt. Der Text hat Bilder in mir hervorgerufen, die ich versuchte zu deuten. Zunächst verstand ich diese Perikope als eine Beschreibung eines Naturereignisses, welches sich durch die bildhafte Darstellung leichter einprägen lässt, als ein abstrakter Text. Dennoch bedeutet dieser Text viel mehr als nur eine Beschreibung oder ein Vorgang, der sich in der Natur abspielt. Die Perikope vermittelt eine einzigartige Klarheit und Schlichtheit, die ihren Umfang zunächst nicht erkennen lässt.

3. Intention der Arbeit und ihre besondere Fragestellung

Mit dieser Arbeit möchte ich den anscheinend leicht verständlichen Text näher beleuchten. Ist es wirklich so einfach ein Senfkorn mit dem Reich Gottes zu vergleichen? Oder steckt hinter diesem vermeintlich leicht verständlichen Text viel mehr, als nur diese Gegenüberstellung. Bei näherer Betrachtungsweise der synoptischen Evangelien lassen sich einige Zusammenhänge, aber auch Unterschiede der synoptischen Evangelientexte feststellen. Wie kommt es zu den großen Übereinstimmungen des Lukas- und Matthäustextes gegen die mk Fassung? In welchen Aspekten unterscheiden sie sich und in welchen haben sie Gemeinsamkeiten? Warum gibt es diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede und wie lassen sie sich begründen? In diesem Zusammenhang sollen allerdings nicht nur die synoptischen Evangelien näher beleuchtet, sondern auch die unterschiedlichen Quellendiskussionen und deren Begründungen im Rahmen dieser Exegese untersucht werden. Dennoch wird die Zweiquellentheorie als primäre Quelle für die Begründung der Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Evangelientexte dienen. Dies begründet sich allerdings nicht aus meiner eigenen Überzeugung und Plausibilität, sondern vielmehr aufgrund der Kommentare zu dieser Perikope. In den mir zur Verfügung gestandenen Kommentaren (u.a. Evangelisch-Katholische Kommentare zum Neuen Testament) wird die Zweiquellentheorie als primäre Erklärungshilfe für die Erläuterungen genutzt und nur sekundär auf weitere Theorien eingegangen.

Das Gleichnis vom Senfkorn; diese Überschrift für ein Gleichnis erscheint zunächst als äußerst unbedeutend. Es handelt sich um wenige Zeilen in der Bibel, die allerdings das gesamte Reich Gottes in einem Verhältnis darstellen sollen. Das Ausmaß dieses Zusammenhangs wurde mir erst bei näherer Betrachtung deutlich. Doch ich glaube, dass es mir nicht allein bei dieser Perikope so oder ähnlich erging. Aber ist es in unserer Gegenwart eine Ausnahme, dass ein Ausmaß erst nach näherer Betrachtung erkannt wird? Ich glaube nicht. In einer schnelllebigen Zeit der Industriestaaten sollten allerdings Politiker mit ihren Entscheidungen vielleicht manchmal sorgfältiger und bedenklicher umgehen, um das Ausmaß ihrer Entscheidungen erkennen und deuten zu können. Im Speziellen verurteile ich mit dieser Anspielung die Entscheidungen, die in Zusammenhängen mit Kriegen getroffen werden, ohne sich teilweise das Ausmaß eines Krieges verdeutlicht zu haben.

II. Hauptteil

1. Der Text

1.1 Vergleich von Übersetzungen

In diesem Kapitel werden drei verschiedene Bibelübersetzungen miteinander verglichen. Gegenübergestellt werden die Übersetzungen der Perikope Mk 4,30-32 aus:

a. der Bibel nach der Übersetzung von Martin Luther[1]
b. der Evangelien-Synopse der Einheitsübersetzung[2]
c. der Zürcher Bibel.[3]

Die Bibelübersetzung nach Luther von 1912 differiert bereits bei den unterschiedlichen Verlegern der Bibel, obwohl sie angeblich alle von der gleichen Übersetzung Luthers herrühren. Die Lutherahnische Übersetzung unterscheidet sich teilweise erheblich von der Einheitsübersetzung. Sie fügt Worte hinzu oder lässt sie weg, um den Text flüssiger lesen und besser verstehen zu können. Die Übersetzung nach Luther und der Züricher Bibel hält sich näher an den Originaltext und lässt sich daher schwieriger als die Einheitsübersetzung lesen. Die starke Nähe der Lutherübersetzung und der Züricher Bibel zum Originaltext wird sehr durch die interlineare Übersetzung aus dem Griechischen deutlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2 Begründung der Übersetzungswahl

Obwohl die zu vergleichenden Bibeltexte dieselbe Erzählung innerhalb des Markusevangeliums behandeln, gibt es doch kleine Unterschiede in der Wortwahl und den Formulierungen. Ein Wort oder ein Ausdruck bietet mehr als nur eine Möglichkeit der Übersetzung.

Obwohl sich die Übersetzung nach Luther näher an den griechischen Originaltext anlehnt, habe ich mich für die Einheitsübersetzung entschieden. Sie lässt sich für mich verständlicher und einfacher lesen, als die Lutherahnische oder die Übersetzung aus der Züricher Bibel.

2. Der synoptische Vergleich

2.1 Analyse der Perikope im Unmittelbaren Kontext und Erläuterungen

Die seltene Anreihungsformel „er sagte“ (ohne Adressatenangabe) in Mk 4,30 kann als formale Stütze dafür gesehen werden, dass das Gleichnis vom Senfkorn schon in einer vormarkinischen Quelle mit dem Gleichnis vom Sämann (Mk 4,1-9) und dessen Deutung verbunden war. Dasselbe gilt für das Gleichnis vom Saatkorn (Mk 4,26-29), mit dem das Gleichnis vom Senfkorn eine Art „Doppelgleichnis“ bildet.[4] Die Verse 26-29 im Markustext sind dem markinischen Sondergut zuzurechnen, da sie weder bei Lukas noch bei Matthäus zu finden sind.[5]

Ähnlich wie das Gleichnis vom Saatkorn kündigt die Geschichte des Senfkornes das sichere Kommen des Reich Gottes an. Es geht um die Beziehung von Anfang und Ende und darum, dass der Anfang das wunderbare Ende gewiss macht.[6]

An die Perikope des Markustextes schließt sich in Vers 33-34 der Schluss der Gleichnisrede an. Bei Lukas und Matthäus hingegen folgt in der selben Reihenfolge das Gleichnis vom Sauerteig (Lk 13,20-21 und Mt 13,33).[7]

Das Gleichnis vom Senfkorn und vom Sauerteig sind inhaltlich so eng verwandt, dass sie teilweise in der Literatur gemeinsam analysiert und gedeutet werden.[8]

Um die Form der Gleichnisgeschichten bestimmen zu können, wird seit A. Jülicher zwischen Parabeln und Gleichnissen im engeren Sinn unterschieden. Die Parabel berichtet von einem besonderen Fall, der sich einmal zugetragen haben soll, und ist nicht selten durch absonderliche Züge ausgezeichnet. Diese sollen die Aufmerksamkeit des Hörers fesseln und die angesprochene Sache bestimmen helfen. Auf die Parabeltheorie werde ich im Folgenden noch näher eingehen. Das Gleichnis im engeren Sinn dagegen gibt eine allgemeine Erfahrung wieder, die jeder teilt und die ihm den Zugang zur Geschichte leicht eröffnet. In der Regel handeln diese Gleichnisgeschichten im Evangelium vom Reich Gottes. Sie werden gewöhnlich im Präsens erzählt.[9]

Die sogenannte markinische Parabeltheorie besagt, dass für Markus die Gleichnisse Rätselreden sind. Als solche dienen sie dem Zweck, die Wahrheit zu verhüllen, um über das „widerspenstige Volk das Verstockungsgericht“ zu verhängen. Die Gleichnisse waren am Anfang eine verdeutlichende Form der Rede. Verschiedene Faktoren werden angeführt, die das Verständnis der Gleichnisse als Rätsel vorbereitet und ermöglicht haben. 1. Die ursprüngliche Situation vieler Gleichnisse ging verloren. Da die Gleichnisse vielfach konkrete Situationen ansprechen, musste mit deren Unkenntnis das Verständnis problematisch werden. 2. In die Gleichnisüberlieferungen dringen Allegorien ein. Sie heben die Gleichnisse auf eine neue Verstehensebene und dienen ihrer Aktualisierung, verdunkeln jedoch letztendlich ihren ursprünglichen Sinn. 3. In der jüdischen Umwelt, insbesondere in der apokalyptischen Literatur, gab es den Maschal, eine Form der Bildrede, die ohne Deutung unverständlich blieb. Ähnliches gilt für die in der hellenistischen Literatur überlieferten Träume und Traumdeutungen. In manchen neueren Stellungnahmen wird die markinische Gleichnistheorie jedoch anders interpretiert oder sogar in Frage gestellt.[10]

[...]


[1] Das Neue Testament nach der Übersetzung Martin Luthers. Basisausgabe. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft. 2000 – im Folgenden als: Luther Bibel

[2] Knoch, Otto: Vollständige Synopse der Evangelien. Nach dem Text der Einheitsübersetzung. 2. Auflage. Stuttgart 1989. S. 101.

[3] Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. 21. Auflage. Zürich: Verlag der Zürcher Bibel. 1996 – im Folgenden als: Zürcher Bibel

[4] Vgl. Gnilka, Joachim: Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament. Das Evangelium nach Markus. Band II/1. 5. Auflage. Zürich 1998. S. 182.

[5] Vgl. Schnelle, Udo: Einleitung in das Neue Testament. 4. Auflage. Göttingen 2002. S. 194.

[6] Vgl. Gnilka, Joachim (1998). S. 187.

[7] Vgl. Bovon, Francois: Evangelisch-Katholischer Kommentar zu Neuen Testament. Das Evangelium nach Lukas. Band III/2. Zürich 1996. S. 410.

[8] Vgl. Jeremias, Joachim: Die Gleichnisse Jesu. 9. Auflage. Göttingen 1977. S. 145.

[9] Vgl. Gnilka, Joachim (1998). S. 157.

[10] Vgl. Gnilka, Joachim (1998). S. 170.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Neutestamentliche Exegese: Gleichnis vom Senfkorn; Kapitel 4, Vers 30-32
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
24
Katalognummer
V141551
ISBN (eBook)
9783640491087
ISBN (Buch)
9783640490998
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gleichnis, Senfkorn, Exegese, Neues Testament, Hausarbeit
Arbeit zitieren
Mario Hartmann (Autor), 2009, Neutestamentliche Exegese: Gleichnis vom Senfkorn; Kapitel 4, Vers 30-32, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141551

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