Im Kontext der zunehmenden Medialisierung standen in Afrika vor allem Fragen über rechtliche Bestimmungen des Medienschaffen im Vordergrund. Fragen zum Autoren-/Urheberrecht sowie zu kommerzielle Interessen sind Teil eines medien-kulturwissenschaftlichen Diskurses geworden. Sie zeigen vor allem, dass die Medialisierung in Afrika stark von westlichen Normen und Praktiken geprägt ist.
Dieser Gedanke soll den Rahmen der Arbeit definieren, nicht aber den Hauptgegenstand. Vielmehr konzentriert sich diese Arbeit darauf, wie sich direkte Medienpraktiken der afrikanischen Bevölkerung im Zuge der sich fortschreitenden Medialisierung verändern. Während es im Rahmen des Seminars „Außereuropäische Medienpraktiken“, in welchem Kontext diese Arbeit entsteht, vorrangig mit kunsthistorischen Überlieferungen und Überlegungen der außereuropäischen Welt beschäftigt, soll es hier um etwas gehen, was die Menschen ebenfalls alltäglich, aber doch auf eine andere Art und Weise, mit einer anderen Dringlichkeit und einer insgesamt konträren Qualität betrifft. Die Rede ist von medialer Berichterstattung.
Am Ende dieser Arbeit soll verstanden werden, welchen Einfluss die Medialisierung auf die mediale Berichterstattung und die direkt damit in Verbindung stehende Medienpraktik der Informationsbereitstellung und -beschaffung in der afrikanischen Gesellschaft hat. Dazu werden zunächst die drei zentralen Begriffe der Arbeit „Medialisierung“, „Medienpraktiken“ und „african narrative“ definiert. Basierend auf dieser Grundlage richtet sich der Blick dann konkret nach Afrika. Wie sieht die Medienlandschaft in Bezug auf die Berichterstattung aus und welcher Umgang wird heutzutage praktiziert? Es geht also darum zu klären, wie Medien in Afrika über den eigenen Kontinent berichten, aber auch, wie und ob die Bevölkerung diese Berichterstattung aufnimmt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Medienpraktiken
Medialisierung
The African Narrative
Aktuelle Tendenzen der Medienpraktiken
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die Medienpraktiken afrikanischer Akteure unter dem Einfluss der fortschreitenden globalen Medialisierung verändern, mit besonderem Fokus auf der Berichterstattung über den afrikanischen Kontinent.
- Analyse des Begriffs der Medialisierung und dessen Anwendung auf den afrikanischen Kontext.
- Untersuchung des "African Narrative" und der Reproduktion westlicher Stereotype durch Medienorganisationen.
- Evaluation der Abhängigkeit afrikanischer Medien von westlichen Nachrichtenquellen und deren Auswirkungen.
- Diskussion über die Rezeptionsgewohnheiten der afrikanischen Bevölkerung und die Dominanz internationaler Medienangebote.
- Identifikation von Lösungsansätzen zur Förderung authentischer, eigenständiger afrikanischer Medienproduktionen.
Auszug aus dem Buch
The „African Narrative“
Oft wird der afrikanische Kontinent in der medialen Darstellung als extrem arm dargestellt. Krankheiten grassieren und Korruption ist weit verbreitet. Neben dieser medialen Abwertung ist außerdem noch eine gegenteiliges Erzählstrategie möglich. Das starke Herausheben der positiven Aspekte des Kontinents (Hänsch et al. 2018: 25). Die ungezähmte Natur und ihre atemberaubende Schönheit werden in diesen Fällen genauso gerne ins Zentrum gerückt, wie die rasche Entwicklung und den Aufschwung, der sich in manchen afrikanischen Ländern verzeichnen lässt. Gerne überbetont, mit dem Hang zum Übertreiben. Zusammengefasst werden können beide Erzählweisen unter dem Begriff des „african narrative“, den auch Roukaya Kasenally in ihren Ausführungen benutzt.
Dieser „african narrative“ wurde zum Großteil von den westlichen Medien erzeugt und popularisiert (vgl. Kasenally 2018: 123). Einmal in den Köpfen der Menschen angekommen, lässt sich dieses Narrativ nur schwer wieder vertreiben. Insbesondere durch die essenziell wichtige Rolle der Medien in der heutigen Zeit. Bedingt dadurch, dass sich das Bild Afrikas für den Großteil der Menschen ausschließlich über mediale Produktionen erzeugen lässt, sind die Folgen für das Image des Kontinents umso verehrender, wenn die Berichterstattung einseitig negativ und vor allem mit Vorurteilen gepflastert, verbreitet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Dynamik der Medialisierung in Afrika ein und definiert die zentrale Fragestellung bezüglich der Veränderung von Medienpraktiken unter dem Einfluss medialer Berichterstattung.
Medienpraktiken: Es erfolgt eine theoretische Einbettung des Begriffs Medienpraktik als situatives und strukturelles Wechselspiel zwischen Nutzer und Medium.
Medialisierung: Das Kapitel beleuchtet den Bedeutungszuwachs der Massenmedien und deren Fähigkeit, soziale Wirklichkeiten und Imaginationen maßgeblich zu prägen.
The African Narrative: Hier wird das Phänomen untersucht, wie einseitige und stereotype Erzählweisen über Afrika, oft durch westliche Medien popularisiert, das öffentliche Bild des Kontinents nachhaltig beeinflussen.
Aktuelle Tendenzen der Medienpraktiken: Es wird analysiert, inwieweit afrikanische Medien von externen Quellen abhängen und welche Auswirkungen dies auf die Qualität und Unabhängigkeit der Berichterstattung hat.
Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass eine authentische afrikanische Medienlandschaft durch eigenständige Produktionen gestärkt werden muss, um das etablierte stereotype Narrativ nachhaltig zu überwinden.
Schlüsselwörter
Medialisierung, Medienpraktiken, African Narrative, Afrika, Berichterstattung, Massenmedien, Stereotypisierung, Journalismus, Medienlogik, Narrativ, Nachrichtenagenturen, Medienkonsum, Unabhängigkeit, Kommunikation, Globalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Das zentrale Anliegen der Arbeit ist es, die dynamischen Veränderungen afrikanischer Medienpraktiken im Kontext einer fortschreitenden globalen Medialisierung zu untersuchen.
Was sind die thematischen Schwerpunkte der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Medialisierung, der Definition von Medienpraktiken, der Kritik am sogenannten "African Narrative" und der Untersuchung der Abhängigkeit afrikanischer Medien von westlichen Strukturen.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu verstehen, wie Medien in Afrika berichten, wie diese Berichte rezipiert werden und ob eine eigenständige mediale Identität gegenüber westlich geprägten Narrativen möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung und literaturbasierte Analyse aktueller Studien und medienwissenschaftlicher Konzepte, anstatt eine eigene empirische Feldstudie durchzuführen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung von Medialisierung und Medienpraktiken, die kritische Auseinandersetzung mit dem "African Narrative" sowie die Analyse aktueller Tendenzen bei afrikanischen Medienanstalten und Konsumenten.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Medienpraktiken, African Narrative, Medialisierung, journalistische Stereotypisierung und afrikanische Medienlandschaft charakterisieren.
Warum spielt das Thema der Behindertenberichterstattung eine Rolle als Exkurs?
Der Exkurs dient dazu, parallele Mechanismen der einseitigen, defizitären Berichterstattung aufzuzeigen, die sowohl das Bild behinderter Sportler als auch das Bild Afrikas als sensibles, medial verzerrtes Thema betreffen.
Welche Rolle spielt die BBC laut der Arbeit?
Die BBC wird als prominentes Beispiel für die Präferenz der afrikanischen Bevölkerung für große, internationale Medienakteure angeführt, was lokale afrikanische Medien in ihrer Konkurrenzfähigkeit einschränkt.
- Quote paper
- Michael Reifenrath (Author), 2022, Veränderungen afrikanischer Medienpraktiken im Zuge der fortschreitenden Medialisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1415704