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Die Garfinkelschen Leitsätze als soziologische Handlungstheorie für die Entwicklung von Social-TV-Konzepten

Title: Die Garfinkelschen Leitsätze als soziologische Handlungstheorie für die Entwicklung von Social-TV-Konzepten

Research Paper (postgraduate) , 2009 , 10 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Laura Dorfer (Author)

Sociology - Media, Art, Music
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Die soziale Ordnung ist keine statische Struktur, sondern wird von den Gesellschaftsakteuren permanent durch deren Interpretationsleistungen und wechselseitige Abstimmung konstruiert. Diese These beschreibt den Grundgedanken der von Harold Garfinkel entwickelten Ethnomethodologie, eines handlungstheoretischen Ansatzes, „der die grundlegenden formalen Methoden (Basisregeln) aufzudeckenversucht, die die Gesellschaftsmitglieder bei ihren alltäglichen Handlungen anwenden, um Ereignisse und Handlungen zu interpretieren, d.h. ihnen Sinn zu verleihen.“ Der Garfinkelsche Ansatz ist äußert dienlich, um die Strukturen des menschlichen Interagierens und ihrer Wirklichkeitskonstitution in der sozialen Umwelt zu erläutern. Was ist aber der heuristische Wert dieser soziologischen Handlungstheorie, wenn die Interaktion aus dem weltlichen sozialen Raum in den virtuellen sozialen Raum verlagert wird? Greifen die für die Realwelt entwickelten „Basisregeln“ auch für eine elektronisch vermittelte Kommunikation oder wie müssen sie entsprechend modifiziert werden? Diese Fragen werden in dem hiesigen Essay, im Rahmen des Forschungsprojekts SocialTV – Fernsehen im Wandel des interdisziplinären Masterstudiengangs Medien und Gesellschaft, eruiert. Zu prüfen ist, ob die Garfinkelschen Leitsätze hilfreiche Implikationen für die Kreierung von SocialTV-Formaten, d.h. von Formaten, die wie der Name impliziert eine Interaktion im Sinne der soziologischen Interaktion, also „die Beziehung zwischen zwei oder mehr Personen, die sich in ihrem Verhalten aneinander orientieren“ ermöglichen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Von realen und virtuellen Interaktionen

2. Interaktion massenmedial realisiert?

3. Die Routinegrundlagen des Alltagshandelns

4. Ein Funkenschlag zwischen Ethnomethodologie und SocialTV

5. Schlusswort: Vom Nutzen einer soziologischen Handlungstheorie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht den heuristischen Wert der Ethnomethodologie nach Harold Garfinkel für die Entwicklung von SocialTV-Konzepten, indem sie analysiert, inwieweit soziologische Interaktionsregeln aus der Realwelt auf technisch vermittelte, virtuelle Kommunikation übertragen werden können.

  • Analyse der Übertragbarkeit soziologischer Interaktionsstrukturen auf virtuelle Räume
  • Kritische Reflexion des Interaktionsbegriffs in Bezug auf massenmediale Formate
  • Untersuchung von Alltagshandeln und Routinegrundlagen bei Garfinkel
  • Identifikation von funktionalen Störfaktoren in der SocialTV-Kommunikation
  • Strategien zur Kompensation fehlender analoger Kommunikationselemente durch digitale Symbole

Auszug aus dem Buch

Die Routinegrundlagen des Alltagshandelns

Um elektronische Konversationsregeln und Strukturen des Alltagshandelns in der technischgestützten Kommunikation zu bestimmen, lohnt es den Blick auf das Werk Harold Garfinkels zu richten. Mit seiner Ethnomethodologie hat der Soziologe eine empirische Methode zur Interaktionsforschung geschaffen, mit der sich jene Strukturen und Regeln in Bezug auf die soziale Umwelt der Realwelt erforschen lassen. Die dokumentarische Methode, bestehend aus den Elementen Krisenexperimente, Dokumentation der Äußerungen sowie die Dokumentation der Wechselbeziehung zwischen Kontext und Äußerung, bildet das empirische Instrument, mittels welchem die vorformulierten Thesen erprobt werden.

Als äußerst relevant für das Erforschen der gewohnheitsmäßigen Herstellung und Aufrechterhaltung der Strukturen des Alltagshandelns gilt für Garfinkel die Indexikalität, welche die Relation von Äußerungen zu dem dahinterliegenden Kontext beschreibt. Um diese zu erörtern, wird dem Originaltext einer Interaktionssequenz jeweils ein erläuternder Kommentartext gegenübergestellt. Dieser Methode verdankt Garfinkel mannigfache grundsätzliche Erkenntnisse über alltägliche Handlungssituationen, wie er in „Studien über die Routinegrundlagen von Alltagshandeln“ ausführt: In einer Kommunikation werden nicht alle Themen, über die kommuniziert wird, explizit ausgesprochen; indessen sind die Kommunizierenden fähig, Andeutungen und Verweise zu verstehen. Zeichen besitzen keine objektive Bedeutung sowie Verständnis auch nicht einfach übertragen werden kann, sondern prozessual erworben wird, indem beispielsweise Äußerungen durch vorhergehende und nachfolgende Äußerungen näher spezifiziert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Von realen und virtuellen Interaktionen: Das Kapitel führt in die ethnomethodologische Perspektive ein und fragt nach deren Nutzen für die Gestaltung virtueller Interaktionsräume im Kontext von SocialTV.

2. Interaktion massenmedial realisiert?: Hier wird die Eignung des soziologischen Interaktionsbegriffs für technisch vermittelte Kommunikation hinterfragt und die Besonderheit der Chat-Kommunikation herausgestellt.

3. Die Routinegrundlagen des Alltagshandelns: Dieses Kapitel erläutert Garfinkels theoretisches Fundament, insbesondere die Indexikalität und Krisenexperimente als Mittel zur Erforschung sozialer Normen.

4. Ein Funkenschlag zwischen Ethnomethodologie und SocialTV: Die Übertragung der Garfinkelschen Erkenntnisse auf SocialTV-Konzepte zeigt Möglichkeiten der Kompensation fehlender Präsenz durch neue Sprachmittel auf.

5. Schlusswort: Vom Nutzen einer soziologischen Handlungstheorie: Das Fazit bestätigt den Wert der Handlungstheorie für Entwickler, da sie das Individuum als aktiv sinnstiftendes Subjekt in den Mittelpunkt stellt.

Schlüsselwörter

Soziologie, Ethnomethodologie, Harold Garfinkel, SocialTV, Interaktion, Alltagshandeln, Wirklichkeitskonstruktion, Chat-Kommunikation, Indexikalität, Krisenexperimente, Medienforschung, Sozialwissenschaften, Kommunikationstheorie, virtuelle Interaktion, soziale Ordnung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, welchen Nutzen handlungstheoretische Ansätze, speziell die Ethnomethodologie von Harold Garfinkel, für die Gestaltung und das Verständnis von SocialTV-Konzepten bieten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen die Soziologie des Alltags, die Theorie der Interaktion sowie die spezifischen Bedingungen technisch vermittelter Kommunikation in SocialTV-Formaten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu ergründen, ob und wie die für die reale Welt entwickelten Interaktionsregeln auf virtuelle, elektronisch vermittelte Umgebungen übertragen oder angepasst werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Die Arbeit stützt sich auf die handlungstheoretische Perspektive Garfinkels und nutzt dessen ethnomethodologische Ansätze, um Kommunikationsstrukturen in Chats theoretisch zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Interaktion, der Analyse der Routinegrundlagen des Handelns nach Garfinkel und der Anwendung dieser Erkenntnisse auf die Interaktionsprobleme in SocialTV-Chats.

Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Ethnomethodologie, SocialTV, Interaktionsforschung, Alltagshandeln und Wirklichkeitskonstruktion beschreiben.

Warum wird die Chat-Kommunikation als spezieller Untersuchungsgegenstand gewählt?

Die Chat-Kommunikation wird gewählt, da sie unter den Features interaktiven Fernsehens die stärksten Parallelen zur realweltlichen Face-to-Face-Interaktion aufweist.

Welche Rolle spielen Emoticons und Akronyme laut dem Autor?

Der Autor sieht diese Elemente als notwendige Reaktion auf die Abwesenheit nonverbaler Signale, um die Interpretation von Aussagen zu erleichtern und soziale Standardisierungen wiederherzustellen.

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Details

Title
Die Garfinkelschen Leitsätze als soziologische Handlungstheorie für die Entwicklung von Social-TV-Konzepten
College
University of Siegen
Course
Sozioogischer Lektürekurs im Projekt "SocialTV - Fernsehen im Wandel"
Grade
1,0
Author
Laura Dorfer (Author)
Publication Year
2009
Pages
10
Catalog Number
V141574
ISBN (eBook)
9783640517992
ISBN (Book)
9783640517725
Language
German
Tags
Garfinkel Harold interaktives Fernsehen Handlungstheorien Ethnomethodologie Studien über die Routinegrundlagen von Alltagshandeln Interaktion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Laura Dorfer (Author), 2009, Die Garfinkelschen Leitsätze als soziologische Handlungstheorie für die Entwicklung von Social-TV-Konzepten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141574
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