Dieses systematische Review analysiert die Effekte des digitalen Lebensmittelmarketings auf die Ernährung und das Adipositasrisiko von Kindern und Jugendlichen. Diesbezüglich werden die Frequenz, Darstellungsweise und Technik des Marketings untersucht sowie die Art und ernährungsphysiologische Qualität der Produkte betrachtet. Ferner werden etwaiges Bewusstsein unter den Rezipienten und schließlich die tatsächlichen Konsequenzen für Lebensmittelauswahl und Verzehrmengen ermittelt. Methodisch konnten durch die zugrundeliegende umfangreiche Literaturrecherche auf Datenbanken und in Fachjournals dazu letztendlich 12 Studien identifiziert werden, die die wissenschaftliche inhaltliche Datenbasis für die vorliegende Übersichtsarbeit bieten.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Kinder und Jugendliche in immensen Umfängen mit digitalem Lebensmittelmarketing konfrontiert sind. Dieses tritt bei den Rezipienten dabei häufig subtil und unbewusst auf. Zudem stellen den Großteil der online vermarkteten Lebensmittel ungesunde und adipogene Produkte dar. Außerdem besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Marketingexposition und entsprechender Lebensmittelauswahl sowie einer gesteigerten verzehrten Gesamtenergiemenge. Digitales Lebensmittelmarketing hat folglich direkte Effekte auf das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen. Somit stellt die Vermarktung gesundheitsnachteiliger Produkte einen höchst relevanten Risikofaktor dar, der potenziell zur weiteren Manifestation von Übergewicht und Adipositas innerhalb der heutigen Gesellschaft beitragen kann.
Inhaltsverzeichnis nach Kapitelstrukturen
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
3 Relevanz
4 Zielsetzung und Fragestellung
5 Methodik
5.1 Fragestellung
5.2 Datenbanken
5.3 Suchsyntax
5.4 Datenauswertung
5.5 Synthese
6 Ergebnisse
6.1 Frequenz des digitalen Lebensmittelmarketings
6.2 Darstellungsweise und Technik
6.3 Art und Qualität der vermarkteten Lebensmittel
6.4 Bewusstsein bei Rezipienten
6.5 Effekte auf den Lebensmittelkonsum
7 Diskussion
8 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen von digitalem Lebensmittelmarketing auf das Ernährungsverhalten und das Adipositasrisiko bei Kindern und Jugendlichen mittels eines systematischen Reviews zu untersuchen und zu bewerten.
- Analyse der Häufigkeit und Techniken digitaler Marketingmaßnahmen für Lebensmittel
- Untersuchung der ernährungsphysiologischen Qualität der beworbenen Produkte
- Evaluierung des Einflusses von digitalem Marketing auf die Lebensmittelwahl und Kalorienaufnahme
- Betrachtung der Wahrnehmung und des Bewusstseins der Zielgruppe bezüglich digitaler Werbeinhalte
- Ableitung präventiver Handlungsempfehlungen für Forschung und Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
6.5 Effekte auf den Lebensmittelkonsum
Letztendlich entscheidend für die Effekte auf die Ernährung und das damit einhergehende potentielle Adipositasrisiko ist, ob und inwiefern sich die Konfrontation mit digitalem Marketing für mehrheitlich gesundheitsnachteilige Lebensmittel tatsächlich auf die Nahrungsaufnahme der Kinder und Jugendlichen auswirkt.
Smith et al. fanden heraus, dass digitales Lebensmittelmarketing innerhalb eines Online-Spiels, das die Testpersonen vier Minuten lang spielten, direkte Auswirkungen auf die Snack-Auswahl unmittelbar nach dem Spielen hatte. Die eindeutige Mehrheit von 42 % der Kinder wählten nach dem Spiel die darin zuvor explizit vermarkteten Snacks. Im Vergleich dazu wählten 23.7 % Weintrauben aus, 20.5 % konsumierten Snacks einer den Kindern unbekannten Kontrollmarke, die nicht beworben wurde, und 12.8 % entschieden sich für eine ihnen geläufige Snackalternative, bekannt aus dem Supermarkt. Dabei wirkten sich Alter und BMI der Kinder nicht auf die Snack-Auswahl aus. Insgesamt verzehrten die Testpersonen nach Marketingexposition durchschnittlich 52 g, welche 137 kcal ausmachten (Smith, Kelly, Yeatman, Moore, Baur, King, Boyland, Chapman, Highes & Bauman, 2019).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen ein und betont die Rolle des digitalen Umfelds sowie des Lebensmittelmarketings.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert aktuelle Prävalenzraten von Adipositas und definiert die medizinischen sowie gesellschaftlichen Grundlagen der Krankheit.
3 Relevanz: Dieses Kapitel verdeutlicht die medizinische und gesundheitssystemische Dringlichkeit, das Adipositasrisiko durch Marketingeinflüsse in der heutigen Gesellschaft zu adressieren.
4 Zielsetzung und Fragestellung: In diesem Kapitel wird das Ziel des Reviews formuliert, die Effekte digitalen Lebensmittelmarketings kritisch zu untersuchen und Handlungsempfehlungen abzuleiten.
5 Methodik: Dieses Kapitel beschreibt den systematischen Forschungs- und Auswahlprozess der für das Review herangezogenen Studien.
6 Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Studienergebnisse zur Frequenz, Technik, Qualität der beworbenen Lebensmittel, dem Bewusstsein der Zielgruppe und dem tatsächlichen Konsumverhalten.
7 Diskussion: Dieses Kapitel interpretiert die Ergebnisse im Kontext des aktuellen Forschungsstandes, reflektiert methodische Stärken und Schwächen und diskutiert Implikationen.
8 Fazit: Dieses Kapitel fasst die zentralen Befunde zusammen und betont die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen und weiterer Forschung.
Schlüsselwörter
Übergewicht, Adipositas, kindliche Adipositas, Lebensmittelmarketing, digitales Lebensmittelmarketing, Ernährungsverhalten, ungesunde Lebensmittel, soziale Medien, Medienneutzung, Prävention, Kinder, Jugendliche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung, welchen Einfluss digitales Lebensmittelmarketing auf die Ernährungsgewohnheiten und das Risiko für Fettleibigkeit (Adipositas) bei Kindern und Jugendlichen hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Häufigkeit und Werbetechniken digitaler Marketingmaßnahmen, die Qualität beworbener Produkte sowie deren nachweisbare Effekte auf das Essverhalten und die Kalorienaufnahme.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist ein systematisches Review, um zu ermitteln, welche Effekte digitales Lebensmittelmarketing auf die Ernährung und das Adipositasrisiko der jungen Zielgruppe ausübt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein systematisches Review erstellt, das in Anlehnung an das PRISMA-Statement eine strukturierte Literaturrecherche auf Datenbanken und in Fachjournalen für den Zeitraum 2017 bis 2022 durchführte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Frequenz, Darstellungsweisen, Produktqualität, das Nutzerbewusstsein bei Kindern und Jugendlichen sowie die direkten Auswirkungen auf den Lebensmittelkonsum nach Marketingkontakt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Adipositas, digitales Lebensmittelmarketing, ungesunde Produkte, Ernährungsverhalten und soziale Medien charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie laut der Arbeit?
Die Pandemie wird als makroökonomischer Faktor identifiziert, der durch verstärkte Bildschirmzeiten und eine Zunahme digitaler Interaktion zum Teil die Exposition gegenüber digitalem Lebensmittelmarketing intensiviert hat.
Wie reagieren Kinder auf digitales Marketing in Online-Spielen?
Die Arbeit zeigt auf, dass Kinder eine höhere Tendenz zu ungesunden Snack-Entscheidungen zeigen, nachdem sie in einem Spiel mit entsprechendem Marketing konfrontiert wurden, unabhängig von ihrem Alter oder BMI.
- Quote paper
- Carla Collée (Author), 2022, Digitales Lebensmittelmarketing und die Ernährung von Kindern und Jugendlichen. Auswirkungen auf Adipositasrisiko und Ernährungsverhalten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1415925