Die Umsetzung und der Bau eines Großprojekts sind oftmals mit Überschreitungen der ursprünglich angenommenen Kosten sowie einer Nichteinhaltung von geplanten Fertigstellungsterminen verbunden. Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung, ob sich die Fehler im Projektmanagement und das Scheitern von Großprojekten durch die Erkenntnisse aus dem Tanaland-Experiment erklären lassen. Dazu wurde im Rahmen dieser Arbeit der Bau des Willy-Brandt-Flughafens in Berlin-Brandenburg als zu untersuchendes Großprojekt gewählt. Außerdem soll die Frage beantwortet werden, inwiefern ein ganzheitlicher und systemorientierter Ansatz für die erfolgreiche Umsetzung eines solchen Projekts genutzt werden kann.
Dazu werden zunächst in Kapitel zwei die systemtheoretischen Grundlagen dargestellt. Es werden die Bergriffe der Komplexität und Dynamik erläutert, welche für den Umgang mit komplexen Systemen notwendig sind. Anschließend werden die Merkmale eines Systems sowie der Umgang mit diesen im Rahmen der Systemtheorie aufgezeigt. Im dritten Kapitel wird das Tanaland-Experiment nach Dörner vorgestellt und die Haupterkenntnisse aus diesem erläutert. Anschließend werden diese Erkenntnisse auf das Projekt Flughafen BER angewandt und dadurch die Hauptgründe für das Scheitern des Projekts erörtert. Im letzten Schritt wird ein Fazit gezogen und Handlungsempfehlungen für die erfolgreiche Umsetzung von zukünftigen Großprojekten ausgesprochen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Relevanz und Problemstellung
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Grundlagen der Systemtheorie
2.1 Komplexität und Dynamik
2.2 Systeme
2.3 Systemtheorie
3. Das Tanaland Experiment
3.1 Vorstellung des Modells
3.2 Erkenntnisse aus dem Tanaland-Experiment
3.3 Anwendung der Erkenntnisse auf den Bau des Berliner Flughafen BER
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob das Scheitern von Großprojekten – exemplarisch dargestellt am Bau des Berliner Flughafens BER – durch die Erkenntnisse aus dem Tanaland-Experiment von Dietrich Dörner erklärt werden kann. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein ganzheitlicher, systemorientierter Ansatz zur Vermeidung von Fehlern im Projektmanagement beitragen kann.
- Systemtheoretische Grundlagen komplexer Systeme und deren Dynamik.
- Analyse der Strategiefehler beim Umgang mit komplexen Systemen (Tanaland-Experiment).
- Kritische Aufarbeitung des Bauprojekts Flughafen Berlin Brandenburg.
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für zukünftige Großprojekte.
Auszug aus dem Buch
3.1 Vorstellung des Modells
Der deutsche Psychologe Dietrich Dörner führte diverse Experimente zum Lösen von Problemen in komplexen Systemen durch. Im Jahr 1978 entstand das sogenannte Tanaland-Experiment. Es handelte sich hierbei um eine Computersimulation der fiktiven afrikanischen Region Tanaland. In dieser Region waren zwei unterschiedliche Stämme ansässig. Die Moros waren Hirtennomaden, die vor allem von der Viehzucht und der Jagd lebten. Die Tupis lebten hingegen vermehrt von der Landwirtschaft. Durch die Abhängigkeit von Wetter und Niederschlag lebten sie am Existenzminimum. Die Simulation nutzte als Grundlage reale Daten aus afrikanischen Regionen. Dazu gehörten beispielsweise Ernährungs- und Jagdgewohnheiten, die Geburts- und Streberaten der Bewohner sowie die vorhandenen Pflanzen- und Tierarten. Durch die Verbindungen und Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Elementen stellt dieses Experiment ein komplexes System dar.
Für das Experiment wurden 12 Versuchspersonen aus verschiedenen Fachrichtungen damit beauftragt, durch Entscheidungen zu einer langfristigen Verbesserung in Tanaland zu sorgen und die Region zu mehr Wohlstand zu führen. Im Experiment wurde die Entwicklung der Tanaland-Region über einen Zeitraum von 100 Jahren simuliert. Die Probanden hatten im Verlauf des Experiments die Möglichkeit insgesamt an sechs verschiedenen Zeitpunkten in die Entwicklung einzugreifen. Dabei konnten sie beispielsweise die Medizin und Hygiene verbessern, die Anbaumethoden und Düngung verändern oder die Industrie sowie Kraftwerke ansiedeln. Die Entscheidungen, die von den Versuchspersonen getroffen wurden, führten zu einer kurzfristigen Verbesserung. Langfristig wurden diese aber durch katastrophale Entwicklungen ersetzt. Die Region Tanaland, die trotz ihrer Armut eine gewisse Stabilität aufwies wurde im Verlauf des Experiments durch Hungersnöte und anderen Katastrophen an den Rand der Existenz gebracht. Lediglich eine Versuchsperson konnte durch seine Eingriffe in der Region langfristige Verbesserungen erzielen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Problematik bei der Umsetzung von Großprojekten, insbesondere deren Kosten- und Terminüberschreitungen, verdeutlicht am Beispiel des Neubaus des Berliner Flughafens Willy Brandt.
2. Theoretische Grundlagen der Systemtheorie: Es werden grundlegende Konzepte wie Komplexität, Dynamik und Eigendynamik erläutert, um die Funktionsweise und das Verhalten komplexer Systeme im Zeitverlauf zu verstehen.
3. Das Tanaland Experiment: Dieses Kapitel stellt Dörners Computersimulation vor, analysiert die dort gemachten Strategiefehler und überträgt die Erkenntnisse auf die spezifischen Versäumnisse und Machtkämpfe beim Bau des BER.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass systemische Ansätze und realistische Planung entscheidend sind, um bei kommenden Großprojekten das Scheitern durch Fehlmanagement zu verhindern.
Schlüsselwörter
Großprojekt, Systemtheorie, Tanaland-Experiment, Komplexität, Dynamik, Flughafen BER, Projektmanagement, Strategiefehler, Fehlkalkulation, Bauprojekt, Systemverhalten, autopoetische Systeme, Prozesssteuerung, öffentliche Hand, Planungssicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen für das Scheitern von Großprojekten, wobei sie theoretische Erkenntnisse der Systemtheorie mit einem konkreten Praxisbeispiel – dem Flughafenbau in Berlin-Brandenburg – verknüpft.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum stehen die Systemtheorie, die Analyse von Fehlentscheidungen in komplexen, dynamischen Systemen sowie die kritische Aufarbeitung öffentlicher Infrastrukturprojekte.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob das Scheitern von Großprojekten durch die aus dem Tanaland-Experiment gewonnenen Erkenntnisse über menschliches Versagen in komplexen Systemen erklärt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und den Transfer theoretischer Erkenntnisse aus der psychologischen Systemforschung auf die empirische Analyse eines konkreten Großprojektes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Systemtheorie, die Vorstellung des Tanaland-Experiments und dessen spezifische Strategiefehler sowie die Anwendung dieser Modelle auf den chronologischen Verlauf des BER-Baus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Komplexität, Dynamik, Großprojektmanagement und das Tanaland-Experiment.
Warum wird gerade das Tanaland-Experiment als Vergleich herangezogen?
Das Experiment illustriert eindrucksvoll, warum Entscheider in komplexen Systemen oft kurzfristige "Reparaturmaßnahmen" statt langfristig stabiler Strategien wählen, was eins zu eins mit dem Vorgehen der Projektleitung beim BER vergleichbar ist.
Inwiefern lassen sich die Strategiefehler auf den Berliner Flughafenbau übertragen?
Die Analyse zeigt auf, dass Fehler wie "mangelhafte Zielerkennung", "Autorenschaft" und "Beschränkung auf Ausschnitte" direkt zu den bekannten Problemen der Projektleitung und den daraus resultierenden Kosten- und Zeitüberschreitungen am Standort Berlin führen.
- Citar trabajo
- Jonas Connor Melvin (Autor), 2023, Ursachen des Scheiterns von Großprojekten. Erkenntnisse aus dem Tanaland-Experiment und ihre Anwendung auf den Bau des Willy-Brandt Flughafen in Berlin-Brandenburg, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1416008