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Visuelle Expertise und der Other-Race Effekt

Titel: Visuelle Expertise und der Other-Race Effekt

Bachelorarbeit , 2023 , 73 Seiten

Autor:in: Anka Triebel (Autor:in)

Psychologie - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die visuelle Wahrnehmung ist eine wichtige Quelle von Informationen, die das soziale Miteinander gestaltet. Täglich begegnen wir einer Vielzahl von Menschen und gucken ihnen dabei oft ins Gesicht. Reid et al. (2017) zeigten, dass sogar Föten im Mutterleib schon Wahrnehmungsinformationen verarbeiten und eine Präferenz für aufrechte im Vergleich zu intervierten gesichtsähnlichen Reizen zeigten.

Bei einem Gesicht sind zwar die Basiskonfiguration/Grundmerkmale jedes Gesichts gleich (Augen, Nase, Mund), die Verarbeitung dieser Gesichtskomponenten erfolgt aber abhängig von der ethnischen Gruppenzugehörigkeit (Ingroup vs. Outgroup) unterschiedlich. Ingroup bezeichnet hierbei die eigene ethische Gruppe bzw. Eigengruppe im Vergleich zur Outgroup (Fremdgruppe), d.h. die andere ethnische Rasse. Dieser als Wahrnehmungsverzerrung bekannte sogenannte Other-race Effekt (ORE) beschreibt die schlechtere Wiedererkennungsleistung der Outgroup im Vergleich zur Ingroup, mit teilweise gravierende Folgen.

Auch wenn die Wieder/Erkennungsleistung von Gesichtern innerhalb einer Population stark schwankt, so ist der ORE ein robustes Phänomen. Die Ursachen des ORE werden kontrovers diskutiert, wobei grundsätzlich zwei theoretische Hauptströmungen zu unterscheiden sind. Hierbei stehen die inkonsistenten empirischen Belege teilweise in Diskrepanz zu den theoretischen Überlegungen. Eine der Hauptströmung bezieht sich auf die Expertise-Theorien, die kurz zusammengefasst besagen, dass der ORE auf einen Mangel an (Kontakt-)Erfahrung mit Outgroup- Gesichtern zurückzuführen ist. Eine Strategie den ORE zu reduzieren stellt demnach cross-race Kontakt dar. In ihren Metaanalysen, die in einem Abstand von 20 Jahren durchgeführt wurden, fanden Meissner und Brigham (2001) sowie Singh et al. (2021) aber nur eine geringe Reduzierung des ORE durch Kontakt. Auch die Kontakt-Vorurteils-Forschung fand nur einen geringen bis moderaten Effekt auf die Reduzierung von Vorurteilen durch Kontakt. Wurde Kontakt hingegen als qualitativer Kontakt implementiert, so stieg die Effektstärke.

Ein anderer Moderator, der den Zusammenhang zwischen dem ORE und Kontakt beeinflussen kann, ist das Alter bei der Kontaktaufnahme. McKone et al. (2019) konnten zeigen, dass sozialer Kontakt vor dem 12 Lebensjahr, aber nicht danach, den ORE eliminieren kann. Aber auch hier sind die empirischen Belege nicht einheitlich und eröffnen eine Diskussion über die neuronale Plastizität der Gesichtserkennung.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Begriffsdefinition

2.2 Folgen des ORE

2.3 Ursachen des ORE

2.3.1 Sozial-kognitive Theorien

2.3.2 Expertise-Theorien

2.3.3 Hybride Theorien

2.3.4 ORE und Kontakt

2.3.5 Zusammenfassung

2.4 Kontakttheorien

2.4.1 Kontakthypothese nach Allport

2.4.2 Intergroup-Contact Theory nach Pettigrew

2.4.3 Indirekter Kontakt

2.4.4 Zusammenfassung

2.5 Alter bei der Kontaktaufnahme

2.6 Fragestellung

2.7 Hypothesen

3 Methoden

3.1 Interne Präregistrierung

3.2 Ein-und Ausschlußkriterien

3.3 Vorgehen

3.4 Verwendete Primärstudien

4 Ergebnisse

4.1 Studien zu H1 und H2

4.2 Studien zu H3

4.3 Zusammenfassung der Ergebnisse zu den Hypothesen

4.3.1 Zusammenfassung der Ergebnisse zu H1 und H2

4.3.2 Zusammenfassung der Ergebnisse zu H3

5 Diskussion der Ergebnisse

5.1 Diskussion der Ergebnisse zu H1 und H2

5.2 Diskussion der Ergebnisse zu H3

5.3 Limitationen

5.3.1 Limitationen bezogen auf die Primärstudien

5.3.2 Limitationen bezogen auf das Literaturreview

5.4 Fazit und Implikationen für die Zukunft

Zielsetzung & Themen

Die Bachelorarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen visueller Expertise und dem sogenannten other-race effect (ORE), bei dem Gesichter der eigenen ethnischen Gruppe besser wiedererkannt werden als Gesichter fremder Gruppen. Im Fokus steht die Frage, inwieweit Kontaktqualität, Kontaktquantität und das Alter bei der Kontaktaufnahme dazu beitragen können, den ORE zu reduzieren.

  • Mechanismen des other-race effects (ORE)
  • Einfluss von sozialem Kontakt auf die Gesichterwahrnehmung
  • Die Rolle der Expertise-Theorien und sozial-kognitiven Konzepte
  • Das Alter bei der Kontaktaufnahme als kritisches Zeitfenster
  • Systematische Auswertung von Primärstudien ab dem Jahr 2007

Auszug aus dem Buch

2.1 Begriffsdefinition

Das menschliche Gesicht ist ein komplexes visuelles Objekt und bietet dem Betrachter eine Vielzahl von Informationen. Durch einen kurzen Blick auf ein Gesicht kann u.a. auf das Geschlecht, die emotionale Befindlichkeit, das Alter, die Identität oder die Ethnie/Rasse geschlossen werden Diese komplexen Informationen werden zeitgleich und in Bruchteilen von Sekunden verarbeitet (Schneider & Fink, 2013; Kawakami et al., 2022). Ethnie/Rasse wird hier als perzeptuell-kognitiver/physiognomischer Begriff verstanden und nicht als biologische Kategorie.

Die Wahrnehmung von Gesichtern kann unterschiedlichen Verzerrungseffekten (Bias) unterliegen, wobei der ORE das bekannteste psychologische Phänomen darstellt (z.B. Young et al., 2011; Stelter et al., 2022 a).

Der ORE beschreibt die bessere und genauere Wiedererkennungsleistung für Gesichter der eigenen Rasse im Vergleich zu Gesichtern einer anderen Rasse (u.a. Meissner & Brigham, 2001; Turk et al., 2005). Der Begriff ORE wird in der Fachliteratur synonym verwendet unter den Begriffen: Ausländereffekt, own-race advantage, own-race bias, own-race effect, own-ethnicity effect, cross-race bias, cross-race deficit, cross-race effect, cross-race recognition deficit, other-race bias (u.a. Levin, 2000; Tanaka et al., 2004; Turk et al., 2005; Thorup et al., 2018; Sporer, 2021, Singh et al., 2021). Anzumerken ist hierbei, dass der ORE sich auf Personen aus unterschiedlichen Kontinenten bezieht (z.B. Kaukasier vs. Asiaten), der Other-ethnicity effect hingegen bezieht sich auf Personen des gleichen Kontinents (z.B. Nord-Europäer vs. Süd-Europäer), wobei es aber immer um die bessere Wiedererkennungsleistung der eigenen gegenüber der anderen Gruppe geht (z.B. McKone et al., 2019).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen des other-race effects (ORE) als robuste Wahrnehmungsverzerrung ein und skizziert die wissenschaftliche Debatte um dessen Ursachen, insbesondere den Einfluss von Kontakt und Expertise.

2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die relevanten Fachbegriffe, verschiedene Erklärungsmodelle (Expertise-, sozial-kognitive und hybride Theorien) sowie die aktuelle Forschungslage zum Einfluss von Kontakt auf den ORE.

3 Methoden: Hier werden das systematische Vorgehen bei der Literaturrecherche, die spezifischen Ein- und Ausschlusskriterien und der Prozess der Auswahl der 19 einbezogenen Primärstudien beschrieben.

4 Ergebnisse: Das Kapitel präsentiert die Analyse der ausgewählten Primärstudien und liefert die empirischen Befunde zu den aufgestellten Hypothesen über den Zusammenhang von Kontaktqualität, -quantität und -alter mit dem ORE.

5 Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse werden kritisch bewertet, in den theoretischen Kontext eingeordnet, Limitationen der Arbeit benannt und Implikationen für die zukünftige Forschung sowie praktische Anwendungsbereiche diskutiert.

Schlüsselwörter

other-race effect, Gesichterwahrnehmung, interkultureller Kontakt, Kontaktqualität, Kontaktquantität, Expertise, soziale Kategorisierung, Wiedererkennungsleistung, Ingroup, Outgroup, kognitive Verzerrung, Plastizität, Entwicklungspsychologie, Stereotype, Individuierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den systematischen Forschungsstand zum Zusammenhang zwischen visueller Wahrnehmungsexpertise und dem sogenannten other-race effect (ORE), also der Schwierigkeit, Gesichter fremder ethnischer Gruppen ebenso gut zu unterscheiden wie Gesichter der eigenen Gruppe.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen die Definition des ORE, theoretische Ansätze zur Erklärung dieses Effekts (insbesondere Expertise und sozial-kognitive Modellierungen), die Wirksamkeit von Kontakt zur Reduktion von Vorurteilen sowie die Bedeutung des Alters bei der Kontaktaufnahme.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu prüfen, inwieweit unterschiedliche Formen des Kontakts (Qualität, Quantität) und das Alter bei der Kontaktaufnahme dazu beigetragen haben, den ORE in der Forschungsliteratur zu reduzieren, und ob ein kritisches Zeitfenster hierfür existiert.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Es handelt sich um ein systematisches Literaturreview, das vorliegende Primärstudien (ab 2007) nach strengen Ein- und Ausschlusskriterien analysiert und bewertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die detaillierte Methodenbeschreibung der Literatursuche sowie die differenzierte Darstellung und Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die drei aufgestellten Hypothesen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem other-race effect (ORE), Kontaktqualität, Kontaktquantität, Expertise, Gesichterwahrnehmung und soziale Kategorisierung.

Was versteht man unter einem "kritischen Zeitfenster" bei der Kontaktaufnahme?

Die Arbeit untersucht die Hypothese, ob sozialer Kontakt, der vor dem 12. Lebensjahr stattfindet, effektiver dazu beiträgt, den ORE zu eliminieren, als Kontakt, der erst im Jugend- oder Erwachsenenalter erfolgt.

Warum sind die Ergebnisse der untersuchten Primärstudien teilweise inkonsequent?

Die Autorin weist darauf hin, dass die Inkonsequenz unter anderem durch unterschiedliche methodische Ansätze (z.B. verschiedene Messungen der Kontaktqualität), divergierende Stimuli (Farbfotos, Ausrichtung der Gesichter) und die Schwierigkeit der Operationalisierung von "Kontakt" in den verschiedenen Teilstudien entsteht.

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Details

Titel
Visuelle Expertise und der Other-Race Effekt
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Psychologie)
Veranstaltung
Psychologische Methodenlehre und Evaluation
Autor
Anka Triebel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
73
Katalognummer
V1416198
ISBN (PDF)
9783346964809
ISBN (Buch)
9783346964816
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Visuelle Expertise other-race Effekt Kontakt Wahrnehmung Bias Ausländereffekt Outgroup
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anka Triebel (Autor:in), 2023, Visuelle Expertise und der Other-Race Effekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1416198
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  73  Seiten
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