Vergleich zweier Gesellschaftstheorien

Bildungsgesellschaft und Erlebnisgesellschaft


Hausarbeit, 2009
13 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Theorievergleich
1. Die Bildungsgesellschaft (Karl Ulrich Mayer)
2. Die Erlebnisgesellschaft (Gerhard Schulze),
3. Vergleich

III. Auswirkungen Auf Soziale Arbeit und Sozialpolitik
1. Definition Sozialer Arbeit
2. Folgen für die Soziale Arbeit
2.1 Folgen der Bildungsgesellschaft
2.2 Folgen der Erlebnisgesellschaft
3. Definition Sozialpolitik
4. Folgen für die Sozialpolitik
4.1 Folgen der Bildungsgesellschaft
4.2 Folgen der Erlebnisgesellschaft

IV. Persönliches Fazit

V. Quellenverzeichnis
1. Literatur
2. Internet
3. Sonstige

I. Einleitung

„Was mache ich nur nach dem Studium?“ Da sich mein Studium dem Ende neigt, stelle ich mir diese Frage fast täglich. Zur Auswahl habe ich viele Möglichkeiten. Wie bei fast allen Dingen im Leben, wird man in der heutigen Gesellschaft fortwährend vor eine Wahl gestellt. Dass ich bei dieser Zukunftsentscheidung so lange zögere, können einige Kommilitonen von mir nicht verstehen. Immer mehr Weiterbildungen und höhere Ausbildungsziele werden hier angestrebt. Auch meine Eltern raten mir zu einem Masterstudiengang, dabei werden sie von verschiedenen Motivationen geleitet:

- „Arbeiten kannst du noch lange genug.“
- „Nutz doch die vielen Möglichkeiten von heute, früher wären wir froh gewesen wir hätten so viele Chancen gehabt.“
- „Hr. B’s Tochter macht auch den Master, die kann doch nicht besser sein als du.“

Genau der letzte Punkt brachte mich zum nachdenken und daher finde ich die Gesellschaftstheorie von Karl Ulrich Mayer sehr spannend. Warum leben wir in einer Bildungsgesellschaft? Von was werden wir angetrieben uns immer und immer wieder weiter zu bilden? Will man sich messen mit seinen Mitmenschen? Will man einfach immer nur besser sein oder ist es wirklich der eigene freie Wille?

Als zweite Theorie werde ich weiter auf die Erlebnisgesellschaft von Gerhard Schulze eingehen. Denn auch hier stehen die Gesellschaftsmitglieder durchgehend vor der „Qual der Wahl“. Aber was ist mit den Menschen, welche keine oder nur eine beschränkte Wahlmöglichkeit haben? Auf diese Art entstehen in der Gesellschaft Ungleichheiten, teilweise bestimmt auch Ungerechtigkeiten. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll daher geklärt werden, wie es zu diesen Unterschieden kommt und wie sowohl die Soziale Arbeit als auch die Sozialpolitik hierauf reagieren bzw. mit was für Folgen sie zu rechnen haben.

Den Mittelpunkt der Arbeit bilden im Wesentlichen die Werke „Die Bildungsgesellschaft“ von Karl Ulrich Mayer und „Die Erlebnisgesellschaft“ von Gerhard Schulze. Das Hauptanliegen ist es, diese beiden Theorien kurz darzustellen und anschließend miteinander zu vergleichen. Später sollen sowohl die Folgen für die Soziale Arbeit als auch für die Sozialpolitik dargelegt werden. Hierbei müssen jene natürlich genau definiert werden. Aus diesen Gesichtpunkten wird abschließend ein Fazit gezogen.

Ich möchte noch anmerken, dass der Umfang von Schulzes „Erlebnisgesellschaft“ die geforderte Kürze der Hausarbeit sprengen würde. So werde ich nur auf einige zentrale Aussagen des Werkes eingehen.

II. Theorievergleich

1. Die Bildungsgesellschaft (Karl Ulrich Mayer)

Hauptthese: Bildung wird das bestimmende Thema des 21. Jahrhunderts sein. Denn die Bildung und die Bildungsunterschiede werden in unserer heutigen Gesellschaft allgemein immer wichtiger. Der Bildungsfaktor bestimmt alle Lebensweisen und so ist auch überall Bildung vorhanden. Hierbei gibt es jedoch eine große Abhängigkeit zwischen Milieu und Bildung, frei nach dem Motto „Sag mir wie du gebildet bist und ich sag dir zu welchem Milieu du tendierst.“[1]

1. These: Ein großer Bevölkerungsanteil, welcher stetig ansteigt, verbringt immer mehr seiner Lebenszeit in Bildungseinrichtungen. Weiterhin findet eine zweite Ausbildung im Lebensverlauf eine starke Verbreitung und gehört somit also in der heutigen Zeit zum Grundgerüst des Lebenslaufs.
2. These: Durch die Angleichung der Bildungschancen ist die relative Ungleichheit von Bildungsergebnissen größer geworden. Dies wiederum bedeutet, dass sich der Prozess der Selektion durch Bildung verschärft hat. Zwar wurde versucht durch die Öffnung der Bildung eine Chancengleichheit zu ermöglichen, jedoch ist Bildung immer noch mit einem Selektionsprozess in Verbindung zu bringen. Trotz des breiten Bildungsangebotes gibt es deutliche soziale Unterscheidungen.
3. These: Auch heute noch gibt es ein enges Verhältnis von Erstausbildung und lebenslangem Lernen, von Bildung und Lebenschancen. Die Lebenschancen und der Lebensverlauf werden in einem noch höheren Maße als in der Vergangenheit von formalen Bildungsabschlüssen und Qualifikationsnachweisen bestimmt. Auf diese Weise werden die Menschen regelrecht Bildungshungrig, denn wer was hat dem wird auch viel gegeben. Hat man jedoch nur eine Ausbildung gelangt man schnell an den Rand der Bildungsgesellschaft. So zeigt sich, dass diejenigen, die gut ausgebildet sind immer mehr hinzu lernen, die anderen dagegen stagnieren frühzeitig.
4. These: In den meisten Fällen dienen 2 Ausbildungen im Lebensverlauf eher einer Höherqualifizierung und nicht einer beruflichen Neuorientierung. Weiterhin zeigt sich, dass die Bereitschaft, eine unterwertige Beschäftigung aufzunehmen um so eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden, häufig eine spätere Rückkehr in eine adäquate Tätigkeit erschwert. Unterwertige Tätigkeiten haben also in der Regel keine Brückenfunktion und werden somit immer mehr abgewertet.
5. These: Heut zu Tage sind auch die Organisationen „intelligenter“[2] geworden. Dass heißt, es sind keine einfachen Hierarchien mehr zu finden, sondern hoch differenzierte Personalführungsinstrumente. Die Bildung wird als Ressource angesehen, welche nicht unberührt bleiben darf. Wichtig hierbei sind das hohe Maß der Kommunikationsfähigkeit und die Evolution der Mitarbeiter, auf welche eingegangen wird. Die neuen betrieblichen Organisationsformen, die stärkere Dienstleistungsorientierung und Kundenorientierung erfordern allerdings soziale und kommunikative Kompetenzen von den Mitarbeitern.

2. Die Erlebnisgesellschaft (Gerhard Schulze)

Hauptthese: Die Gesellschaft ist geprägt von der so genannten Erlebnisorientierung. Denn der Großteil aller Menschen verfügt über mehr Mittel als eigentlich zur Existenzsicherung nötig sind. Das Motto der modernen Gesellschaft hat sich „Vom Überleben zum Erleben“ hin gewandelt. Gerhard Schulze nennt es auch: „Erlebe dein Leben, das ist der Imperativ unserer Zeit“. Auf die Frage „wofür man lebt und was der Sinn des Lebens ist“ erhält man oft die Antwort: „Das Leben ist da, um es zu genießen“. Der Lebensgenuss wird also zum Lebenszweck.[3],[4]

1. These: Die Erlebnisorientierung wächst stetig. Dies ist eine Folge der Tatsache, dass in Europa und in anderen Ländern immer weniger Menschen unter Knappheitsbedingungen leben. So konnte die Erlebnisorientierung bis in die letzten Winkel dieser Welt durchdringen. Auch die aktuelle Wirtschaftskrise ändert die Situation nicht beträchtlich. Die Menschen sparen zwar, aber die Unterhaltung und das Erlebnis stehen weiterhin im Mittelpunkt.
2. These: Heutzutage tritt bei einer Entscheidung an Stelle des Gebrauchswerts der Erlebniswert. Dies bezieht sich vor allem auf Kaufentscheidungen wie zum Bsp. bei einem Auto. Dieser Faktor ist aber ebenso wichtig bei der Arbeitswahl, dem Arbeitsverzicht oder auch der Politik. Der Erlebniswert kann sowohl außenorientiert als auch innenorientiert sein. Alltägliche Gegenstände und Handlungen erhalten immer mehr symbolische Bedeutung, woran sich die Menschen orientieren und auch unterscheiden.
3. These: Die Erlebnisrationalität hat sich radikalisiert: Mit Erlebnisrationalität ist eine Akzentverschiebung hin zu subjektiven innenorientierten Zieldefinitionen gemeint. Objektive Ziele (z.B.: Erträge von Anbauflächen, Leistung von Maschinen) treten für innere Wirkungen (z.B.: Entspannung, Lust, Genuss, Faszination usw.) in den Hintergrund. Dies macht den Unterschied von Erleben zur Überlebenssicherung aus.
4. These: Auf Grund dessen ist eine Ästhetisierung des Alltagslebens zu beobachten. Zur fraglosen Basisorientierung gehört die Unterscheidung von schön und hässlich, über welche aber keiner mehr nachdenkt, sondern nach welcher jeder unbewusst handelt. Die ästhetischen Werte überlagern die Gebrauchswerte. Beispiele hierfür wären der Umgang mit dem eigenen Körper, der rapide Umsatzanstieg im Gesundheits- und Wellnessbereich, der aufstrebende Markt der Schönheitschirurgie und die ästhetische Orientierung bei der Wahl von sozialen Kontakten.

[...]


[1] Skript Soziologie, Vorlesungen vom 11.Mai 2009

[2] Skript Soziologie, Vorlesungen vom 11.Mai 2009

[3] Skript Soziologie, Vorlesungen vom 6. April 2009

[4] Schulze, Gerhard: Die Erlebnisgesellschaft- Kultursoziologie der Gegenwart, Campus Verlag GmbH, Frankfurt (Main), 2005

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Vergleich zweier Gesellschaftstheorien
Untertitel
Bildungsgesellschaft und Erlebnisgesellschaft
Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V141652
ISBN (eBook)
9783640513802
ISBN (Buch)
9783640512348
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Gesellschaftstheorien, Bildungsgesellschaft, Erlebnisgesellschaft
Arbeit zitieren
Susanne Meidel (Autor), 2009, Vergleich zweier Gesellschaftstheorien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141652

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