Afghanistan und die Taliban


Seminararbeit, 2002

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Afghanistan
1.1 Afghanistan in Zahlen
1.2 Geschichtlicher Abriss Afghanistans

2 Die Taliban
2.1 Wer sind die Taliban?
2.2 Der Aufstieg der Taliban
2.3 Die Gesellschaftlichen Veränderungen unter der Herrschaft der Taliban
2.3.1 Die Dekrete der Taliban
2.3.2 Die Frauen unter den Taliban

3 Zur Rolle Pakistans

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Seit 1994 wurde auch in den deutschen Medien immer wieder über die für uns Mitteleuropäer so unfassbaren Veränderungen im entfernten Afghanistan berichtet. Als Angehörige der sogenannten "westlichen Welt" erscheint es uns völlig barbarisch, Gesetze zu verkünden, die uns in vielen Zügen an das Mittelalter erinnnern. Genau dieses ist in Afghanistan passiert, seit die Taliban die Macht errangen. Sie verboten quasi den Fortschritt mit der Zeit, Frauen hatten plötzlich keine Rechte mehr, nur noch Pflichten, und auch die gemäßigteren Moslems hatten unter den extremen, und in vielen Bereichen auch falschen Auslegungen des Koran durch die Taliban zu leiden.

Doch wer sind eigentlich die Taliban? Sind sie ein Stamm, mit großer Vergangenheit und vielen Traditionen? Eine Partei? Eine Vereinigung von hohen Moslemführern? Und wie konnten sie an die Macht kommen? Auf legalem Weg durch Wahlen? Oder durch einen Krieg oder Putsch? Viele Fragen, die ich mir schon vor einigen Jahren gestellt habe, und mit dieser Hausarbeit nun zu beantworten versuche.

Bei meinen Recherchen bin ich auf lediglich zwei Bücher gestoßen, die sich eingehend mit den Taliban beschäftigen. Bei der Aktualität des Themas wäre es fatal gewesen, sich nur auf diese zu stützen. Also beschloss ich, das neueste und aktuellste aller Medien mit einzubeziehen: das Internet. Besonders hilfreich war hier das Online-Archiv von "Der Spiegel". Dort fand ich sogar mehrere umfangreiche Artikel von Ahmed Rashid, der eines der von mir gefundenen Bücher geschrieben hat. Aufgrund der Fülle seiner Artikel, hielt ich es nicht für nötig, sein Buch "Taliban - Gotteskrieger und der Dschihad" durchzuarbeiten.

Doch um den Aufstieg und das Denken der Taliban verstehen zu können, ist es wichtig, auch einen Blick auf die Ereignisse in Afghanistan im letzten Jahrhundert zu werfen. Damit beginnt diese Hausarbeit. Im zweiten Kapitel gehe ich detailliert auf die Entstehung der Talibanbewegung, ihren Aufstieg und letztendlich auf das gesellschaftliche Leben unter der Herrschaft der Taliban ein. Der Schwerpunkt liegt im letztgenannten Abschnitt auf den vielen Regeln, an die sich die afghanische Bevölkerung halten musste. Besonders zu leiden hatten die Frauen, so dass ich die Dekrete, die das Verhalten der Frauen betrafen, in einem eigenen Unterabschnitt erläutere.

Als ich mir dieses Thema für die Hausarbeit wählte, hieß es ursprünglich "Afghanistan und Pakistan". Da es den Umfang einer Hausarbeit sprengen würde, auch noch auf Pakistan näher einzugehen, habe ich mich entschlossen, den Bezug zu Afghanistans östlichen Nachbarn dahingehend zu erhalten, indem ich die Beziehung Pakistans zur Talibanregierung beleuchte. Dieses geschieht im dritten Kapitel.

Da Pakistan in dieser Hausarbeit aus den genannten Gründen im Vergleich zu Afghanistan keine gleichberechtigte Rolle spielt, habe ich mich entschlossen, es auch nicht im Titel zu nennen. Diesen habe ich geändert in "Afghanistan und die Taliban". Obwohl sich der größte Teil dieser Hausarbeit mit den Taliban beschäftigt, steht "Taliban" nicht an erster Stelle im Titel. Dazu hat mich die Tatasche bewegt, das die Talibanbewegung wohl ohne Afghanistan nie entstanden wäre, Afghanistan aber sehr wohl ohne die Taliban ein existierender Staat war und ist. Die Taliban waren also von Afghanistan abhängig, und nicht umgekehrt.

Rostock, August 2002

1. Afghanistan

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.1 Afghanistan in Zahlen

Der Staat Afghanistan umfasst eine Fläche von 652.225 km², die in 31 Provinzen verwaltet werden. Ein Großteil des afghanischen Staatsgebietes sind Bergland, und wegen der Höhenlage unfruchtbar. Über die Größe der Nutzfläche gibt es keine aktuellen Daten, sie hat aber in den vergangen Jahren kriegsbedingt abgenommen. Hauptexportgüter sind Früchte und Nüsse sowie Teppiche, Wolle, Felle und Edelsteine. In den vergangenen Jahren gewann besonders der lukrative Opiumanbau an Bedeutung.

Seit Beginn des Bürgerkrieges liegen keine verlässlichen Bevölkerungszahlen mehr vor. Man schätzt, dass in Afghanistan etwa 22,5 Mio Menschen leben, die sich auf viele ethnische Gruppen verteilen. Mit 38% der Bevölkerung sind die Paschtunen am stärksten vertreten, gefolgt von den Tadschiken mit 25%, den Hazara (19%), Usbeken (6%) und Aimak, Nurestani, Belutschen, Turkmenen und Kirgisen. Die Sunniten sind mit 84% am stärksten vertreten, während die Schiiten auf etwa 15% geschätzt werden. 43% der Bevölkerung sind unter 15 Jahren. Das Bevölkerungswachstum liegt bei 3,7%. Auf eine Frau kommen im Durchschnitt 6,8 Geburten, jedoch überleben nur 84% der geborenen Kinder das Säuglingsalter. Die Lebenserwartung der Männer liegt bei 43 Jahren, während sie bei den Frauen mit 44 Jahren nur unwesentlich höher ist.

1.2 Geschichtlicher Abriss Afghanistans

Im Gegensatz zu Südostasien wird das Gebiet des heutigen Afghanistans relativ früh während des Kalifats der Omaijaden (661-750) islamisiert. Seinen kulturellen Höhepunkt erlebt das Land unter der Dynastie der Ghaznawiden im 11. und 12. Jahrhundert, als sie zeitweilig ein Reich vom Indus bis zum Iran beherrschen.

Mitte des 18. Jahrhunderts entsteht der Staat Afghanistan, als der Paschtune Ahmad Schah Durrani die Gebiete des heutigen Afghanistans erobert. Weder die Russen noch die Briten können das Land dauerhaft unterwerfen. Nach einigen schmerzlichen Niederlagen erkennt Großbritannien 1919 die Unabhängigkeit Afghanistans an.

In den folgenden 10 Jahren regiert Amanullah Khan das Land. Er unternimmt den Versuch, sein im Islam verwurzeltes Land nach dem Vorbild Kemal Atatürks zu modernisieren und dem Westen gegenüber zu öffnen. Er verbietet den Frauenschleier in Kabul, ordnet das Tragen europäischer Kleidung an und holt deutsche Firmen und Ingenieure ins Land. Ebenfalls in dieser Zeit wird von deutschen Lehrern die Amani-Oberrealschule in Kabul gegründet, an deren Oberstufe die naturwissenschaftlichen Fächer auf Deutsch unterrichtet werden. Viele spätere afghanische Intellektuelle gingen durch diese Schule.

1929 übernimmt Nadir Khan, ein Verwandter Amanullahs, die Regierung. Dieser wird jedoch 1933 ermordet, und daraufhin besteigt sein Sohn Zahir Schah den Thron. Rückblickend sind viele Afghanen heute der Meinung, dass es dem Land unter Zahir Schah am besten ging. Der Hauptgrund für diese Sichtweise ist der glückliche Umstand, dass dieser König als einziger ein gutes Verhältnis zu sämtlichen Stämmen hatte.

1964 werden Frauen gleichgestellt, indem sie das Wahlrecht erhalten und von nun an selbst entscheiden dürfen, ob sie den Schleier tragen oder nicht. Darüber hinaus erhalten sie freien Zugang zur Universität und dürfen in die Belegschaft der Regierung einsteigen. 1973 wird die Regentschaft Zahir Schahs durch einen von Daoud Khan und der afghanischen kommunistischen Partei (PDPA) geführten Militärputsch beendet. Daoud Khan schafft daraufhin die Monarchie ab und ernennt sich zum Präsidenten.

Nach einem weiteren Putsch 1978 und großen Unruhen in den folgenden Monaten marschiert 1979 die Sowjetunion, die kurz zuvor einen Freundschaftsvertrag mit Afghanistan unterzeichnet hat, in das Land ein, um die kommunistische Regierung zu unterstützen. Babrak Kamal wird von den Sowjets eingesetzt, um das Land zu regieren. Im Gegenzug wird die afghanische Guerillabewegung der Mudschahidin gegründet. Es folgt ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg.

Nadschibullah löst 1986 Kamal als Präsident ab, und schlägt ein Jahr später eine Waffenruhe vor. Die Mudschahidin weigern sich jedoch mit der Begründung, nicht mit einer Marionettenregierung verhandeln zu wollen. Erfolglos zieht sich die Sowjetarmee 1989 zurück, nachdem in den vergangen Jahren schätzungsweise 40000 - 50000 sowjetische Soldaten ihr Leben verloren haben. In den folgenden Jahren setzen die Mudschahidin ihren Kampf gegen Nadschibullahs Regime fort, und nehmen 1992 schließlich die Hauptstadt Kabul ein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Afghanistan und die Taliban
Hochschule
Universität Rostock  (Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Veranstaltung
PS Islam und Staat
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V14169
ISBN (eBook)
9783638196390
ISBN (Buch)
9783638896368
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Afghanistan, Taliban, Islam, Staat
Arbeit zitieren
Stefan Erl (Autor), 2002, Afghanistan und die Taliban, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14169

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