Die vorliegende Arbeit wird untersuchen, wie sich die Soziale Arbeit im Laufe der Geschichte zu einer Menschenrechtsprofession entwickelt hat und welche Auswirkungen politische und gesellschaftliche Veränderungen auf ihre Rolle und Praxis hatten und aktuell haben. Zu Anfang werden die Kernbegriffe der vorliegenden Thematik definiert und im Anschluss daran wird die Entwicklung der Menschenrechte als Grundlage für die Soziale Arbeit dargestellt. Anschließend werden historische Etappen der Institutionalisierung der Menschenrechtsorientierung in der Sozialen Arbeit thematisiert und menschenrechtsbezogene Ansätze in der Sozialen Arbeit vorgestellt. Abschließend werden einige grundlegende Herausforderungen der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession vorgestellt.
Laut Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sind alle Menschen „frei und gleich an Würde und Rechten“ (Generalversammlung der Vereinten Nationen 1948). Menschenrechte sind auch aktuell ein essenzieller Bestandteil in moralischen, politischen und internationalen Diskussionen und Argumentationen, obwohl ihre verbindliche Umsetzung in vielen Bereichen noch aussteht. Die Soziale Arbeit orientiert sich ebenfalls an den Menschenrechten und wird von führenden Experten im Bereich der Sozialen Arbeit als Profession verstanden, die sich die Wahrung der Menschenrechte zur Aufgabe macht.
Auch aktuell durch politische Bewegungen wie beispielweise die Unterdrückung und Kriminalisierung der LGBTQ-Community in Uganda oder der Kriminalisierung der Seenotrettung im Mittelmeerraum wird deutlich, dass der Kampf um die Menschenrechte allgegenwärtig ist. Da die Soziale Arbeit eng mit den Prinzipien der Menschenrechte verwoben ist und das Thema eine starke Relevanz besitzt, wird sich diese Arbeit diesem Thema widmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Definitionen
1.1 Menschenrechte
1.2 Soziale Arbeit
1.3 Menschenrechtsprofession
2 Entwicklung der Menschenrechte als Grundlage für die Soziale Arbeit
3 Historische Etappen der Institutionalisierung der Menschenrechtsorientierung in der Sozialen Arbeit
4 Menschenrechtsbezogene Ansätze der Sozialen Arbeit
5 Herausforderungen für die Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Sozialen Arbeit zu einer Menschenrechtsprofession und analysiert, wie politische und gesellschaftliche Veränderungen deren Rolle und Praxis beeinflussen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie die Profession die Prinzipien der Menschenrechte in ihr Handeln integriert und welchen Herausforderungen sie sich dabei gegenübersieht.
- Historische Herleitung des Menschenrechtsverständnisses als Basis der Profession.
- Institutionalisierung der Menschenrechtsorientierung im Laufe des 20. Jahrhunderts.
- Analyse des Fähigkeitenansatzes nach Nussbaum und Sen im Kontext Sozialer Arbeit.
- Untersuchung des Empowerment-Ansatzes als menschenrechtsbezogene Strategie.
- Herausforderungen bei der Durchsetzung von Rechten im professionellen Alltag.
Auszug aus dem Buch
Die dritte Entwicklungsphase und die Soziale Arbeit
Im Wesentlichen zeichnet sich diese dritte Entwicklungsphase durch eine Progression und Ausdifferenzierung der grundlegenden Menschenrechte aus (vgl. Mührel & Röh 2013: S. 92). Hierbei wurden und werden die Rechte bestimmter Gruppierungen von Menschen in spezialisierten Übereinkünften näher konkretisiert (vgl. ebd.). Beispiele hierfür sind die Rechte von Minderjährigen, Menschen mit Beeinträchtigungen und Frauen (vgl. ebd.).
Es wird deutlich, dass die Entwicklung der Menschenrechte unter keinen Umständen abgeschlossen ist, welches sich unter anderem dadurch zeigt, dass die beschriebenen universellen Menschenrechte für viele Menschen nicht einklagbar sind und sie dem Ermessen ihrer Gesellschaften und Staaten überlassen werden (vgl. ebd.).
Für die Soziale Arbeit bildet die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, seit etwa 1945, aber vor allem die Helsinki-Konferenz von 1968 mit dem Thema „Social Welfare and Human Rights“ einen zentralen Bezugspunkt für die Ausrichtung der Profession und ihr Mandat auf die Menschenrechte dar (vgl. Staub-Bernasconi 2019: S. 9). Dieser Bezugspunkt umfasst drei Dimensionen: zunächst eine juristische Komponente, in welcher Menschenrechte als ein integraler Bestandteil des Völkerrechts betrachtet werden und eine ethische Dimension, die sich unter anderem auf das Konzept der Menschenwürde bezieht und die Fähigkeit besitzt, zwischen der Legalität und Legitimität von Gesetzen und Verfassungen zu differenzieren (vgl. ebd.). Schließlich ist die professionell-politische Dimension zu nennen, welche zugleich handlungstheoretisch ausgerichtet ist (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Definitionen: In diesem Kapitel werden grundlegende Termini wie Menschenrechte, Soziale Arbeit und der Begriff der Menschenrechtsprofession wissenschaftlich definiert und in den Diskurs eingeordnet.
2 Entwicklung der Menschenrechte als Grundlage für die Soziale Arbeit: Dieses Kapitel zeichnet die drei wesentlichen Entwicklungsphasen der Menschenrechte von der Antike bis zur Etablierung des universellen Status nach dem Zweiten Weltkrieg nach.
3 Historische Etappen der Institutionalisierung der Menschenrechtsorientierung in der Sozialen Arbeit: Hier werden zentrale Meilensteine, von der Gründung internationaler Organisationen bis hin zu ethischen Kodizes seit den 1970er Jahren, aufgearbeitet.
4 Menschenrechtsbezogene Ansätze der Sozialen Arbeit: Das Kapitel beleuchtet den Fähigkeitenansatz von Nussbaum und Sen sowie den Empowerment-Ansatz als theoretische und praktische Fundamente der Menschenrechtsorientierung.
5 Herausforderungen für die Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession: Dieses Kapitel thematisiert die Diskrepanz zwischen formellem Recht und der praktischen Durchsetzung sowie die strukturellen Hürden, die Adressat:innen und Sozialarbeiter:innen im Alltag erleben.
6 Fazit und Ausblick: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt und die Notwendigkeit einer kontinuierlichen kritischen Reflexion der Profession im Dienste der Menschenrechte betont.
Schlüsselwörter
Menschenrechte, Soziale Arbeit, Menschenrechtsprofession, Fähigkeitenansatz, Empowerment, Soziale Gerechtigkeit, Ethikkodex, Menschenwürde, Institutionalisierung, Menschenrechtsverletzungen, soziale Teilhabe, Menschenrechtspraxis, strukturelle Veränderung, Ethikkommission, Völkerrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Verankerung der Menschenrechte als ethisches und praktisches Fundament der Sozialen Arbeit und deren historischer Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Evolution der Menschenrechte, die Etablierung der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession sowie theoretische Ansätze wie der Empowerment- und Fähigkeitenansatz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie sich die Soziale Arbeit über die Zeit als Profession entwickelt hat, die Menschenrechte aktiv schützt, und welche Herausforderungen dabei bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse und arbeitet theoretisch-analytisch, indem sie historische Meilensteine und fachwissenschaftliche Diskurse zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den historischen Grundlagen der Menschenrechte vor allem zwei spezifische Ansätze (Fähigkeiten- und Empowermentansatz) sowie praktische Herausforderungen bei der Rechtsdurchsetzung analysiert.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind Soziale Arbeit, Menschenrechte, Menschenrechtsprofession, Empowerment und Soziale Gerechtigkeit.
Welche Rolle spielte das NS-Regime für die Entwicklung der Profession?
Die Zeit des Nationalsozialismus wird als kritische Zäsur betrachtet, da sie zur Instrumentalisierung der Sozialen Arbeit führte und die Notwendigkeit eines eigenen ethischen Leitfadens und ethischer Kontrollinstanzen verdeutlichte.
Warum ist die praktische Rechtsdurchsetzung für Adressat:innen schwierig?
Die Arbeit benennt Hürden wie fehlendes Wissen über die eigenen Rechte sowie strukturelle Barrieren, die den Zugang zu Rechtsschutzsystemen oft erschweren oder aussichtslos erscheinen lassen.
- Citation du texte
- Caroline Klatte (Auteur), 2023, Menschenrechte als Fundament der Sozialen Arbeit. Die historische Entwicklung der Sozialen Arbeit als Profession im Dienste der Menschenrechte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1417055