Der Begriff Soteriologie stammt von den altgriechischen Begriffen Retter und Rettung und beschreibt die Lehre von Errettung und Erlösung. Im engeren christlich-theologischen Gebrauch, ist damit die Lehre des Erlösungswerks Jesu Christi gemeint. Was assoziieren wir Menschen mit "Errettung"? Meistens wird an die ewige Errettung unserer Seelen durch Gottes Handeln und Jesus Christus gedacht.
In der Bibel findet das Wort "Errettung" jedoch weitaus umfassendere Vorstellungen und auch das Werk Jesu Christi erscheint in unterschiedlichen Auffassungen. Daher widmet sich der bibelwissenschaftliche Teil dieses Portfolios, mit Hinblick auf die unterschiedlichen Schriften des Alten und Neuen Testaments, dem Facettenreichtum biblischer Vorstellungen von der Errettung des Menschen. Der systematisch-theologische Teil des Portfolios bezieht sich auf die Soteriologie im christologischen Kontext. Als Teil der Christologie bezeichnet sie die Lehre der Erlösung aller Menschen, durch das Werk Christi. Doch wie und was genau hat Jesus Christus, der Retter, für uns getan? Hierzu werden verschiedene Auffassungen unterschiedlicher Philosophen und Theologen aus theologiegeschichtlicher Perspektive herangezogen und aufgearbeitet. Im religionspädagogischen Abschnitt des Portfolios geht es darum, wie den Schülerinnen und Schülern das Thema Soteriologie, unter Rücksicht von entwicklungspsychologischen Stufen, nahegebracht werden kann und was darüber hinaus eine gute Religionslehrkraft und guten Religionsunterricht ausmacht. Abschließend werden im letzten Kapitel des Portfolios die drei Teildisziplinen miteinander verbunden und in Beziehung gesetzt. Somit stellt das letzte Kapitel eine Gesamtreflexion der Thematik dar.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 TM 1a – Reflexion des bibelwissenschaftlichen Teils
2.1 Organisation
2.2 Elaboration
2.3 Reflexion
3 TM 1b – Reflexion des systematisch-theologischen Teils
3.1 Organisation
3.2 Elaboration
3.3 Reflexion
4 TM 1c – Reflexion des religionspädagogischen Teils
4.1 Organisation
4.2 Elaboration
4.3 Reflexion
5 Vernetzte Reflexion aller drei Disziplinen
5.1 Erläutern Sie die aus Ihrer Sicht zentralen Zusammenhänge der Disziplinen im Hinblick auf die Themenstellung „Soteriologie“.
5.2 Welche Beiträge je Disziplin erachten Sie als besonders ertragreich für das Gespräch der Disziplinen? Begründen Sie Ihre Auswahl.
5.3 Welche Konsequenzen ziehen Sie für Ihr späteres Handlungsfeld Schule?
6 Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit dient als Reflexionsportfolio für das Themenmodul 1 „Soteriologie“. Das Hauptziel besteht in der persönlichen Auseinandersetzung und Vertiefung des biblischen und systematisch-theologischen Verständnisses von Erlösung, unter der zentralen Forschungsfrage, wie dieses komplexe Wissen authentisch, kompetent und altersgerecht in den Religionsunterricht der Sekundarstufe I integriert werden kann.
- Facettenreichtum biblischer Errettungsvorstellungen (Altes und Neues Testament)
- Systematisch-theologische Erlösungstheorien im christologischen Kontext
- Religionspädagogische Dimensionen der Vermittlung komplexer Glaubensinhalte
- Entwicklungspsychologische Aspekte der religiösen Urteilsbildung bei Jugendlichen
Auszug aus dem Buch
2.1 Organisation
Die Errettung der Menschen kennzeichnet einen bedeutsamen theologischen Terminus, dessen Lehre im Zentrum der christlichen Theologie platzfindet.3 Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament ist dieser Begriff sowie seine Bedeutung facettenreich anzufinden. Welche spezifischen Vorstellungen von der Errettung des Menschen in den verschiedenen biblischen Schriften zum Ausdruck kommen, wird anhand von ausgewählten Bibeltexten zum Vorschein gebracht. Darüber hinaus wird beleuchtet welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um einen Rettungsprozess zu erlangen und worin die Folgen dessen bestehen. Sowie die Erkenntnis, dass es keine einheitliche Errettungsvorstellung in der Bibel gibt, gehört zu den zentralen Punkten der Lehrveranstaltung Vorstellungen von Errettung in der Bibel das Aufzeigen wiederkehrender Motive, die sich durch die verschiedenen Schriften ziehen. Da die genaue Beleuchtung aller im Seminar behandelten Bibelstellen den Rahmen dieses Portfolios überschreiten würde, wird sich im Folgenden auf ausgewählte Bibelstellen bezogen, die die wiederkehrenden Grundlinien soteriologischer Motive beispielhaft belegen.
Grundlegend kann unterschieden werden zwischen Hoffnung auf künftiges Heil und bereits geschehenem Heil. Als Beispiel für die Vorstellung von bereits geschehenem Heil lassen sich die Bibelstellen des Neuen Testaments Markus 5,21-43 und Lukas 7,36-50 heranziehen. Die Errettungsvorstellung in diesen beiden Texten weist auf eine Heilserfahrung der Menschen durch das konkrete Wirken Jesu. In Markus 5,21-43 handelt es sich dabei um die Heilung von Kranken. Eine schwerkranke Frau, die Jesus ungefragt berührte, wurde gesund. Der entscheidende Faktor dafür ist der Glaube an die Person und Werke Jesu Christi: „[...] Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht [...]“ (Mk 5,34). Die Errettungsvorstellung tritt hier in Form von physischer Heilung auf. In Lukas 7,36-50 hingegen hängt die Errettungsvorstellung mit der Vergebung von Sünden zusammen. Eine verrufene Sünderin schenkt Jesus ausgefallene Zuwendung. Der Glaube steht hier als Ursprung für liebevolles Handeln im Fokus, was sich in Zuwendung und Einsicht der Schuldhaftigkeit wiederspiegelt und schlussendlich zur Errettung führt, welche mit der Vergebung ihrer Sünden einhergeht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff Soteriologie und skizziert das Ziel des Portfolios, das Wissen aus der Bibelwissenschaft, der Systematischen Theologie und der Religionspädagogik in einer persönlichen Reflexion zu verknüpfen.
2 TM 1a – Reflexion des bibelwissenschaftlichen Teils: Dieses Kapitel analysiert die Vielfalt biblischer Errettungskonzepte, wobei zwischen kollektiver Befreiung und individuellem Heil unterschieden wird.
3 TM 1b – Reflexion des systematisch-theologischen Teils: Hier werden zentrale theologiegeschichtliche Entwürfe zur Erlösung, insbesondere von Anselm von Canterbury, Petrus Abälard und Martin Luther, kritisch aufgearbeitet.
4 TM 1c – Reflexion des religionspädagogischen Teils: Dieser Teil befasst sich mit den Voraussetzungen für einen effektiven Religionsunterricht unter Berücksichtigung entwicklungspsychologischer Phasen und der Professionalität der Lehrkraft.
5 Vernetzte Reflexion aller drei Disziplinen: Dieses Kapitel verknüpft die Erkenntnisse der drei Teildisziplinen und reflektiert deren Synergien für das spätere berufliche Handlungsfeld Schule.
6 Literatur: Das Literaturverzeichnis führt alle verwendeten Quellen und weiterführende wissenschaftliche Literatur auf.
Schlüsselwörter
Soteriologie, Erlösung, Errettung, Bibelwissenschaft, Systematische Theologie, Religionspädagogik, Jesus Christus, Kreuzestod, Sünde, Glaubensvermittlung, Religionsunterricht, Entwicklungspsychologie, Lehrerpersönlichkeit, Identifikation, Versöhnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert die im Rahmen des Moduls „Soteriologie“ erworbenen Kenntnisse und deren Bedeutung für das Berufsfeld als Religionslehrkraft.
Welche Disziplinen deckt das Portfolio ab?
Das Portfolio vernetzt die Bibelwissenschaft, die Systematische Theologie und die Religionspädagogik.
Was ist das zentrale Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die persönliche Wissensvertiefung sowie die Entwicklung einer professionellen Haltung, um komplexe soteriologische Konzepte authentisch vermitteln zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine studienbegleitende Reflexion (Portfolio), die theoretisches Fachwissen mit der religionspädagogischen Reflexion des Handlungsfeldes Schule in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert biblische Texte zur Rettung, vergleicht theologische Erlösungstheorien verschiedener Epochen und erläutert kompetenzorientierte Vermittlungsstrategien für den Unterricht.
Wie lässt sich die Arbeit anhand von Schlüsselwörtern charakterisieren?
Die zentralen Aspekte sind Soteriologie, Religionspädagogik, professionelle Lehrerpersönlichkeit, biblische und systematische Theologie sowie der Vermittlungsprozess im Religionsunterricht.
Warum spielt die Unterscheidung von gelebter und gelehrter Religion eine Rolle?
Sie ist zentral, um den Spannungsbereich zwischen individuellem Glauben und fachwissenschaftlicher Wissensvermittlung im Religionsunterricht professionell zu gestalten.
Wie werden komplexe Sachverhalte wie Anselms Satisfaktionstheorie vermittelt?
Der Autor nutzt bildhafte Vergleiche, wie die Metapher der „verschmutzten Perle“, um abstrakte theologische Probleme für Jugendliche greifbar zu machen.
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- L. von Ratz (Author), 2020, Soteriologie. Schlüsselthemen in fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Vernetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1417479