Die Diskussionen über Manager, die sich trotz Wirtschaftskrise ihre Boni auszahlen lassen oder die Banken, die sich zwar unter einen Rettungsschirm begeben aber ihr Geschäftsgebaren
nicht ändern, lassen vielerorts wieder ein Wort in aktuelle Gespräche einfließen, das vielen oft nur aus der Schulzeit als Ersatzfach für „Religionsunterricht“ in den Sinn kommt und vermeintlich die Frage nach dem „Richtig“ oder „Falsch“ beantwortet: Ethik. Auch die Globalisierung wirtschaftlichen Handelns, die neuen Dimensionen von Technik und Wissen und deren rasante Veränderung rufen geradezu nach einer Art Orientierung, welche moderne Wirtschaftsethik unterstützen kann. Diese Arbeit will sich mit zwei Ausprägungen der Wirtschaftsethik befassen. Zum einen der funktionalistischen Wirtschaftsethik und zum anderen der korrektiven Wirtschaftsethik.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Wirtschaftsethik?
2.1 Ansätze der Wirtschaftsethik
3 Funktionalistische Wirtschaftsethik
4 Korrektive Wirtschaftsethik
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studienarbeit verfolgt das Ziel, die grundlegenden Unterschiede zwischen der funktionalistischen und der korrektiven Wirtschaftsethik zu beleuchten und diese in den Kontext aktueller unternehmerischer Verantwortung zu setzen.
- Grundlagen und Definition der Wirtschaftsethik
- Die funktionalistische Wirtschaftsethik nach Adam Smith und Karl Homann
- Das Konzept der korrektiven Wirtschaftsethik nach Horst Steinmann
- Gegenüberstellung von Shareholder- und Stakeholder-Theorie
- Anwendungsbeispiele unternehmerischen Verhaltens
Auszug aus dem Buch
3 Funktionalistische Wirtschaftsethik
Die Wurzeln der funktionalistischen Wirtschaftsethik sind in den Werken von Adam Smith zu finden. Vor allem sein Werk „Der Wohlstand der Nationen“ von 1776 wird hierbei immer wieder herangezogen. Smith als Moralphilosoph stellte als erster Überlegungen an, wie es eine Gesellschaft zu dauerhaftem Wohlstand bringen kann, ohne dabei zu viele Bürger außen vor zu lassen. Sein Schluss war es durch anhaltendes wirtschaftliches Wachstum dieses Ziel bestmöglich erreichen zu können:
„Wenn … jeder Einzelne soviel wie nur möglich danach trachtet, sein Kapital zur Unterstützung der einheimischen Erwerbstätigkeit einzusetzen und dadurch diese so lenkt, dass ihr Ertrag den höchsten Wertzuwachs erwarten lässt, dann bemüht sich auch jeder einzelne zwangsläufig, dass das Volkseinkommen im Jahr so groß wie möglich werden wird. Tatsächlich fördert er in der Regel nicht bewusst das Allgemeinwohl .. Er strebt lediglich nach eigenem Gewinn. Und wird in diesem wie in vielen anderen Fällen von unsichtbarer Hand geleitet.“
Smith folgert also, dass der Egoismus vieler einzelner sich selbständig zu einem sich selbstregulierendem System entwickelt. Er verweist dabei auf eine „unsichtbare Hand“, die in der Interpretation vieler als Hand Gottes angesehen wird. Aus der Folgerung der Selbstregulierung fordert Smith ebenfalls, dass sich etwaige Ordnungs- und Gesetzgebungsinstanzen weitestgehend zurückhalten sollen. Der Markt reguliere sich nach dieser Ansicht selbst.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Wirtschaftsethik ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die zwei zentralen Strömungen der Wirtschaftsethik zu vergleichen.
2 Was ist Wirtschaftsethik?: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Ethik und der Wirtschaftsethik und stellt die gängigen Ansätze vor, die in der Literatur unterschieden werden.
3 Funktionalistische Wirtschaftsethik: Das Kapitel erläutert den funktionalistischen Ansatz, der auf der Idee der „unsichtbaren Hand“ basiert und den Markt als sich selbst regulierendes System betrachtet.
4 Korrektive Wirtschaftsethik: Hier wird der auf dem Konstruktivismus basierende Ansatz von Horst Steinmann vorgestellt, der Unternehmen in die Pflicht nimmt, ihr Handeln an den Bedürfnissen der Stakeholder auszurichten.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ethisches Handeln für Unternehmen langfristig wirtschaftlich erfolgreich ist und ein gesundes Wertesystem für die Zukunft unerlässlich bleibt.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsethik, Funktionalistische Wirtschaftsethik, Korrektive Wirtschaftsethik, Unternehmensethik, Shareholder-Theorie, Stakeholder-Theorie, Adam Smith, Karl Homann, Horst Steinmann, Gewinnprinzip, soziale Marktwirtschaft, Unternehmensverantwortung, Kodex, Ethik, Moral
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die theoretischen Unterschiede zwischen der funktionalistischen und der korrektiven Wirtschaftsethik und ordnet diese verschiedenen unternehmerischen Steuerungstheorien zu.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Definition von Wirtschaftsethik, die Gegenüberstellung von Marktmechanismen und ethischer Verantwortung sowie die Analyse von Shareholder- und Stakeholder-Ansätzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Konzepte der funktionalistischen und korrektiven Wirtschaftsethik klar voneinander abzugrenzen und deren Auswirkungen auf die unternehmerische Praxis aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, bei der er die grundlegenden Theorien von Denkern wie Adam Smith, Karl Homann und Horst Steinmann vergleicht und in einem Modell zusammenführt.
Welche Inhalte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der funktionalistischen Wirtschaftsethik mit ihrem Fokus auf Marktautonomie und die korrektive Wirtschaftsethik mit ihrem Fokus auf stakeholderorientierte Verantwortung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gewinnprinzip, Selbstregulierung des Marktes, Unternehmensethik, gesellschaftliche Verantwortung und die Gegenüberstellung von Aktionärs- und Stakeholderinteressen charakterisiert.
Warum wird die Shareholder-Theorie der funktionalistischen Ethik zugeordnet?
Weil die funktionalistische Sichtweise den Markt als autonomes System betrachtet, in dem der Unternehmer durch Gewinnmaximierung innerhalb der Marktregeln legitim handelt, was dem Kern der Shareholder-Theorie entspricht.
Wie definiert die korrektive Wirtschaftsethik den Spielraum für Unternehmen?
Sie räumt Unternehmen die Möglichkeit und Notwendigkeit ein, ihr Handeln auch dann zu hinterfragen und anzupassen, wenn es zwar legal ist, aber sozialen oder ethischen Ansprüchen der Stakeholder widerspricht.
Welche Rolle spielt das „Gewinnprinzip“ in der korrektiven Wirtschaftsethik?
Es fungiert als „Formalziel“ unternehmerischen Handelns, wobei die Unternehmensethik jedoch als Korrektiv fungiert, um sicherzustellen, dass Gewinn nicht durch unethische Ausnahmen erzielt wird.
Welches Beispiel führt der Autor für korrektive Wirtschaftsethik an?
Der Autor nennt die aggressive Vermarktung von Muttermilchsubstituten durch Nestlé in Entwicklungsländern als negatives Beispiel, das eine ethische Korrektur durch das Unternehmen erforderlich machte.
- Quote paper
- Nico Schuster (Author), 2009, Funktionalistische und korrektive Wirtschaftsethik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141802