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Geschichte und Wahrheit

Die Grundlegung der Kulturwissenschaften bei Giambattista Vico und Hans-Georg Gadamer

Título: Geschichte und Wahrheit

Trabajo , 2005 , 27 Páginas , Calificación: sehr gut (1,0)

Autor:in: M.A. Björn David Herzig (Autor)

Filosofía - Ensayos generales, épocas
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Der im Titel dieser Untersuchung avisierte Zusammenschluß zwischen dem humanistischen Kulturphilosophen avant la lettre und dem zeitgenössischen Begründer der philosophischen Hermeneutik ergibt sich aus einem simplen Umstand: Ihrer vergleichbaren epistemologischen Frontstellung gegen die Dominanz eines einseitig rationalistisch geprägten Wahrheits- und Erkenntnisideals. Im Gegensatz hierzu verstehen sie ihre eigene Philosophie als Programm zur Rehabilitierung eines alternativen, komplementären Erkenntnisanspruchs, welcher sich jenseits der methodischen Leitvorstellungen von Reflexion und Abstraktion, deduktivem Urteil und prinzipieller Notwendigkeit konstituiert.- Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung möchte ich mich um eine Vermittlung von Humanismus und Hermeneutik bemühen: Anhand einer textnahen Interpretation sollen Giambattista Vicos (1668 - 1744)und Hans-Georg Gadamers (1900 - 2002) Versuche einer (Neu-)Begründung der Kulturwissenschaften dargestellt und in ihren jeweiligen Affinitäten und Differenzen zueinander beleuchtet werden. In Hinblick auf Vico möchte ich zunächst im Zuge einer Analyse seiner VII. Inaugural-Rede "De nostri temporis studiorum ratione" (1709) seine Position gegenüber dem Cartesianismus hervorheben und seine Idee eines didaktischen Primats des Gemeinsinns bzw. der Topik vor der Kritik referieren. Anschließend soll Vicos epistemologische Fundierung der Humaniora in seinem späteren Hauptwerk, der "Scienza Nuova" (1744), durch den nunmehr als metaphysisches Konvergenz- bzw. Korrespondenzprinzip gefaßten sensus communis näher erläutert werden. In Hinblick auf Gadamer möchte ich auf dessen hermeneutisch motivierte Rekonstruktion Vichianischer Topoi in "Wahrheit und Methode" (1960) eingehen. Wie gezeigt werden soll, orientiert sich Gadamers Interpretation Vicos ganz an dessen frühen Schriften und vermeidet jeden affirmativen Bezug auf die spätere Transformation des Gemeinsinns zum universalen Prinzip. Zum Abschluß möchte ich die kritisch anknüpfende Frage stellen, inwiefern Vico ebenso wie Gadamer in seinem opus magnum eine Selbsttransparenz des historischen Bewußtseins in Zweifel zieht und welche Auswege sich für beide Autoren aus dem hierdurch drohenden Problem einer Selbstrelativierung des eigenen philosophischen Standpunktes ergeben.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Wahrheit jenseits der Methode? – Zum Projekt von Humanismus und Hermeneutik

1. Zwischen Rhetorik und Neuer Wissenschaft: Die Kulturphilosophie Giambattista Vicos (1668 - 1744)

1. 1. Die Rehabilitation der Topik gegenüber der Kritik: De nostri temporis studiorum ratione

1. 2. Gemeinsinn als Konvergenzprinzip: Die ‚prästabilierte Harmonie‘ von Metaphysik und Kultur in der Scienza Nuova

2. Die Rekonstruktion Vicos im Zeichen der Hermeneutik von Hans-Georg Gadamer (1900 - 2002)

2. 1. Fundierung der Humaniora im Rekurs auf den Humanismus

2. 2. Urteil, Reflexion, Universalität

3. Die Endlichkeit des Verstehens im Lichte ihrer Überwindung: Zur Ambivalenz von Geschichte und Wahrheit bei Vico und Gadamer

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem humanistischen Denken Giambattista Vicos und der philosophischen Hermeneutik Hans-Georg Gadamers mit dem Ziel, deren gemeinsame Bemühungen um eine eigenständige Grundlegung der Kulturwissenschaften jenseits des naturwissenschaftlichen Methodenideals darzustellen und kritisch zu vergleichen.

  • Kritik am rationalistischen Erkenntnisbegriff und der Dominanz der Methode
  • Die Rolle der Rhetorik und des Gemeinsinns (sensus communis) als epistemologische Grundlagen
  • Vicos verum-ipse-factum-Prinzip als Konvergenz von menschlicher Kreativität und historischer Wahrheit
  • Gadamers hermeneutische Rekonstruktion der humanistischen Tradition zur Selbstbesinnung der Geisteswissenschaften
  • Die Problematik der Endlichkeit und Perspektivität menschlichen Verstehens

Auszug aus dem Buch

1. 1. Die Rehabilitation der Topik gegenüber der Kritik: De nostri temporis studiorum ratione

Als erste Stellungnahme Vicos zur Methodenfrage der Frühen Neuzeit gilt seine 1708 an der Universität von Neapel gehaltene (und im folgenden Jahr publizierte) Inaugural-Rede De nostri temporis studiorum ratione. Darin liefert Vico eine vergleichende Analyse antiker und moderner Studienart – zwischen der (vom Humanismus neu aufgenommenen) Tradition der Rhetorik sowie der „geometrischen Methode“ (DR, 21) seiner eigenen Epoche. Ziel dieser Untersuchung sei es, herauszufinden, „[w]elche Art der Studien richtiger und besser [ist], die unsere oder die der Alten“ (DR, 15; Kursivierungen getilgt). Während Vico die durch logische Analysis vollbrachten Errungenschaften in Wissenschaft und Technik durchaus zu würdigen weiß (vgl. DR, 23 f.), läßt sich sein Vortrag insgesamt als glühendes Plädoyer für eine Rückbesinnung auf das antike Ideal der Topik, der „geschmückten und groß angelegten Rede“ (DR, 73) verstehen. Verbunden damit ist eine Wiederentdeckung des sensus communis, der für Vico eine, wie ich zeigen möchte, zweifache Begründungsfunktion einnimmt und damit zur didaktisch unverzichtbaren Voraussetzung humaner Erkenntnisbemühungen avanciert.

Vico eröffnet seine Kritik am cartesischen Methodenideal mit einem Einwand gegen die epistemologische Trennung von Wahrem (verum) und Wahrscheinlichem (verisimilia) (vgl. DR, 27 ff.). Innerhalb der ‚geometrischen Methode‘ bestehe ein prinzipieller Gegensatz zwischen dem durch rationale Schlußfolgerung und systematische Zweifelsexperimente gewonnenen „ersten Wahren“ (DR, 21) der Theorie und der bloß gemeinhin angenommenen Pluralität der Wahrscheinlichkeiten, die als traditionell unterstellter Konsens die ‚selbstverständlichen‘ Grundlagen des alltäglichen Lebens bilden (vgl. DR, 27, 35). Diese ausschließliche Fixierung auf logische Evidenzwahrheit führe nämlich dazu, daß jene Gemeinplätze und Überlieferungen, die als Orientierungswissen das ,Rückgrat‘ lebensweltlicher Sinnzusammenhänge darstellen, „genau so wie das Falsche aus dem Denken entfernt“ (DR, 27) werden. Während die am mathematischen Erkenntnisideal orientierte rationalistische Metaphysik somit allein Reflexionswissen als Wahrheit anerkennt, wird umgekehrt jede Art vermeintlicher Gewißheit, welche nicht durch ebenjenes kritische Bewußtsein hindurchgegangen ist, als Unwahrheit verworfen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Wahrheit jenseits der Methode? – Zum Projekt von Humanismus und Hermeneutik: Diese Einleitung führt in die gemeinsame Frontstellung von Vico und Gadamer gegen ein einseitig rationalistisches Wissenschaftsideal ein und umreißt das Projekt einer Grundlegung der Kulturwissenschaften.

1. Zwischen Rhetorik und Neuer Wissenschaft: Die Kulturphilosophie Giambattista Vicos (1668 - 1744): Das Kapitel analysiert Vicos Kritik am Cartesianismus, seine Rehabilitation der Topik und die Entwicklung seines Konzepts der „Neuen Wissenschaft“ unter dem verum-ipse-factum-Prinzip.

2. Die Rekonstruktion Vicos im Zeichen der Hermeneutik von Hans-Georg Gadamer (1900 - 2002): Hier wird untersucht, wie Gadamer auf Vicos humanistische Leitbegriffe zurückgreift, um die Geisteswissenschaften in ihrem eigenen, hermeneutischen Anspruch gegen die szientistische Angleichung an die Naturwissenschaften zu legitimieren.

3. Die Endlichkeit des Verstehens im Lichte ihrer Überwindung: Zur Ambivalenz von Geschichte und Wahrheit bei Vico und Gadamer: Dieses abschließende Kapitel diskutiert die begründungslogischen Paradoxien, die sich aus der radikalen Historisierung und Endlichkeit des menschlichen Verstehens bei beiden Denkern ergeben.

Schlüsselwörter

Giambattista Vico, Hans-Georg Gadamer, Kulturwissenschaften, Hermeneutik, Humanismus, Rhetorik, Sensus communis, Verum-ipse-factum-Prinzip, Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie, Geisteswissenschaften, Topik, Geschichte, Wahrheit, Reflexion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophischen Gemeinsamkeiten und methodischen Unterschiede zwischen Giambattista Vico und Hans-Georg Gadamer im Kontext ihrer Bemühungen, eine eigenständige erkenntnistheoretische Grundlage für die Geistes- und Kulturwissenschaften zu schaffen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Kritik am mathematisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnisideal, die Bedeutung der Rhetorik und des Gemeinsinns sowie die Frage, wie menschliche Kulturgeschichte als sinnhaftes, wissenschaftlich zugängliches Feld begründet werden kann.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, Vicos und Gadamers Versuche einer (Neu-)Begründung der Kulturwissenschaften anhand einer textnahen Interpretation darzustellen und ihre jeweiligen Affinitäten und Differenzen im Hinblick auf den Humanismus und die Hermeneutik zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung nutzt eine textnahe, philosophisch-historische Interpretation, um die Argumentationsgänge beider Autoren zu rekonstruieren und sie in ihren epistemologischen Voraussetzungen sowie ihrer Rezeptionsgeschichte zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Vicos früher Rhetorik-Kritik und seiner späteren „Neuen Wissenschaft“, gefolgt von der Untersuchung Gadamers Rekonstruktion dieser Ansätze in seinem Werk „Wahrheit und Methode“ sowie eine kritische Reflexion über die Endlichkeit des Verstehens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Hermeneutik, Humanismus, Sensus communis, Verum-ipse-factum, epistemologische Grundlegung und die Auseinandersetzung zwischen Rhetorik und Kritik charakterisieren.

Wie bewertet der Autor Gadamers Interpretation von Vico?

Der Autor zeigt auf, dass Gadamer Vicos Konzepte strategisch für sein eigenes Projekt nutzt, dabei jedoch teilweise den nicht-reflexiven Charakter des Gemeinsinns beim frühen Vico verdeckt und dessen spätere metaphysische Transformation im Sinne des Idealismus tendenziell verzerrt interpretiert.

Was ist das zentrale Dilemma der „Endlichkeit des Verstehens“?

Das zentrale Dilemma besteht in der Frage, wie eine Theorie, die den menschlichen Geist als radikal geschichtlich und endlich begreift, ihren eigenen universellen Wahrheitsanspruch aufrechterhalten kann, ohne in einen logischen Selbstwiderspruch oder in Resignation zu verfallen.

Final del extracto de 27 páginas  - subir

Detalles

Título
Geschichte und Wahrheit
Subtítulo
Die Grundlegung der Kulturwissenschaften bei Giambattista Vico und Hans-Georg Gadamer
Universidad
Free University of Berlin  (Philosophisches Seminar)
Calificación
sehr gut (1,0)
Autor
M.A. Björn David Herzig (Autor)
Año de publicación
2005
Páginas
27
No. de catálogo
V141823
ISBN (Ebook)
9783640502455
ISBN (Libro)
9783640502370
Idioma
Alemán
Etiqueta
Vico De nostri temporis studiorum ratione Scienza Nuova Kulturphilosophie Geschichtsphilosophie Rhetorik Topik Gadamer Wahrheit und Methode Hermeneutik Descartes Anticartesianismus Kant Dilthey
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
M.A. Björn David Herzig (Autor), 2005, Geschichte und Wahrheit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141823
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