Durch die immer fortschreitende Globalisierung ist es notwendig, dass die europäische Union (EU) einen gemeinsamen Rahmen bezüglich der beruflichen Qualifikationen der europäischen Bürger findet. Anders gesagt möchte man eine einheitliche Beschreibung von beruflichen Kompetenzen finden. Hierzu hat man auf europäischer Ebene den europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) entwickelt und eingeführt. Er soll dazu dienen, die Transparenz von Qualifikationen zu verbessern und die Mobilität des europäischen Arbeitsmarktes zu erhöhen.
Neben dem EQR hat man noch ein europäisches Credit System zur Berufsbildung (ECVET-System) entwickelt. In diesem System werden verschiedenen Qualifikationen Leistungspunkte zugeordnet, so dass die Qualifikationen international vergleichbar sind. Aufgrund des EQR und EVCET hat auch Deutschland einen eigenen Qualifikationsrahmen, den DQR entwickelt. Dieser ziehlt speziell auf die Sach-, Sozial-, Selbst- und Handlungskompetenzen ab, die im Laufe der Jahre immer wichtiger für die berufliche Bildung geworden sind.
Ziel der Arbeit soll es also sein zur ermitteln inwieweit der EQR, das EVCET und die NQR (nationale Qualifikationsrahmen) ihre Ziele verwirklichen können und welche Auswirkungen die neuen Regelungen auf die einzelne Staaten der EU haben werden.
Um dieses zu erarbeiten soll in einem ersten Abschnitt die europäische Zusammenarbeit in Bezug auf die Bildung ab dem Prozess von Bologna 1999 dargestellt werden. Außerdem soll in diesem ersten Block auch der EUROPASS, welcher als Vorüberlegung zum EQR gilt, erörtert werden.
In einem zweiten Abschnitt wird dann auf den europäischen Qualifikationsrahmen im Allgemeinen eingegangen. Hierbei erscheint es als notwendig zunächst den Begriff des Qualifikationsrahmens zu erklären. Anschließend werden die Ziele, die Funktionsweise und die Kernelemente des EQF dargestellt und erörtert. Außerdem wird das europäische Credit System zur Berufsbildung analysiert. Hierbei werden speziell die technischen Regelungen und die Einführungsmaßnahmen des Systems betrachtet. Schließlich sollen die nationalen Qualifikationsrahmen, insb. der Deutsche Qualifikationsrahmen, der aus dem EQR entwickelt wurde, erklärt werden.
In einem letzten Abschnitt werden die Konzepte noch einmal kritisch betrachtet und Vor- und Nachteile für einzelne Staaten, Individuen und Unternehmen herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Europäische Zusammenarbeit in der europäischen Bildung
2.1 Von Bologna 1999 bis Maastricht 2004
2.2 Das EUROPASS- Rahmenkonzept
3. Der europäische Qualifikationsrahmen (EQR)
3.1 Definition und Begriffsabgrenzung des Qualifikationsrahmens
3.2 Ziele, Funktionen und Kernelemente des europäischen Qualifikationsrahmens
3.3 Das Europäische Credit System für die Berufsbildung (ECVET)
3.4 Die nationalen Qualifikationsrahmen
4. Kritische Betrachtung der neuen Konzepte
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Einführung und Zielsetzung des europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) sowie ergänzender Systeme wie ECVET und nationaler Qualifikationsrahmen (NQR). Dabei wird analysiert, inwieweit diese Instrumente zur Steigerung der Transparenz, Mobilität und Durchlässigkeit innerhalb des europäischen Bildungsraums beitragen und welche Herausforderungen sich insbesondere für das deutsche Bildungssystem ergeben.
- Europäische bildungspolitische Zusammenarbeit (Bologna-Prozess)
- Funktionsweise und Ziele des EQR
- Implementierung des europäischen Credit Systems (ECVET)
- Entwicklung und Herausforderungen nationaler Qualifikationsrahmen (DQR)
- Kritische Analyse der Outcome-Orientierung versus institutioneller Ansätze
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition und Begriffsabgrenzung des Qualifikationsrahmens
Nationale „Qualifikationsrahmen sind Strukturen zur Entwicklung, Beschreibung und Systematisierung der Beziehungen von Qualifikationen.“ (Hanf & Reutling 2001, S. 631). Ein Qualifikationsrahmen ist also ein Instrument zur Klassifizierung von Qualifikationen entsprechend einem Satz von Kriterien zur Bestimmung des individuellen Leistungsniveaus. Dieses Niveau wird durch viele Deskriptoren beschrieben. Anders gesagt beschreiben das Qualifikationsniveau und die Qualifikationstypen das jeweilige Lernergebnis, wobei der Lernort und Lernweg nachrangig sind. „Lernergebnisse (learning outcomes) sind Aussagen über das, was ein Lernender am Ende einer Lernperiode wissen, verstehen und können muss.“ (Hanf & Reutling 2001, S. 631).
Mit den Deskriptoren werden Bezüge zwischen Qualifikationen definiert und Übergänge erleichtert. Außerdem werden auch Zugänge zum Qualifikationserwerb möglich. (Vgl. Le Mouillour 2007).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Notwendigkeit des EQR und des ECVET zur Verbesserung der Transparenz und Mobilität im europäischen Arbeitsmarkt und definiert die Forschungsfrage.
2. Europäische Zusammenarbeit in der europäischen Bildung: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung der europäischen Bildungszusammenarbeit vom Bologna-Prozess bis zum EUROPASS-Rahmenkonzept.
3. Der europäische Qualifikationsrahmen (EQR): Hier werden die theoretischen Grundlagen, Ziele, Kernelemente des EQR, das ECVET-System sowie die Rolle der nationalen Qualifikationsrahmen analysiert.
4. Kritische Betrachtung der neuen Konzepte: Dieser Abschnitt beleuchtet Risiken wie die Schwächung beruflicher Handlungsfähigkeit durch die starke Outcome-Orientierung und die Herausforderungen einer Modularisierung.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Vereinbarkeit des EQR mit dem deutschen dualen Ausbildungssystem.
Schlüsselwörter
Europäischer Qualifikationsrahmen, EQR, ECVET, Bologna-Prozess, Lernergebnisse, Lebenslanges Lernen, Berufsbildung, Qualifikationsrahmen, DQR, Mobilität, Bildungsraum, Kompetenzen, Transparenz, Modularisierung, duales System.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung gemeinsamer europäischer Rahmenbedingungen für berufliche Qualifikationen, insbesondere den EQR und das Credit-System ECVET.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die europäische Bildungszusammenarbeit, die Struktur von Qualifikationsrahmen und die Herausforderungen bei deren Implementierung in nationalen Systemen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu ermitteln, ob der EQR, ECVET und die nationalen Qualifikationsrahmen ihre Ziele (Transparenz, Mobilität) erreichen und welche Auswirkungen sie auf EU-Mitgliedsstaaten haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse bildungspolitischer Berichte und wissenschaftlicher Studien zum Thema europäischer Bildungsraum.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Qualifikationsrahmen, die Funktionsweise des EQR, die technische Umsetzung von ECVET und die spezifische Situation in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind EQR, ECVET, Lernergebnisse, Lebenslanges Lernen, Mobilität und die deutsche Berufsbildung.
Warum wird die Modularisierung der Ausbildung kritisch gesehen?
Die Modularisierung wird kritisch betrachtet, da sie im Gegensatz zum bewährten, aufeinander aufbauenden deutschen Schulsystem steht und zu einer stärkeren gesellschaftlichen Untergliederung führen könnte.
Welche Herausforderung hat Deutschland bei der Umsetzung des EQR?
Deutschland orientiert sich traditionell an Lerninstitutionen und Prozessen (Input), während der EQR auf Lernergebnisse (Outcome) fokussiert, was die Kompatibilität erschwert.
- Arbeit zitieren
- Juliane Müller (Autor:in), 2008, Der Europäische Qualifikationsrahmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141841