Ausgehend von Dorothea Kleins Aufsatz „Geschlecht und Gewalt. Zur Konstitution der Männlichkeit im ‚Erec’ Hartmanns von Aue“ möchte ich den Gedankengang nachzeichnen, den die Autorin zugrunde legt, um im Weiteren darauf einzugehen, wie sich, neben den Kriterien für das Mann-Sein, die damaligen Vorstellungen der Weiblichkeit zusammensetzten. In diesem Zusammenhang ist unter anderem die Frage interessant, welche Schuld Enite trifft, als es in Karnant zum berühmten verligen kommt. Es wird darauf zu achten sein, wie sich das Verhältnis zwischen Mann und Frau gestaltet, damit eine Rollentrennung so stattfinden konnte, wie sie im Mittelalter praktiziert wurde.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Vom juncherre zum Ritter
- Der weiblich definierte Held
- „Aufbruch in die Männlichkeit“
- „Männlichkeit bedarf der Performanz“
- Die Rolle Enites als Frau
- Vorbemerkungen
- Das verligen in Karnant
- Enites Schuld und das auferlegte Schweigen
- Enites Schuld
- Das auferlegte Schweigen
- Die Frau als Quelle der Ritterlichkeit
- Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Männlichkeitskonstitution im Mittelalter am Beispiel von Hartmanns von Aues Erec, ausgehend von Dorothea Kleins Aufsatz "Geschlecht und Gewalt. Zur Konstitution der Männlichkeit im ‚Erec’ Hartmanns von Aue". Sie analysiert, wie Erecs Weg vom "juncherre" zum Ritter durch die damalige Vorstellung von Männlichkeit geprägt ist und welche Rolle die Frau in diesem Prozess spielt.
- Die Bedeutung von Gewalt und Kampf für die Konstruktion von Männlichkeit im Mittelalter
- Erecs Entwicklung vom unerfahrenen Jüngling zum Ritter durch den Kampf
- Die Rolle der Frau als Quelle der Ritterlichkeit und im Kontext der männlichen Selbstfindung
- Enites Schuld und das ihr auferlegte Schweigen im Zusammenhang mit dem „verligen“ in Karnant
- Das Verhältnis von Mann und Frau und die gesellschaftlichen Rollen im Mittelalter
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Diese Einleitung stellt die Grundidee der Arbeit vor, die sich mit der Frage auseinandersetzt, wie sich die damalige Vorstellung von Männlichkeit im ‚Erec’ Hartmanns von Aue widerspiegelt. Dabei wird auch die Schuld Enites beim "verligen" in Karnant untersucht.
- Vom juncherre zum Ritter: Dieses Kapitel analysiert, wie Erec in der Geschichte als "juncherre" eingeführt wird und wie er durch seinen Mangel an Rüstung und seinen Kampf gegen den Zwerg zunächst als "weiblich" definiert wird. Erecs Entschluss, auszuziehen und seine Ehre wiederherzustellen, wird als "Aufbruch in die Männlichkeit" interpretiert.
- Die Rolle Enites als Frau: Dieses Kapitel betrachtet Enites Rolle als Frau im Kontext der Männlichkeitskonstitution. Es werden die Vorbemerkungen zu Enites Charakter und der Vorfall des "verligen" in Karnant, sowie Enites Schuld und das ihr auferlegte Schweigen beleuchtet. Darüber hinaus wird die Bedeutung der Frau als Quelle der Ritterlichkeit analysiert.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Themen Männlichkeitskonstitution, Ritterlichkeit, Gewalt, Kampf, "verligen", Schuld, Schweigen, Frau als Quelle der Ritterlichkeit, Geschlechterrollen, Mittelalter.
Häufig gestellte Fragen
Wie wird Männlichkeit im mittelalterlichen Epos „Erec“ definiert?
Männlichkeit wird im Mittelalter primär durch kriegerische Gewalt, ritterliche Tugenden und die Bewährung im Kampf konstruiert. Ein Held muss seine Männlichkeit durch Taten performativ beweisen.
Was bedeutet der Begriff „verligen“ im Kontext von Erec und Enite?
„Verligen“ bezeichnet das Versäumen ritterlicher Pflichten zugunsten des privaten Eheglücks. Erec vernachlässigt seinen Dienst als Ritter, weil er zu viel Zeit im Bett mit Enite verbringt, was zu seinem Ehrverlust führt.
Welche Schuld trifft Enite am Ehrverlust ihres Mannes?
Enite wird oft eine Mitschuld zugeschrieben, da sie die Klagen des Hofes über Erecs Untätigkeit hört und ihn schließlich darauf anspricht, was die darauffolgende gefährliche Aventiure-Fahrt auslöst.
Warum legt Erec seiner Frau Enite ein Schweigegebot auf?
Das Schweigegebot dient als Strafe und Prüfung. Enite soll ihre Unterordnung beweisen, während Erec durch Kämpfe versucht, seine verlorene Männlichkeit und Ehre wiederherzustellen.
Inwiefern ist die Frau eine „Quelle der Ritterlichkeit“?
Die Frau fungiert im Minnesang und Epos oft als Motivator für den Ritter. Durch ihren Dienst für die Dame gewinnt der Ritter an Ansehen und wird zu tugendhaftem Handeln angespornt.
Wie entwickelt sich Erec vom „juncherre“ zum Ritter?
Erec beginnt als unerfahrener Jüngling ohne Rüstung (was als „weiblich“ assoziiert wird) und muss erst durch gewaltsame Konflikte und die Überwindung von Krisen zu einem vollkommenen ritterlichen Mann reifen.
- Quote paper
- Sebastian Schmidt (Author), 2007, Bemerkungen zur Männlichkeitskonstitution und der Rolle der Frau im Mittelalter anhand des ‚Erec’ Hartmanns von Aue, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141854