Die Arbeit behandelt grundlegende Problematiken bei der Rohstoffförderung im maritimen, grenznahen Bereich zwischen einzelnen Staaten. Ausgehend von einer historischen Betrachtung werden einleitend die Entwicklungen der „United Nations Convention on the Law of the Sea“ (UNCLOS) und das daraus resultierende Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (SRÜ) beleuchtet. Mit der Analyse der „Frigg-Field-Problematik“ wird
eine alte und doch zugleich gegenwärtige Problematik mit dem dazugehörigen Lösungsansatz vorgestellt. Im Hauptteil der Arbeit wird die Vergabe von Lizenzen im Gasbereich am Beispiel von Großbritannien und Norwegen rechtsvergleichend analysiert. Besonderen Wert wird dabei auf die Unterscheidung der einzelnen Lizenzarten, die Vergabebedingungen, die geographische Einteilung der Felder und die Möglichkeiten zur Verlängerung einer Lizenz gelegt. Zum Abschluss des Referates werden einige der herausgearbeiteten Aspekte verglichen und Vor- und Nachteile einer Investition im jeweiligen Gebiet aufgezeigt.
Gliederung
A. Einleitung
B. Zur Frage des Eigentums
I. Eine kurze historische Betrachtung
1. Von der Bulle Papst Alexander VI über das „Mare Librum“ von 1609 bis zum „De Dominio Maris“ von 1702
2. Die Entwicklung zur „United Nations Convention on the law of the sea“ (UNCLOS)
II. Eigentumsfragen bei der Überschneidung ausschließlich Wirtschaftszonen
1. Die angestrebte Lösung nach dem SRÜ-Abkommen
2. Die Problematik eines Gasfeldes in zwei ausschließlichen Wirtschaftszonen außerhalb des Geltungsbereiches des SRÜ-Abkommes – der Fall „Frigg“ aus dem Jahr 1975
a. Schuldrechtliche Fragen im Fall des „Frigg Field Agreements“
aa. Vor der Liberalisierung des Gasmarktes in Großbritannien im Jahre 1986
bb. Änderungen nach der Liberalisierung in Großbritannien
C. Die Vergabe von Lizenzen im Gassektor
I. Die Vergabe von Lizenzen in Großbritannien
1. Die verschiedenen Lizenzmodelle
a. “Production Licences”
aa. “Traditional Licences“
bb. “Frontier Licences“
cc. “Promote Licences“
b. “Exploration Licences”
2. Der Lizenzvergabeprozess
a. Das turnusgemäße Vergabesystem
aa. Grundlagen
bb. Bewerbungsprozess
cc. Entscheidungsfindung im Lizenzvergabeprozess
b. Der Spezialfall der “Out-of-Rounds” – Vergabe
3. Die Lizenzverlängerung
II. Die Vergabe von Lizenzen in Norwegen
1. Die verschiedenen Lizenzmodelle
a. Die Reform des Lizenzvergabesystems im Jahr 2003
b. „Production Licences“
c. „Exploration Licences“
2. Der turnusgemäße Lizenzvergabeprozess
a. Grundlagen
b. Der Bewerbungsprozess
3. Die Lizenzverlängerung
D. Ergebnis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen rechtlichen Eigentumsverhältnisse an Erdgasvorkommen in der Nordsee und führt einen rechtsvergleichenden Analyse der Lizenzvergabeverfahren für Gasförderung in Großbritannien und Norwegen durch.
- Historische Entwicklung des Seerechts und der Eigentumsbegriffe
- Rechtliche Herausforderungen bei grenzüberschreitenden Gasfeldern (Fallstudie: Frigg-Feld)
- Struktur und Modelle der Lizenzvergabe in Großbritannien
- Struktur und Modelle der Lizenzvergabe in Norwegen
- Rechtsvergleich der Vergabeprozesse und deren Auswirkungen auf den Wettbewerb
Auszug aus dem Buch
Die Problematik eines Gasfeldes in zwei ausschließlichen Wirtschaftszonen – der Fall „Frigg“ aus dem Jahr 1975
Die Methode der 1965 gefundenen Meridianlösung erwies sich als nicht praktikabel, als im Jahre 1975 festgestellt wurde, dass das Frigg Gasfeld, das Murchison- sowie das Statfjord Ölfeld sich über die Grenzsetzung in beide ausschließliche Wirtschaftszonen erstrecken. Das Frigg Feld, welches für die Betrachtung zur Gasförderung relevant ist, war mit einem Volumen von 200 Mio. m³ Erdgas das größte Feld, dass jemals in der Nordsee lokalisiert wurde. Sowohl die British Gas Cooperation als auch die norwegische NORSK HYDRO hatten ein großes Interesse bezüglich der Anlandung der Reserven auf dem jeweiligen Staatsgebiet. Das erste von ELF Aquitaine in Auftrag gegebene Gutachten kam zu dem Schluss, dass zwischen 52 % und 55 % des Erdgases unter der norwegischen ausschließlichen Wirtschaftszone lägen.
Die Berechnungen von NORSK HYDRO gingen hingegen von einem Anteil bis zu 66 % unter der norwegischen Wirtschaftszone aus. Ein amerikanisches Gutachten, stellte schließlich einen Gasanteil von 39,18 % in der britischen- und 60,82 % in der norwegischen Wirtschaftszone fest. Nach der nun akzeptierten Klärung der Eigentumsfrage wurde ein weiteres Problem deutlich, denn die norwegische NORSK HYDRO war auf Grund finanzieller Schwierigkeiten nicht in der Lage, die Gasreserven in Norwegen anzulanden, da ein Zuleitung erst hätte gebaut werden müssen. Man einigte sich daher im „Frigg-Field-Agreement“ (FFA) auf umfassende Regelungen zur Anlandung des Gases in Großbritannien. So wurde bewusst von der Meridianlösung des „Continental Shelf Boundary Agreements“ abgewichen und man entschloss sich, von einem „einheitlichen Reservoir“ zu sprechen, dass von der vorgenommenen Grenzziehung ausgenommen wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Dieses Kapitel motiviert die Relevanz der Erdgasförderung in der Nordsee vor dem Hintergrund europäischer Energiebedarfe und stellt die Forschungsfrage zur rechtlichen Eigentumsproblematik und Lizenzierung.
B. Zur Frage des Eigentums: Hier werden die historischen Ursprünge der Meereshoheit sowie die Entwicklung internationaler Abkommen wie UNCLOS analysiert, gefolgt von einer detaillierten Betrachtung der Herausforderungen durch sich überschneidende Wirtschaftszonen anhand des Frigg-Feldes.
C. Die Vergabe von Lizenzen im Gassektor: Dieser Teil bietet einen detaillierten Rechtsvergleich der Lizenzmodelle, Vergabeprozesse und Verlängerungsoptionen in Großbritannien und Norwegen inklusive der jeweiligen nationalen Reformbemühungen.
D. Ergebnis: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass trotz internationaler Rahmenbedingungen bilaterale Abkommen essentiell für eine friedliche und effiziente Ressourcennutzung bleiben, wobei nationale Unterschiede in der Lizenzierung fortbestehen.
Schlüsselwörter
Nordsee, Erdgas, Seerecht, Eigentumsfragen, UNCLOS, Continental Shelf, Frigg-Field-Agreement, Lizenzvergabe, Großbritannien, Norwegen, Exploration, Wirtschafts-zone, Energierecht, Rohstoffförderung, Offshore-Lizenzen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Erdgasexploration in der Nordsee, wobei der Fokus auf den Eigentumsrechten an den Ressourcen und den unterschiedlichen Lizenzvergabesystemen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen das internationale Seerecht (insbesondere UNCLOS), die Handhabung grenzüberschreitender Gaslagerstätten und ein detaillierter Vergleich der Förderkonzessionen in UK und Norwegen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Staaten mit der komplexen Rechtslage umgehen, wenn sich ausschließliche Wirtschaftszonen bei Rohstoffvorkommen überschneiden, und wie die Praxis der Lizenzvergabe zur effizienten Nutzung beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode des Rechtsvergleichs, um die nationalen Gesetzgebungen und die völkerrechtliche Einbettung der Lizenzierung gegenüberzustellen und zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung des Seerechts, die spezifischen rechtlichen Lösungen bei Überschneidungen (am Fallbeispiel Frigg) sowie die detaillierte Darstellung der Lizenzmodelle (Production/Exploration Licences) beider Länder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Nordsee, Seerecht, UNCLOS, Eigentumsfragen, Lizenzvergabe, Frigg-Field-Agreement, Gasexploration und Festlandsockel.
Warum war das Frigg-Feld für die Rechtsentwicklung so bedeutend?
Das Frigg-Feld war der erste große Fall, bei dem eine bloße Meridian-Grenzziehung nicht ausreichte, da das Reservoir sich über zwei Wirtschaftszonen erstreckte und so bilaterale Kooperationsabkommen sowie neue rechtliche Regelungen für die technische und wirtschaftliche Zusammenarbeit erforderte.
Wie unterscheidet sich die Lizenzvergabe in Großbritannien von der in Norwegen?
Während Großbritannien auf ein historisch gewachsenes, komplexes System mit einem Punktesystem bei der Lizenzvergabe setzt, hat Norwegen nach einer Reform 2003 ein eher zweigliedriges, effizientes System mit weniger Fokus auf einem mathematischen Punktesystem bei der Vergabe etabliert.
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- Mathias Bild (Author), 2009, Die Exploration von Erdgas in der Nordsee, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141855