Arnaldo Momigliano – Geschichte in einer Zeit der Ideologien


Rezension / Literaturbericht, 2008

5 Seiten, Note: 2,3


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Der Aufsatz „Geschichte in einer Zeit der Ideologien“ von Arnaldo Momigliano befasst sich mit dem Misstrauen gegenüber Beweisen der Geschichtswissenschaft und deren Geschichtsschreibung.

Der Aufsatz ist, als einer von sieben, in dem Taschenbuch „Wie Geschichte geschrieben wird“ veröffentlicht worden. Der Aufsatz reiht sich ein in ein Gesamtwerk, in dem namhafte Größen der Geschichtswissenschaft, wie zum Beispiel Fernand Braudel, Reinhart Koselleck und Lucien Febvre, der als Mitbegründer der weltberühmten Zeitschrift „Annales“ gilt, Aufsätze veröffentlicht haben.

Der 1908 in Caraglio/Piemont geborene Autor Momigliano studierte Klassische Philologie und Geschichte in Turin und Rom. 1938 musste er aufgrund der Judengesetze im nationalistischen Italien nach London emigrieren. 1951 – 1975 war er Professor für Alte Geschichte an der Universität London. Nach zahlreichen Gastprofessuren und Ehrendoktortiteln verstarb Momigliano am 01.September 1987 in London. Er verfasste bereits in den 40-er und 50- er Jahren des letzten Jahrhunderts zahlreiche Beiträge zur Encyclopedia Italiana, wie auch Biographien für das Oxford Classical Dictionary (OCD) und der Encyclopaedia Britannica. Sein Hauptforschungsgebiet war die Geschichte der griechischen, römischen und jüdischen antiken Welt und deren Wechselwirkungen. Sein Augenmerk richtete er dabei vor allem auf die historischen, politischen und ideologischen Voraussetzungen, denen Historiker –antike wie moderne- unterliegen und die an der Geschichtsschreibung beteiligt waren oder sind.

Der Aufsatz „Geschichte in einer Zeit der Ideologie“ führt den Leser an die Frage der Bedeutung und vor allem an die Beweisbarkeit der Geschichtschreibung für die Geschichte heran. Er verdeutlicht zudem Probleme, mit denen sich antike wie auch moderne, Geschichtschreiber befasst haben oder noch müssen.

Der Aufsatz lässt sich in drei Teile gliedern. Im ersten Teil argumentiert der Autor mit seinen Thesen und führt den Leser in die Thematik ein, während er im zweiten Teil seine aufgestellten Thesen durch den Bezug zur Vergangenheit und dem Einbringen von Beispielen zu festigen ersucht, gelingt es ihm im letzten Teil einen Bezug herzustellen, zu der Problematik der Etablierung der Geschichtswissenschaft als Fach eines Studiums an den Universitäten und der damit verbundenen Neuerrichtung der Lehrstühle, sowie dem Fazit zur Beweissicherung zur Geschichte der Geschichtsschreibung.

Im ersten Teil des Aufsatzes nimmt sich Momigliano dem weitverbreitetem Gerücht an, das sich nach der landläufigen Meinung einiger vieler, die Historiker mit Manipulationen geschichtlicher Angaben, um den Auffassungen von Politik, Gesellschaft und Religion Tribut zu zahlen, schuldig machen. Ihnen wird somit Parteilichkeit angehängt, um ihre eigenen historischen Vorstellungen von der Geschichte für sich selbst zu nutzen, was bedeuten soll, sie würden ihre Aussagen nutzen, um zum Beispiel damit Profit zu machen. Selbst verschiedene Lager der Historiker (Katholiken und Protestanten, marxistische und bürgerliche Historiker,…) bedienen sich der gegenseitigen Anschuldigung der Parteilichkeit. Momigliano erwähnt hier erstmals die wiedererneuerte „Gesellschaftsfähigkeit der Rhetorik“ (S.30) als unmittelbare Folge des Niedergangs der klassischen Bildung. Sie soll beweisen, dass die Analyse von Historikern vergangener Zeiten einen wachsenden Anteil an der Geschichtsforschung hat und dass alle Historiker sich aus eigenen Erkenntnissinteressen leiten lassen. Der Autor baut erstmal eine Brücke zu der antiken Schule des Isokrates im vierten Jahrhundert v. Chr., um dem Leser aufzuzeigen, dass bereits zu der Zeit, die Beziehung zwischen Rhetorik und Geschichte problematisch war. Es geht der Geschichtsschreibung darum, damals wie heute und trotz gemeinsamer Punkte mit der Rhetorik, diese weiterhin nicht als einen Bestandteil ihrer selbst anzusehen. Momigliano zeigt durch einen Zeitsprung ins 17. Und 18. Jahrhundert dem Leser auf, dass die Altertumsforscher dieser Zeit sich ihres Wirkens und der nötigen Beweisführung besser bedienen konnten, da nachdem man an den historischen Chroniken Zweifel hatte, diese Historiker sich anderen historischen Überresten zuwandten, wie zum Beispiel Münzen, Inschriften und Urkunden. Die Methoden um historische Überreste als glaubwürdig zu bewerten wurden ausgebaut und verfeinert. Momigliano stellt dem Leser in Aussicht, dass ja die Geschichtswissenschaft an sich als Fach noch sehr jung ist, während die Thematik der Geschichte sehr alt ist. Daher könnte hier von einer „jugendlichen Unerfahrenheit“ (S.32) gesprochen werden.

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Arnaldo Momigliano – Geschichte in einer Zeit der Ideologien
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
5
Katalognummer
V141882
ISBN (eBook)
9783640516285
ISBN (Buch)
9783640516513
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Misstrauen, Beweise der Geschichtswissenschaft, Geschichtsschreibung, Ideologie, Verkennung
Arbeit zitieren
Thomas Kreuder (Autor:in), 2008, Arnaldo Momigliano – Geschichte in einer Zeit der Ideologien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141882

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