Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Die Professionalisierung der Volksschullehrer

Das Professionalisierungsmerkmal Autonomie

Titel: Die Professionalisierung der Volksschullehrer

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2001 , 20 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Stephanie Lorenz (Autor:in)

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Diskussionen zur Autonomie von Lehrern gestalten sich durchaus kontrovers. Es ist noch heute nicht eindeutig geklärt, ob Lehrer eine vollständig autonome Stellung einnehmen oder sich in einer Zwischenstellung befinden. Als eines der wichtigsten Merkmale der Professionalisierung gilt die Autonomie. Sie ist ein entscheidender Faktor bei der erfolgreichen Entstehung professioneller Berufe. Dabei muss die Differenzierung der Lehrertypen beachtet werden, denn die Befugnis zur selbständigen Regelung der eigenen rechtlichen und sozialen Verhältnisse blieb Volkschullehrern lange Zeit verwehrt. Gleichzeitig stellt sich überhaupt die Frage, ob einzelne Lehrerstände von heute autonome Felder verwalten. Daher bleibt es unabdingbar, die jeweiligen Professionalisierungen der Lehrertypen voneinander zu trennen. Vorausnehmend, dass Volksschullehrer als gänzlich unautonom galten, sind dennoch wichtige Emanzipationsbestrebungen im historischen Prozess zu verfolgen. Ohne Zweifel blicken Hauptschullehrer auf eine weitaus komplexere Berufsentwicklung zurück. Primär lagen die Gründe dafür in gesellschaftlichen und politischen Prozessen, die mehr oder minder Entwicklungen im Schulsystem bedingten, gegebenenfalls hemmten. Die Forschung setzt hierzu in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts an. Nicht zuletzt durch starke Interessengruppen, die den Professionalisierungsprozess vorantrieben, gelang schließlich die Durchsetzung des pädagogischen Berufes - Volksschullehrer. Kaum eine Berufsgruppe war so vielfältig politisch und gesellschaftlich betroffen. Durch zahlreiche Einflüsse aus Politik und Ökonomie waren die deutschen Lehrer ständig gezwungen, ihre Stellung neu zu überprüfen oder gar zu korrigieren. Vor allem der schnelle soziale Wandel der Gesellschaft wurde prägend für die Professionalisierung der Volksschullehrer. Unter dem Druck des herrschaftlichen Staatsapparates und der daraus resultierenden Schulentwicklung agierten die Elementarlehrer als Menschen zweiter Klasse. Niederes Sozialprestige, schlechte Arbeitsbedingungen, fehlende Anerkennung in der Gesellschaft und soziale Notlagen beklagten nahezu alle deutschen Volkschullehrer. Jene Probleme beeinflussten zwangsläufig die Professionalisierung und brachten den einfachen Lehrer mitunter an den Rand der Gesellschaft. Schon von Anbeginn ihrer Ausbildung unterstanden sie fortwährend einer Obrigkeit. Ihre politische und soziale Unmündigkeit zeichnete den niederen Status ihresgleichen aus.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Der politische „Knigge“ für Volksschullehrer

3. Das Kontrollorgan Geistlichkeit

4. Verlust des Ichs durch Ausgrenzung

5. Hemmfaktoren der Professionalisierung

6. Emanzipationsbewegungen der Elementarlehrer

7. Abriss zur Volksschullehrerbildung nach 1945

8. Zur Frage der Autonomie

9. Schlussbetrachtung

10. Literaturliste

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den historischen Professionalisierungsprozess von Volksschullehrern unter besonderer Berücksichtigung des Merkmals der Autonomie. Dabei wird analysiert, inwieweit politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen sowie Kontrollinstanzen die Entwicklung des Berufsbildes maßgeblich beeinflussten und behinderten.

  • Sozialgeschichtliche Rahmenbedingungen der Volksschullehrerbildung
  • Einfluss staatlicher und kirchlicher Kontrollinstanzen
  • Emanzipationsbestrebungen und der Kampf um Anerkennung
  • Entwicklung des Autonomiebegriffs im Lehrerberuf
  • Vergleich zwischen historischer Situation und heutigem professionellen Status

Auszug aus dem Buch

4. Verlust des Ichs durch Ausgrenzung

Im Laufe der Institutionalisierung des ausgehenden 18. Jahrhunderts zeichneten sich die Unterschiede zu Lehrern an höheren Schulen immer konkreter ab. Die Ausdifferenzierung getrennter Lehrerstände hatte zur Folge, dass die zwischen den Lehrertypen entstehende Abgrenzung stetig präsenter wurde. Die entscheidenden Merkmale der Professionalisierung wie Fachwissen, Berechtigung zur Berufsausübung durch Examen oder Autonomie blieben richtungsweisende Angelegenheiten „höherer“ Lehrer.

Setzt man voraus, dass der Begriff Professionalisierung eine Entstehung von funktionalen und sozialen Eliten meint, blickt der Laie wahrlich zum Zeitpunkt der Institutionalisierung nur auf den Berufsstand des „höheren“ Lehrers. Da somit Professionalisierung nicht vollständig auf den Volksschullehrer anwendbar ist, taucht in der Forschungsliteratur die Bezeichnung „Verberuflichung“ der Volksschullehrer auf (Kuhlemann). Die Komplexität der Professionalisierungsprozesse verschiedener Berufsstände muss daher stets unter dem jeweils gegebenen historischen Entwicklungsgang betrachtet werden. Dennoch ist die Differenzierung zwischen Lehrertypen beachtlich.

Während die eindeutigen Merkmale eines „Expertenberufes“ tatsächlich auf den Gymnasiallehrerstand anwendbar sind, wird im Vergleich zum Volkslehrer die deutliche Abgrenzung beweisbarer. Jeismann nennt neben der Autonomie eine spezialisierte Ausbildung, das Examina, hohes gesellschaftliches Prestige, ein Streben nach Marktmonopol, sowie die wirtschaftliche Sonderstellung als prägnante „Erkennungszeichen“ professioneller Berufe. Dies alles sind Merkmale, die auf den „niederen“ Lehrertyp nicht zutrafen.

Im Vergleich zum Prozess der Professionalisierung von Gymnasiallehrern ist eindeutig festzustellen, dass Volksschullehrer einen weitaus schwierigeren Weg zu gehen hatten. Bis zu deren vollständigen Anerkennung kam es entsprechend später als bei „höheren“ Gelehrten. In Anbetracht der vielen Hemmnisse, die ihnen auferlegt wurden, blieb der Landlehrer noch weit davon entfernt, seinen Beruf als Profession zu verstehen. Zunächst einmal war der Erwerb der spezifischen professionellen Kompetenz durch staatliche Kontrolle gar nicht möglich und zudem fehlte die nötige gesellschaftliche Akzeptanz.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Einführung in die kontroverse Diskussion über die Autonomie von Lehrern und Darstellung der historisch komplexen Berufsentwicklung von Volksschullehrern.

2. Der politische „Knigge“ für Volksschullehrer: Untersuchung der staatlichen Gängelung und der Unterordnung unter das Ziel der „Schulzucht“ im 19. Jahrhundert.

3. Das Kontrollorgan Geistlichkeit: Analyse der Abhängigkeit der Volksschullehrer von kirchlichen Aufsichtsinstanzen und der damit verbundenen Einschränkung der persönlichen Freiheit.

4. Verlust des Ichs durch Ausgrenzung: Darstellung der Abgrenzung von „höheren“ Lehrerständen und den Folgen für das Selbstverständnis der Elementarlehrer.

5. Hemmfaktoren der Professionalisierung: Erörterung der strukturellen Hindernisse und der späten Akademisierung des Berufsstandes.

6. Emanzipationsbewegungen der Elementarlehrer: Dokumentation der Bemühungen um Anerkennung und des Kampfes um eine wissenschaftliche Ausbildung als Basis für Autonomie.

7. Abriss zur Volksschullehrerbildung nach 1945: Überblick über die Reformversuche und den mühsamen Weg zur Professionalisierung in der Nachkriegszeit.

8. Zur Frage der Autonomie: Kritische Reflexion der heutigen Handlungsspielräume und der Einschränkungen durch Beamtenstatus und staatliche Vorgaben.

9. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung, dass der Lehrerberuf eher als Semiprofession zu bezeichnen ist, da er nicht alle Kriterien einer vollen Profession erfüllt.

10. Literaturliste: Auflistung der verwendeten Quellen zur historischen und professionstheoretischen Einordnung.

Schlüsselwörter

Volksschullehrer, Professionalisierung, Autonomie, Schulentwicklung, Lehrerbildung, Emanzipation, Schulaufsicht, Sozialgeschichte, Semiprofession, Elementarlehrer, Bildungsgeschichte, Berufsstand, Status, Pädagogik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung des Volksschullehrerberufs im Hinblick auf seine Professionalisierung, insbesondere unter dem kritischen Aspekt des Professionsmerkmals Autonomie.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die soziale Stellung des Volksschullehrers, der Einfluss staatlicher und kirchlicher Kontrolle, die historische Lehrerbildung sowie der Vergleich mit anderen Lehrerständen wie dem der Gymnasiallehrer.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den historischen Professionalisierungsprozess nachzuzeichnen und zu klären, warum der Lehrerberuf – speziell der des Volksschullehrers – den Status einer vollständigen Profession nur schwer erreichen konnte.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine literaturgestützte historische Analyse, die sozialgeschichtliche und bildungsgeschichtliche Sekundärliteratur auswertet, um den Werdegang des Lehrerberufs zu rekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kontrollorganen wie der Kirche, der Ausgrenzung durch den Staat, Hemmfaktoren der Ausbildung, Emanzipationsbewegungen und der spezifischen Problematik der beruflichen Autonomie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Professionalisierung, Autonomie, Volksschullehrer, Bildungsgeschichte und Semiprofession sind die zentralen Begriffe, die den Inhalt der Arbeit prägen.

Wie prägte die „geistliche Ortschulaufsicht“ den Alltag des Lehrers im 19. Jahrhundert?

Diese Kontrolle war allumfassend und reichte bis in das Privatleben und die Amtspflichten des Lehrers, was eine freie pädagogische Entfaltung nahezu unmöglich machte und zur Unterordnung zwang.

Warum wird der Lehrerberuf am Ende der Arbeit als „Semiprofession“ bezeichnet?

Aufgrund der ständigen Bindung an staatliche Vorgaben, der unvollständigen wissenschaftlichen Unabhängigkeit und des oft fehlenden gesellschaftlichen Prestiges erfüllt der Lehrerberuf laut der Analyse nicht alle Kriterien, die klassische „Expertenberufe“ auszeichnen.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Professionalisierung der Volksschullehrer
Untertitel
Das Professionalisierungsmerkmal Autonomie
Hochschule
Universität Leipzig  (erziehungswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
HS "Die Profession des Lehrers"
Note
1,3
Autor
Stephanie Lorenz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V14189
ISBN (eBook)
9783638196581
ISBN (Buch)
9783656035077
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Professionalisierung Volksschullehrer Professionalisierungsmerkmal Autonomie Profession Lehrers
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stephanie Lorenz (Autor:in), 2001, Die Professionalisierung der Volksschullehrer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14189
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  20  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum