Ist eine Trennung Ilias - Troja möglich?


Seminararbeit, 2009

29 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Quellenkapitel

3. Hauptteil
3.1 Was wissen wir Ober Homer?
3.2 Kurze Darstellung der griechischen Geschichte bis ins 8. Jahrhundert v. Chr.
3.3 Versuch einer Datierung der Ilias
3.4 Was erzahlt die Ilias wirklich?
3.5 Ist unter diesem Gesichtspunkt eine Verbindung von Ilias und Troja Oberhaupt sinnvoll?

4. Schluss
4.1 Zusammenfassung und Schlusserkenntnis

5. Bilder

6. Quellenverzeichnis

7. Literaturverzeichnis

8. Bildnachweis

1. Einleitung

Seit nunmehr 4 Jahren ist der groBe Medienzirkus um den Trojadiskurs verstummt. Jedoch ist man sich immer noch nicht einig, welche Rolle die Ilias in der Forschung spielen soll. Durch diese Uneinigkeit entstanden viele verschiedene Interpretationsansätze1 fiber den Zusammenhang Ilias und den archäologischen Ausgrabungen in der Trods.

Das Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, genau diesen Schwerpunkt aufzugreifen und die Ilias, so weit wie möglich, von den Grabungen am Hisarlik zu trennen. Da sich meine Arbeit mit den „tatsächlichen Aussagen" der Ilias beschäftigt, ist es zunächst von Nöten, sich deren Autor, Homer, zu widmen. Darauf folgt eine kurze Darstellung der friihen griechischen Geschichte von den Anfängen der mykenischen Kultur bis Ende der friiharchaischen Phase. Diese geschichtliche Darstellung soll das, fir die Ilias notwendige, Hintergrundwissen liefern und uns die Möglichkeit einer sinnvollen Datierung geben, um so auf den griechischen Kontext des Entstehungszeitraum verweisen zu können, welcher eine tragende Rolle fir die Entstehung und Zweck dieses Werkes zu haben scheint. Dabei werde ich die Kerngeschichte der Ilias genauer betrachten und dadurch versuchen, dass homerische Troja vom archäologischen Troja zu trennen. Der Schwerpunkt soll dabei nicht im archäologischen Bereich angesiedelt werden, sondern sich mehr im Bereich der Geschichte und der Iliasdeutung bewegen. Daher kann ich leider nur ganz kurz auf die archäologischen Ausgrabungen am Hisarlik eingehen.

Der fhrende Forscher und Homer-Kenner, welcher diese Verbindung ebenfalls untersucht hat, ist der Philologe Joachim Latacz. Aufgrund seiner fhrenden Rolle in der gesamten Forschung um Homer und seinen engen Kontakten zur archäologischen Leitung der Ausgrabungen am Hisarlik, besonders zu dem 2005 verstorbenen Korfmann, halte ich ihn fir durchaus kompetent und werde mich auch zum Teil auf seine Arbeiten2 zu Troja und Homer beziehen. Weiterhin empfinde ich Carl Joachim Classen nennens wert, da dieser sich, in seinem 2008 erschienenen Werk, mit dem Inhalt der homerischen Epen explizit und nur anhand der Ilias und Odyssee selbst beschäftigt.3 Des weiteren gibt es eine schier unglaubliche Anzahl von Forschungsliteratur zu dieser Thematik, was natarlich, fir fast 300 Jahre Homer Forschung, nicht verwunderlich ist. Aber mir sei aus diesem Grund verziehen, dass ich nur die fir mich prägnanten Werke verwende und nicht den gesamten aktuellen Forschungsstand wiedergebe und auch nicht wiedergeben kann.

2. Quellenkapitel

Die Quellenlage zu diesem Thema gestaltet sich als äuBerst schwierig, denn es gibt keine zeitgenössischen Quellen iiber Homer und die vorhandenen Sekundärquellen liegen mit beachtlichen Zeitabständen weit von ihm entfernt. Ebenfalls ist die Authentizität dieser Quellen in Frage zu stellen, da diese in sich selbst oder untereinander sehr widerspriichlich sind. Jedoch werde ich selbstverständlich Quellen verwenden. An erster Stellen steht natiirlich die Ilias selbst. Des Weiteren werde ich Hesiod4 benutzen, um einen Einblick in die friiharchaische Zeit zu ermöglichen. Um ein historisches Feedback zu liefern, habe ich mir weiterhin noch Herodot, Aristoteles, Xenophanes und Platon herausgesucht, da diese sich im Laufe der Geschichtsschreibung als eigentlich relativ vertrauliche Quellen erwiesen haben.

3. Hauptteil

3.1 Was wissen wir fiber Homer?

Versuchen wir diese Frage zunächst durch eine antike Quelle zu klären. Es sind uns 7 groBe Viten iiber Homer erhalten, jedoch möchte ich mich lediglich auf die wohl bekannteste, Vita Herodotea, beziehen. Sie beginnt mit einer Erläuterung iiber Homers Abstammung. Es wird erzählt, dass seine GroBeltern in Kyme heirateten und dort eine Tochter zeugten, diese wiederum erwartete später ein uneheliches Kind und wird dadurch zur Flucht nach Smyrna gezwungen. Dort wurde schlieBlich Homer geboren und wuchs in Smyrna auf (Kap. 1-5). Er besuchte auch die Schule und war sogar so gut, dass er dem Lehrer als ebenbiirtig beschrieben wird und als dieser starb, seine Lehrerstelle iibernahm (Kap. 6-8). Danach kommt es zu einem Bruch in Homers Leben, denn nun folgte eine Zeit des ständigen Wanderns und Umherziehens. Drei groBe Reisen werden in der Vita beschrieben. Die Erste von seinem Geburtsort Smyrna nach Phokaia (Kap. 9-16), die Zweite von Phokaia nach Chios (Kap. 17-25), in Chios hielt er sich fiir unbestimmte Zeit auf (Kap. 26), die Dritte von Chios nach Hellas, wobei er in Ios eines plötzlichen Todes starb (Kap. 27-36). Daran schlieBen sich noch zwei weitere Kapitel, die jedoch nichts mit Homers Lebenslauf zu tun haben, sondern in denen versucht wird, ihn zeitlich einzuordnen5.

Des Weiteren ist diese Erzählung mit Epigrammen ausgeschmiickt, welche Homer einst gesagt haben soll. Diese Epigramme hat Markwald sehr detailliert untersucht und kommt am Ende zu dem Schluss, dass es sich dabei in keinem Fall um Aussagen Homers handeln kann6. Jedoch ist dies nur eine unter sehr vielen Quellen, die versuchen iiber Homer etwas auszusagen.

Jedoch alle diese Quellen sagen nichts Authentisches und lassen keine historischen Schlfisse zu7. Ein alter lateinischer Lehrsatz, den jeder Lateinschfiler kennt, lautet: „Homerus caucus fuisse dicitur". Hier wird zwar ein Beispiel ffir Nominativus cum Infinitivo in Verbindung mit Konjunktiv Passiv dargestellt, aber dieser kleine Satz sagt schon sehr viel fiber Homer aus. „Homer scheint blind gewesen zu sein", denn mit dem verbundenen Konjunktiv wird eine Möglichkeit ausgedrfickt, die uns verdeutlicht, dass wir nichts Genaues fiber Homer wissen, sondern lediglich Vermutungen anstellen können. Dies bedingt sich hauptsächlich aus dem Problem der Qellenlage, denn Primärciuellen ,fiber Homer, haben wir nicht bzw. sind uns nicht erhalten. Das nächste Problem stellen die Secundärciellen dar, in erster Linie durch den groBen Abstand dieser Quellen8 und des Weiteren dadurch, dass sie sich gegenseitig widersprechen (z.B. Streit um Homers Heimatsort) oder gar in sich selbst unstimmig sind.9 Viele Autoren haben sich fiber Homer geäuBert, wie oben angedeutet, und bedienen das volle Spektrum, von Anerkennung bis hin zum Aberkennen seiner Werke. Aristoteles sieht ihn als den gröBten Dichter, der je gelebt hat10, aber Xenophoanes11 und Platon12 hingegen glauben nicht, dass alle Werke, die ihm zugeschrieben werden, auch von Homer stammen. Aber eines haben sie dennoch gemein, denn sie bezweifeln nicht, dass Homer eine historische Persönlichkeit sei und auch nicht, dass der trojanische Krieg eine Erfindung Homers sei. Allgemein und aus heutiger Sicht lässt sich sagen, dass uns Homer als erster Dichter des Abendlandes bekannt ist und aus dem Raum der ionischen Kolonien in Kleinasien kam. Denn ein ionischer Dialekt in seinen Werken ist nicht zu leugnen und die meisten Städte, die beanspruchen seine Heimat zu sein, kommen aus diesem ionischen Gebiet13.

Aber ich denke, die Erkenntnisse fiber Homers Person können wir hier vernachlässigen, denn wichtig ist, dass die Ilias natfirlich einen Autor hatte, welcher eine historische Persönlichkeit darstellt und der aus den ionischen Kolonien kam. Ob dieser Autor nun Homer hieB oder nicht, soll uns hier nicht weiter interessieren. Viel wichtiger ffir uns ist es, den Autor der Ilias zeitlich einzuordnen und herauszufinden, was die Ilias selbst, aus sich heraus, berichtet.

Um dies realisieren zu können, ist es zunächst notwendig, die damit in Verbindung stehende Geschichte zu betrachten.

3.2 Darstellung der griechischen Geschichte bis ins 8. Jahrhundert v. Chr.

Sehr verallgemeinert lässt sich die Zeit von 2000-700 v. Chr. in Griechenland in 3 grobe Phasen teilen, die mykenische Zentralpalastkultur, submykenische Nachpalastkultur bzw. geometrische Phase14 und friiharchaische Zeit.

Seit dem 6 Jh. v. Chr. sind Siedlungen in Griechenland nachge wiesen15, jedoch erst ca. 2000 v. Chr. begann ein Einwanderungsprozess auf die siidliche Balkanhalbinsel. Die dort eingewanderten Stämme, die der indogermanischen Sprachgruppe angehörten, vermischten sich mit der einheimischen Bevölkerung und bildeten langsam sesshafte Zentren heraus, da die eingewanderten Bevölkerungsgruppen zunächst, durch Hirtentätigkeit bedingt, ein nomadisches Leben fiihrten16. Später entwickelten sich aus diesen Zentren die Palastkulturen der Balkanhalbinsel. Codino beschreibt17, dass die Palastkultur von Kreta ausging18. Diese wurde von vielen, in ähnlicher Form, iibernommen z.B. von Agypten, Mesopotamien, Syrien, Kleinasien und schlieBlich auch von der Bevölkerung des griechischen Festlandes. Jedoch die wichtigsten Palastkulturen waren zunächst zwei auf Kreta, Knossos und Phaistos, denn von ihnen ging die minoische Seeherrschaft bis ins 15. Jahrhundert aus.

Diese genannten Zentralpalastkulturen definieren sich dadurch, dass die Paläste (im griechischen Raum eher grobe Burganlagen) zentrale Residenzen der Adligen waren, von denen sie das regionale Umfeld beherrschen konnten. Sie besaBen eine politische Rangordnung, die einem Pyramiden-schema entsprach, mit den Fiirsten oder Königen an der Spitze. Die Keramiken, die gefunden wurden, bestätigen dies, denn sie setzen klare Strukturen voraus. Des weiteren war die Produktion solcher Luxuswaren nur durch Arbeitsteilung der ansässigen Gruppen möglich19.

Jeder Palast war autonom organisiert, jedoch durch komplexe Verwandtschaftsverbindungen der Adligen miteinander verbunden. Ebenfalls unterhielt man komplexe Handelsbeziehungen, zunächst regional und später auch bis nach Kreta, zu den Hethitern und nach Agypten. Dies wird sichtbar iiber die Verbreitung der mykenischen Handels waren20. Der Handel war fiir die Palastkulturen von entscheidender Wichtigkeit, denn der Bedarf an Rohstoffen, wie Metall, oder an Nahrung konnte nicht immer von selbst gedeckt werden21.

Eine besondere Stellung nimmt, spätestens ab dem 17. Jahrhundert, Mykene ein, welches ein relativ groBes Gebiet des Festlandes und der Inselwelt umfasste22. Weitere Zentren waren Pylso, Ephyra (Korinth), Sparta, Theben, Orchomenos und Athen23. Ab Mitte des 2. Jahrhunderts kommt es dann zur Expansion dieser Zentren. Das wohl wichtigste Ereignis war ca. 1430 v. Chr. die Eroberung des minoischen Knossós. Daraus können wir eine Vielzahl von Riickschliissen ziehen. Diese Tat weist auf ein hohes organisatorisches Talent (bzw. Möglichkeiten) hin. Es wird wahrscheinlich, dass es eine Gemeinschaftshandlung unter der Fiihrung Mykenes war, denn, wie schon erwähnt, besaB Knossós die Hegemonie zur See und somit brauchten die Angreifer groBe Flotten- und Truppenverbände um die Stadt zu erobern. Durch den Sieg, den Mykene auf Kreta erlangte, kam es zur allgemeinen Anerkennung unter den GroBreichen dieser Zeit (Agypten, Assyrien, Hethiterreich). Damit verbesserten sich auch die Handelsbeziehungen und förderten die mykenische Bliite. Aber das wohl wichtigste, was aus der Eroberung resultierte, war die Obernahme der Schrift, die Linear A, eine sylabische Schriftform. Diese passten die Mykener an ihre Sprachbediirfnisse an und es entstand die Linear B Form24. Jedoch man benutze diese lediglich zu Registraturzwecken, da ein schnelles Schreiben der äuBerst komlexen Silbenschrift, die 90 Zeichen besitzt, nicht möglich war25. Jedoch jenes Problem heiBt nicht, dass es keine anderen Obermittlungsformen im innergriechischen Raum gab, denn diese manifestierten sich in der Sängertradition, die in der mykenischen Kultur ihren Ursprung nahm. Dies konnte bisher nur vermutet werden, aber im aktuellen Forschungsstand gilt es als gesichert, dass die Mykener schon miindliche Sängerdichtungen kannten und benutzten26. Schon 1977 bemerkte Hooker, dass die ägäische Kultur als wichtiger Teil der orientalischen Welt fungierte27, was heute als gesichert angenommen werden kann. Um 1200 v. Chr. brechen die mykenische und hethitische Kultur zusammen. Die Forschung nimmt an, dass innere und äuBere Faktoren zum Untergang dieser Kulturen gefiihrt haben28. Die äuBeren Faktoren zeigen sich in erster Linie durch massive Volksbewegungen, die iiber den gesamten Balkan und in Kleinasien eindrangen29, des Weiteren durch Naturkatastrophen, bedingt durch klimatische Veränderungen. Innere Faktoren finden sich in der strukturellen Schwäche des Systems, denn durch Abbrechen der Handelsbeziehungen konnte der groBe Bedarf an wichtigen Giitern nicht mehr gedeckt werden. Dadurch ist es wahrscheinlich, dass durch groBe Hungersnöten innere Aufstände ausbrachen, zumal die Paläste auf die landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Umlandes angewiesen waren. Jedoch geht man davon aus, dass dies kein abrupter Untergang war, sondern vielmehr ein langwieriger Prozess30.

Die ehemaligen „Dark Ages" zeichneten sich dadurch aus, dass alte Strukturen aufgelöst wurden, die Bevölkerungszahlen stark sanken und viele Kunstfertigkeiten untergingen, darunter auch die Linear B Schrift. Die dorische Wanderung31, auf die siidliche Balkanhalbinsel, fiel in diese Zeit und drangte damit die Ionier und Aolier in den westlichen Teil Griechenlands, bis diese schlieBlich ca. 1000 v. Chr. allmahlich das griechische Festland in Richtung Kleinasien verlieBen32 und dort allmahlich Stadte bildeten, bis hin zur geplanten Kolonisation an der kleinasiatische Kiiste und den vorgelagerten Inseln33.

Jedoch sind nicht alle Kunstfertigkeiten verloren gegangen, sondern manche blieben teilweise bestehen, daher die neue Bezeichnung als submykenische Kultur bzw. als geometrische34 Periode35. Grabungen im Kerameikos (Stadtteil von Athen) bestatigten dies, denn die gefundenen Keramiken spiegeln eine kunsthandwerkliche Entwicklung wieder36 und damit kann eine Keramikkultur der geometrischen Periode nachgewiesen werden. In der friihen Eisenzeit (Mitte 11. Jh. - 700 v. Chr.) wurden weitere wichtige Funde gemacht, wie z.B. das Fiirstengrab von Lefkandi37 oder die Friedhofsfunde aus Elateia oder die aus dem Nordfriedhof von Knössós. All diese Funde legen nahe, dass iiberregionale Kontakte bestanden haben, die jedoch ohne schriftliche Zeugnisse ungenau bleiben38.

Insgesamt zeigt sich, dass es in den „Dark Ages" nicht zu einem kompletten Bruch und einem Neuanfang kommt, wie in der Forschung lange Zeit angenommen wurde. Eine gewissen Kontinuitat39 der mykenischen Traditionen bleibt bis zur friiharchaischen Zeit bestehen40. Natiirlich werden diese im Laufe der Zeit standig an die Bediirfnisse, Aktualitat und Gemeinschaft angepasst und verschwimmen so immer mehr, bis in manchen Fallen nicht mehr erkennbar ist, aus welcher Zeit die Tradition stammte.

Die friiharchaische Zeit von 800-700 v. Chr. ist uns hauptsachlich durch Homer und Hesiod iiberliefert. In dieser Zeit sind die Anfange der Polis zu verzeichnen, jedoch nicht als politische Einheit, sondern eher als Stadt mit Umland. Die Adligen zeichnen sich nicht durch einen Rechtsstatus aus, sondern vielmehr durch ihren Grundbesitz und der damit verbundenen Macht, genauer betrachtet sind sie nicht mehr als GroBbauern, die sich durch ihren gehobenen Lebensstil und durch ihre Abstammung von mythischen Helden definieren. Es existierte kein schriftliches Recht und keine Rechtsnormen. Die Adligen hatten die Gerichtsgewalt inne41. So beschreibt Homer sie, in einer „pro" adligen Haltung, als Greise42 und somit als weise Manner. Hesiod hingegen beschreibt die herrschaftliche Gerichtsbarkeit als willkiirlich und ohne MaB und Regel43. Diese fehlenden Rechtsnormen, die der willkiirlichen Rechtssprechung zugrunde liegen, werden uns spater nochmalig beschaftigen. Weiterhin berichtet Hesiod von der Wichtigkeit des eigenen Oikos (Haus und Hof mit Feldern)44, an welches jeder zuerst denken muss, bevor er sich anderen Dingen widmet. Auch gegenseitiges Nehmen und Geben scheint eine wichtige Bedeutung zu spielen45, jedoch nicht aus Nächstenliebe, sondern als Hilfe in Notsituationen, dabei soll man immer versuchen, mehr zu geben als der Andere, um ihn von sich abhängig zu machen46.

Die Voraussetzung, dass wir uns auf Homers und Hesiods Werke beziehen können und so diese Zeit widerspiegeln, ist natiirlich die Schrift, die man ca. 800 v. Chr., durch enge ionische Handelsverbindungen mit dem Orient, von den Phöniziern iibernahm. Das 26 Buchstabenalphabet, benutzte man sicherlich in erster Linie, um den Handel zu vereinfachen, da dies es nun zulieB, dass auch langere Schriften in kurzer Zeit festgehalten werden konnten. So wurden sie nicht nur von Handlern benutzt, sondern auch von Dichtern wie Homer. Es sei hier nur kurz noch erwahnt, dass die Ionier, im Gegensatz zum griechischen Festland, durch die regen Handelskontakte und durch die fruchtbaren Böden an der kleinasiatischen Kiiste um einiges reicher waren als die Festlandgriechen (Dorer). Dies förderte natiirlich das Gedeihen einer geistigen Bliite in den Kolonien, so dass Milet, wie Latacz es nennt, die heimliche Hauptstadt eines friihen Griechenlands wurde47.

Zusammenfassend ist iiber diesen Zeitabschnitt zu sagen, dass es sich um eine Phase des Umbruchs, bedingt durch starke Handelsbeziehungen und Weiterentwicklung der Gemeinschaften, handelt. Aber man darf hier nicht die negativen Aspekte vernachlassigen, denn durch die Steigerung der Bevölkerungszahl gingen Probleme, wie Hungersnöte, Ubervölkerung und soziale Probleme einher48. Dennoch ist meiner Ansicht nach der Aufbruch in eine neue Bliitezeit zu verzeichnen.

[...]


1 Z.B. den neusten und sehr umstrittenen Ansatz von Schrott s. Schrott. 2008.

2 Latacz. 1989. Latacz. 2005.

3 Classen. 2008.

4 Dieser ist der einzige der uns, neben Homer, Auskunft iiber diesen Zeitraum liefern kann.

5 Markwald. 1986. S. 15-16.

6 AuBer beim 2. Epigramm räumt er die Möglichkeit ein, dass es durch Zufall tatsächlich um ein iiberliefertes Epigramm handeln könnte. Dazu komplette Analyse in Markwald. 1986.

7 Latacz. 1989. S 32.

8 Beginnen erst im 7. u. 6. Jh. v. Chr., aber da Angaben zur Entstehungszeit der Arbeit nicht fiblich war, bleiben unser
Datierungen ungenau.

9 Latacz. 1989. 32-52. ff. ; Latacz. 2005. ; Codino. 1970.

10 Aristot. Poet. 23.

11 Xenophan. 11.

12 Plat. Pol. 388c.

13 Latazc. 1989. 11-14.

14 Ehemals als „Dark Ages" bezeichnet, jedoch nach neuerem Stand der Forschung ist diese Bezeichnung nicht mehr zulässig. Vgl. Patzek. 1991. 58.

15 Piepenbrink. 2006. 10.

16 Codino. 1970. 63.

17 Codino. 1970. 64-73.

18 Kreta gehört nicht zum mykenischen Kulturkreis, sondern bildet eine eigene, völlig unabhängige minoische Kultur.

19 Vgl. Furumark. 1941. 1-111.

20 Woolley. 1955. 347.

21 Das Abbrechen der Handelsbeziehung ist in späterer Zeit ein entscheidender Grund fiir den Untergang der Palastkulturen (in Bezug auf den Untergang des mykenischen und Hethiterreich).

22 Piepenbrink. 2006. 12.

23 S. Abb. 1.

24 S. Abb. 2.

25 Latacz. 2005. 187.

26 Latacz. 2005. 303.

27 Hooker. 1977. 110.

28 Piepenbrink. 2006. 14.

29 Diese „Völkerwanderung" wurde um 1180 v. Chr. durch Ramses III. im Grenzgebiet von Levante und Agypten aufgehalten. Vgl Lehmann. 1996.

30 Vgl. Alin. 1962.

31 Die Dorer sind ein griechisches Volk, welches nicht so sehr an der mykensichen Bliite Anteil hatte und aus dem Norden Griechenlands kamen.

32 Piepenbrink. 2006. 16.

33 Latacz. 2005. 179.

34 Geometrisch Periode, weil die die gefundenen Keramiken klare geometrische Muster und Strukturen aufweisen und sich eindeutig von der mykenischen Kultur abgrenzen lassen.

35 Eder. 2004. 109-111.

36 S. dazu Kiibler. 1954.

37 Die dort gefundenen Keramiken nehmen einen gesonderten Status ein, deshalb werden wir spater darauf zuriickgreifen.

38 Vgl. Lemos. 2002.

39 Kontinuitat ist nicht lokal abhangig, sondern immer Gruppen- und Personengebunden, dadurch scheint es realistisch, dass zumindest ein kleiner Teil der mykenischen Traditionen nach Kleinasien gelangten.

40 Kontinuitat oder Diskontinuitat? s. dazu Edder. 2004. 113.

41 Piepenbrink. 2006. 26.

42 Hom. Il. 18. 503-508.

43 Hes. Op.. 201-211.

44 Hes. Op. 404-408.

45 Hes. Op. 341-354.

46 Piepenbrink. 2006. 26-28.

47 Latacz. 2005. 179-181.

48 Grethlein, 2006. 315.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Ist eine Trennung Ilias - Troja möglich?
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Troja und Homer
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
29
Katalognummer
V141925
ISBN (eBook)
9783640496181
ISBN (Buch)
9783640496358
Dateigröße
3395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Troja, Ilias, Homer, Hethiter, Mykene, Hisarlik
Arbeit zitieren
Pierre Köckert (Autor), 2009, Ist eine Trennung Ilias - Troja möglich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141925

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