Mobbing wird oft als Begriff von Lehrkräften verwendet, auch wenn es sich vielleicht oft gar nicht um Mobbing handelt, sondern nur zunächst um einen bloßen Konflikt. Somit müsste zunächst erläutert werden, worum es sich bei dem Begriff Mobbing handelt und eine Definition festgestellt werden.
Mobbing wird grundsätzlich in unserer Gesellschaft seit langer Zeit als etwas Negatives gesehen. Hat Mobbing jedoch nicht den Ursprung in der Tierwelt, wo es als etwas Positives, im funktionalen Verhalten der Tiere gesehen wurde? Ist es nicht, angewandt auf die heutige Schulwelt, genauso ein positiver Effekt, wenn dadurch ein unliebsamer oder fauler Lehrer an einer Schule oder eben ein Kollege aus der Schule entfernt wird? Wäre es nicht sinnvoll, eine Lehrkraft, die ihrer Klasse nichts beibringt oder immer zu spät kommt, einer anderen Klasse zuzuteilen? Könnte somit Mobbing anstatt dysfunktional sogar funktional an Lehrkräften wie bereits in der Tierwelt sein? Ist Mobbing eine Form der Gewalt, wie wir sie kennen, oder sollte man Mobbing aus wertneutraler Perspektive neu überprüfen? Um welche Form der Gewalt könnte es sich hier handeln? Diese Fragen sollen folgend beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise
2. Der Gewaltbegriff in der Soziologie
2.1 Der Gewaltbegriff im Vergleich
2.2 Dimensionen der Gewalt
2.3 Bedeutungselemente von Gewalt nach Imbusch
2.4 Legitime und illegitime Gewalt
2.5 Ebenen der soziologischen Analyse von Gewalt
3. Die Grundlagen von Mobbing
3.1 Wortherkunft Mobbing
3.2 Herkunft allgemein
3.3 Definition
3.4 Kritik an der Definition von Leymann
4. Der Prozess Mobbing
4.1 Verschiedene Handlungen des Mobbings
4.1.1 Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen
4.1.2 Angriffe auf die sozialen Beziehungen
4.1.3 Angriffe auf das soziale Ansehen
4.1.4 Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation
4.1.5 Angriffe auf die Gesundheit
4.2 Cybermobbing
4.3 Phasen von Mobbing nach Leymann
4.3.1 Phase 1 – Die täglichen Konflikte
4.3.2 Phase 2 – Mobbing etabliert sich
4.3.3 Phase 3 – Destruktive Personalverwaltung
4.3.4 Phase 4 – Der Ausschluss
5. Mobbing an Lehrkräften
5.1 Mögliche Konstellationen von Mobbing
5.1.1 Mobbing durch Schülerinnen und Schüler
5.1.2 Mobbing durch Schulaufsicht / Schulbehörde
5.1.3 Mobbing durch Eltern und Elternvertretung
5.1.4 Mobbing durch Kollegen und Kolleginnen
5.1.5 Mobbing durch die Schulleitung
5.2 Häufigkeit von Mobbing an Lehrkräften
5.3 Forschung und Studien
5.4 Auswirkungen
5.5 Auswirkungen auf die Täter
6. Mobbing als Gewaltform
6.1 Mobbing in Bezug auf den Gewaltbegriff von Galtung
6.2 Mobbing nach den Bedeutungselementen von Gewalt nach Imbusch
6.3 Mobbing im Wandel der Zeit anhand der Mehrebenenanalyse nach Ottermann
7. Strategien gegen Mobbing
7.1 Prävention
7.2 Intervention
7.3 Betrachtung der Methode „Shared Responsibility Approach“
7.4 Dimensionen der Arbeit gegen Mobbing an Lehrkräften
8. Schluss
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Mobbings unter Lehrkräften aus einer wertneutralen soziologischen Perspektive. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Mobbing an Schulen – entgegen der landläufigen Wahrnehmung als rein negatives, dysfunktionales Phänomen – in bestimmten Kontexten als funktionales Mittel zur Aussortierung ungeeigneter Lehrkräfte verstanden werden kann und wie dieser Prozess soziologisch einzuordnen ist.
- Soziologische Analyse des Gewaltbegriffs und dessen Anwendung auf Mobbing.
- Differenzierte Betrachtung der Mobbing-Konstellationen im schulischen Umfeld (Schüler, Eltern, Kollegen, Leitung).
- Analyse des Mobbing-Prozesses nach dem Phasenmodell von Heinz Leymann.
- Evaluierung von Präventions- und Interventionsstrategien, wie dem "Shared Responsibility Approach".
Auszug aus dem Buch
4.1 Verschiedene Handlungen des Mobbings
In den 1980er Jahren führte Heinz Leymann zusammen mit seinen Mitarbeitern eine umfangreiche Studie durch, die auf etwa 300 Interviews basierte, um den Verlauf des Mobbing-Prozesses zu untersuchen. Das Ziel der Untersuchung war es, die Reaktionen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf bestimmte Handlungen festzustellen, die als Mobbing-Verhalten eingeordnet werden können. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass einige der Handlungen, die zwischen Menschen im Alltag auftreten, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen, in Unternehmen häufiger und über längere Zeiträume auftreten und eine zerstörerische Wirkung auf die betroffenen Personen haben können. "Allerweltshandlungen" (Leymann 2015:23), die eigentlich als harmlos gelten, können einen Menschen im Arbeitsumfeld brechen und eine anhaltende Angst sowie Existenzängste verursachen (ebenda).
Die Ergebnisse der Studie wurden auch durch Gespräche mit Betriebsräten, Personalchefs und Psychologen bestätigt. Der Vergleich zu Mobbing in der Arbeitswelt kann am besten auf den Bereich der Schule (Arbeitswelt der Lehrkräfte) angewandt werden. Aus diesem Grund wird diese Studie herangezogen. Leymann identifizierte 45 Handlungen, die als Mobbing-Verhalten eingeordnet werden können und darauf abzielen, wichtige Funktionen und Zustände im Arbeitsleben zu manipulieren. Diese werden in fünf Kategorien eingeteilt, die jeweils verschiedenen Auswirkungen auf die Opfer haben. Die Typologien dieser Handlungen sind folgende:
1. Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen
2. Angriffe auf die sozialen Beziehungen
3. Angriffe auf das soziale Ansehen
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Relevanz des Themas Mobbing im Lehrberuf und Darstellung der Analyseebenen (Makro, Meso, Mikro).
2. Der Gewaltbegriff in der Soziologie: Theoretische Herleitung verschiedener Gewaltbegriffe (Weber, Galtung, Imbusch, Bourdieu) als Grundlage der soziologischen Untersuchung.
3. Die Grundlagen von Mobbing: Definition des Begriffs Mobbing unter Berücksichtigung historischer und psychologischer Perspektiven sowie der begrifflichen Abgrenzung.
4. Der Prozess Mobbing: Detaillierte Analyse der von Leymann identifizierten Mobbing-Handlungstypen und der chronologischen Phasen eines Mobbing-Verlaufs.
5. Mobbing an Lehrkräften: Untersuchung spezifischer Konstellationen von Mobbing im Schulalltag unter Einbezug von Schülern, Eltern, Kollegen und Schulleitung.
6. Mobbing als Gewaltform: Zusammenführende Analyse, inwieweit Mobbing die soziologischen Kriterien von Gewalt erfüllt und wie sich das Verständnis im Zeitwandel vollzieht.
7. Strategien gegen Mobbing: Erörterung präventiver Maßnahmen und Interventionsmöglichkeiten, insbesondere unter dem Aspekt des Shared Responsibility Approach.
Schlüsselwörter
Mobbing, Lehrkräfte, Soziologie, Gewaltbegriff, Psychoterror, Schule, Interventionsstrategien, Makroebene, Mesoebene, Mikroebene, Machtverhältnisse, Leymann-Phasenmodell, Shared Responsibility Approach, Arbeitsklima, Diskriminierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert das Phänomen Mobbing an Lehrkräften aus einer wertneutralen soziologischen Perspektive, um zu klären, welche Mechanismen diesem Prozess zugrunde liegen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen Gewaltbegriffe, die Dynamik von Mobbing-Prozessen im Arbeitsumfeld Schule sowie die Möglichkeiten der Prävention und Intervention.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob Mobbing an Lehrkräften, jenseits der moralischen Verurteilung, als funktionales Element innerhalb von Organisationen gedeutet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert im Wesentlichen auf einer fundierten Literaturrecherche und -analyse soziologischer und pädagogischer Standardwerke und Studien.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Gewaltbegriffs, die Analyse des Mobbing-Verlaufs bei Lehrkräften sowie die Erörterung konkreter Gegenstrategien.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit zeichnet sich durch die Begriffe Mobbing, soziologische Gewaltanalyse, Lehrerbelastung, soziale Interaktion und institutionelle Dynamik aus.
Inwiefern spielt das Phasenmodell von Leymann eine Rolle?
Das Modell dient als orientierende Struktur, um zu verstehen, wie aus harmlosen Konflikten ein destruktiver Prozess wird, der bis zum Ausschluss aus dem Beruf führen kann.
Warum ist die Analyse von Mobbing durch Eltern besonders relevant?
Da Eltern etwa 20% aller Mobbing-Attacken an Lehrkräfte ausüben, ist dieser Punkt kritisch für das Verständnis der Stressfaktoren im Lehrerberuf.
Kann man nach dieser Studie wirklich von "funktionalem" Mobbing sprechen?
Die Arbeit erörtert diese theoretische Möglichkeit, betont jedoch, dass Mobbing in der heutigen Gesellschaft als illegitime Gewalt bewertet wird und keine akzeptable Methode der Personalsteuerung darstellt.
Was bedeutet "Shared Responsibility Approach" in diesem Kontext?
Es handelt sich um einen Interventionsansatz, der versucht, durch Unterstützungsgruppen und moderierte Gespräche den Mobbing-Prozess aktiv zu stoppen.
- Arbeit zitieren
- Markus Hoffmann (Autor:in), 2023, Mobbing an Lehrkräften aus wertneutral-soziologischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1419367