Die vorliegende Forschungsarbeit untersucht die Problematik der Einbindung von Nachhaltigkeitsaspekten und Dekarbonisierung im deutschen Projektentwicklungsgeschäft. Sie setzt sich mit den Begriffen der Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung im allgemeinen und Immobilienkontext auseinander und untersucht deren Bedeutung als Voraussetzung für die Baubranche Deutschlands.
Das erste Kapitel bietet dem Leser einen Überblick zur Ausgangssituation und dem Hintergrund der Problemstellung der vorliegenden Forschungsarbeit. Basierend auf diesen Aspekten wird im Anschluss die Forschungsfrage formuliert und die entsprechende Zielsetzung dieser Forschungsvorhabens präsentiert. Das erste Kapitel schließt mit einer Darstellung der
angewandten Forschungsmethodik und einer Übersicht über die Struktur dieser Forschungsarbeit ab.
Die Baubranche steht weltweit vor einer der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit: die Notwendigkeit, sich nachhaltig zu entwickeln und ihre erheblichen Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren. In Deutschland tragen öffentliche und private Gebäude einen erheblichen Anteil von 35% am Gesamtenergieverbrauch, der hauptsächlich für Heizung, Warmwasser und Beleuchtung verwendet wird.
Dieser Gebäudesektor ist ebenfalls für fast 30% der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich. Gleichzeitig entfallen in privaten Haushalten 85% des gesamten Energiebedarfs auf Heizung und Warmwasser. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um mindestens 65% gesenkt werden, bis 2040 um mindestens 88% und bis 2045 soll Deutschland treibhausgasneutral werden.
Vor diesem Hintergrund steht die deutsche Baubranche vor einer komplexen Herausforderung. Einerseits sind ehrgeizige Ziele zur Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit gesetzt worden, sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. Andererseits ist der Druck, kosteneffizient und schnell zu bauen, um den ständig wachsenden Bedarf zu decken, nach wie vor hoch.
Daraus ergibt sich eine zu untersuchende Problemstellung für die deutsche Baubranche. Diese befasst sich mit den Schwierigkeiten und Chancen, die sich im Zusammenhang mit der Implementierung nachhaltiger und dekarbonisierter Praktiken in der deutschen Baubranche ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung der Arbeit
1.3. Forschungsmethodik und Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Grundlagen und Überleitung zur Empirie
2.1. Was bedeuten Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung allgemein und im Immobilienkontext?
2.2. Nachhaltige Materialien am Bau – ein Überblick
2.3. Statistiken der deutschen Baubranche
2.4. Politische Rahmenbedingungen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit
2.4.1. EU-Klimaschutzverordnung und EU-Klimaschutzgesetz
2.4.2. European Green Deal - Klimaneutralität bis 2050
2.4.3. Environmental, Social, Governance (ESG)
2.4.4. Sustainable Development Goals
2.4.5. Europäische Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden
2.5. Nachhaltigkeitszertifikate für Gebäude
2.6. Nationale Fördermöglichkeiten für Neubauten und Sanierungen
2.7. Überleitung zur Empirie
3. Forschungsdesign
3.1. Begründung der qualitativ induktiven Forschungsmethodik
3.2. Deduktive (a priori) Kategorienbildung als Grundlage
3.3. Datenerhebung mittels Experteninterviews
3.4. Vorbereitung und Durchführung der Experteninterviews
3.5. Experten als Interviewpartner für die empirische Forschung
3.6. Transkription der Experteninterviews
3.7. Datenauswertung der qualitativen Forschung
3.7.1. F4 als Auswertungsinstrument der qualitativen Forschung
3.7.2. Kategorienbildung am Material
3.7.3. Gütekriterien bei der qualitativen Forschung
4. Forschungsergebnisse und Handlungsempfehlungen
4.1. Quantitative Darstellung des Kategoriensystems
4.2. Qualitative Darstellung des Kategoriensystems
4.3. Kategorienbasierte Auswertung entlang der Haupt- und Subkategorien
4.3.1. Hauptkategorie 1: Dekarbonisierung
4.3.2. Hauptkategorie 2: Kostenproblematik
4.3.3. Hauptkategorie 3: Nachhaltigkeitsaspekte
4.3.4. Hauptkategorie 4: Staatliche Fördermöglichkeiten
4.4. Handlungsempfehlungen
4.4.1. Handlungsempfehlungen für den Staat:
4.4.2. Handlungsempfehlungen für die Bürger:
4.4.3. Handlungsempfehlungen für die Bauträger und Projektentwickler:
4.5. Conjoint-Analyse
5. Fazit
5.1. Kritische Würdigung
5.2. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Master-Thesis untersucht die Hemmnisse bei der Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten und Dekarbonisierungsmaßnahmen im deutschen Projektentwicklungsgeschäft der Immobilienwirtschaft. Ziel der Arbeit ist es, auf Basis einer empirischen Analyse konkrete Handlungsempfehlungen für den Staat, Bürger sowie Bauträger und Projektentwickler abzuleiten.
- Herausforderungen der Dekarbonisierung im Gebäudesektor
- Kostenproblematik bei nachhaltigem Bauen
- Einsatz und Bewertung nachhaltiger Baumaterialien
- Politische Rahmenbedingungen und staatliche Förderprogramme
- Qualitative Analyse mittels Experteninterviews
Auszug aus dem Buch
2.1. Was bedeuten Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung allgemein und im Immobilienkontext?
Der Begriff „Nachhaltigkeit“ stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Verschriftlicht wurde dieser erstmals 1713 von Hans Carl von Carlowitz in seinem Buch „Sylvicultura Oeconomica – Die naturmäßige Anweisung zur wilden Baumzucht“. Es sollte nur so viel Holz geschlagen werden, wie auch nachwachsen kann, um die Waldfläche konstant zu halten. Dieses Prinzip wurde dann erstmals 1972 bei der ersten internationalen Umweltschutzkonferenz auf das internationale Vorgehen zum Umweltschutz übertragen. Nachhaltigkeit oder nachhaltige Entwicklung bezeichnet die Art und Weise, wie wir die aktuellen Bedürfnisse befriedigen, ohne die Chancen und Ressourcen künftiger Generationen zu beeinträchtigen.
Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit - wirtschaftliche Effizienz, soziale Gerechtigkeit und ökologische Tragfähigkeit - in gleichem Maße berücksichtigen. Um die weltweiten Ressourcen langfristig zu bewahren, sollte die Nachhaltigkeit als grundlegendes Prinzip bei allen politischen Entscheidungen dienen. Verankert wurden diese Ansätze 1992 in Rio de Janeiro, wo die damalige UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung stattfand. Zu finden sind diese unter der sogenannten „Agenda 21“ - welche global anerkannt wurde. Um nachhaltig zu handeln, sollen diese als Leitfaden aller politischer Entscheidungen dienen. Doch nicht nur die Politik soll dabei ihren Beitrag leisten. Auch die heutigen lebenden Generationen werden dazu in die Pflicht genommen, die Ressourcen der Folgegenerationen zu sichern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung der Nachhaltigkeit im Projektentwicklungsgeschäft ein und definiert Forschungsfrage sowie Zielsetzung.
2. Theoretische Grundlagen und Überleitung zur Empirie: Hier werden zentrale Begriffe definiert, der politische Rahmen erläutert und der Stand der Technik zu Materialien und Zertifikaten dargelegt.
3. Forschungsdesign: Dieses Kapitel begründet die gewählte qualitative Forschungsmethodik mittels Experteninterviews und erläutert den Prozess der Datenauswertung.
4. Forschungsergebnisse und Handlungsempfehlungen: Hier erfolgt die Darstellung und Auswertung der empirischen Ergebnisse, gefolgt von konkreten Empfehlungen für verschiedene Akteure und einem Exkurs zur Conjoint-Analyse.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, reflektiert die Ergebnisse kritisch und gibt einen Ausblick auf künftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Dekarbonisierung, Projektentwicklung, Immobilienbranche, Klimaschutz, CO2-Emissionen, Energieeffizienz, ESG-Kriterien, Experteninterviews, Qualitätssicherung, Baupraktiken, Förderprogramme, Kostendruck, Bauträger, Materialanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master-Thesis?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Hemmnisse bei der Einbindung von Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung in der deutschen Projektentwicklung von Immobilien.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Schwerpunkte liegen auf den ökonomischen Herausforderungen (Kosten), den politischen Rahmenbedingungen, ökologischen Dimensionen und der praktischen Umsetzbarkeit aus Sicht von Branchenexperten.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die Identifizierung von Hemmnissen in der Praxis sowie das Ableiten von Handlungsempfehlungen für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative induktive Forschung, die auf 14 Experteninterviews mit Akteuren der Baubranche basiert.
Was deckt der Hauptteil ab?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung, die detaillierte Beschreibung des Forschungsdesigns sowie die qualitative und quantitative Auswertung der Expertengespräche.
Was charakterisiert diese Arbeit inhaltlich?
Die Verknüpfung von theoretischem Wissen über Klimaschutzziele mit den realen Erfahrungen und Sorgen der in der Immobilienbranche tätigen Experten.
Wie bewerten die Experten die Kostenproblematik?
Die meisten befragten Bauträger sehen in den hohen Kosten für nachhaltiges Bauen ein massives Hemmnis, besonders in Zeiten von Inflation und Zinsanstiegen.
Welche Rolle spielt der Staat laut den Ergebnissen?
Die Experten kritisieren oft die Komplexität der Förderungen und wünschen sich verlässlichere, unkompliziertere staatliche Rahmenbedingungen statt rein bürokratischer Hürden.
Geht die Arbeit auch auf innovative Materialien ein?
Ja, es werden unter anderem Hanf, Lehm und Carbonbeton als nachhaltige Alternativen diskutiert und deren Vor- und Nachteile durch Experten beleuchtet.
- Quote paper
- Jasmin Rust (Author), 2023, Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung im Projektentwicklungsgeschäft. Eine qualitative Analyse am Beispiel der Immobilienbranche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1419387