Die Arbeit beantwortet folgende Forschungsfragen: Was blieb von dem politisch-musikalischen Erbe des sozialistischen Deutschlands übrig? Inwiefern ist es vergessen oder doch erinnerungswürdig?
Die Erinnerung an die DDR ist in aller Munde. Aufgrund des Jubiläums 30 Jahre Mauerfall, gab die SUPERillu ein Erinnerungsheft heraus, welches die Geschichte der DDR und vor allem deren positiven Seiten beleuchtet. Es gibt also neben jenen, die den Mauerfall feiern, auch jene, die am 7. Oktober nostalgisch in die DDR-Zeit zurückblicken. Die Erinnerungskultur boomt in diesen Tagen und mit Freude, aber auch mit Wehmut sehen die ehemaligen Bürger des verschwundenen Deutschlands in diese Zeit zurück.
Die Lebenserinnerungen an die Musik der DDR gehören ebenfalls zu dieser "Ostalgie". Bei Befragungen oder Feiern mit dem Motto "DDR", spielen die typischen Rock- und Poplieder aus den 70er und 80er Jahren eine vorrangige Rolle. Es werden die Puhdys, City oder Karat gespielt. Das politische Liedgut wird dagegen kaum beachtet.
Folgende Thesen sollen diskutiert werden:
1. Das politische Erbe der Arbeiter-, Kampf-, Jung Pionierlieder (JP) und der Lieder der Freien Deutschen Jugend (FDJ) ist fast vergessen. Sie spielen kaum eine Rolle in dem heutigen Alltag der ehemaligen DDR-Bürger und werden rudimentär genannt bei der Erinnerungskultur. Bei solchen Angaben ist der politische Inhalt der Lieder nicht federführend für das Erinnern, sondern die Personen entsinnen sich an die Kindheit. Der tiefere Sinn der musikalischen Werke ging verloren und sie bleiben als "Ostalgie" oder "Kultobjekt" einzeln bestehen, sodass sich dieses Vergessen auch innerhalb der sozialen Netzwerke widerspiegelt.
2. Trotz der Vielzahl an Liedern der FDJ und der Jungen Pioniere werden ausschließlich wenige stereotypische und repräsentative genannt. Dies spielgelt sich auch bei der Erwähnung solcher Lieder in den sozialen Netzwerken wieder.
3. Die Lieder der Jungen Pioniere und der Freien Deutschen Jugend sind zu politisch durch die DDR geprägt, sodass sich bei der heutigen, linken und öffentlichen Rezeption ausschließlich auf Arbeiter- und Kampflieder. Diese haben eine längere und kämpferische Tradition mit dem Hauptziel des Sozialismus. Mithilfe dieser ist es zudem möglich, trotz einer linken Gesinnung, eine Distanz zur DDR zu schaffen. Dies ist mit den Liedern der JP und der FDJ nicht möglich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das sozialistische Liedgut der DDR
2.1. Arbeiter- und Kampflied
2.2. Lieder der Jungen Pioniere und der Freien Deutschen Jugend
3. Rezeption der Lieder in der aktuellen Zeit
3.1. Heutiger Vertrieb und Rezensionen
3.2. In den sozialen Medien
3.2.1. Facebook
3.2.2. Instergram
3.2.3. Youtube
3.3. Öffentlich-gesellschaftliche Rezeption
3.3.1. Luxemburg-Liebknecht-Demonstration
3.3.2. „Rote Hering“ – Klassenkampfchor
3.3.3. „Commandantes“
4. Auswertung der Umfrage
5. Resümee
6. Anhang
6.1. Liedtexte
6.1.1. Symbolik der Fahne
6.1.2. Aufbausymbolik
6.1.3. Märtyrer und sozialistische Helden
6.1.4. Friedenssymbolik
6.1.5. Werktätige der DDR
6.2. Diagramme
6.3. Umfrageprotokolle
7. Literaturverzeichnis
8. Quellen
8.1. Gedruckte Literatur
8.2. Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den aktuellen Stellenwert und die Rezeption des politischen Liedguts der DDR, insbesondere der Lieder der Jungen Pioniere und der Freien Deutschen Jugend, nach der Wiedervereinigung. Ziel ist es zu analysieren, ob dieses musikalische Erbe vergessen ist, als nostalgisches Kultobjekt fortbesteht oder weiterhin einen politischen Wirkungsanspruch besitzt.
- Analyse des politischen Liedguts der DDR als Instrument der Erziehung und Ideologisierung.
- Untersuchung der Rezeption von DDR-Liedern in digitalen Formaten wie Amazon-Rezensionen und sozialen Medien (Facebook, YouTube).
- Betrachtung von Live-Darbietungen des Liedguts durch Chöre oder Bands im öffentlichen und politischen Raum.
- Empirische Auswertung einer Umfrage zum persönlichen Bezug ehemaliger DDR-Bürger zu diesen Liedern.
- Diskussion der These hinsichtlich „Ostalgie“ versus politischer Erinnerungskultur.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die Erinnerung an die Deutsche Demokratische Republik ist in diesem Jahr abermals in aller Munde. Aufgrund des Jubiläums 30 Jahre Mauerfall, gab die SUPERillu ein Erinnerungsheft heraus, welches die Geschichte der DDR und vor allem deren positiven Seiten beleuchtet. Es gibt also neben jenen, die den Mauerfall feiern, auch jene, die am 7. Oktober nostalgisch in die DDR-Zeit zurückblicken. Die Erinnerungskultur boomt in diesen Tagen und mit Freude, aber auch mit Wehmut sehen die ehemaligen Bürger des verschwundenen Deutschlands in diese Zeit zurück.
Die Lebenserinnerungen an die Musik der DDR gehören ebenfalls zu dieser „Ostalgie“. Bei Befragungen oder Feiern mit dem Motto „DDR“, spielen die typischen Rock- und Poplieder aus den 70er und 80er Jahren eine vorrangige Rolle. Es werden die Puhdys, City oder Karat gespielt. Das politische Liedgut wird dagegen kaum beachtet. In der vorliegenden Arbeit soll dieser Punkt aufgegriffen werden: Was blieb von dem politisch-musikalischen Erbe des sozialistischen Deutschlands übrig? Inwiefern ist es vergessen oder doch erinnerungswürdig?
Zu diesem Themengebiet und zu dem medialen Erbe der DDR in ihrer Gesamtheit wurde bis zum aktuellen Stand wenig geforscht, was die kurze zeitliche Distanz erklärt. Die Arbeit wird sich somit auf die geringe aktuellere Literatur bezieht und auf Werke aus DDR-Zeiten. Die vorrangigen Thesen, welche diskutiert werden sollen, sind:
1. Das politische Erbe der Arbeiter-, Kampf-, Jung Pionierlieder (JP) und der Lieder der Freien Deutschen Jugend (FDJ) ist fast vergessen. Sie spielen kaum eine Rolle in dem heutigen Alltag der ehemaligen DDR-Bürger und werden rudimentär genannt bei der Erinnerungskultur. Bei solchen Angaben ist der politische Inhalt der Lieder nicht federführend für das Erinnern, sondern die Personen entsinnen sich an die Kindheit. Der tiefere Sinn der musikalischen Werke ging verloren und sie bleiben als „Ostalgie“ oder „Kultobjekt“ einzeln bestehen, sodass sich dieses Vergessen auch innerhalb der sozialen Netzwerke widerspiegelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Ausgangslage, die Fragestellung zur Rolle des politischen Liedguts der DDR nach der Wiedervereinigung sowie die zentralen Thesen der Arbeit.
2. Das sozialistische Liedgut der DDR: Definiert die Gattungen Arbeiter- und Kampflieder sowie die Lieder der Jungen Pioniere und FDJ als Instrumente der politischen Erziehung und Ideologisierung.
3. Rezeption der Lieder in der aktuellen Zeit: Analysiert den heutigen Umgang mit diesem Erbe anhand von Online-Rezensionen, sozialen Netzwerken (Facebook, Instagram, YouTube) sowie bei öffentlichen Veranstaltungen und von musikalischen Gruppen.
4. Auswertung der Umfrage: Präsentiert und interpretiert die Ergebnisse einer Befragung von 13 Personen unterschiedlicher Geburtsjahrgänge hinsichtlich ihrer persönlichen Erinnerungen und des heutigen Stellenwerts der DDR-Lieder.
5. Resümee: Führt die Ergebnisse der Arbeit zusammen, bestätigt die Thesen und beleuchtet die Rolle der Lieder als Teil der Kindheitserinnerung statt des politischen Systems.
6. Anhang: Enthält eine beispielhafte Auswahl an Liedtexten, statistische Diagramme zur Umfrage sowie die detaillierten Protokolle der durchgeführten Experteninterviews.
7. Literaturverzeichnis: Listet die für die Arbeit verwendete wissenschaftliche Fachliteratur zur DDR-Musikgeschichte und den untersuchten Liedbüchern auf.
8. Quellen: Dokumentiert die genutzten gedruckten Quellen sowie die Internetverweise für Rezensionen und YouTube-Inhalte.
Schlüsselwörter
DDR, politisches Liedgut, FDJ, Junge Pioniere, Arbeiterlied, Kampflied, Ostalgie, Erinnerungskultur, Massenlied, Sozialismus, Musikerziehung, Kultobjekt, Kindheitserinnerung, Rezeption, DDR-Musik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem politischen Liedgut der DDR nach der Wiedervereinigung. Dabei wird untersucht, welchen Platz diese Lieder in der heutigen Erinnerungskultur einnehmen und ob sie noch eine politische Rolle spielen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Im Zentrum stehen die Lieder der Jungen Pioniere und der Freien Deutschen Jugend (FDJ) sowie Arbeiter- und Kampflieder. Analysiert wird, wie diese in sozialen Medien, bei Chören und durch das Gedächtnis ehemaliger DDR-Bürger heute rezipiert werden.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob das politisch-musikalische Erbe der DDR vergessen wurde, ob es als bloßes nostalgisches Kultobjekt in der „Ostalgie“ weiterlebt oder ob die Lieder noch eine echte ideologische Relevanz besitzen.
Welche wissenschaftliche Methode nutzt der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie eine empirische Untersuchung in Form von qualitativen Befragungen. Zudem werden aktuelle Rezensionen auf Verkaufsplattformen und die Darstellung der Lieder in sozialen Netzwerken ausgewertet.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil beleuchtet den Vertrieb von DDR-Lieder-CDs, die Rezeption in sozialen Netzwerken wie Facebook und YouTube sowie die Aufführung dieser Lieder bei öffentlichen Veranstaltungen wie Demonstrationen oder Musikfestivals.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie DDR, Liedgut, FDJ, Ostalgie, Erinnerungskultur, Sozialismus und ideologische Erziehung definieren.
Warum wird im Rahmen dieser Arbeit zwischen „Ostrock“ und politischem Liedgut unterschieden?
Die Arbeit stellt fest, dass die Erinnerung an DDR-Musik zweigeteilt ist: Während Bands wie die Puhdys oder City der nostalgischen Erinnerung an Lebensart und Pop-Kultur dienen, fungiert das klassische politische Liedgut als distanziertes Symbol oder wird rein mit der Kindheit verknüpft.
Welche Rolle spielt die „Ostalgie“ bei der Beurteilung der Lieder laut den Befragten?
Viele ehemalige DDR-Bürger assoziieren die Lieder primär mit ihrer Kindheit oder schulischen Erlebnissen. Der politische Inhalt tritt dabei in den Hintergrund; die Nostalgie dient oft der emotionalen Verklärung einer „behüteten“ Zeit.
Wie gehen soziale Medien mit diesem musikalischen Erbe um?
Die Auswertung zeigt, dass auf Plattformen wie Facebook oder in Videokommentaren auf YouTube das Liedgut meist nicht in seinem ursprünglichen politischen Kontext debattiert wird, sondern entweder als Kindheitserinnerung dient oder als bloßes Kultobjekt ohne tagespolitische Relevanz betrachtet wird.
Was schlussfolgert der Autor über die Zukunft dieser Lieder?
Der Autor vermutet, dass dieses politische Liedgut mit dem Verschwinden der Generationen, die sich aktiv an die DDR erinnern, zunehmend an Bedeutung verlieren wird, da keine lebendige, politische Anschlussfähigkeit mehr an moderne Bewegungen besteht.
- Quote paper
- Kevin Markus Oelsner (Author), 2019, Das politische Liedgut der DDR, der Jungen Pioniere und der Freien Deutschen Jugend. Von der Wiedervereinigung bis in die heutige Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1419654